Was ist Friedrich Ebert's Beurteilung, Rezeption?

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Was ist Friedrich Ebert's Beurteilung, Rezeption?

Beitrag von mdriver1981 am Di Mai 16, 2017 5:29 am

Ich interessiere mich für Ebert. Mein ururgrossvater und Ebert waren "freundschaftsfreunde" in Heidelberg.

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Re: Was ist Friedrich Ebert's Beurteilung, Rezeption?

Beitrag von Peter1893 am Di Mai 16, 2017 11:02 am

Was möchtest du denn wissen, was nicht auf wikipedia und anderen Quellen steht? Er war sicher wichtig für die Weimarer Republik und der letzte echte Demokrat auf dem Stuhl des Reichspräsidenten.

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Re: Was ist Friedrich Ebert's Beurteilung, Rezeption?

Beitrag von Peter1893 am Di Mai 16, 2017 8:53 pm

Ich habe mal mir Eberts wiki Eintrag zu Gemüte geführt. Was kann man sagen? Ein typischer Vertreter der Sozialdemokratie, an dem sich die Schwierigkeit der Deutschen Geschichte von 1914 an recht offensichtlich niederschlägt.

Zunächst gehört er zu den Sozialdemokraten, die den Burgfrieden, d.h. die Unterstützung des Kriegskurses der Reichsregierung unterstützt. Dann gehört er zu denen, die die Niederschlagung der Revolution von 1918 beteiligt ist und diese befürwortet. Die nachfolgenden enormen wirtschaftlichen Probleme kann auch er nicht lösen.

Die ganze Zeit über wird er von Nationalen verunglimpft, und das bis zu seinem Tode.

Fazit: Kritiker wie Befürworter werden genug finden. Doch dies wäre bei wohl jedem Politiker der damaligen Zeit der Fall.

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Re: Was ist Friedrich Ebert's Beurteilung, Rezeption?

Beitrag von Marek1964 am Mi Mai 17, 2017 9:24 pm

Ich sehe das schon auch kritisch, denn sowohl der Burgfrieden als auch das Bündniss mit den Nationalen 1919 waren nicht gerade die besten Entscheide.

Aber vielleicht äussern sich hier auch noch der eine oder andere Deutsche.

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Re: Was ist Friedrich Ebert's Beurteilung, Rezeption?

Beitrag von van Kessel am Do Mai 18, 2017 10:30 pm

als ich meiner Enkelin gestern, die Notwendigkeit von Geschichte erklären wollte (in ihrem Gym ist dies nicht so 'angesagt'), wies sie mich auf das Heute hin, denn das Gestern wäre low!

Wir steuern durch unsere Bildungspolitik zunehmend auf ein neues Bildungssystem zu, welches die klassischen Bereiche (ausgenommen die Bereiche welche für das Abitur relevant sind) zunehmend veröden lassen.

D.h. in den Schulen (auch den höheren) ist eine Verdichtung auf Bildung zu sehen, welches eher einem zukünftigen Job dienlich ist, als einer Erweiterung der Persönlichkeit.

"Was ist der höchste Berg Deutschlands", war eine Frage im Radio: "der Mount Everest"? war die fragende Antwort.

Ich schreibe dies, weil die Gewichtung sich verschoben hat, und Fragen wie zum ollen Ebert, nur noch ein Spartenpublikum interessiert.

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Re: Was ist Friedrich Ebert's Beurteilung, Rezeption?

Beitrag von Marek1964 am Do Mai 18, 2017 11:29 pm

Interessantes Statement, van Kessel. Ich habe als Betreiber eine Geschichte Forums auch schon das Gefühl, Geschichte, und vor allem Diskussionen über Geschichte, seien eine absolute Randsportart.

Andererseits war das zu meiner Schulzeit (vor 33-40 Jahren) auch nicht viel anders - wir waren da ein paar wenige in der Klasse, die echtes Interesse hatte.

