Die Etrusker

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Die Etrusker

Beitrag von Ceres am Do Feb 23, 2017 6:53 pm

Für die Etrusker war von großer Bedeutung die Seefahrt über das Thyrrenische Meer. So bekamen die Etrusker viele Anregungen, die wegweisend zu vielen Neuerungen führten. Jenseits befanden sich viele für ihnen wichtige Absatzmärkte für etruskische Waren. Vorwiegend waren es Rohstoffe auch Handwerkserzeugnisse. So war es für die Etrusker enorm wichtig und spielten eine wesentliche Rolle.
Doch ist die Zeit umstritten, ab wann überhaupt die Etrusker zur See fuhren. Forscher nehmen an, das sie es schon im 8. Jh. v. Chr. taten lt. Der Funde der Villanova-Kultur von Sardinien, Sizilien und weitere Orte im Ägaischen Raum. Auszuschließen wird es aber nicht, dass auch betreffende Funde an den späteren Fundorten gebracht wurden.

Da die Seefahrt im Thyrrenischen Meer sich immer mehr verdichtete und im 8. Jh. v. Chr. längst Phönizier sowie die Euböer auf dem Plan waren, verwundert es nicht wenn die Etrusker selbst sich schon zu jener Zeit aktiv daran beteiligt hatten.

Auch ist der Handel mit Südfrankreich und Spanien nicht auszuschließen durch Funde von Wrackteilen an vielen Stellen des Thyrrenischen und Teilen des Mittelmeeres, die auf Grund liegen – darauf lassen ihre überwiegend etruskische Ladungen schließen.

Zwar gibt es in dieser Hinsicht noch kein geschlossenes Bild; aber es wird von Niederschriften antiker Autoren Bezug genommen, denen zufolge die Etrusker im 7. und 6. Jh. v. Chr. eine ernstzunehmende Seemacht im Mittelmeerraum waren.

Der Handel selbst führte im Laufe der Zeit zu signifikanten Veränderungen schon im 8. - 7. Jh. v. Chr. Es waren Unternehmer, die ihre eigenen Schiffe ausrüsteten und steuerten und fuhren selbst fremde Küsten an, an denen sich hochstehende Personen trafen, ebenfalls wie die etruskischen Seefahrer ein aristokratisches Leben führten und ihre Waren austauschten.

Die Geschäfte wurden normalerweise über sogenannte „Emporia“ abgewickelt. Die Emporias waren abgeschlossene Bereiche, die sich in größeren Hafenorten befanden, wo auch fremde Händler ihre Waren anboten.

Ein Emporium unterhielten Griechen in Gravisca, dem Hafenort Tarquinias – und die Phönizier in Pyrgi, einer der Hafenorte Cerverteris. Somit galten die Emporien für Umschlagplätze für sämtliche Waren. Die Emporien waren auch Orte der Begegnungen von vielseitigen Händlern. U. a. fand auch der Austausch ihrer Kulturen statt, wo auch die Etrusker verkehrten und den fremden Göttern ihre Reverenz erwiesen: wie etruskische Weihungen in den betreffenden Heiligtümern. Sie spielten eine wichtige Rolle für den Handel, der unter dem Schutz der Götter abgewickelt wurde. Es geschah nicht nur in Etruien, sondern auch an vielen Orten des Mittelmeeres.

Keramikfunden aus den Heiligtümern von Gravisca zeigen, dass Griechen aus Samos, Milet und Ephisos, bald auch in Sparta, Korinth und Ägina, später auch Athen und zuletzt auch hier in diesen Städten die Etrusker Handel trieben.

Im 5. Jh. v. Chr. wandten sich die Griechen als Folge der Seeschlacht von Kyme von Gravisca ab. Doch aufrecht blieb jeglicher Handel und wurde von den Etruskern übernommen. Somit verlagerte sich deren Handel an die Adriatische Küste, wo Griechen zum Teil schon Niederlassungen eingerichtet hatten, die sich zuvor auch in der etruskischen Stadt Spina niederließen.
Auch der Binnenhandel wurde für die Etrusker immer wichtiger, der meistens entlang der Flusstäler betrieben wurde.

