Geschichte der Hexenverbrennungen - war und wenn ja warum war die Verbrennung die häufigste Hinrichtungsart?

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Geschichte der Hexenverbrennungen - war und wenn ja warum war die Verbrennung die häufigste Hinrichtungsart?

Beitrag von Marek1964 am Di Jan 10, 2017 9:06 pm

Eine Frage, auf die ich heute gestossen bin - warum wurden Hexen vor allem verbrannt? Oder war das ein "Test", wie es sie auch gab, dass man sehen wollte, ob die Angeklagte eine Hexe war, und da sie ja nicht überlebte, war sie es also nicht? Oder stimmt auch die Version, dass die Angeklagte erst mal gefoltert wurde, so gestand, und danach verbrannt wurde?

Vielleicht kennt sich da einer aus. Hier eine interessante Webseite: http://www.k-l-j.de/hexenverfolgung_irrtuemer.htm

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Re: Geschichte der Hexenverbrennungen - war und wenn ja warum war die Verbrennung die häufigste Hinrichtungsart?

Beitrag von Skeptik am Mi Jan 11, 2017 12:39 pm

Marek1964 schrieb:Eine Frage, auf die ich heute gestossen bin - warum wurden Hexen vor allem verbrannt? Oder war das ein "Test", wie es sie auch gab, dass man sehen wollte, ob die Angeklagte eine Hexe war, und da sie ja nicht überlebte, war sie es also nicht? Oder stimmt auch die Version, dass die Angeklagte erst mal gefoltert wurde, so gestand, und danach verbrannt wurde?

Die Hexen wurden meist lebendig verbrannt, geköpft oder aufgehängt. Der Leichnam wurde verbrannt. Die meisten Hexenverbrennungen gab es in Europa nicht im Mittelalter, sondern in der Frühen Neuzeit; die letzte Hexe wurde in Deutschland 1775 verbrannt. Die Opfer waren nur in Deutschland mehrheitlich Frauen, sonst war das Geschlechterverhältnis zahlenmäßig mindestens ausgeglichen, z. T. waren die Männer in der Mehrzahl; in Island waren 90 Prozent, in Estland 60 Prozent der Opfer Männer.

Rund die Hälfte der 50.000 Opfer lebte auf dem Gebiet des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Wenn man davon ausgeht, dass die Opfer zahlenmäßig zwischen protestantischen und katholischen Gebieten des Reichs ungleich verteilt waren – zu Lasten der protestantischen Gebiete –, dann hat die Katholische Kirche die Verantwortung für etwa 10.000 Todesopfer.

Unterschiede der Hexenverfolgungen in katholischen und protestantischen Gebieten: Wo die Bevölkerung der römischen Konfession anhing, waren 30 bis 40 Prozent der Toten männlich. Dagegen traf es bei den Protestanten zu 85 Prozent Frauen. Über die Gründe hierfür ist er sich noch nicht ganz klar. Es könne unter anderem daran liegen, dass Martin Luther die Bibel übersetzt hat mit den Worten "Die Zauberinnen sollst du nicht leben lassen", sagt er. In der katholischen Vulgata-Ausgabe dagegen heiße es dagegen "Zauberer“.

Eine Hauptanschuldigung: Hexen haben es mit dem Teufel getrieben. Männer wohl nicht unter diesem Verdacht. Niemand nahm an, daß der Teufel etwa homosexuell sei.

Daß es so viele Frauen traf hängt auch mit der unausrottbaren Überzeugung zusammen, daß die Frauen wegen ihrer Schwachheit und der geringeren Intelligenz eben von Natur aus anfälliger wären für die Versuchungen des Teufels.

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Ursachen und Folgen

Beitrag von Falk v. K. am Mi Jan 11, 2017 2:47 pm

Die Anfänge der Hexenverfolgung finden sich in der Antike, das Ende war erst in der Neuzeit. Im Alten Testament wird aufgefordert, eine Hexe (Zauberin) nicht am Leben zu lassen. (2. Mose 22:17,18) Grundlage für die Hexenprozesse war die Angst der Menschen, dass eine Verschwörung gegen die Christenheit durch den Teufel in Gang war. Drei Viertel der angeblichen Hexen waren Frauen. Vereinzelt wurden auch Kinder verurteilt.