Aber Deine Meinung zu Ebert würde mich interessieren, van Kessel. Wir sind ja nicht immer einer Meinung, und da interessiert mich schon, wie Du ihn rezipierst.

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Re: Was ist Friedrich Ebert's Beurteilung, Rezeption?

Beitrag von van Kessel am Fr Mai 19, 2017 11:45 pm

hi "Marek1964"
Aber Deine Meinung zu Ebert würde mich interessieren, van Kessel. Wir sind ja nicht immer einer Meinung, und da interessiert mich schon, wie Du ihn rezipierst.
ist es schlimm, wenn ich keine Meinung dazu habe?

Ein Martin Schulz der 20er, Parteisoldat und Gewerkschafter. Bin wahrscheinlich schon häufig an seiner 'Hütte' in Heidelberg vorbeigelaufen, ohne in Ehrfurcht zu erstarren.

Habe ihn nur auf'm Schirm, mit seinem 'Badebild', welches mir wohl einen besseren Zeitgeist vermittelte, als alle Biografien über ihn.

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Re: Was ist Friedrich Ebert's Beurteilung, Rezeption?

Beitrag von Marek1964 am Sa Mai 20, 2017 10:12 am

van Kessel schrieb:hi "Marek1964"
Aber Deine Meinung zu Ebert würde mich interessieren, van Kessel. Wir sind ja nicht immer einer Meinung, und da interessiert mich schon, wie Du ihn rezipierst.
ist es schlimm, wenn ich keine Meinung dazu habe?

Ein Martin Schulz der 20er, Parteisoldat und Gewerkschafter. Bin wahrscheinlich schon häufig an seiner 'Hütte' in Heidelberg vorbeigelaufen, ohne in Ehrfurcht zu erstarren.

Habe ihn nur auf'm Schirm, mit seinem 'Badebild', welches mir wohl einen besseren Zeitgeist vermittelte, als alle Biografien über ihn.

Nein, natürlich ist es nicht so "schlimm", keine Meinung zu haben, allerdings dachte ich, er sei schon eine Figur, zu der Geschichtsinteressierte aus Deutschland ihre Meinung haben würden, aber vielleicht ist er dann nicht ganz so bedeutend wie Bismarck, KW II, Hindenburg, Hitler, Adenauer, Helmut Schmidt oder Helmut Kohl.

Eher, und da gehe ich schon mit Dir einig, aus der Liga Schulz oder Merkel, wobei letztere in der Geschichte eine schlechte Position haben wird, das wird man aber erst 10-20 Jahren sagen können.

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Re: Was ist Friedrich Ebert's Beurteilung, Rezeption?

Beitrag von van Kessel am Sa Mai 20, 2017 2:27 pm

hi Marek1964,
mich interessieren mehr Typen, wie ein Lassalle oder auch (gegensätzlich) ein Gregor von Caprivi, welche in ihrer Biographie Brüche haben oder irgend etwas hinterlassen haben, außer einem Friedrich-Ebert-Platz.

Zur Frau Merkel habe ich die Einstellung, dass diese langweilige Person, keine Spuren in der deutschen Geschichte hinterlassen wird; dafür fehlt 'der große Wurf' (selbst den Atomausstieg hat sie nicht hinbekommen, und so bleibt nur: "mit mir wird es keine Maut geben".). Ähnliches hätte man vom Kohl gesagt, wenn er nicht in die deutsche Vereinigung hineinregiert hätte, und so gezwungen war, diese (schlecht) zu bewältigen.

Schmidt hatte auch seine Brüche (Doppelbeschluss), so wird man sich an die deutsche Geschichte in 100 Jahren lediglich an einen Adenauer erinnern (vielleicht noch an einen Brandt). Das war's dann aber schon.

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Re: Was ist Friedrich Ebert's Beurteilung, Rezeption?

