Die Afrikaumsegelung nach Herodot

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Die Afrikaumsegelung nach Herodot

Beitrag von Wallenstein am Di Jan 31, 2017 2:28 pm

Ich hatte einen Rätselbeitrag über Herodot geschrieben. Hier ist der Originaltext.
Herodot erzählt im 42. Kapitel des IV. Buches seines Ge-
schichtswerkes Folgendes:
„Es ist klar, dass Libyen vom Meere
umflossen ist mit Ausnahme des Theiles, der an Asien grenzt, und
dies hat Necho, der König von Aegypten, soweit wir wissen, zu-
erst bewiesen. Als dieser nämlich die Arbeiten an dem Kanäle
einstellen liess, der aus dem ISile in den arabischen Busen führen
sollte, sandte er phönizische Männer zu Schüfe ab mit dem Befehl,
auf der Heimreise durch die Säulen des Herakles zu fahren und
so über das nördliche Meer nach Aegypten zurückzukehren. Die
Phönizier segelten demgemäss aus dem rothen Meere ab und fuhren
in das Südmeer. So oft die Saatzeit kam, landeten sie, bestellten
das Feld, wo sie gerade in Libyen waren und warteten die Ernte
ab. Wenn sie aber das Korn eingeheimst hatten, fahren sie weiter,
bogen nach Verlauf von zwei Jahren im dritten durch die Säulen
des Herakles und gelangten nach Aegypten. Sie erzählten aber

— was mir zwar nicht glaublich ist, vielleicht aber einem andern

— dass sie bei ihrer Fahrt um Libyen die Sonne zur Rechten
gehabt"^)."

Die Sonne geht an jedem Punkt der Erde immer im Osten auf und im Westen unter. Aufgrund der Schrägstellung der Erde um 23% zur Achse erscheint die Sonne aber in den Gebieten nördlich des nördlichen Wendekreises immer im Süden, südlich des südlichen Wendekreises immer im Norden zu stehen.

Problematisch ist das Gebiet zwischen den beiden Wendekreisen. Hier zieht sie scheinbar von Nord nach Süden und wieder zurück.

Der nördliche Wendekreis läuft zum Beispiel durch die Sahara und durchs Rote Meer, streift fast die nördlichste Spitze von Vietnam, während Hawaii ein bisschen weiter südlich davon liegt.
Orte, die zwischen dem Äquator und dem nördlichen Wendekreis liegen, haben die Sonne einmal im Jahr für eine bestimmte Zeitspanne im Norden. Je weiter südlich der Ort liegt, desto länger ist diese Zeitspanne: höchstens ein halbes Jahr (Ort liegt genau auf dem Äquator), mindestens für einen kurzen, theoretischen Moment (beim Grenzfall: Ort liegt auf dem Wendekreis).

Abhängig von dem Ort und dem Zeitpunkt, an dem sich die Phönizier befanden, konnten sie auch südlich des nördlichen Wendekreises die Sonne zur Mittagszeit im Norden sehen.

  „ Für Orte nördlich des nördlichen Wendekreises bleibt der Spruch, wie wir ihn kennen: Im Osten geht die Sonne auf, im Süden ist ihr Mittagslauf, im Westen wird sie untergehen, im Norden ist sie nie zu sehen.

   Für Orte südlich des südlichen Wendekreises muss man nur Norden und Süden vertauschen: Im Osten geht die Sonne auf, im Norden (statt Süden) ist ihr Mittagslauf, im Westen wird sie untergehen, im Süden (statt Norden) ist sie nie zu sehen.

   Für Orte zwischen den Wendekreisen wird der Spruch einfach verkürzt, auch wenn er sich dann nicht mehr so schön reimt: Im Osten geht die Sonne auf, im Westen wird sie untergehen. Die anderen Teile des Spruchs hängen von der geografischen Breite des Ortes und vom Datum ab.“

http://www.weltreise.name/wissenswertes/tipps-tricks/sonnenverlauf-auf-der-suedhalbkugel/

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Re: Die Afrikaumsegelung nach Herodot

Beitrag von Skeptik am Di Jan 31, 2017 4:37 pm

Danke für diesen informativen Beitrag. Den Spruch kannte ich noch nicht.
Die Phönizier wußten also schon, daß man Afrika - was sie wohl Libyen nannten - umrunden konnte und durch die Meerenge von Gibraltar wieder zurück ins Mittelmeer kam.
Wenn man sich das südliche Afrika auf der Karte betrachtet hat man optisch eine relative Spitze vor sich. Aber "in einer halben Stunde" ist das ja nicht zu umrunden. Die phönizischen Seeleute sahen immer einen gleichmäßigen Teil der Küste vor sich und man kann ihr Erstaunen dann schon nachempfinden, als sie die Hälfte umfahren hatten und die Sonne für sie dann ständig zur Rechten stand.

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