Geschichte der deutschen Sprache

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Geschichte der deutschen Sprache

Beitrag von Ceres am So März 12, 2017 9:44 am

Ich vermute, das die deutsche Sprache ihren Ursprung in der indogermanischen Sprache hat. Aber um es genau zu wissen, habe ich mich darüber erst mal belesen.

Gern möchte ich mich über dieses Thema mit euch schreiben; denn Bekannte in meinem Umfeld haben kaum oder gar kein Interesse an geschichtliche Ereignisse, die bis in die Antike zurück gehen.. Ich habe es noch nicht erlebt, das sich in meinem Umfeld Leute gefragt haben, woher überhaupt die deutsche Sprache ihren Ursprung hat.

Mir ist aber somit auch klar, dass ich nur einen Abriss schreiben kann, denn diese Thematik ist zu komplex, so das es eine Fülle von Seiten ergeben würde.

So möchte ich zuerst in kurzen Zügen auf den Ursprung der indogermanischen Sprachen eingehen:

Es gibt hier Ähnlichkeiten zwischen den verschiedenen Sprachen Europas/Asiens – z. B. Sanskrit (samskrta – sam „zusammen“ und krta „gemacht"). Das wurde schon im 17. und 18. Jahrhundert bemerkt. Erst im 19. Jahrhundert haben sich Sprachwissenschaftler damit beschäftigt (Franz Bopp und Jacob Grimm) diese Ähnlichkeiten in historischer Hinsicht zu erforschen. So kamen sie zu dem Ergebnis, dass fast alle Sprachen (auch Völker) Europas und auch mehrere Sprachen Asiens (und Völker) einen gemeinsamen Ursprung aufweisen.
Es wurde somit die Sprache als „Germanische Ursprache genannt auf Grund dessen, weil diese verwandten Nationen ein weites Territorium von den germanischen Völkern im Westen bis hin zu den asiatischen Völkern im Norden Indiens besetzt hatten.

Der heutige Forschungsstand meint, dass die Urheimat der Indogermanen wahrscheinlich nördlich und auch östlich vom Schwarzen Meer gewesen sei, von dem sie sich ausgebreitet haben.

Die indogermanische Sprache gilt heute als die meist verbreitete Sprachfamilie der Welt; die zu dieser Gruppe gehörenden Sprachen werden als Muttersprachen auf allen Kontinenten (natürlich aber nicht auf der unbewohnten Antarktis!) gesprochen.

Bemerkenswert und für mich überraschend ist – als ich mich hierüber auch erst mal belesen habe – dass z. B. Ungarisch, Finnisch, Estnisch, Baskisch und Türkisch nicht zu dieser Sprachfamilie gehören. Also haben diese Sprachen keinen Bezug zu der indogermanische Sprache (das ist somit wieder ein ganz anderes Thema, mit dem ich mich auch noch beschäftigen werde).

Befassen wir uns mit der deutschen Sprachgeschichte, müssen wir feststellen, das diese bis ins frühe Mittelalter zurück geht, also in einer Epoche, in der sie sich von anderen germanischen Sprachen trennte. Doch ist die deutsche Sprachgeschichte viel älter; denn es muss auch daran gedacht sein, das eine Einbeziehung der deutschen Sprache in den germanischen und indogermanischen ihre Wurzeln hat.
Deutsch, eine germanische Sprachgruppe, gehört zu der indogermanischen Sprachfamilie und hat ihren Ursprung in der hypothetischen indogermanischen Ursprache, die sich im 1. Jahrtausend v. Chr. herausgebildet hat. Weiteres, was ich erwähnen möchte, ist aber nicht historisch korrekt belegt.

Als Zäsur wird die erste Lautverschiebung im späteren 1. Jahrtausend v. Chr. genannt. Im langwierigen Prozess der Entstehung der deutschen Sprache, die wir heute sprechen, dürfte wohl erst im 6. Jh. n. Chr. mit der zweiten Lautverschiebung begonnen haben.

Die Entwicklung (frühe Stufe) dauerte von ca. 600 bis 1050, die als Althochdeutsch bezeichnet wird. Dann folgte die mittelhochdeutsche Sprache, die in deutschen Gebieten bis etwa 1350 gesprochen wurde. Danach wird die Epoche Frühneuhochdeutsch bezeichnet; ab 1650 folgte das Neuhochdeutsch – man spricht hierbei um eine moderne Entwicklungsphase, die bis heute andauert.
Die Daten, die ich hier genannt habe, sind nur annähernd, weil ich keine exakte Daten ausfindig machen konnte.