Das Wetter machen, Gestalt verändern, Krankheiten anhängen, unbegreifliches Kurieren und dergleichen hatte sich infolge allerlei Ketzerein und deren grausamen Verfolgungen erst zum Wahn eines Teufelsbundes ausgebildet und dieser sich bald zum Aberglauben der Teufelsbuhlschaft gesteigert. Das erste Beispiel soll im Jahr 1275 in Toulouse vorgekommen sein. Unter den dort lebendig Verbrannten war auch die sechsundfünfzigjährige Angela, Herrin von Labarthe. Sie gestand, ohne Zweifel auf der Folter oder im Angesicht der Folter, sie habe jede Nacht fleischlichen Umgang mit dem Satan gepflogen und daher ein Ungeheuer mit Wolfskopf und Schlangenschwanz geboren, zu dessen Ernährung sie in jeder Nacht kleine Kinder habe stehlen müssen. Doch minderten sich in Frankreich die Hexenprozesse wieder, noch bevor sie in Deutschland in ihrer größeren Ausdehnung auftreten.
Bis in das 15. Jahrhundert kamen, wie in Deutschland wohl hier und dort Prozesse wegen Zauberei vor und wurden Zauberer und Zauberinnen verurteilt. Vom Ende des 15. Jahrhunderts an ist Deutschland von einer wahren Hexenepidemie ergriffen. Da die Bulle Innozenz VIII. Vom 5. Dezember 1484 und später das Buch “Der Hexenhammer” erschienen, so wollte man kurzweg diesen beiden die Schuld aufbürden, was aber historisch falsch ist. Denn der volle Wahn war bereits da und die Deutschen berichteten so an den Papst, wie er denn richten musste.

Nun schien alles in Ordnung und zu Recht zu bestehen: der Wahn hatte sich eine legale Uniform angelegt und die Hexerei wurde für ein Ausnahmeverbrechen erklärt und danach behandelt. Hat man sich durch den Unsinn der zwei ersten Teile des Hexenhammers durchgearbeitet, so empört der dritte Teil geradezu jedes Rechtsgefühl. Hierfür nur ein Beispiel: Weil die Hexen oft aus Furcht vor der Todesstrafe nicht bekennen wollen, so werden allerlei Vorschläge gemacht, wie man ihnen versprechen könne, dass sie am Leben bleiben dürfen, wenn sie gestünden, ohne dass man dieses Versprechen halten müsse; es könne z. B. Ein Richter dieses Versprechen ablegen und dann das Todesurteil durch einen anderen Richter fällen lassen! Ein ganzes Buch könnte man allein darüber schreiben, was man nun für Verbrechen entdeckte und weil sie von den Angeklagten, wenn auch nur durch die fürchterlichen Qualen erpresst, eingestanden worden waren, geglaubt und bestraft wurden.

Deutschland-im-mittelalter.de


Für die Kirche war Feuer das einzige effektive Mittel, um die Seele vollständig zu reinigen. Im Falle eines Ketzers oder einer Hexe war die Verbrennung also die einzige Möglichkeit, um alle Sünden los zu werden.
Doch es sollte gleichzeitig auch als abschreckendes Beispiel dienen. Die Qualen waren deutlich zu sehen, zu spüren und durch das Schreien des Opfers auch zu hören. Man erhoffte sich dadurch, dass andere davon abgehalten wurden zu Ketzern oder Hexen zu werden oder dass die, die sich schon der anderen Seite zugewandt hatten, wieder auf den rechten Pfad gelangten.
Denn die Qualen auf dem Scheiterhaufen sollten ein Sinnbild dafür sein, welche Qualen einen im Fegefeuer erwarteten.