Ab dem 5. Jh. v. Chr. unterlag der Handel, die lt. von Bleitäfelchen aus Pech Mahon (eine iberische Siedlung an der Küste des Languedoc) veranschaulichen.

Vorerst war der Warenaustausch, der den Handel bestimmte, dominant, bis später die ersten Münzen in Etruien geprägt wurden. Die ersten Prägungen fanden in den etruskischen Städten Populonia und Vulvi statt, die auch im Fernhandel stark eingebunden waren.

Von Forschern wird vermutet, dass diese Münzen (noch) nicht als Zahlungsmittel dienten, sondern vielmehr wurden sie als eine Wertanlage betrachtet.
Der direkte Übergang zum Geldhandel vollzog sich vermutlich in Populonia, wo sich im 5. und 4. Jh. v. Chr. In der Gewinnung und Vermarktung des Eisens von Elba hervortat – und in der Mitte des 4. Jh. v. Chr. sogar ein Monopol zustande kam.

(Habe das Fachbuch: Die Etrusker v. Friederike Bubenheimer-Erhart zu Rate gezogen)

(meinen Beitrag aus einem anderen Forum, in dem ich auch unterwegs bin)
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Re: Die Etrusker

Beitrag von Moschusochse am Do Feb 23, 2017 8:07 pm

Wie war eigentlich das Verhältnis zwischen Römern und Etruskern? Sind die Römer nicht aus ihnen hervorgegangen?
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Re: Die Etrusker

Beitrag von van Kessel am So Feb 26, 2017 5:19 pm

@"Moschusochse",
Wie war eigentlich das Verhältnis zwischen Römern und Etruskern? Sind die Römer nicht aus ihnen hervorgegangen?
Nein, auch wenn die ersten Könige Roms, etruskischen 'Ursprungs' waren. Die 'Römer' waren Lateiner, während die Etrusker wahrscheinlich aus Kleinasien stammten. Das Etruskische ist keine indo-europäische Sprache, Latein hingegen schon.

Die Etrusker wurden von den Römern - Stadt für Stadt - vernichtet. Dies resultiert auch aus falschen Allianzen, welche die Etrusker mit den Kelten, lateinischen Völkern und den Kathargern gegen Rom schlossen. Im Mittelmeer trieben hauptsächlich die Griechen, die Phönizier (Karthager), die Etrusker und die Römer den Seehandel. Die Griechen berichten schon früh über die etruskischen Piraten. Mit der zweiten Hälfte des 8. Jhd. v. Chr. war Etrurien beherrschend im Mittelmeerhandel. Mit den Phöniziern schlossen sie ein Flottenabkommen und einen Jahrhunderte währenden Freundschaftspakt. Letztlich siegten aber die Römer über beide Völker.

Römer (Lateiner*) und Etrusker hatten unterschiedliche Gottheiten und Riten. Viele dieser Götter und Riten, wurden von den Römern 'übernommen'. Auch die etruskischen Fertigkeiten (Wasser- und Städtebau**, Eisenbehandlung) übernahmen die Römer.

Elba war die hervorragenste Eisen-Förderstätte Etruriens (dies ist noch heute im Hauptort Elbas zu erlesen = Portoferrairo [Eisenhafen]).

Die Schrift der Etrusker ist zu lesen, da sie einem westgriechischen Alphabet entlehnt scheint. Von den Worten sind ca. 300 erklärt worden, die Sprache selbst ist nicht 'entziffert'. Herodot erklärt die Abstammung der Etrusker aus Lydien (heute Türkei); andere lassen sie aus allen möglichen Regionen 'kommen'; auch als 'Voritaliker' (Villa-Nova-Kultur).

* die Lateiner waren in viele Stämme aufgesplittert, welche sich bekämpften und können nicht mit den Römern gleichgesetzt werden. 'Rom' ist die Klammer, welche die lateinischen Stämme und die Reste des Etruskischen zusammenfasst.