LG Ceres
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Deutsch als Teil der Indo-Europäischen Sprachfamilie u.m.

Beitrag von Lux:-? am Mo März 13, 2017 2:51 am

Morrn, Ceres;
1. Es gab zu diesem Thema einst in der DDR ein 2bändiges, umfangreiches Werk, Die Deutsche Sprache, zu dem später noch eine modernisierte, 1bändige Kurzfassung kam.
2. Deutsch gehört zum germanischen Zweig dieser (ide) Sprachfamilie, auch, wenn einige wenige polnische und ukrainische Supernationalisten die Existenz der verschiedenen Zweige dieser Familie auf unwissenschaftliche Weise bestreiten.
3. Die Verortung des PIE (Protoindoeuropäisch, eine -einzige- Ursprache ist umstritten, eher ähnliche Dialekte) in den Steppengebieten der (süd-)östlichen Ukraine und des südostlichen bis südlichen Russlands (Süd-Ural bis zum westlichen Altai) entspricht dem Stand der Forschung. Die Rekonstruktion dieser Sprache ist zwar weit fortgeschritten, aber nichtsdestotrotz weiterhin umstritten, zumal sie für die Kurgan-Hypothese zu sprechen scheint, die ebenfalls umstritten ist.
4. Früher ging man davon aus, dass die PIE in Anatolien gesprochen wurde, denn einige Bezeichnungen von Tieren und Pflanzen deuten, ebenso wie landwirtschaftliche Begriffe, darauf hin. Letztere könnten sich aber auch mit anatolischen Bauern über Europa verbreitet haben, deren Gene in einem Fünftel der rezenten eropäischen Bevölkerung nachweisbar sind. Diese Bauern hatten sich unter dem durch die Landwirtschaft erzeugten Bevölkerungsdruck vom 'Fruchtbaren Halbmond' aus ins Schwarzmeer-Becken ausgebreitet und folgten nach dessen Flutung durch das Mittelmeer den großen Strömen ins Innere Ost-, Mittel- und ggf auch Westeuropas.
5. Es kann aber auch sein, dass es noch eine 2.Welle aus Anatolien gab, als ide Reiternomaden in Anatolien einfielen. Darauf deuten auch Funde von Schamanen-Gräbern (mit Fellen, Hörnern und Federn, womöglich Ausgangspunkt einiger Engel-Legenden) hin. Diese Reiter sahen auch anders aus (vgl die biblischen Erwähnungen von schlangenköpfigen Gegnern, natürlich keine Reptilien, sondern nur ein Vgl der Gesichtsform mit einem von oben gesehenen Schlangenkopf, meint die Forschung!).
6. Laut erwähnter Kurgan-Hypothese haben diese Reiternomaden fast ganz Europa in historisch sehr kurzer Zeit überrannt (Ausnahme: Mittelmeer-Inseln) und ihre Sprache, Götter und Kultur dorthin verbreitet. Zu diesem Zeitpunkt ist hier auch ein Abbrechen alter Kulturlinien zu verzeichnen. Ebenfalls dafür spricht, dass sich wohl spätestens zu diesem Zeitpunkt verschiedene ide Dialekte herausgebildet haben, was wohl auf Einwirkung des ursprünglichen Sprachsubstrats zurückzuführen ist.
Genetisch gesehen, stammen 2/3 aller europäischen Männer von nur drei Steppenfürsten dieser Zeit ab, was wohl auf eine Ausrottung einheimischer Männer oder zumindest deren Unterdrückung (wie später die einheimischen Kelten in Großbritannien durch die angelsächsischen Eroberer) und eine ausgeprägte Hierarchie unter den Nomaden schließen lässt.
7. Hierbei fällt besonders auf, dass mehrere ide Sprachgruppen sehr unterschiedliche Worte im Bereich von Himmelsrichtungen und in Bezug auf Schifffahrt benutzen. Besonders die germanischen Sprachen verwenden hier Worte, die sich in keiner anderen ide Sprachgruppe finden lassen. Das kann allerdings auch auf einen späteren Zeitpunkt zurückgehen, als die Protogermanen auf die dänischen Inseln und nach Skandinavien einwanderten und dort auf eine anderssprachige Urbevölkerung stießen (evtl hängt auch die Verdopplung der Göttergeschlechter und -namen, sowie die nordgermanische Konsonantierung der Halbvokale, die schon das Gotische zeigt, und zu Namenspaaren wie Freyr - Frigg, Freya - Frigga führte, damit zusammen).
