Der Braindrain - subventionieren arme Länder reiche Länder?

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Der Braindrain - subventionieren arme Länder reiche Länder?

Beitrag von Marek1964 am Di Feb 14, 2017 10:32 pm

Ein Thema, das mir in den Sinn gekommen ist, anhand dem Trump Thread: http://geschichte-forum.forums.ag/t999p50-donald-trump-der-45-prasident-der-usa-wie-weiter-von-horrorszenarien-bis-business-as-usual#11331

Der Braindrain - die besten Leute der Entwicklungsländer ziehen in reiche Länder, weil diese ihnen mehr bieten als ihre Heimatländer - den Entwicklungsländern gehen ihre besten Leute verloren und fehlen sowohl für die eigene Entwicklung als auch als Steuerzahler, die ihre Ausbildung zurückzahlen.

Wisst Ihr was über dieses Phänomen? Stimmt das so? Habt Ihr Quellen, die etwas dazu sagen?


Die Diskussion ist eröffnet.

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Re: Der Braindrain - subventionieren arme Länder reiche Länder?

Beitrag von Moschusochse am Mi Feb 15, 2017 6:22 pm

Ist ein spannendes, aber schwieriges Thema. Habe da also nur mal auf wikipedia als ersten Hinweis geschaut.

https://de.wikipedia.org/wiki/Braindrain

Da wird über die Hugenottenvertreibung gesprochen, die Frankreich geschadet und dem Handwerk in Preussen geholfen hat.

Spanien hat einen grossen Teil der Entwicklung durch die Vertreibung der Juden verschlafen - das Bankwesen ist dort zusammengebrochen.

Es gibt aber auch Türken, in Deutschland aufgewachsen und ausgebildet, in der Türkei Karriere machen - die Ausbildung öffnet dort viele Möglichkeiten.

Während der NS Zeit sind viele Wissenschaftler nach GB und USA emigriert.

Sehr breites Thema
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Re: Der Braindrain - subventionieren arme Länder reiche Länder?

Beitrag von Marek1964 am Mo Feb 20, 2017 11:14 pm

Ein aktuelles Thema hierzulande ist der Ärzteabfluss nach Deutschland und Österreich. So gibt es hierzulande Mangel an Ärzten.

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Re: Der Braindrain - subventionieren arme Länder reiche Länder?

Beitrag von Titus Feuerfuchs am Di Feb 21, 2017 2:16 am

Österreich hat ein doppeltes Problem:

1. Bilden wir um österreichisches Steuergeld deutsche Numerusklaus-Flüchtlinge aus, die nach dem Abschluss wieder nach D abwandern.

2. Verlieren wir viele gut Ausgebildete ins Ausland, va Deutschland und Schweiz, weil dort die Löhne höher sind.
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Re: Der Braindrain - subventionieren arme Länder reiche Länder?

Beitrag von Titus Feuerfuchs am Di Feb 21, 2017 2:22 am

Bsp Bulgarien

Zwischen 1992 und 2015 haben drei Mio Menschen Bulgarien verlassen. Überwiegend junge und gut Ausgebildete.
Diese arbeiten dann im EU-Ausland unter ihrer Qualifikation.
Der Zeit-Artikel spricht von "brain-waste".

http://www.zeit.de/politik/2016-08/eu-freizuegigkeit-osteuropa-lohn

Diese Dynamik stützt meine These, dass ein Staatenbund wie die EU nur mit kulturell und wirtschaftlich homogenen Ländern Sinn macht.
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Re: Der Braindrain - subventionieren arme Länder reiche Länder?

Beitrag von Wallenstein am Di Feb 21, 2017 12:10 pm

Solange es große Unterschiede in der wirtschaftlichen Entwicklung zwischen den Ländern gibt, wird es auch einen Brain Drain geben. Die Gründe, warum Fachkräfte ihre Heimat verlassen, sind überwiegend individuell: Schlechte Arbeitsbedingungen, geringe Bezahlung und fehlende Karriere- oder Weiterbildungschancen begünstigen die Wanderungsentscheidung. Bis heute stellen Entwicklungs- und Schwellenländer wie Indien und China die meisten hoch qualifizierten Migrantinnen und Migranten.

Für einige Länder kann dies katastrophale Folgen haben. Wenn Ärzte, Wissenschaftler und Unternehmer abwandern, sinken die Entwicklungschancen rapide. Vor allem im gesundheitlichen Bereich sind die Auswirkungen gravierend. Die Abwanderung von dem medizinischen Personal hat verheerende Folgen. Gerade dieses ist aber in den entwickelten Ländern besonders begehrt, von der Krankenschwester bis hin zum Facharzt.

Brain Drain auf der einen Seite bedeutet einen Brain Gain auf der anderen Seite: Während ein Land hoch Qualifizierte verliert, gewinnt ein anderes durch die Einwanderung Know-how und Innovationspotenzial. Die USA sind das Hauptaufnahmeland hoch qualifizierter Migrantinnen und Migranten, aber auch andere OECD-Länder wie Kanada, Australien und manche europäische Staaten sind beliebte Ziele. Vom Brain Drain profitieren vor allem die angelsächsischen Staaten, schon aufgrund der Sprache.

Auch zwischen den hoch entwickelten Ländern gibt es einen Brain Drain. Aus Deutschland wandern Fachkräfte ab, beispielsweise im medizinischen Bereich in die USA. Gründe sind bessere Bezahlung oder Forschungsmöglichkeiten etwa im Bereich der Stammzellenforschung. Für uns Naturwissenschaftlicher sind die USA immer noch ein Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Die Institute und Forschungseinrichtungen haben eine Ausstattung, von der wir nur träumen können. Ich war total begeistert. Und dort arbeitet die Elite der Elite. Es hagelt Nobelpreise und wer etwas erreichen will, der muss einfach dorthin. Für uns Geologen zahlen die Firmen traumhafte Gehälter. Es gibt in den USA für Hochqualifizierte weitaus mehr Arbeitsmöglichkeiten als bei uns und nur aus privaten Gründen bin ich wieder zurückgekommen.