Quellen:
Buschbell, Christina: Die Inquisition im Hochmittelalter: Wurzeln, Bedeutung, Missbräuche, Diplomica Verlag, Hamburg 2010, S. 55 – 70
Schild, Wolfgang: Folter, Pranger, Scheiterhaufen: Rechtsprechung im Mittelalter, Bassermann Verlag, München 2010, S. 168 – 174
Schwerhoff, Gerd: Die Inquisition: Ketzerverfolgung in Mittelalter und Neuzeit, Beck, München 2009, S. 7 – 58, 110 – 120
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Re: Geschichte der Hexenverbrennungen - war und wenn ja warum war die Verbrennung die häufigste Hinrichtungsart?

Beitrag von van Kessel am Do Jan 12, 2017 2:27 pm

Ein btw.vergessener Aspekt der 'Hexen'-Tötungen, war mit Sicherheit die Gier der Kirche (oder 'Herrschaft'), an die Vermögen (Immobilien, Grund & Boden) der bedauernswerten Opfer zu gelangen.

Habe einige Urteile aus der Zeit gelesen und bin stets auf den Passus gestoßen, dass das Vermögen der 'Hexe' ('Hexer'), der Kirche, oder der Gemeinde anheimfällt, nie an Angehörige.

In dieser Tradition sind z.B. Menschen, welche ihre Angehörige in 'die Klapse' bringen, um an die Vermögen zu kommen. Auch die Vernichtung jüdischer Bürger, diente vorrangig der 'Schuldentilgung' oder des Besitzraubes (wie noch im '3.Reich' geschah). Letztlich sehe ich diese 'Hexenverbrennungen' auch als heidnisches Erbe von Menschenopfer bei Missernten oder sonstigen Katastrophen.

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Re: Geschichte der Hexenverbrennungen - war und wenn ja warum war die Verbrennung die häufigste Hinrichtungsart?

Beitrag von Falk v. K. am Do Jan 12, 2017 4:33 pm

Die Gier, an das Vermögen der Opfer zukommen, spielte sicher nicht nur bei der Kirche eine Rolle. Oft wurden angebliche Hexen/Hexer auch aus politischen Motiven "peinlich befragt", was dann zu aberwitzigen Geständnissen führte...
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Arten der Folter

Beitrag von Falk v. K. am Do Jan 12, 2017 4:38 pm

Der Folterstuhl
... war in vielen Varianten im Einsatz. Die klassische Variante ist der gespickte Stuhl. Bei diesem befinden sich sowohl auf Sitz, Lehne, Bein -und Armbereich Dornen, die sich mit Verschärfung der Folter in das Opfer bohrten.

Sehr beliebt war auch die Kombination des Stuhls mit Feuer. Bei dieser Variante wurde ein Stuhl aus Metall verwendet und vor oder unter dem Stuhl ein Feuer entfacht.





Die Wasserfolter

Da gab es z. B. die Wasserfolter: Der Körper des Angeklagten wurde auf einer schräg liegenden Tischplatte festgebunden oder an straff gezogenen Seilen frei in der Luft schwebend nur von einem Schemel in der Körpermitte gestützt. Dann musste das Opfer Unmengen von Flüssigkeit schlucken: 6 Liter bei der kleinen, 12 bei der großen Wasserfolter. Wer die Zähne zusammen presste, dessen Mund wurde vom Henker mit einer eisernen Zange aufgerissen. Der goss dann weiteres Wasser aus einer Literkanne in den Mund des Gequälten. Viele der Opfer erstickten daran, oder sie platzten regelrecht, da After und Harnröhre verstopft oder zugebunden worden waren.





Der Tauchstuhl

...diente eher der Bestrafung von zänkischen Weibern und Huren. Er bestand in seiner einfachsten Form aus einem Stuhl oder Hocker, der am einen Ende eines langen Balkens hing. Der Balken wurde entweder durch ein Gewicht oder durch die Kraft mehrerer Menschen bewegt. Manchmal war er auf einem Gestell mit Rädern befestigt, dann nannte man ihn trebuchet, oder Baumschaukel, nach dem Katapult in der mittelalterlichen Kriegskunst. Eine Abänderung war der Sünderkarren. Er hatte zwei Räder und zwei etwa viereinhalb Meter lange Deichseln, an denen er geschoben wurde. Einen dieser Sünderkarren, in dessen Holzrahmen die Jahreszahl 1686 eingeritzt war, gab es früher in Wootton Bassett in Wiltshire.
Das Opfer wurde auf dem Sitz angebunden und dann langsam ins Wasser herabgelassen, normalerweise in irgendeinen schlammigen oder stinkenden Tümpel. Dieser Vorgang konnte einige Male wiederholt werden, bis das Opfer heftig nach Atem ringend halb ertrunken war - oder, wie in mindestens einem Fall, den Tod fand.






