Die Journalisten von heute - eine Zunft in der Krise?

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Die Journalisten von heute - eine Zunft in der Krise?

Beitrag von Marek1964 am Di Nov 15, 2016 1:07 pm

Einen interessanten Artikel, den der Chefredaktor der Basler Zeitung, die einem konservativen Schweizer gehört, habe ich heute gelesen. Vor ein paar Monaten habe ich auch das Buch von Thilo Sarrazin, der Tugendterror, durchgerabeitet.

Die amerikanischen Wahlen bieten einen Anlass, sich dieses Themas anzunehmen, weil sowohl in den USA als auch in Europa die klare Mehrheit der Journalisten nicht nur gegen Trump war, sondern man konnte beobachten, dass auch häufig seine Aussagen übertrieben wurden. Und dann eben dieses Interview mit der CNN Reporterin, dass ich auch im anderen Thread http://geschichte-forum.forums.ag/t1000-uber-den-sinn-unsinn-und-die-zuverlassigkeit-von-umfragen-va-us-prasidentschaftswahlen-aber-auch-sonst#10725 themtisiert habe.

http://bazonline.ch/us-wahl/Ein-Beruf-schafft-sich-ab/story/25608045

Keilar fragte, fast etwas ­aufgeräumt: «You guys are down.» – «Eurer Kampagne läuft es schlecht.» «Says who?» – «Sagt wer?», fragte Cohen, und sein Gesicht blieb zugänglich wie eine Stahlplatte, in jener Art, wie das nur amerikanische Anwälte fertigbringen. «Polls. Most of them. All of them!» – ­«Umfragen. Die meisten. Alle!» Cohen schwieg lange und sagte: «Says who?» «Polls. I just told you. I answered your ­question.» – «Die Umfragen. Ich sagte es Ihnen doch gerade. Ich habe Ihre Frage beantwortet», sagte Keilar, nun klang sie verzweifelt. «Which polls?» – «Welche Umfragen?» «All of them.» – «Alle.»

Sympathien und die eigene Meinung darüber, wer Präsident werden solle, ist das eine. Eine, faire und sachliche Berichterstattung über einen Kandidaten, den man nicht für geeignet hält, das andere. Und dann sollte man aber auch objektiv im eigenen Urteil sein über die tatsächliche Lage. Die Umfrageergebnisse richtig interpretieren. Und den Kontakt mit gewissen Bevölkerungskreisen nicht verlieren. Und genau hier haben hüben wie drüben des Atlantiks die Journalisten danebengehauen, örweit mehr als die Meinungsforuschungsinstitute.

Durch das zu starke Moralisieren fällt es schwer, die Welt objektiv wahrzunehmen. Bedenklich scheint dabei, dass die Presselandschaft durch einen Mangel an Meinungsvielfalt zu leiden scheint - denn wenn in den USA 96% der von Journalisten gespendeten Gelder an Hillary Clinton gehen, ist das eine drastische Kennzahl.

Ebenfalls empörend muss man in diesem Kontext den Artikel der FAZ sehen, die facebook und andere Internetmedien als Vehikel für Populismus sieht: http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/wie-facebook-populisten-wie-trump-afd-und-pegida-gross-macht-14518781.html

Dank dem Internet ist heute die Meinungsvielfalt besser denn je, aber leider spielen da die traditionellen Medien einfach keine gute Rolle.

So, das fürs erste, Mittagspause vorbei, später mehr, hoffentlich gibt es hier zu diesem interessanten aber eigentlich auch fundamentalen Thema Wortmeldungen.


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Re: Die Journalisten von heute - eine Zunft in der Krise?

Beitrag von Skeptik am Di Nov 15, 2016 4:51 pm

Marek1964 schrieb:
Durch das zu starke Moralisieren fällt es schwer, die Welt objektiv wahrzunehmen. Bedenklich scheint dabei, dass die Presselandschaft durch einen Mangel an Meinungsvielfalt zu leiden scheint - denn wenn in den USA 96% der von Journalisten gespendeten Gelder an Hillary Clinton gehen, ist das eine drastische Kennzahl.

Ebenfalls empörend muss man in diesem Kontext den Artikel der FAZ sehen, die facebook und andere Internetmedien als Vehikel für Populismus sieht: http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/wie-facebook-populisten-wie-trump-afd-und-pegida-gross-macht-14518781.html

Dank dem Internet ist heute die Meinungsvielfalt besser denn je, aber leider spielen da die traditionellen Medien einfach keine gute Rolle.