Auch das Griechische scheint solche alte Sprachsubstrate bewahrt zu haben, wie das Wort rhinos (lat nasus, dt Nase) belegt.
8. Interessant ist auch, das bestimmte Worte wie neu und jung (alt nur bedingt) und einige Verwandtschaftsbezeichnungen in vielen ide Sprachen gleiche Quellen haben, wobei sie nicht immer auch das Gleiche bezeichnen.
9. Die ide Sprachen wurden früher auf Grund bestimmter palatalisierender Lautverschiebungen in Kentum- (lat centum, dt hundert) im Westen und Satem-Sprachen (airan satem, russ sto) im Osten eingeteilt. Das musste aber aufgegeben werden, als man Kentum-Sprachen auch weit im Osten entdeckte. Die ide Völker hatten sich im Laufe der Zeit bis nach NO-China (in den Kurganen der mongolischen Steppe liegen blonde Fürsten begraben, keine Mongolen!) verbreitet und könnten mit zu den Stämmen gehört haben, die von den Chinesen als Hyung-Nu bezeichnet wurden (der Sieg eines chin Generals im Jahre 7 wurde wohl Auslöser einer Westwanderung der östlichen Steppenvölker, der somit ein paar Jahrhunderte später die Völkerwanderung ausgelöst hat und somit für Europa und Dtschld in der Folge wichtiger wurde als die berühmte Germanenschlacht im Jahre 9).
10. Die Herauslösung der dt Sprache aus dem engen Verbund mit den germanischen Sprachen (2.germanische bzw dt Lautverschiebung) begann in Norditalien (ggf schon zur Zeit des Dietrich/Theoderich von Bern/Verona). Der Name des letzten Ostgoten-Königs, Teja, taucht jedenfalls schon sehr frühzeitig auch als Zeja auf. Unter den (wohl ursprünglich ebenfalls skandinavischen) Langobarden wird dieser Prozess dann noch vollendet und gelangte auch über die Alpen nach Norden, bevor ihre Sprecher das frühe Italienisch übernahmen. In Nord- und Mittel-Dtschld (pp-pf-ff) ist dieser Prozess bis heute noch nicht abgeschlossen und in Süd-Dtschld einige Extrema sogar rückgängig gemacht worden (zB b-p-b, g-k-g, k-kch-k).
11. Beispiel für ahd Dichtung ist das Hildebrandslied, für mhd das Nibelungenlied, während Luthers Schriften schon für früh-nhd Schriften stehen. Das Jiddische hat seine Wurzeln im Mhd, unter Verwendung bestimmter Worte aus dem Hebräischen und der hebräischen Schrift in angepasster Form.
12. Da die PIE-Völker auch Nachbarn hatten, muss es zur gegenseitigen kulturellen und sprachlichen Beeinflussung gekommen sein. Deshalb sind auch Versuche, PIE in einen größeren Zusammenhang zu stellen, nicht unumstritten bzw die Autoren fassen unterschiedliche Sprachfamilien mit der ide zusammen. Als nostratisch (unsere) Überfamilie gilt hier die aus ide, turk-tatarischen, finno-ugrischen und mongolischen Sprachen, wobei manche Autoren auch Überfamilien inkl afroasiatischer und sogar afrikanischer Bantu-Sprachen bilden. Baskisch dagegen scheint eher Beziehungen zu Kaukasus-Sprachen als zu nostratischen zu haben. Aber auch hier sind noch Überraschungen zu erwarten. So nehmen einige Linguisten eine weitläufige Verwandtschaft im Rahmen einer Überfamilie für Sino-Tibetische und NaDené-Sprachen an (letzte indianische Einwanderungswelle nach NAmerika in Alaska und West-Kanada, südlichste Zweige im Süden der USA, Navaho und Apachen).
Gruß, Lux :-?

