War Alexander der Große wirklich groß?

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War Alexander der Große wirklich groß?

Beitrag von Anticus am Do Dez 01, 2016 12:38 pm

So bin auch mal wieder da. Eine Frage, die mich interessiert: Ist der Zusatz "der Große" zu Name Alexander  berechtigt? Wie denkt ihr darüber?
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Re: War Alexander der Große wirklich groß?

Beitrag von Wallenstein am Do Dez 01, 2016 3:42 pm

Das hängt davon ab, von welcher Seite man es sieht. Für die Griechen und Römer war er „groß“, die Verlierer hingegen, die Perser, bezeichneten ihn schon damals als „Alexander, den Satan“. An dieser unterschiedlichen Betrachtungsweise hat sich bis heute nichts geändert. Die Europäer haben später die griechisch-römische Sichtweise übernommen, die orientalische Welt zumeist die persische.


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Re: War Alexander der Große wirklich groß?

Beitrag von Skeptik am Do Dez 01, 2016 4:26 pm

Die uns mitgeteilten Tatsachen sind:

Alexander der Große lebte von 356 bis 323 v. Chr. Wurde also nur 33 Jahre alt. War Makedonier, die von den Griechen als Barbaren bezeichnet wurden.
Mit 20 Jahren, 336 v. Chr., begann er seine Regierungszeit, eroberte ein Riesenreich, daß nur von 324 bis 319 v. Chr. Bestand hatte. Siehe:

https://de.wikipedia.org/wiki/Alexanderreich#/media/File:MakedonischesReich.jpg

Die Bedeutung Alexanders sei, dass er der Weltkultur des Hellenismus den Weg bahnte, die sich über den ganzen - vor allem östlichen - Mittelmeerraum erstreckte und bis weit in den Nahen und Mittleren Osten. Viele Jahrhunderte blieb der Hellenismus dort die bestimmende Kultur.
Der Beiname "der Große" wurde sicherlich von den Römern geprägt - dieser Beiname ist zumindest in Europa stets verwendet.

Jahrhunderte lang war Griechisch im Antiken Iran die Gelehrtensprache. Vor allem die Parther waren hellenistisch geprägt.

Da kommt also vieles zusammen, was man diesem jungen Mann zuschreibt. Und daß sein Reich dann nur sieben Jahre Bestand hatte erinnert an einen anderen „Großen“, den Karl, dessen viele Errungenschaften sich mit seinem Tod erst einmal in Luft auflösten, wenn sie denn je Realität waren.

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Re: War Alexander der Große wirklich groß?

Beitrag von Ceres am Do Dez 01, 2016 5:30 pm

Meiner Meinung nach sollten wir nicht Alexander als reiner Machtpolitiker sehen. Die Antike war m. E. eine ganz andere Welt und nicht zu vergleichen mit der heutigen. In dieser Zeit herrschte eine ganz andere Weltanschauung.
Sein Vater Philip hatte ihn den Weg zum Erfolg geebnet; indem er das unbedeutende Makedonien - ein Streitobjekt des Adels Hoch- und Tiefland - zu einer starken Militärmacht gemacht hatte. Dazu eroberte der Vater noch Thessalien und Thrakien. Das genügte Philip aber nicht, denn er vereinte alle griechischen Stadtstaaten. Es entstand der Korinthische Bund, indem Alexander als Hegemon fungierte.
Alexanders spätere Erfolge gehen zweifellos zu einem bedeutenden Teil auf die Militärreformen seines Vaters zurück.

Es ist auch wohl an dem, das Alexander drastisch vorgegangen ist, und auch viele Soldaten sterben mussten. Aber sehr oft hatte er gegen Widersacher und Aufständen kämpfen müssen, z. B. während er im Norden in die Schlacht zog. So haben sich die Griechen im Süden geeinigt, jetzt wäre die Gelegenheit, sich von Makedonien zu befreien. Ihr Wortführer war Demosthenes, der das Gerücht unter den Griechen verbreitete, Alexander sei in Illyrien gefallen und Makedonien nun ohne Herrschaft war. Als erste erhoben sich die Einwohner Thebens und vertrieben die makedonischen Besatzungssoldaten aus der Stadt.
Doch Alexander erfuhr davon und reagierte auf der Stelle und wandte sich nach Theben zurück. Die Phalanx seines Generals Perdikkas eroberte die Stadt. Zur Bestrafung ließ Alexander sämtliche Gebäude mit Ausnahme der Tempel und des Wohnhauses des Dichters Pindar zerstören. Tausende von Einwohnern wurden getötet, die übrigen wurden in die Sklaverei verkauft. Die Stadt Theben existierte nicht mehr und sollte erst zwanzig Jahre später wieder aufgebaut werden. Aber Theben sollte aber nie mehr zur alten Bedeutung zurückkehren.
Die anderen Städte Griechenlands, abgeschreckt von Alexanders Strafe, brachen ihren Aufstand ab und ergaben sich.
Von den Korinthern ließ sich Alexander von neuem die Gefolgschaft versichern und verschonte sie daraufhin, da er sie ja auch als Verbündete in seinem Persienfeldzug brauchte.
In vielen Feldzügen ging er als Sieger hervor - wenn auch auf drastischer Weise. Aber wie schon gesagt: Es war eine ganz andere Weltanschauung zu jener Zeit.

