Gladiatorenkämpfe und Tötungen

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Gladiatorenkämpfe und Tötungen

Beitrag von Ceres am Do März 16, 2017 7:15 pm

Gladiatorenkämpfe und Tötungen

Nach jeder Vorstellung im Kolosseum, in denen auch wilde Tiere ihren „Auftritt“ hatten, war eine Atmosphäre von Tod und Verderben vorhanden. Kadaver von Tieren und die von den Klauen und Zähnen von den Raubtieren verstümmelten Leichen lagen in ihren Blut..

Doch diese Kadaver konnten nicht liegen bleiben und mussten sobald beseitigt werden; denn schon am nächsten Tag standen ja wieder die sogenannten Spiele an. Für die Räumung der Kadaver/Leichen war ein festes Personal des Kolosseums verantwortlich; auch befristete Arbeitskräfte...

Aber wohin nun mit den Leichen??

Es wäre wohl das einfachste gewesen, alles zu verbrennen, aber so einfach war das nicht eine Massenverbrennung in der Stadt und erst gar nicht im Kolosseum zu veranstalten. Sowas war undenkbar und viel zu gefährlich, da das menschliche Fleisch nicht so gut brennt. Das zuständige  Personal hätte die Scheiterhaufen aus Holz und Teer usw. aufgeschüttet werden müssen – und das in der Stadt Rom, in denen Stadtteile aus Holz bestanden??.

Eine andere Möglichkeit, alle Leichen einfach verschwinden zu lassen, aber das konnte sich auch nicht durchsetzen, da nicht alle Tote demselben Status hatten. Ehrenvoll im Kampf gefallene Gladiatoren mussten anders bestattet werden als schmählich hingerichtete Verbrecher bzw. Mörder.
Selbst die Angehörigen eines in Ehren gefallener Gladiator bestanden auf ein würdevolles Begräbnis. Völlig undenkbar war auch, dass ein Gladiator, der mit allen Ehren durch die Porta Libitinaria (Tor zur Arena) hinausgetragen worden war, am selben Ort begraben wurde wie ein Hingerichteter, den man mit einem Fleischerhaken aus der Arena gezogen hatte.

Viele Verbrecher erhielten gar kein Begräbnis und wurden nicht mit Erde bedeckt, so dass seine Seele nach dem Glauben der Römer keine Ruhe finden konnten – selbst das Mindest-Ritual (drei handvoll Sand über den Leichnam zu streuen) wurde verwehrt. Diese Toten wurden außerhalb der Standtgrenze gebracht und einfach in einer Schlucht oder an einem anderen entfernten Ort entsorgt – oder einfach im Tiber geworfen!
Für einige Hingerichtete gab es nichtmal die Schlucht oder den Tiber. Ihr Foltertod und ihr „Begräbnis“ fand in Käfigen wilder Tiere statt. Dem Kaiser Caligula wird nachgesagt, dass er  Hingerichtete den wilden Tieren zum Fraß vorwerfen ließ.

Nicht nur von den o. g. Kaisern wurden derartige Befehle gegeben, sondern auch von weniger grausamen Kaisern. Dies lag wohl nur daran, da das Tierfutter knapp wurde.

Schon in der frühen Königszeit wurden Verbrecher die letzte Ruhestätte verweigert. Das schien den Römern gerecht. Der Hingerichtete hatte somit den Anspruch auf Ruhe nach dem Tod einfach „verspielt“. Die Römer waren davon überzeugt, dass mit dieser Handlungsweise jede Erinnerung an diese verbrecherische Personen ausgelöscht wurde.

Wenn wir den Historiker Fik Meijer (Professor für alte Geschichte) Glauben schenken soll, hatten selbst Kaiser, die als Mörder galten, wurden diese Strafen zuteil. Zum Beispiel Vitellius, ein fragwürdiger Kaiser der 69 n. Chr. nur kurze Zeit von drei Monaten regierte, hatte es schnell mit dem Volk in politischer Hinsicht und auch für den Mord an  Gnaeus Cornelius Dolabella (den 2. Gatten seiner ehemaligen Gemahlin) verantwortlich war, verdorben. Er wurde zu Tode gefoltert und mit dem Fleischerhaken zum Tiber geschleift und hineingeworfen. Auch Comodus soll angeblich  am letzten Tag im Jahr 192 den Tod im Tiber gefunden haben.

Kamen viele Tiere verschiedener Arten in der Arena ums Leben, war es durchaus gegeben, die breite Masse der verarmten Römer mit Fleischrationen zu versorgen. Die arme Bevölkerung war sowieso von Almosen der Reichen, wie Senatoren/Kaiser, angewiesen. Selbst Rationen von Getreide wurden an den Armen verteilt neben den Fleischrationen der getöteten Tiere der Arena, welches zuvor von Metzgern geschlachtet wurde. Die Leitung der Verteilung wurde von Organisatoren  geleitet. Allen gerecht zu werden, ließen sie sich was einfallen:  Die Fleischverteilungen waren an die Gladiatorenkämpfe mit wilden Tieren angekoppelt und die Empfänger aus der Zuschauermenge wurden gegen Ende einer Vorstellung „Losbälle“ ins Publikum geworfen, auf denen die Nummer eines Gewinns angebracht wurde. So konnten sich die „Glücklichen“, die ein Lösball ergattert haben, sich ihre Rationen abholen. Beliebt waren Hasen, Kaninchen, Fasane. Auch das Fleisch der wilden Tiere, wie Wildschweine, Bären, Löwen und weitere größeren Tiere, die in der Arena zu Tode kamen.