Körperliche Verstümmelung

Eine andere Tortur war das Schrauben und Ausbrennen der Zunge. Eine weitere die Zertrümmerung der Hände auf einem Amboss bzw. das Abschlagen der Hände und Füße mit einem Beil. "Hexen" bzw. der Unsittlichkeit angeklagten Frauen wurden bevorzugt Nasen und Ohren abgeschnitten; Juden, die einen Diebstahl begangen haben sollten, wurden an den Füßen zwischen zwei ausgehungerten Hunden oder Wölfen aufgehängt. Eine ganz besondere Grausamkeit stellte das Ausweiden der Opfer dar. Ihr Bauch wurde aufgeschlitzt, ein Teil des Darms herausgenommen, an einer Rolle befestigt und aufgewickelt.



Die Kopfzwinge

...wurde in Höhe der Stirn angesetzt und langsam zugeschraubt,
wobei sich die Stacheln in den Schädel bohrten.






Die "Eiserne Jungfrau"
*
Ein "Meisterwerk" der Schmiedekunst im Dienst der Reinerhaltung des Glaubens war die so genannte "Eiserne Jungfrau": ein züchtiger, bis zur Erde reichender Umhang, allerdings nicht aus Stoff, sondern aus Eisen. Das Kopfteil über dem Umhang stellte ein Frauengesicht dar. In Wirklichkeit war der Umhang ein Kasten, aus Eisen gefertigt und mit Türen versehen. Auf der Innenseite der Türen sowie auf der Rückseite des Kastens waren eiserne Dornen angebracht. Das Opfer der Inquisition wurde in das Innere des Kastens gestellt, dann schlossen sich langsam die Türen, so dass "die scharfen Dornen seine Arme durchstachen, und an etlichen Stellen seine Beine, und seinen Bauch und seine Brust, und seine Blase und die Wurzel seines Glieds, und seine Augen und seine Schultern, und seinen Hintern, ihn aber nicht töteten", zumindest nicht gleich. Das geschah meist erst nach ein paar Tagen durch Verbluten und der unmenschlichsten Schmerzen und Schreie.

*Kirchenfreundliche Forscher beschwichtigten heute u. a. damit, dass die Eiserne Jungfrau in der hier geschilderten Form gar nicht eingesetzt worden wäre, sondern dass man im 18. Jahrhundert diese Folter- und Tötungsmethode der kirchlichen Inquisition nur unterstellt hätte. Tatsächlich bleibt umstritten, ob die Eiserne Jungfrau nun im Zusammenhang der Inquisition zum Einsatz kam oder nicht. Zu diesem Sachverhalt möchten wir noch folgendes ergänzen: Zwar ist historische Korrektheit immer ein notwendiges Anliegen. Die kirchlichen Beschwichtigungsversuche könnte man jedoch auch mit einem 30-fachen Serienmörder vergleichen, der dem Staatsanwalt vorwirft, dass er die Todesursache beim 23. Mord falsch ermittelt hätte.





Die Stiefel (Hölzerne Zangen)

Das Foltern mit Stiefeln war laut Aussagen von Augenzeugen "die härteste und grausamste Strafe der Welt". Und folgt man den Aufzeichnungen von Bishop Burnet, so war sie das tatsächlich: "Wenn jemandem die Stiefel angelegt werden, geschieht das im Beisein das Rates; und während der Tortur hegen fast immer alle den Wunsch, den Raum zu verlassen. Der Anblick ist so fürchterlich, dass, würde man nicht eine gewisse Anzahl von Personen zur Anwesenheit verpflichten, die hölzernen Zangen ungenutzt bleiben."