Für mich hat Alexander eine geistige Größe^^
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Re: War Alexander der Große wirklich groß?

Beitrag von van Kessel am Fr Dez 02, 2016 1:06 am

Die angesprochene 'Dauer' eines Weltreiches, ist nicht unbedingt an den 'Schöpfer' gebunden, weder bei Karl noch Alexander d.G., ging das 'Reich' mit ihnen unter.
Die, an die Generale gefallenen Reiche eines Alexander, oder die an die fränkischen Könige gefallenen Teile des Karls-Reiches, vergingen nicht mit dem Tod ihres Kreators.

Die Großen von 'Weltreichen' (darunter auch Führer indigener Stämme wie Tecumtha oder Sitting Bull), waren wohl solche Persönlichkeiten, dass es ihnen in der Jetztzeit ein leichtes wäre, Menschenmengen oder Organisationen zu führen. Will sagen, es ist kein Privileg der Vergangenheit, große Menschen hervorgebracht zu haben (allerdings lässt scheinbar die Qualität und Menge dieser Volksführer jetzt nach) Crying or Very sad .


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Re: War Alexander der Große wirklich groß?

Beitrag von Skeptik am Fr Dez 02, 2016 10:47 am

van Kessel schrieb:Die angesprochene 'Dauer' eines Weltreiches, ist nicht unbedingt an den 'Schöpfer' gebunden, weder bei Karl noch Alexander d.G., ging das 'Reich' mit ihnen unter.
Die, an die Generale gefallenen Reiche eines Alexander, oder die an die fränkischen Könige gefallenen Teile des Karls-Reiches, vergingen nicht mit dem Tod ihres Kreators.

Es geht doch darum, was der "Große" jeweils begründet und dauerhaft bewirkt hat. Alexander werden in nur 15 Regierungsjahren eine nachhaltige Ausbreitung der griechischen Kultur in den eroberten Ländern zugeschrieben. Das mag sich auch in den folgenden Jahrhunderten zugetragen haben.

Auch Karl, dem „Vater Europas“, der allerdings 46 Jahre regierte, wird vieles zugeschrieben, was nach seinem Tod nicht nachhaltig oder unauffindbar war. Zum Beispiel das wohldurchdachte und einzigartige Schulsystem des Analphabeten oder die in den Quellen Karl zugeschriebenen 313 Bauwerke. Als da waren 16 Kathedralen, 65 Königspfalzen und 232 Klöster. Die Diplomatik freut es aber die Archäologie verzweifelt.

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Re: War Alexander der Große wirklich groß?

Beitrag von Wallenstein am Fr Dez 02, 2016 11:36 am

Ob jemand „groß“ ist oder nicht, ist, wie bereits gesagt, abhängig von dem jeweiligen Kulturkreis. Personen wie Dschingis Khan oder Timur Lenk werden noch heute von ihren Völkern sehr verehrt, während die anderen Völker sie schon zu Lebzeiten und bis heute als Ausgeburten der Hölle ansehen.

Die Bezeichnung „Der Große“ hat immer etwas mit politischer Macht zu tun. Herrscher haben sich diesen Titel manchmal selber gegeben oder er wurde zu Leibzeiten von ihren Anhänger geprägt oder posthum von den Eliten, die von ihm profitierten, vergeben.

Anscheinend stammt die Bezeichnung „Der Große“ ursprünglich aus dem persischen und wird abgeleitet von „Großkönig“, was bedeutet „Herrscher über viele Völker und Länder“. Kyros und Dareios wurden schon von antiken Autoren als „Der Große“ tituliert. Alexander wurde als ihr Nachfolger angesehen und auch als Großkönig betrachtet. Sein Nachfolger Seleukos nannte sich selbst schon „Der Große“. Hier gab es auch immer eine Beziehung zum göttlichen, denn die Herrscher wurden als Götter oder als deren Kinder angesehen.

Diese Tradition übernahm später die Kirche, die posthum Leute wie Konstantin, Theodosius oder Gregor als „Der Große“ bezeichnete.

Dies passierte auch vielen anderen wie z.B. Karl dem Großen. Manchen Königen wie „Peter der Große“ oder „Katharina die Große“ wurde schon zu Lebzeiten von der Kirche dies Attribut verliehen.

Diese Bezeichnungen spiegeln immer die Beurteilungen der jeweiligen Zeit wider. Ohne Zweifel waren wohl die Zeitzeugen als auch deren Nachfolger davon überzeugt, dass diese Menschen Dinge getan hatten von weitreichender Bedeutung, sonst wären sie wieder aus dem Gedächtnis entschwunden. Heute würde man vielen von ihnen die Bezeichnung „Der Große“ nicht mehr geben, sind sie doch meistens über und über mit Blut befleckt.

Heute gibt es so etwas wie die Person des Jahres. Einmal jährlich seit 1927 wählt das US-amerikanische Magazin Time die „Person des Jahres“ (vormals „Mann des Jahres“), die – im guten oder schlechten Sinn – den größten Einfluss auf die Ereignisse des Jahres hatte.

Auch „Die Großen“ der Weltgeschichte hatten einen gewaltigen Einfluss, ebenfalls im guten oder schlechten Sinne, wobei diejenigen, die diese Titel vergaben, in der Regel nur die positiven Dinge sahen, denn sie hatten meistens von diesen Herrschern profitiert.

De mortuis nil nisi bene.

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