Scientology - ist das Ende nah oder leben totgesagte länger?

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Scientology - ist das Ende nah oder leben totgesagte länger?

Beitrag von Marek1964 am Do Feb 16, 2017 7:30 pm

Vor drei Jahren schrieb ich auf einer anderen Plattform einen Artikel über Scientology, den ich jetzt hier reinstelle. Damals dachte ich, das Ende dieser eigentlich völlig diskreditierten Sekte, die rein und nur auf die wirtschaftliche Ausbeutung ihrer Mitglieder aus ist, müsse nah sein. Auch Insider sahen es so kommen.

Ich habe mich immer mal wieder schubweise damit beschäftigt, so will ich mich jetzt auch wieder etwas umhören auf verschiedenen Seiten, namentlich derjenigen von Wilfried handl und Tony Ortega, ob dem so ist. Wer hier von der Community auch was weiss, wie immer, gerne reinstellen.

Jetzt aber zwei Beiträge, die als etwas mehr als drei Jahre alt sind:

Marek1964 schrieb:Es erstaunt mich, dass in diesem Zusammenhang der Name von Scientology noch nicht gefallen ist.

Eine der schillerndsten und für Ihre Mitglieder gefährlichsten Sekten der Welt, die schon seit Jahrzehnten mit sehr dubiosen aber erfolgreichen Methoden Menschen und nach Möglichkeit deren Angehörigen ihrer Ersparnisse beraubt. Weiter nimmt sie ihre Arbeitskraft in Anspruch, praktisch unentgeltlich.

Das System kann ohne weiteres als totalitär bezeichnet werden, da es Mitglieder mit Geheimdienst Methoden beobachtet, zu Ihnen Akten anlegt um diese auch erpresserisch verwenden zu können. Es gibt auch eine "Disconnection" Order, wo Mitglieder angewiesen werden, zu Angehörigen, die kritisch gegenüber der Sekte stehen, den Kontakt abzubrechen, häufig sind hiervon Eltern und Kinder betroffen. Sie will so ihre Mitglieder von der Aussenwelt isolieren und ganz für sich vereinnahmen - damit eben diese nicht merken, dass sie "ausgenommen" werden.

Scientology bestreitet dies alles vehement, auch dass sie eine Sekte ist. Sie sieht sich als Religion. Durch das finanzielle Ausnehmen der Mitglieder verfügt sie über enorme finanzielle Ressourcen, mit denen Kritker Jahrzehnte lang beobachtet, verunglimpft oder auch mit Prozessen "eingedeckt" worden sind.

Der Einstieg in diese Sekte erfolgt über einen Persönlichkeitstest, der Schwächen enthüllen soll (ein wichtiges Nebenziel ist, auch allenfalls "Erpressbares" vom Betreffenden herauszufinden genauso wie seine finanziellen Möglichkeiten) um dann Massnahmen zur Verbesserung vorzuschlagen. Häufig sind zeigen diese Massnahmen einen ersten Erfolg - das Neumitglied ist dann begeistert und besucht dann weitere teuren Kurse und Seminare. Ein Aufstiegssystem, das ein Weg zur Erleuchtung und Vollkommenheit, darstellt, lässt die Mitglieder immer weiter machen. Es vereinnahmt aber die Mitglieder und versucht sie allmählich von der Aussenwelt abzukapseln.

Ein sehr guter Film dazu ist der ARD Film "bis nichts mehr bleibt", der auch auf youtube ist.

Auf dem Internet ist eine Hülle von Informationen zu finden, zu empfehlen sind die webpages von Wilfried Handl und Tony Ortega.

Das Internet stellt für diese Organisation eine besondere Gefahr dar, denn je mehr Menschen über die Methoden von Scientology informiert sind, desto schwieriger wird es für die Sekte, Neumitglieder zu gewinnen. Viele Aussteiger haben in den letzten Jahren Internas ans Licht der Öffentlichkeit gebracht - Mike Rinder, Tony Rathbun, Jenna Miscavige, Tiziano Lugli, Wilfried Handl und viele mehr.