Beitrag von ArnoldB. am Sa Mai 20, 2017 7:54 pm

Ebert wird oft kritisiert oder sogar mit heftigen Kraftausdrücken regelrecht verdammt. Da braucht es auch jemanden, der es ein wenig anders sieht. Cool

Diesen Beitrag hatte ich bereits in einem anderen Forum veröffentlicht, aber er passt auch zum hiesigen Thema.

Gewiss kann man Ebert - sagen wir besser: der damaligen Führungsspitze der SPD - viele Vorwürfe machen. Aber ob sie zutreffen, kommt auf den Standpunkt an, von dem aus man das Wirken Eberts und seiner Genossen betrachtet.

Ich greife mal in wahlloser Reihenfolge folgende Punkte heraus:

- Ebert-Groener-Pakt: Tatsächlich haben sich die SPD-Oberen mit den Repräsentanten des monarchischen Militarismus arrangiert. Aber man muss, wenn man ein Urteil fällt, die damalige Situation berücksichtigen: der Krieg war verloren, aber Deutschland unbesetzt und weiterhin ein souveräner Staat. Die Erfahrungen mit Russland, das auch zu den Kriegsverlierern gehörte und dann durch das Erstarken des Kommunismus in einem Bürgerkrieg mit barbarischen Gräueltaten versank, führten gerade bei Ebert zu der Erkenntnis, dass dieses Schicksal Deutschland erspart bleiben müsse. Um das zu verhindern, haben Ebert und Genossen der militärischen Hilfe bedurft. Und es gab nun einmal nur das kaiserliche Militär, das sofort in der Lage war, mit bewaffneter Macht die Regierung zu stützen und für Ruhe und Ordnung im Reich zu sorgen. Das hat Opfer gekostet, keine Frage, aber wäre es in Deutschland zu einem Bürgerkrieg wie in Russland gekommen, wären unvergleichlich mehr Opfer zu beklagen gewesen. Ebert und Genossen haben damals das kleinere Übel gewählt. Mag es vielleicht ein "Verrat" an "den Linken" und einem Teil der Arbeiter gewesen sein, jedenfalls war es kein "Verrat" an Deutschland! Allgemeinwohl geht vor Parteinutzen!

- Ausrufung der Republik: Ebert war Kind seiner Zeit. Daher hatte er begriffen, dass die Deutschen auch nach dem verlorenen Krieg an der Monarchie - nicht an der Person des Kaisers - hingen. Um einen kontinuierlichen Wandel zur Demokratie - in Fortführung der Verfassungsänderungen von Oktober 1918 - ohne großen Bruch zu vollziehen, war es Ebert wichtig, weiterhin auf die (parlamentarische) Monarchie zu setzen, in der der Monarch politisch nurmehr eine untergeordnete Rolle spielen und die Demokratie sich durchsetzen und entfalten konnte. Das war aus damaliger Sicht durchaus klug und nachvollziehbar gedacht. Insofern erschwerte bzw. durchkreuzte aber Scheidemann - Liebknecht ohnehin - durch die Ausrufung der Republik diese Möglichkeit einer bruchlosen Entwicklung. Dass Eberts Wunsch nach Erhalt der Monarchie auch mangels geeigneter oder williger Thronkandidaten der herrscherlichen Familien und der innen- wie außenpolitischen Entwicklungen unerfüllbar war, konnte er damals noch nicht absehen. Wenn wir in der Rückschau Eberts Planungen betrachten und beurteilen, dann müssen wir bereit sein zuzugeben, dass die 1920er Jahre eines Deutschland mit parlamentarischer Monarchie durchaus anders verlaufen wären. Vermutlich wären auch die Nazis Deutschland erspart geblieben.