Das alles geschah aber nicht aus Mitleid, sondern weil das unzufriedene Volk ein politisches Risiko bedeute.

(Hier habe ich das FB „Gladiatoren – Das Spiel um Leben und Tod“ von Fik Meijer, Professor für alte Geschichte zu Rate gezogen und mich belesen).
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Re: Gladiatorenkämpfe und Tötungen

Beitrag von Marek1964 am Do März 23, 2017 10:51 pm

Makaber, aber interessant. Ja, Mord und Totschlag gehörten in Rom ja die ganze Zeit zur "politischen Kultur". Auch aus diesem Grund finde ich erstaunlich

Weisst Du eigentlich, ob das Aufkommen des Christentums daran was geändert hat, generell an der Blutrünstigkeit und konkret an den Gladiatorenspielen und dem wilden Tieren zum Frass vorgeworfen werdens?

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Re: Gladiatorenkämpfe und Tötungen

Beitrag von Ceres am Fr März 24, 2017 9:54 am

nein, soviel ich weiß, hatte sich da nix geändert. Ich nehme ganz stark an, dass es der Wahrheit entspricht und zur Zeit Neros die Christen verfolgt und teilweise hingerichtet wurden.
Die Römer gaben die Christen die Schuld für den Brand Roms, was natürlich Nero veranlasst haben soll, um sich seine Domus Aurea bauen zu können. Nach dem Fertigbau soll Nero gesagt haben, dass er nun endlich "menschenwürdig" wohnen kann.
Makaber ist es m. E. auch, dass das Fleisch von den Tieren an das Volk ausgegeben wurde, obwohl diese zuvor mitunter Menschenfleisch gefressen hatten.
Marek, je tiefer man in das Römische Reich eindringt, wird es auch mitunter unheimlicher....
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Re: Gladiatorenkämpfe und Tötungen

Beitrag von Wallenstein am Fr März 24, 2017 11:18 am

Soweit ich weiß, wurden die Gladiatorenkämpfe 404 n.Chr. im Römischen Imperium von Kaiser Honorius verboten. Zuvor hatte sich angeblich ein Mönch namens Telemachos in die Arena gestürzt, um die Kämpfenden zu trennen und wurde dabei selbst getötet. Die Kirche hielt sie wohl nicht vereinbar mit dem christlichen Glauben und betrachtete sie als heidnisches Relikt.

Danach fanden nur noch Wagenrennen, Tierhatzen und Theateraufführungen statt. Das letzte Wagenrennen fand 549 n. Chr. unter dem Ostgotenkönig Totila im Circus Maximus statt. Anschließend verwüstete ein schlimmer Krieg zwischen Byzanz und den Ostgoten Italien und Rom wurde von Byzanz besetzt. Die hochmütigen griechisch sprechenden Beamten und ihre Soldaten wurden in Rom als Fremdherrscher betrachtet und waren wenig beliebt.

Für Wagenrennen hatte man nun kein Geld mehr. Rom war früher eine Konsumentenstadt gewesen, die vom Reich versorgt wurde. Mit dem Niedergang des Imperiums versiegten die Steuerströme. Die Bevölkerung der Stadt schrumpfte auf 20.000 Einwohner zusammen. Der Papst und die römische Oberschicht besaßen Latifundien vor den Stadttoren und versuchten ein Minimum an Versorgung aufrechtzuerhalten, doch man produzierte nur noch kleine Mengen, die ausreichten, um die Stadt notdürftig am Leben zu erhalten. Der Papst besaß größere Ländereien und es entstanden die Anfänge des Kirchenstaates. Damit bekam der römische Bischof eine ökonomische Basis und da die anderen Bischofssitze in Gallien, Spanien und Nordafrika in der Völkerwanderung zerstört wurden, fiel dem römischen Bischof eine Führungsrolle zu, die er langsam ausbaute und Rom eine besondere Bedeutung erhielt. Diese benutzte der Papst, um die byzantinische Oberherrschaft abzuschütteln und er nahm Verbindungen zu den neuen barbarischen Königreichen auf, um machtvolle Verbündete zu bekommen. Die Franken zeigten sich bald interessiert.

Doch für „Brot und Spiele“ hatte man nicht mehr die erforderlichen Mittel. Man war froh, wenn es überhaupt Brot gab, die Spiele fielen ganz aus. Ein Ersatz waren die kirchlichen Feste und durch die Pilger kam auch etwas Geld in die Stadt.

In Byzanz hat es meines Wissens nie Gladiatorenspiele gegeben, dafür aber aufwendige Wagenrennen im Hippodrom, veranstaltet von den „Zirkusparteien“, die auch gleichzeitig politische Verbände waren. Gladiatorenkämpfe waren wohl auch hauptsächlich im Westen beliebt, während sie im   griechisch geprägten Osten nie richtig populär wurden.  Wagenrennen soll es noch bis zur Eroberung der Stadt 1204 n.Chr. gegeben, bis sie von den lateinischen Kaisern verboten wurden.

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Re: Gladiatorenkämpfe und Tötungen

Beitrag von Ceres am Fr März 24, 2017 4:11 pm

Da stimme ich dir zu Wallenstein. Vollkommen richtig. Meine Aussage bezieht sich jedoch einige Jahrhunderte früher. Smile
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