So, das fürs erste, Mittagspause vorbei, später mehr, hoffentlich gibt es hier zu diesem interessanten aber eigentlich auch fundamentalen Thema Wortmeldungen.u

Ja, das ganze viele Geld hat Hilary Clinton wenig genutzt. Allerdings muß man sehen, daß das System der Wahlmänner das Ergebnis verzerrt hat. Wenn man nur die Stimmen gezählt hätte, wäre die Wahl anders ausgegangen. Grundlegende Veränderungen in der gegenseitigen Unterrichtung und Meinungsbildung in den Soziallen Medien werden in Zukunft die Wahlen entscheiden. Trump hat mit wesentlich weniger Geld den ständigen Kontakt über Twitter mit der Bevölkerung sehr eng gestalten können. Bis ein wie auch immer gut ausgebildeter Journalist und Redakteur eine fundierte Meinung zu (Zeitungs)Papier gebracht hat, ist der Zug heute schon weiter. Auf der anderen Seite kommen Menschen dort zu Wort, die dazu sonst nie eine Möglichkeit gehabt hätten. Und wer liest in den USA in der Fläche schon eine überregionale Tageszeitung.
Ich frage mich aber, ob das rasante Diskussionsverhalten in den sozialen Medien immer auf einem hohen Niveau bleiben kann. In mehr Ruhe einen Sachverhalt zu überdenken und sich mehr Zeit zu geben für eine Meinungsbildung war doch nicht so schlecht. - Aber eben - bis dann ist der Zug meist schon abgefahren.

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Re: Die Journalisten von heute - eine Zunft in der Krise?

Beitrag von Klartext am Di Nov 15, 2016 11:58 pm

Naja, stimmt ja schon, dass Hillary Clinton mehr Stimmen hatte als Trump, aber ich habe mir das Video auf youtube angesehen - hier https://www.youtube.com/watch?v=C2Kb7IDmFF4 eines davon, es gibt auch längere - die gut aussehende Tussijournalistin sagt :you guys are down - als sei eine klare Niederlage zu erwarten.

Herrlich der eisige Anwalt - ja mit dem Charme einer Stahlplatte, und auch nicht ideal, aber man sieht, diese Journalistin (oder Moderatorin) tut so, als ob alle, ja fast alle, Umfragen ein Desaster für Trump aussagen. Aber wie Marek im anderen Thread gezeigt hat, das war nicht so.

Ich denke, ja die Journalistenzunft hat ein Problem, sie hat definitiv nicht (mehr?) den Einfluss wie früher.

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Re: Die Journalisten von heute - eine Zunft in der Krise?

Beitrag von Klartext am Mi Nov 16, 2016 12:33 am

Ich habe mir jetzt das eine oder andere Video angeschaut, und finde dieses hier recht bezeichnend:

https://www.youtube.com/watch?v=DNA_IDX0qnM

Da gebären sie sich, wie schon die Tussi von CNN, ja absolut arrogant. Da frage ich mich schon, ob nicht so manche Stimme deshalb an Trump ging. Hochmut kommt vor dem Fall.

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Re: Die Journalisten von heute - eine Zunft in der Krise?

Beitrag von Moschusochse am Do Nov 17, 2016 1:00 pm

Ein interessantes Thema, Leute. Habe jetzt auch ein wenig gegoogelt, und hier diesen Artikel gefunden:

http://www.tichyseinblick.de/meinungen/wie-journalismus-sich-selbst-abschafft/

Von der Profession mit dem Drang zur Wahrheitsfindung, dem Anspruch, den Dingen auf den Grund zu gehen, zu informieren, mutiert Journalimus zum bloßen Erzieher der breiten Masse.

Und weiter:

Nicht erst seit der vergangenen Illner-Sendung fällt auf: Der deutsche Journalismus ist in vielen Teilen kaum noch mehr als ein Rassismus-Präventions-Programm. Dabei hat der deutsche Journalist seinen Beruf mit den Jahren völlig neu definiert. Von einem Menschen mit unverwechselbarem Drang zur Wahrheitsfindung, dem Anspruch, den Dingen auf den Grund zu gehen, zu informieren, hin zum bloßen Erzieher der breiten Masse, der stets im Hinterkopf hat, wie ihm jenes und welches Wort ausgelegt werden könnte und ob man das und jenes wirklich sagen darf.

Was hält Ihr davon? Stimmt das? Habt Ihr die Illner Sendung gesehen?
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Re: Die Journalisten von heute - eine Zunft in der Krise?

Beitrag von Marek1964 am Fr Nov 18, 2016 12:15 am

Die Illner Sendung mit der vollverschleierten Nora Illi, einer jungen Schweizerin, die zum Islam konvertiert ist habe ich auschnittsweise gesehen. Die Besetzung des Ensembles war vielleicht nicht ganz ausgewogen, aber Wolfgang Bosbach war da und sorgte schon dafür, dass auch islamkritische Meinung zu hören war, ebenso wie ein ehemaliger muslimischer Fundamentalist, der heute vernünftige Ansichten hat.

Aber ansonsten steht die Arbeit der intelektuellen Elite im Allgemeinen wie der Journalisten im Speziellen in der Kritik, wie auch dieser Zeitungsartikel belegt:

http://bazonline.ch/schweiz/standard/aufstand-von-unten/story/19234721

Ein interessanter Artikel, geschrieben von einem Schweizer Sozialdemokraten, vom dem ich auch schon ein Buch gelesen habe und den ich schätze, Rudolf Strahm. Der Untertitel lautet:

Die intellektuelle Elite befriedigt sich mit herablassenden Analysen und überheblichen Urteilen. Die Sozialdemokratie verliert damit genau jene, die sie zu vertreten meinte.

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