Die Sekte scheint sich jetzt in einer schweren Krise zu befinden. Zu hoffen ist schon, dass sie schon bald verschwindet, aber es heisst manchmal, dass totgesagte länger leben.

Ich vergleiche Scientology häufig mit dem Kommunismus und hoffe dass das Ende ähnlich verlaufen wird: Ein Scheitern am eigenen Anspruch und an der Informationsfreiheit. Denn Scientology verspricht Erlösung im Diesseits - so soll derjenige, der die Stufe "clear" erreichen soll, nie mehr krank werden. Ein versprechen, dass natürlich nicht realistisch ist.

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Re: Scientology - ist das Ende nah oder leben totgesagte länger?

Beitrag von Marek1964 am Do Feb 16, 2017 7:32 pm

Marek1964 schrieb:
Falk v.K. schrieb:Zum Thema Scientology möchte ich sagen, dass mir hier die Einordnung "Sekte" schwer fällt. Eigentlich haben die Scientologen mit Religion gar nichts zu tun. Religion wird hier nur vorgeschoben, um leichter Kasse zu machen...


Nun ja, die Frage ist wie Du Sekte definierst. Dazu gibt es aber keine einheitliche oder gar wissenschaftliche Definition. Aber die Lehren L. Ron Hubbards kann man schon als eine Art Religion sehen. Eine Art Weg zum Glücklichsein.

Ich habe mal selbst eine Definition von Sekte erarbeitet (stark auf Scientology gemünzt):


Sekten Definition

A. Generelle Definition ohne von Schädlichkeit zu sprechen
Religionsgemeinschaft
in der klaren Minderheit innerhalb der Gesellschaft
Sendungsbewusstsein (wir sind die Elite von Morgen oder die Auserwählten o.ä.)

B. Und wann eine gefährliche Sekte – meist aber nur für ihre Mitglieder und vielleicht noch ihre Nahestehenden, nicht für die Mehrheit:
1. Ausnutzung der Mitglieder (Fronarbeit, Zwang zu Spenden und zu Kauf überteuerter Produkte, auch bei persönlichem Ruin)
2. Aufbau von Gruppendruck, Manipulation der Mitglieder
3. Isolation der Mitglieder (va um vor kritischen Einflüssen zu bewahren um sie im „Griff zu behalten und um zu vermeiden, das die Manipulation und Ausbeutung durchschaut wird)
4. Bei Fehlern ist nie die Organisation schuld, nur der Einzelne
5. Autoritärer, undemokratischer Führungsstil und Organisation (keine echten Wahlen)
6. Verbot von Kritik (Herätiker)
7. Verfolgung von Aussteigern (eben bedeutend für 2., 3., und 4. um eben 1. weiter aufrecht zu erhalten)
8. Fallenlassen von Mitgliedern in deren Notlage (weil dann meist nicht mehr 1. gemacht werden kann!!!)
9. Abheben, Realitätsverlust der Führung (man hat nur noch Ja-Sager um sich, hält sich für unfehlbar, nimmt Entwicklungen nicht mehr wahr, sucht Fehler nicht bei sich)
10. Pervertierung des Wertesystems, verkehrte Sprache z.B. Mobbying ist „fair game“ etc.

In der Regel ist 10. Folge von 1.-9. - möglicher weise aber auch schon Ausgangslage, dann wenn der „Guru“ von Anfang an nur „Abzocken“ wollte und die Religion nur Vehikel zu seiner eigenen Bereicherung ist. Bei LRH gut möglich.

Es handelt sich dabei um einen perpetuierenden Prozess. Im Inneren der Gemeinschaft. Aber ausserhalb, sofern die Aussenwelt mitbekommt was im inneren der Sekte läuft, (was aber schon aufgrund der Minderheitenlage unvermeidlich ist), kann es langfristig nur noch eines geben:

11. Verlust von Glaubwürdigkeit ausserhalb der Gemeinschaft
12. früher oder später Verlust von Glaubwürdigkeit innerhalb der Gemeinschaft– und in unserem Informationszeitalter eher früher

und dann also nur noch

13. Untergang oder Reformation (Neuorientierung) – da es aber wohl nicht viel gibt, das es zu reformieren Wert wäre, darf man eher im Fall von Scientology eher das Verschwinden erwarten. Wird aber auch Zeit.