** die Grundrisse von Karlsruhe, Mannheim oder New York sind 'Abkömmlinge' der etruskischen Städeplanung.



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Re: Die Etrusker

Beitrag von Moschusochse am Mo Feb 27, 2017 10:54 pm

Danke, van Kessel, sehr interessant. Die Etrusker - wie Du sagst vermutlich - ursprünglich aus Kleinasien? Das wäre ja eine rechte Völkerwanderung gewesen von dort nach Italien. Weiss man da mehr darüber oder meint man das wegen der Sprache? Kamen sie mit Schiffen?
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Re: Die Etrusker

Beitrag von van Kessel am Di Feb 28, 2017 1:43 am

hi "Moschusochse",
Danke, van Kessel, sehr interessant. Die Etrusker - wie Du sagst vermutlich - ursprünglich aus Kleinasien? Das wäre ja eine rechte Völkerwanderung gewesen von dort nach Italien. Weiss man da mehr darüber oder meint man das wegen der Sprache? Kamen sie mit Schiffen?
ja vermutlich, denn es gibt historische Quellen, welche sowohl die Herkunft aus Asien (damals als Kleinasien verstanden) aber auch als autochthone Gemeinschaft verstanden haben.

Der Sage nach, sollen sie nach der Niederlage von Troja, von dort nach Italien geflohen sein. Stammvater sei der Aeneas gewesen...aber was Sagen so sagen. Die Sprache ist, wie gesagt nicht indogermanisch, deshalb darf ein lateinisches Erbe ausgeschlossen sein. Die Etrusker (von den Griechen so genannt, auch wenn sie sich selbst Rasenna nannten), waren wohl in Kriege mit den Vorgriechen (Mykene) verwickelt. Seit dem 10. Jhd. v.Chr. zeigen die ersten Funde bei Civitavecchia / Italien, eine Verdichtung der Bronzeherstellung. Diese waren etruskische Arbeiten.

Natürlich konnten sie Schiffe bauen, für einen Mittelmeer-Anrainer ein muss. Ich persönlich sehe die Etrusker aus dem irakisch/syrischen Raum kommend, ein nicht indogermanisches Volk, welches sich aber zum Alphabet entschloss (was auf ein Handelsvolk hindeutet, da das Alphabet nicht von einem Bauernvolk 'erfunden' wurde, sondern von einem Händlervolk aus Syrien (Palästina)). Der Ritus und die 'Religion' ist für Europa sehr fremd. Sie hatten - wie in Babylon z.B. - Haruspexe (Leberbeschauer), weil sie ihr Schicksal aus Blitzen, dem Vogelflug und eben den Leberbeschauern überließen. Eine solche Leber aus Bronze wurde in Piacenza/Italien gefunden, auf welcher in Segmenten, verschiedene Namen geritzt sind, deren Deutung aussteht. Habe sie mal 'gelesen', 40 an der Zahl:
  1. alicne
    caatuusc
    caoa
    ce.....
    ceecl
    cileasu
    cilen
    cvuail
    encil(y)in
    essatr
    fueums
    fufuus
    heotinio
    hv
    icao
    laonarisu
    lari
    leo
    leon
    leous
    leta
    li
    n...
    o
    oehtihs
    oercl
    oetlcuo
    oufuoas
    selen
    selva SELVA= The star SIRIUS Greek SELA-, SEIRIOS
    suua
    teoli
    tihovf
    tulsce
    tuusl
    tv.....
    ueohs
    uuelni
    veliivsu
    vetisu


(bei selva habe ich den britischen Versuch einer Deutung eingesetzt. Diese Deutung ist aber nicht autorisiert.)

Möglicherweise war diese Bronzeleber eine Schulungsanleitung für angehende Leberbeschauer.
Ihre Götterwelt war etruskisch, versetzt mit griechischen Elementen. Ihre Schrift wurde bustrophoden geschrieben (wie der Ochse pflügt), d.h. von links nach rechts- von rechts nach links, abwechselnd.

Die Etrusker waren kein Staatsvolk (so wie die Kelten auch nicht), sondern lebten autonom in Stadtstaaten, eine zentrale Macht gab es nicht. Diese Städte konkurrierten miteinander und bekriegten sich schon mal.