Für ein reiches Land wie Deutschland mag dieser Brain Drain aber zu verschmerzen sein. Das gilt so nicht für andere Staaten. Es hat immer Überlegungen gegeben, den Brain Drain, wenn man ihn schon nicht verhindern kann, zumindest einzudämmen. Soll man einen Mediziner dazu verdammen, eine gewisse Zeitlang in seinem Heimatland zu arbeiten, bis er die Kosten für seine Ausbildung zurückerstattet hat? Soll man bei anderen Berufen auch so verfahren? Ist das praktikabel?

Reiche Länder werden immer versuchen, Fachkräfte, für die sie nichts investieren mussten, anzuwerben und diese werden stets versucht sein, dieser Verlockung nachzugehen.

Andererseits gibt es auch eine gewisse Brain Circulation. Teilweise wandern Fachkräfte auch wieder zurück, wobei ich hier keine quantitativen Unterlagen habe. Nicht unterschätzen darf man die Überweisungen von Arbeitskräften in den hochentwickelten Ländern in ihre Ursprungsländer. Diese haben inzwischen einen gewaltigen Umfang erreicht und sind für einige Staaten inzwischen eine der wichtigsten Einnahmequellen geworden. Sie dürften aber wohl nicht ausreichen, um die negativen Folgen des Brain Drain auszugleichen.

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Re: Der Braindrain - subventionieren arme Länder reiche Länder?

Beitrag von Marek1964 am Di Feb 21, 2017 8:54 pm

Wallenstein schrieb: Nicht unterschätzen darf man die Überweisungen von Arbeitskräften in den hochentwickelten Ländern in ihre Ursprungsländer. Diese haben inzwischen einen gewaltigen Umfang erreicht und sind für einige Staaten inzwischen eine der wichtigsten Einnahmequellen geworden. Sie dürften aber wohl nicht ausreichen, um die negativen Folgen des Brain Drain auszugleichen.

Schätze ich auch so. Denn der Ausfall des Steuereinkommens versus die Ausbildungskosten - die Überweisungen dürften eher den Charakter von Almosen haben. Im Grunde genommen müssten die Länder, in denen diese Leute tätig sind, den Ausbildungsländern ein Teil der Steuern überweisen. Ob das politisch wie technisch machbar wäre, wage ich zu bezweifeln, aber fair wäre es.

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Re: Der Braindrain - subventionieren arme Länder reiche Länder?

Beitrag von Wallenstein am Mi Feb 22, 2017 4:27 pm

Gestern zeigten sie in Arte eine Dokumentation über Bosnien und den Kosovo. Internationale Gesellschaften bilden dort medizinische Kräfte aus, was ja nicht schlecht ist, aber anschließend verschwinden diese sofort nach ihrem Examen ins Ausland, was weniger gut ist.

Der wachsende Bedarf an Pflegekräften in den hochentwickelten Staaten kann längst nicht mit Einheimischen gedeckt werden, deshalb finden die Kräfte aus Bosnien mühelos überall in der Welt Arbeit.

Nach Bosnien und Kosovo wurden riesige Summen transferiert ohne nennenswerte Erfolge. Nach den Kriegen in Jugoslawien bestand der Westen auf Privatisierung der Wirtschaft. Die Betriebe wurden sich von den einheimischen Eliten angeeignet, die nur auf das schnelle Geld aus waren. Sie haben die Fabriken ausgeschlachtet und alles verkauft, anschließend stillgelegt. Heute gibt es in diesen Ländern kaum noch eine Firma, die etwas produziert. Die Arbeitslosigkeit liegt bei 40% und höher. Es gibt aber eine riesige Bürokratie, die von den fremden Ländern bezahlt wird.

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Re: Der Braindrain - subventionieren arme Länder reiche Länder?

Beitrag von Marek1964 am Mi Feb 22, 2017 11:07 pm

Wallenstein schrieb:Nach Bosnien und Kosovo wurden riesige Summen transferiert ohne nennenswerte Erfolge. Nach den Kriegen in Jugoslawien bestand der Westen auf Privatisierung der Wirtschaft. Die Betriebe  wurden sich von den einheimischen Eliten angeeignet, die nur auf das schnelle Geld aus waren. Sie haben die Fabriken ausgeschlachtet und alles verkauft, anschließend stillgelegt. Heute gibt es in diesen Ländern kaum noch eine Firma, die etwas produziert. Die Arbeitslosigkeit liegt bei 40% und höher. Es gibt aber eine riesige Bürokratie, die von den fremden Ländern bezahlt wird.

Ja, in Tschechien gab es mir der Coupon Privatisierung ähnliche Entwicklungen. Das erfolgreichste Unternehmen in Tschechien ist Škoda Volkswagen - und wurde direkt an VW verkauft, noch vor dem grossen Privatisierungsrummel, es gab dafür Kritik, man wolle das "Familiensilber" nicht ins Ausland verscherbeln.

Im Grunde genommen hätten wohl nur Direktinvestitionen und Allianzen mit strategischen Partnern, unter gewissen Auflagen, wohl eine Chance gehabt, ähnlich wohl auch in Bosnien oder Kosovo.


Zurück zum Braindrain: es scheint wirklich eine schwierige Rechnung zu sein, wer wen wie sehr subventioniert oder profitiert - kennt da jemand irgendwelche Analysen und Studien?

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