Obwohl diese Foltermethode den Namen der oder die "Stiefel" trug, beschreibt der Ausdruck "hölzerne Zangen" die gängigste Form dieses Instruments genauer. Das Opfer musste sich auf eine Bank setzen und bekam Holzbretter an die Innen- und Außenseite jedes Beines angelegt. Diese Bretter - die laut einer Beschreibung "ähnlich wie die kurzen Kästen, mit denen man junge Bäume vor den Kaninchen schützt" aussehen - wurden eng zusammengebunden. Dann treibt man mit Hilfe eines Holzhammers Keile aus Holz oder Metall zwischen die mittleren Bretter. Für die "gewöhnliche" Folter verwendete man vier Keile, für die "außerordentliche" Folter dagegen acht. Die Schmerzen waren entsetzlich und die Beinknochen des Opfers wurden häufig gesplittert oder gebrochen.




Spanische Stiefel (Schraubstiefel)

Eine weitere sadistische Verfeinerung war der sogenannte "Spanische Stiefel" auch "Schraubstiefel" genannt, der in vielen Ländern, einschließlich Schottland, angewendet wurde. Dieser bestand ebenfalls aus Eisen, aber er war mit einem Schraubmechanismus ausgestattet, der den Unterschenkel zusammendrückte. Falls das Opfer diese Tortur aushielt, ohne zusammenzubrechen, wurde der Stiefel in einem Kohlenbecken erhitzt, bis die Schmerzen unerträglich wurden.




Wiener Schuh

Eine spezielle Variante ist der sogenannte "Wiener Schuh", mit dem der Fuß auf einem eng begrenzten Bereich gequetscht wurde.






Die Daumenschraube

...wird immer ein Stück weiter gedreht, bis der Gefangene die Besinnung zu verlieren scheint; und während man diese außerordentliche Folter vornahm, schraubte man das Gerät so stark zu, dass man es nicht wieder aufschrauben konnten, bis der Schmied, der es hergestellt hatte, mit seinen Werkzeugen geholt wurde, um die Schaube abzumontieren. Daumen und Nagel wurden zerquetscht.



Die "Judaswiege"

Auch die so genannte „Judaswiege" hatte es in sich. Das Inquisitionsopfer wurde mithilfe einer Seilwinde nach oben gezogen und auf die Spitze einer hölzernen Pyramide gesetzt. Sein ganzes Gewicht ruhte nun nur noch auf der Scheide oder dem After, dem Hodensack oder dem Steißbein. Die Qual wurde noch dadurch vergrößert, dass der Folterer das Opfer hochzog oder herabließ, es schaukelte oder immer wieder auf die Spitze fallen ließ.




Die "Ketzergabel"

"Religiös" im Sinne eines Mittels zur Verteidigung des wahren Glaubens war auch die sog. "Ketzergabel". Dabei wurden dem Opfer vier scharfe Spitzen in das Fleisch unter dem Kinn und in das Brustbein gebohrt, so dass es nicht mehr den Kopf bewegen und kaum mehr verständlich reden konnte. Aber das lag auch nicht in der Absicht der Inquisitoren. Es genügte, dass das Opfer noch das Wort "abiuro" (ich schwöre ab) stammeln konnte, das es nur abzulesen brauchte, da es in die Ketzergabel eingeritzt war.





Säge und Pfahl

Aber auch technisch primitive Instrument wie die "Säge" oder der "Pfahl" erfüllten durchaus ihren von den Inquisitoren vorgegebenen Zweck. Z. B. brachten nach dem Sieg über die aufständischen Bauern die Lutheraner die Säge gegen einige Bauernführer wieder zu Ehren. Sie wurden mit dem Kopf nach unten aufgehängt, dann begann die zwischen den Beinen angesetzte Säge ihr Werk, indem sie sich bis zu Nabel und Brust "vorwärts kämpfte". Fast noch grausamer - wenn hier noch eine Steigerung möglich war - war das Pfählen der Angeklagten. Sie wurden in die Spitze eines Holz- oder Eisenpfahls hineingedrückt, -gepresst, -gehämmert, bis dieser schließlich, nachdem er durch den eingeölten After eingedrungen war, aus dem Magen, der Brust oder der Schulter wieder heraustrat ...