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Re: Geschichte der deutschen Sprache

Beitrag von OlliBjörn am Mo Aug 07, 2017 2:01 am

Danke an Lux für den langen und interessanten Beitrag! Das nur als Ergänzung/Bestätigung: Indogermanen und ihre Nachbarn: seit einigen Jahren lerne ich Schwedisch, und ich kann inzwischen sagen, dass nordgermanische Sprachen in der Tat beeinflusst worden sind (z.B. durch Sprachen der Sami, die zu den finno-ugrischen Sprachen gehören).

Die wesentlichen grammatischen Unterschiede westgermanisch/nordgermanisch:
Nordgermanisch (NG) verwendet agglutinierte Formen bei
- Substantiven (die bestimmte Form von "barn" (Kind) ist "barnet" (das Kind))
- Passivformen (die Passivform von "blockera" ist "blockera-s")
NG verwendet andere Verneinungen als WG:
- im Schwedischen gibt es "inte" und "ej" für "nicht" (vgl. Finnisch "ei" = "nicht")
- Altnordisch hatte eine Verneinung mit -gi ("manngi" = kein Mann, niemand)
- Altnordisch hatte verneinte Verbformen mit -at- ("thegj-at-tu" = schweige nicht!)

Es gibt Skandinavisten, die dies auf Kontakte mit Menschen der samischen Sprachgruppe zurückführen. Umgekehrt findet man in Sami-Sprachen (wenig überraschend) auch germanische Lehnwörter (z.B. im Sámegiella).

Agglutinierende Wortbildung ist Standard in Sami-Sprachen und im Finnischen (wobei Finnisch auch zwei Endungen hintereinander agglutinieren kann, z.B. Possessiv-Suffixe hinter den Kasus-Suffixen).

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Re: Geschichte der deutschen Sprache

Beitrag von Lux:-? am Di Aug 15, 2017 9:39 pm

Ja, Olli,
neben freiem bestimmtem Artikel wie in den nordsee- und binnengermanischen Sprachen, die aus hinweisenden Pronomen entstanden sind, gibt's in den nordgermanischen Sprachen auch einen angehängten ('suffigierten', 'agglutinierten') bestimmten Artikel, also det barn bzw (meist) barnet und (zumindest im Schwedischen) 4 grammatikalische Geschlechter.
Die Passivform der Verben ist aber nur eine Verkürzung und Verallgemeinerung von etwas, das es auch in anderen germanischen Sprachen in ähnlicher Bedeutung gibt:
dt sich mit jmd treffen - sv träffas någon
Hier werden beide Seiten voneinander getroffen (Passiv), während sie gleichzeitig das auch aktiv herbeiführen (können). Im Altnordischen war das ~s noch ein ~sk, also ein ursprüngliches ~sik (dt sich) und damit rückbezüglich (retroflexiv). So etwas wird in slawischen Sprachen auch mit ~s~ (ru ~sʲa) ausgedrückt und könnte damit auch deren Einfluss* durch große Nähe (ursprünglich und spätere Beziehungen) ausdrücken (gemeint ist die Verwendung des Rückbezugs als Passiv).
Was inte betrifft, handelt es sich wahrscheinlich nur um eine andere Erweiterung und Auflösung der ide-Verneinung mit vokalisch-silbischem ṉ (lat in, dt un): ahd ne/i, en no -- daraus erweitert dt nicht (ahd ni eo wicht, en not). Außerdem gibt's hierzu im Schwedischen auch die Form icke, zB in icke-rökare. Mit eo bzw je könnte damit auch ein Pendant zu sv ej vorliegen, wobei das evtl auch mit dem genannten an ~gi zusammenhängen könnte.
* Hierzu ist auch på svenska im Vergleich zu pa russkiy interessant (auf Schwedisch bzw Russisch).

Lux:-?

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Re: Geschichte der deutschen Sprache

Beitrag von OlliBjörn am Di Aug 22, 2017 10:42 pm

Ja, ich stimme zu.
Das -s war mal ein reflexives -sik/-sk, im Isländischen zu -st gewandelt.
Es gab auch mal ein reflexives -mik/-mk (1.Person).

det finns/det fanns entspricht es (be)findet sich/es (be)fand sich

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