Die Erde - eine Kugel - wann und wodurch wussten die ersten Wissenschaftler, dass dem so ist?

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Die Erde - eine Kugel - wann und wodurch wussten die ersten Wissenschaftler, dass dem so ist?

Beitrag von Moschusochse am Do Apr 27, 2017 9:22 am

Hallo Leute, bin wieder mal da. Eine interessante Frage, auf die ich gestossen bin:

Huhnhelm schrieb:Der grosse Denker und Politiker Marcus Tullius Cicero hat angeblich bereits vor über 2000 Jahren eine ziemlich präzise, wenn auch elementare Beschreibung des Weltalls festgehalten. Die Erde sei im vergleich zu den Sternen winzig, Sterne seien ewiges Feuer, alles zöge auf runden Bahnen durchs All, und die Erde sei eine Kugel. Wenn die Geschichte stimmt wären das etwas viele Details für einen blossen Glückstreffer. Was ist die Erklärung für dieses enorme Wissen, 1500 Jahre vor Galilei? Und mehr als 2000 Jahre vor den zeitgenössischen flat earthies?/
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Re: Die Erde - eine Kugel - wann und wodurch wussten die ersten Wissenschaftler, dass dem so ist?

Beitrag von Moschusochse am Do Apr 27, 2017 9:35 am

Hier eine sehr gute Antwort:

Willy1793 schrieb:Cicero konnte lesen.
Schon Pythagoras, der im sechsten Jahrhundert vor Christus lebte, wußte von der Kugelgestalt der Erde. Aristoteles, der Schüler Platons, wies darauf hin, daß die Erde schon deshalb eine Kugel sein müsse, weil ihr Schatten bei einer Mondfinsternis niemals anders als gerundet sei.
Um 240 v. Chr. berechnete Eratosthenes sogar den Erdumfang mit erstaunlich genauen 42000 km, also einer Abweichung von nur 5 % vom tatsächlichen Umfang.
Er beobachtete, daß sich die Sonne zur Sommersonnenwende mittags in Südägypten im heutigen Assuas im Wasser eines tiefen Brunnen spiegelte - was sie tat, weil sie zu dieser Zeit genau im Zenit stand - während sie zur gleichen Zeit in Nordägypten unter einem anderen Winkel einfalle und sich eben nicht in einem Brunnen spiegeln konnte.
Aus dem Abstand der beiden Brunnen und dem gemessenen Winkel berechnete er den Umfang der Erde.
Die Abweichung kam dadurch zustande, daß beide Brunnen nicht auf dem gleichen Längengrad lagen, sondern etwas ist Ost-West-Richtung verschoben waren. Die Nord-Süd-Entfernung war daher geringer als gemessen.
Cicero, der sich viel mit griechischer Philosophie beschäftigt hatte, kannte die Schriften dieser Philosophen, soweit vorhanden, natürlich.
Im ersten Jahrhundert nach Christus wird es für den römischen Naturforscher Plinius bereits eine Selbstverständlichkeit sein, daß die Erde eine Kugelgestalt hat und er weist darauf hin, daß bei den Völkern der Antike die Erde schon immer orbis, was für etwas Rundes, Gewölbtes steht, genannt wurde (natürlich in den jeweiligen Sprachen).
Es ist also ein Irrtum, wenn behauptet wird, das Bild der Erde in der Antike sei das einer Scheibe gewesen. Es hat schon damals eine Menge kluger Köpfe gegeben, die viele von uns Heutigen locker in die Tasche stecken würden und man kann nur Hochachtung vor den damaligen Denkern haben, die mit einfachsten Mitteln komplizierte Berechnungen anstellten und tiefe Erkenntnisse über die Vorgänge in der Natur gewannen.
Herzliche Grüße,
Willy
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Re: Die Erde - eine Kugel - wann und wodurch wussten die ersten Wissenschaftler, dass dem so ist?