Vaginal-Rektal- & Oral-Birnen

Die Birne wird in Mund, Rektum oder der Vagina des Opfers eingeführt und durch die Schraube zur maximalen Weite der Segmente aufgedreht. Die Innenseite der jeweiligen Körperöffnung wird unheilbar, meist tödlich verletzt. Die zugespitzten Enden der Segmente erleichtern das Aufschlitzen der Kehle, der Eingeweide oder der Gebärmutter. Die orale Birne wurde an ketzerischen Predigern angewandt. Die rektale Birne erwartete Homosexuelle und die vaginale Birne Frauen, die geschlechtlichen Verkehr mit dem Teufel und seinen Verwandten pflegten.



Birnenzange

Auch wenn der Name harmlos klingt, so war die Birne doch eine grausame Folter - vor allem an die Frauen. Die Birne ist ein Eisenknebel, der oben spitz und unten birnenförmig verläuft. Dieses Gerät wurde an Mund, Speiseröhre, Anus und Vagina angewandt, um diese Öffnungen so lange zu spreizen, bis sie aufrissen.
Meistens galt diese Folter der undurchschaubaren Frau, weil sie für Männer ein Mysterium war und somit an der frauentypischen Öffnung erniedrigt bzw. zerstört werden musste, um sie zu unterdrücken.





Spanische Spinne

Es gab die sog. "spanischen Spinnen", d. h. vierfingrige, scherenartige Klauen, die das Opfer am Gesäß, an den Brüsten, am Bauch oder Kopf, oft aber auch mit zwei Klauen an Augen und Ohren hochzogen.


Brustreißer
(Brustkralle)
Es gab "Brustkrallen", die die Brüste zerfleischten; andere Krallen, die, rot glühend gemacht, "lediglich" einen "Biss" auf den Brüsten unverheirateter Mütter verursachten, während ihre Kinder zu Füßen der Mutter lagen und mit deren Blut bespritzt wurden.





Keuschheitsgürtel

Auch der "Keuschheitsgürtel" war entgegen seiner nachträglichen Mystifizierung in Wirklichkeit ein Folterwerkzeug.


Skeffingtons Zange

Es handelte sich dabei um einen großen Eisenreifen, der aus zwei mit Scharnieren verbundenen Hälften bestand. Die Opfer wurden mit auf den Rücken gefesselten Händen gezwungen, sich auf die untere Hälfte zu knien. Dann stellte sich der Folterknecht über sie, drückte deren Oberkörper nach unten und verschloss die obere Hälfte mit einer Schraube. Je fester man die Schraube anzog, desto mehr wurde der Körper zusammengedrückt - die Brust gegen die Knie, der Bauch gegen die Oberschenkel und die Oberschenkel gegen die Unterschenkel. So wurde langsam die Wirbelsäule ausgerenkt und das Brustbein wie auch die Rippen gebrochen.




Die Kettengeisel

Auch eine der schwereren Folter war wohl die Anwendung der Kettengeisel. Man stelle sich eine Peitsche vor, allerdings statt der herkömmlichen Lederriemen prangten an ihr Stahlketten. In extremen Fällen waren die Ringe an geschärft.


Der Geißelungsgürtel

...konnte sogar zum Tod führen. Ein mit spitzen und scharfen Dornen besetzter Gürtel wurde den Opfern um die Taille gelegt. Bei der kleinsten Bewegung ja sogar beim einatmen wurde das Fleisch regelrecht aufgeschlitzt und blutig gerissen. Die Folterer setzten danach sogar in die Wunden fleischfressende Maden ein.


Halskrause – Ketten

...waren zumeist gedornte bis 5 Kilo schwere Eisenketten. Diese mussten einen festgelegten Zeitpunkt getragen werden. Das Fleisch im Nacken, Schultern und Halsbereich war daraufhin meist bis zu den Knochen abgescheuert und verursachte bestialische Schmerzen. Durch die damaligen Hygienebedingungen taten den Rest. Verunreinigungen der Wunde, Fieber und Blutvergiftungen brachten meist den schnellen und kostengünstigeren Tod.