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Re: Scientology - ist das Ende nah oder leben totgesagte länger?

Beitrag von Marek1964 am Do Feb 16, 2017 8:32 pm

Mittlerweile gab es in Frankreich und Belgien Urteile, die sie als betrügerische Organisation einstufen. Der Hintergrund ist nämlich, dass die Mitglieder mit unerfüllbaren Versprechen für massiv überteuerte Kurse gelockt werden - es sind nicht Predigten in Kirchen oder Moscheen, für die kein Eintritt erhoben wird. Und das Glück wird schon im Diesseits versprochen, nicht nach dem Tod.

Deshalb kann man von Betrug sprechen - das sagte auch der prominente Aussteiger Wilfried Handl vor Jahren, da er eine Stufe erreicht hatte, bei der er eigentlich nicht mehr hätte krank werden dürfen - erkrankte aber gleichwohl an Krebs - und das war der Moment, wo man ihn natürlich fallen liess (siehe oben Punkt 8 ). Er war eine Zeit lang der höchste Scientologe in Österreich.

Heute betreibt er eine Kritikwebpage. Als vor einigen Jahren der sehenswerte ARD Film "bis nichts mehr bleibt", war er auch an der anschliessenden Diskussionsrunde eingeladen und würde den Film als realistisch bezeichnen - ja in mancherlei Hinsicht sei die Realtiät schlimmer.

https://www.youtube.com/watch?v=J1EJ9p0q5b0&t=851s

Bei 34.28 eine besonders schöne Szene, die an eine Mischung aus Stalinismus und Multilevel Organisationen erinnert. Als man Wilfried Handl fragte, ob das realisitisch sei, meinte er, es sei meist noch schlimmer.


Zuletzt von Marek1964 am Do Feb 16, 2017 8:42 pm bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet

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Re: Scientology - ist das Ende nah oder leben totgesagte länger?

Beitrag von Skeptik am Do Feb 16, 2017 8:41 pm

Die oben erwähnte Jenna Miscavige ist eine Nichte des Sektenführers. Der Scientology-Chef David Miscavige (54) der die Leitung der Organisation 1986 übernahm als der Gründer Ron Hubbard starb scheint eine extrem gespaltene Persönlichkeit zu haben. Er war und ist eigenartigerweise besonders interessiert an Tom Cruise und seiner Verbindung zur Organisation:

Nur zwei Jahre trennen Schauspieler Tom Cruise (52) und Scientology-Chef David Miscavige (54). Beide sind kleine Männer: Cruise ist 1,70 Meter groß, Miscavige nur 1,55 Meter. Und beide haben Charisma, können Menschen für sich begeistern.
Auch das Ziel, für das sie ihr Charisma einsetzen, ist dasselbe: die umstrittene Kirchengemeinschaft Scientology. Seit 1986 lenkt Miscavige Scientology, er übernahm die Führung von dem verstorbenen Gründer L. Ron Hubbard. Es war das Jahr, in dem Tom Cruise Mitglied wurde. Miscavige und er sind eng miteinander verbunden.

Cruise und Miscavige seien sehr ähnliche Charaktere, berichtet der Aussteiger im Interview: Beide seien sehr von sich eingenommen. „Man will sie nicht falsch anschauen, nichts Falsches sagen, und man will sie definitiv nicht in irgendeiner Weise korrigieren. Man musste sehr vorsichtig sein in ihrer Gegenwart.“