Beitrag von Ceres am Do Apr 27, 2017 11:52 am

mag sein, dass die Geschichtsschreiber der Antike schon zu wissen glaubten, das unsere Erde rund sei. Nun entzieht es sich aber meine Kenntnis, ob dieses Wissen in ihrer Welt anerkannt wurde. Das war ja auch später z. B. im Mittelalter ein riesiges Problem mit der Anerkennung/Wissen. Selbst Kopernikus war auch der Meinung, die Erde sei rund. Aber durfte es erst gar nicht in der Öffentlichkeit zutage bringen. Soviel mir bekannt ist (kann mich aber auch irren) wären diese Leute wie Kopernikus etc.. mit dieser Meinung bzw. ihres Wissens "die Erde ist rund und keine Scheibe!"auf dem Scheiterhaufen gelandet. Dafür sorgte dann schon die Inquisition.
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Re: Die Erde - eine Kugel - wann und wodurch wussten die ersten Wissenschaftler, dass dem so ist?

Beitrag von Skeptik am Do Apr 27, 2017 3:57 pm

"Im Mittelalter glaubten alle an die Erde als einer Scheibe". - Diese Überzeugung stammt aber aus der Zeit der Aufklärung. Man dünkte sich plötzlich klüger als die Altvorderen.

Viel interessanter ist die Tatsache, daß es heute immer noch Menschen gibt auf unserer Erde, die felsenfest von ihrer Form als Scheibe überzeugt sind. Vielleicht kann man an diesen Menschen die Funktion von Spiegelneuronen studieren:

https://de.wikipedia.org/wiki/Flache_Erde

http://wiki.tfes.org/Frequently_Asked_Questions

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Re: Die Erde - eine Kugel - wann und wodurch wussten die ersten Wissenschaftler, dass dem so ist?

Beitrag von van Kessel am Fr Apr 28, 2017 11:59 pm

Claudius Ptolemäus (87 - 161 n. Chr.), entwickelte als Geograph, Astronom und Mathematiker in Alexandria verschiedene, zum Teil heute noch gültige Kartenprojektionen (Kegelprojektion), um die Kugeloberfläche der Erde auf einer Karte abzubilden. Das 'Geographiaì' genannte Werk ist eine Anleitung zur Anfertigung von Karten und bezieht sich auf die Darstellung der Erde als Kugelform. Es bringt bereits Kartennetzentwürfe und eine Einteilung des Globus in 360° mit dem Nullmeridian bei der kanarischen Insel Ferro.  
Er bestimmte außerdem die Koordinaten der wichtigsten Städte und Orte. Seine geozentrische Kosmologie bestimmte bis zum 17. Jahrhundert unser Weltbild. Bei ihm bildete die Erde den Mittelpunkt, um den Mond, die Planeten Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn und die Sonne kreisten. Ohne die Hilfe eines Fernrohres katalogisierte er 1028 verschiedener Sterne. Er erstellte eine Art Jahrbuch der Sternenkunde, Syntaxis genannt, die später bei den Arabern unter dem Namen Algamest zirkulierte.
 
Nach seinem Tod geriet die mathematische Geographie und Geodäsie als Wissenschaft allmählich in Vergessenheit. Dennoch wurde allmählich aus der Geographia ein  über Jahrhunderte fortgeschriebenes Sammelwerk, welches in verschiedener Gestalt das geografische Wissen der Zeit enthält. So hießen denn auch die Kartenentwürfe nach Jahrhunderten z.B. Ptolemäus von Bologna 1477 oder Ptolemäus von Ulm 1482 oder Ptolemäus von Basel 1540.
aus einem Museumsvortrag.

Auch der große Aristoteles (384 - 322 v. Chr.) ging von der Kugelgestalt der Erde aus:
Er schloss aus Beobachtungen, dass die Erde die Gestalt der Kugel hat. Nur eine Kugel wirft bei Mondfinsternis einen runden Schatten auf den Mond. Bei der Reise nach Nord-südlicher Richtung kann das Auftauchen neuer Gestirne nur mit der Kugelform der Erde erklärt werden. Alle fallende Gegenstände streben einem gemeinsamen Mittelpunkt, nämlich dem Erdmittelpunkt zu.
 
Ich denke, damit ist hinreichend erklärt, dass das Wissen um die Kugelgestalt schon sehr alt ist. Dass die Wissenschaft dieses für eine lange Zeit vergessen hat, ist wohl nur aus religiöser Verblendung erklärbar (oder der Tatsache vieler vernichtender Dokumente aus der Zeit [z.B. als Heizmaterial für Bäder, wie große Bestände der Bücherei von Alexandria] geschuldet).

van Kessel

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