Die Schädelpresse

Dieses Gerät ist im Prinzip nichts weiter als eine Schraubzwinge. Das Kinn wurde auf dem unteren Steg aufgelegt, der Kopf passte in die obere Schale. Wenn man nun langsam zuschraubte, war vor allem der Druck auf die Zahnwurzeln schmerzhaft. An unserem Gerät fehlt leider der kleine Hammer, mit dem man bei zugeschraubter Presse noch kleine Schläge auf die Hirnschale geben konnte, was zusätzliche Schmerzen verursachte.




Dragonerzügel bzw. Maulkorb

Der herausragende eiserne Knebel ist in der rechten Abbildung deutlich erkennbar. Manchmal war dieser wie ein Reibholz geschärft oder mit kleinen Nägeln gespickt.



Aufziehen

In der Constitutio Criminalis Theresiana (1769) (eine Art Bibel/Anleitung des Kriminalwesens) beschreibt, wie man dem wehrlosen Opfer die Handrücken hinter dem eigenen Rücken zusammenschnürte. An dem Seil war eine Schlaufe vorhanden, an der ein Haken zum Aufziehen befestigt war. So wurde der Gequälte nach und nach höher aufgezogen. Die Art der Fesselung verhinderte das schnelle Brechen der Arme, Schultergelenke und Ellenbogen. Oft hängte man zur Verstärkung der Folter noch Gewichte an die Füße. Ganz langsam überdehnte man somit alle Sehnen Muskeln was zu unendlichen Schmerzen führte.




Streckbank

Die Hände der Opfer werden mit Seilen an einem Balken festgebunden, der Körper wird nach und nach mit Hilfe von Seilen um die Füße gestreckt. Erst halten sie gegen die Spannung, nicht nur mit ihren Arm- und Beinmuskeln, sondern auch mit den Bauchmuskeln. Dann lässt die Kraft in ihren Gliedmaßen plötzlich nach, zuerst in den Armen und dann in den Beinen: erst reißen die Bänder und dann die Muskelfasern selbst. Weiteres Strecken zerreißt die Bauchmuskeln und bei fortgesetzter Folter werden die Glieder ausgerenkt und schließlich aus den Gelenken gerissen.




Streckleiter

Dem Opfer wurden die Arme hinter dem Rücken über Kreuz gefesselt und an einer der oberen Leitersprossen festgebunden. Die Beine werden ebenfalls gefesselt und mit einem an der unteren Rolle befestigten Seil verbunden.
Durch das Drehen der Rolle wird der Körper des Opfers nach unten gezogen und somit die Arme nach oben gedreht.




Ratte

Das Opfer wird auf einen Tisch oder etwas ähnliches gefesselt. Dann wird ihm ein
Käfig auf die Brust gesetzt. In ihm befindet sich eine Ratte. Auf dem Käfig glühende
Kohlen. Die Ratte darin versucht nun von den glühenden Kohlen wegzukommen
und sich einen Weg durch das Opfer zu nagen.
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Luther und die Hexen

Beitrag von Falk v. K. am Do Jan 12, 2017 10:36 pm

Wenn es um die Hexenlehren ging, hielt Luther an alten Wahnideen fest. Er glaubte zwar nicht an Hexenflug und Hexensabbat. Dennoch hatte er beim Teufelspakt, beim Schadenzauber und bei der Teufelsbuhlschaft keinen Zweifel. Die Zauberer oder Hexen, das sind die bösen Teufelshuren, die da Milch stehlen, Wetter machen,  die Leute schiessen, lähmen, verdorren, die Kinder in der Wiege martern und die Leute zu Liebe und Buhlschaft zwingen -
schrieb Luther 1522. Er stand auch dafür, Hexen hart zu bestrafen. Hier kam für ihn der Satz aus dem alten Testament zur Anwendung: Die Zauberinnen sollst du nicht am Leben lassen. Auch nach Luthers Tod wütete der Hexenwahn in den protestantischen Gebieten gleich wie in den Katholischen.
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