Da sie dem Fatum, der Vorhersage, einen hohen Stellenwert zuordneten, ahnten sie das Ende ihrer Herrschaft in Italien. Sie waren sehr Jenseits-orientiert, und fast alles was wir von ihnen wissen, wissen wir aus ihren Gräbern (Tomba). In der Darstellung ähneln sie den Kretisch-mykenischen Figuren, lebensfroh. Die Frauen hatten wohl einen hohen Stellenwert und schienen gleichberechtigt zu sein.

In Portugal fotografierte ich an einer Maurenburg in Sintra, ein 'Seeungeheuer', welches große Ähnlichkeit mit einer Darstellung in San Pietro in Etrurien hat: Dämonen bestimmten ihre 'Seelenwelt'.

Wenn dich diese vergangene Kultur interessiert, empfehle ich die Literatur - welche sehr zahlreich ist - zu konsultieren. Der römische Kaiser Claudius (welcher wohl auch mit einer etruskischen Prinzessin verheiratet war), hat ein 20bändiges Werk über die Etrusker verfasst; leider ist dies Werk verschollen.

van Kessel

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Re: Die Etrusker

Beitrag von Ceres am Di Feb 28, 2017 12:59 pm

Moschusochse schrieb:Danke, van Kessel, sehr interessant. Die Etrusker - wie Du sagst vermutlich - ursprünglich aus Kleinasien? Das wäre ja eine rechte Völkerwanderung gewesen von dort nach Italien. Weiss man da mehr darüber oder meint man das wegen der Sprache? Kamen sie mit Schiffen?

Vorsicht Moschusochse. Das ist nur eines der Thesen. Über die Herkunft der Etrusker streiten sich noch heute die Historiker!
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Re: Die Etrusker

Beitrag von van Kessel am Di Feb 28, 2017 4:19 pm

Die Wissenschaft liefert uns eigentlich schon die Lösung, Genanalyse:
https://www.google.de/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=3&cad=rja&uact=8&ved=0ahUKEwibnPjK_7LSAhWF0RQKHb16B0sQFgg2MAI&url=http%3A%2F%2Fwww.n-tv.de%2Fwissen%2FGenvergleich-mit-Ergebnis-article344370.html&usg=AFQjCNH6H_KS8CO1x7QZsNICOuDRxDPzog Dies schließt z.B. die Theorie aus, dass die Etrusker autochthon in Italien waren, oder aus der Schweiz kamen (es gibt in der Schweiz etruskische Schriftzeichen, welche zu dieser Ansicht 'verführten').

Ich hatte mal die Idee, dass die Etrusker Nachfolger der Hethiter waren. Dies ist aber Unsinn, denn die Hethiter waren Indoeuropäer, weil ihre Schrift (Hieroglyphen) auf eine indoeuropäische Sprache schließen lässt.

Es sind ca. 300 Worte des Etruskischen verständlich übersetzt; ein geringer Sprachschatz, da er sich zum größten Teil aus Begriffen des Totenreiches ableitet. Auf der bekannten Wölfin welche Remus & Romulus säugt, sind etruskische Schriftzeichen; die Arbeit selbst ist etruskisch (5. Jhd. v.Chr.).

Die Etrusker wirkten bis in die moderne Zeit, denn das Wort Faschismus, leitet sich vom etruskischen Fasces (Rutenbündel) ab, denn diese waren, über die Römer bis zu den Faschisten Italiens, Symbol der 'staatlichen' Gewalt.

Die etruskischen Schriftzeichen (welche ja von einem westgriechischen Typus sind), wurden mit großer Wahrscheinlichkeit auch nördlich der Alpen 'verbracht', denn die germanischen Runenzeichen, weisen erstaunliche Parallelen zu den etruskischen Alphabetzeichen auf.

Es gäbe sicherlich noch vieles über dieses Vok zu berichten; man lese selbst, denn das Internet bietet eine Fülle von Literatur darüber.

Es scheint sich zu bestätigen, dass die Etrusker aus Kleinasien stammten, wie es schon der griechische Historiker Herodot vermutete.

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Re: Die Etrusker

Beitrag von Ceres am Di Feb 28, 2017 6:11 pm

Dann lege ich dir mal dieses Buch wärmstens ans Herz:



Dises Werk ist hochinteressant und verständlich geschrieben.
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