Die Beziehung zu Cruise soll demnach auch dramatische Auswirkungen auf das eigene Privatleben des Scientology-Chefs gehabt haben. „Shelly (die Frau von David Miscavige) hat versucht, die Beziehung zu Cruise zu stoppen oder zumindest zu verlangsamen“, sagte DeVocht im Interview. Sie habe den Tagesablauf so verändert, dass die beiden nicht aufeinandertrafen, und versucht Miscavige davon zu überzeugen, dass die Kirche Wichtigeres zu tun habe. Eine Woche später sei Shelly verschwunden gewesen.
Tatsächlich scheint die Ehefrau des Scientology-Gründers seit 2007 von der Bildfläche verschwunden. Während Scientology behauptet, sie engagiere sich weiter für die Kirche und habe ein Recht auf Privatsphäre, meldete Schauspielerin Leah Remini („King of Queens“) unmittelbar nach ihrem eigenen Ausstieg aus der Organisation Shelly Miscavige bei der Polizeials vermisst.  

Wenn jemand sich verpflichtet, dann gilt das für die Dauer des Universums – ein unverbindliches Annähern darf nicht geduldet werden. Sollte jemand gehen wollen, muss er es sofort tun. Wenn er sich verpflichtet hat, ist er an Bord, und es gelten dieselben Regeln für ihn wie für alle: gewinnen oder bei dem Versuch sterben … Wir sehen dich lieber tot als unfähig … die gesamte Zukunft dieses leidgeprüften Planeten, jeder Mann, jede Frau, jedes Kind hängen, genau wie dein eigenes Schicksal, für die nächsten Jahrmilliarden davon ab, was du hier und jetzt in und mit Scientology tust…“


Ron Miscavige, Vater von Scientology-Chef David Miscavige hat sich von Scientology getrennt und berichtet darüber:

Das Buch trägt den Tiel „Ruthless (Skrupellos) – Scientology, mein Sohn David Miscavige und ich“. Darin packt der 80-Jährige über seine Zeit im Sekten-Hauptquartier „Gold Base“ aus, über seinen tyrannischen Sohn – und wie er der Sekte nach rund 40 Jahren den Rücken kehrte:
„Es war eine Flucht, denn glauben Sie, man kann da einfach raus marschieren? Nein, Sie werden gestoppt! Doch ich habe es geschafft zu entkommen.“ Das Gelände soll mit einem Zaun gesichert sein, dessen Spitzen nach innen zeigen.
Ron Miscaviges Trick: Immer wieder hatte er mit Erlaubnis der Wärter ein benachbartes Musikstudio besucht – und war immer brav zurückgekommen. Auch an dem Tag, als er mit seiner Frau Becky flüchten wollte, schöpfte niemand verdacht. Ron Miscavige: „Wir fuhren langsam, um keinen Verdacht zu erregen. Dann bog ich links ab – und gab Gas. Ich wusste, wir sind frei, sie würden uns nicht mehr kriegen.“ Drei Tage lang fuhr das Ehepaar durch, bis nach Wisconsin zu ihrer Mutter.
Schon mit 16 Jahren habe sich David der Sekte angeschlossen, dafür seine Familie verlassen. Zu dem Zeitpunkt sei er ein liebevoller Junge mit viel Humor gewesen, so der Vater. Als er selbst zehn Jahre später, 1985, auch zu der Sekte stieß, sei sein Sohn ein anderer Mensch gewesen: „Es gab einen Moment, da rief ich ihm von weitem zu: ,Hey Dave'. Doch er drehte sich nur um, sagte: ,Mit wem sprichst du eigentlich?'“
Sein Sohn sei launisch und herrisch gewesen, habe ihn einmal vor versammelter Runde fast eine Stunde lang angeschrien und mit eiserner Hand geherrscht.


Wer sich ein Bild von diesem Tom Cruise machen möchte. Bitte hier:

https://www.youtube.com/watch?v=UFBZ_uAbxS0

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Re: Scientology - ist das Ende nah oder leben totgesagte länger?

Beitrag von Marek1964 am Do Feb 16, 2017 8:46 pm

Ja, David Miscavige leidet unter Grössenwahn - oder besser gesagt, sein Umfeld leidet darunter. Gewaltakte und Demütigungen sind bekannt - erstaunlich, dass er nicht ermordet worden ist.

Ich glaube aber gehört zu haben, dass Tom Cruise auf Distanz zu Scientology gegangen ist?

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