- Bündnis mit den "alten Eliten": Ohne Frage, das haben Ebert und Genossen getan: sie haben sich beim Aufbau der Republik weiterhin auf diese Eliten gestützt, auch das leitende Personal der Verwaltungen nur behutsam ausgewechselt. Heute ist es leicht, einen radikalen Neuanfang zu postulieren. Aber damals? Ich zähle jetzt nicht im Detail die zahlreichen Schwierigkeiten auf, vor die sich die von der SPD geführte neue Regierung nach der Abdankung Max von Badens gestellt sah, sondern verweise nur auf einige wesentliche Gesichtspunkte: die politischen Alltagsgeschäfte mussten erledigt werden, ein Heer war abzurüsten und wieder ins Zivilleben zu integrieren, die Versorgung der Bevölkerung war ein drängendes Problem, die Vorbereitungen eines Friedensschlusses standen ebenso an wie die Etablierung einer demokratischen Staatsordnung, die nach Präsident Wilson die Bedingung für günstige Friedensbedingungen zu sein schien. Die Bewältigung dieser zahlreichen Aufgaben war ohne Unterstützung durch große Teile der bereits in der kaiserzeitlichen Politik und Verwaltung Tätigen und Erfahrenen schier unmöglich. Nach dem Zweiten Weltkrieg war ein Konrad Adenauer vor ähnliche Aufgaben gestellt - und hat ähnliche Konsequenzen gezogen.


Wer also heute Ebert und Genossen verdammt, sollte sich immer bewusst sein:

1. dass eine Beurteilung der politischen Leistungen Eberts immer den Hintergrund der damaligen politischen Situation berücksichtigen muss;
2. dass Ebert und Genossen die weitere historische Entwicklung, die wir kennen, nicht kannten nicht kennen konnten.

Menschen wie Ebert und Genossen, die in einer verzwickten Situation rasche Entscheidungen treffen müssen, sind vor Irrtümern und Fehlentscheidungen nicht gefeit. Will man diese menschliche Schwäche für ein Verdammungsurteil heranziehen? In der Gesamtschau kann man festhalten: Ebert hat als Reichspräsident seine Aufgaben korrekt erledigt, er war durchaus beliebt in Deutschland. Was er und seine ihn unterstützenden Genossen in einer innen- wie außenpolitisch äußerst schwierigen Situation geschaffen hatten, konnte sich sehen lassen: Deutschland ist nicht in einem Bürgerkrieg mit Millionen Toten wie in Russland versunken; es wurde eine Republik geschaffen, die den Menschen erhebliche Freiheitsrechte (erstmals) garantierte und ein demokratisches System installierte, das funktionstüchtig war; durch den Abschluss des Versailler Vertrages hat die damalige Regierung die Souveränität und damit die politische Fähigkeit Deutschlands erhalten, seine inneren und äußeren Angelegenheiten eigenständig anzugehen und zu erledigen - und die harten Bedingungen zu revidieren. Damit waren Grundlagen geschaffen, die - das sollte man nicht vergessen! - vom deutschen Volk selbst nicht sinnvoll genutzt worden sind! Dafür und für die elende antidemokratische Propaganda extremistischer Gruppierungen kann man Ebert und Genossen nicht verantwortlich machen!

MfG

Arnold

ArnoldB.

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Re: Was ist Friedrich Ebert's Beurteilung, Rezeption?

Beitrag von Marek1964 am Sa Mai 20, 2017 11:46 pm

Ja, Du hast Recht - man tendiert dazu, die Sache ex Post und häufig noch dazu einseitig zu beurteilen. Die Bedrohung, dass ein Sowjetdeutschland hätte entstehen können, unterschätzt man gerne.

Dazu kommt, dass es in der damaligen Zeit ja wirklich kaum vernünftige Politiker gab. Das sage ich auch gerne zur Kritik am Versailler Vertrag - man sagte ja gern, dass er nicht vernünftig war, aber was war schon vor, während und nach dem Ersten Weltkrieg schon vernünftig? Und Kenntnisse über wirtschaftliche Zusammenhänge gingen den meisten ab - aber ist das heute nicht soviel anders? Sicher eine Hyperinflation facht heute keiner mehr an, aber...

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