Die USA und der Erste Weltkrieg

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Die USA und der Erste Weltkrieg

Beitrag von Moschusochse am Mo Mai 29, 2017 7:47 pm

Hier möchte ich das Thema USA und Erster Weltkrieg eröffnen - wie kam es dazu, dass die USA in den Ersten Weltkrieg eintraten, eine Entwicklung, die schon vor dem April 1917 angelaufen war. Die Quelle auf wiki kenne ich https://de.wikipedia.org/wiki/Erster_Weltkrieg#Versch.C3.A4rfung_des_U-Boot-Kriegs_und_Kriegseintritt_der_Vereinigten_Staaten

Die wiki Quelle scheint mir aber zu kurz und so möchte ich das jetzt in die Runde werfen.
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Re: Die USA und der Erste Weltkrieg

Beitrag von Peter1893 am Mo Mai 29, 2017 8:05 pm

Die Sympathien in den USA lagen aus verschiedenen Gründen auf der Seite Westmächte und durch die Demokratisierung Russland (vor dem Sieg der bolschewistischen Revolution) konnten man nun sagen, man unterstütze die Demokratien vor den Diktaturen. Die vermeintlichen und tatsächlichen Greuel der Mittelmächte, vor allem in Belgien und Serbien, verstärkten die Antipathien.

Es ist aber auch richtig, dass schon vor 1917 Interessen bestanden, da die USA den Briten und Franzosen Kredite gewährten und deren Rückzahlung im Falle eines Sieges der Westmächte natürlich wahrscheinlicher waren, während Deutschland durch die Seeblockade vom Welthandel abgeschnitten war. Die Lieferungen der Amerikaner waren dem Deutschen Reich ein Dorn im Auge und so kam es zu Versenkungen amerikanischer Schiffe. Schliesslich eröffnete Deutschland und uneingeschränkten U Boot Krieg.
Zu guter Letzt gab es die Zimmermann Depesche, wo das Deutsche Reich Mexiko im Falle eines Krieges mit den USA Unterstützung zusagte.
Die Reichsregierung wie die Oberste Heeresleitung nahmen in typischer Selbstüberschätzung an, mit dem uneingeschränkten U Boot Krieg würde man die Westmächte in die Knie zwingen.

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Re: Die USA und der Erste Weltkrieg

Beitrag von Gontscharow am Do Jun 01, 2017 2:24 pm

Mir ist gerade die ketzerische Idee gekommen, daß wir 2017 in einer Hinsicht ähnlich dastehen als 1914 : Der Exportüberschuß Deutschlands verärgert andere Staaten ! Für Trump ist Deutschland "very bad", in Frankreich und Großbritannien ist man über die ökonomische deutsche Dominanz ebenfalls wenig amüsiert,
von den Mittelmeerstaaten ganz zu schweigen.
Besteht die Gefahr, daß sich die alten Koalitionen wieder gegen Deutschland zusammenschließen, um uns eins über den Deckel zu geben und zurecht zu stutzen ?
Um zum ursprünglichen Thema zurückzukommen : Ich denke daß 1914 der kometenhafte wirtschafliche Aufstieg des Deutschen Reichs der eigentliche Kriegsgrund war.
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Beitrag von Lux:-? am Mo Jun 05, 2017 5:30 am

Hier gebe ich allerdings Folgendes zu bedenken:
1. Während WKI, vor US-Kriegseintritt, wurden vom DR auch besonders große U-Boote gebaut, die ursprünglich dafür bestimmt waren, britische Seeblockaden zu unterlaufen, um den Handel mit den USA nicht zum Erliegen kommen zu lassen. Nach US-Kriegseintritt wurden diese zu sog U-Kreuzern umgerüstet und wie die anderen U-Boote eingesetzt.
2. Das DR hat zwar sowohl den U- als auch den Luftkrieg mit Flächenbombardierungen (gegen die britische Zivilbevölkerung) begonnen, aber sich bei Versenkungen, soweit möglich (für U-Boote schwierig) an die entsprechenden Konventionen gehalten. Das Schießen auf Schiffbrüchige wurde erst von den Nazi-U-Booten in WKII praktiziert. Das Versenken eines Luxusliners durch kaiserliche U-Boote war zwar kein Versehen, aber von Chuchill absichtlich durch streuen von Gerüchten und Abzug von Begleitschiffen provoziert, um dieses Geschehnis propagandistisch ausschlachten zu können, was den Kaiser so verunsicherte, dass er vor allem die teure Überwasser-Flotte künftig noch seltener einsetzte. Der Luxusliner sank übrigens so schnell, dass anzunehmen war, dass er tatsächlich illegal das Kriegsmaterial beförderte, das die Gerüchte behaupteten. Da dabei auch etliche US-Amerikaner umkamen, konnten (und sollten) die USA das als Vorwand für ihren Kriegseintritt nutzen, was die dortigen probritischen Kräfte ohnehin wollten.
3. Das DR war nach seiner Entstehung schnell erstarkt und geriet vor allem in Aufteilungsfragen künftiger und bereits bestehender Kolonien in Konflikt mit Frankreich, dem UK und Belgien/Niederlande. Letztere wollten ihren Besitz waren und keine neue Konkurrenz dulden, das DR und die USA (sowie Japan) wollten ihren Teil abbekommen, mehr als sie schon hatten. Außerdem waren die USA damals schon daran interessiert, dass es zu keinem neuen Zusammenschluss von DR, kuk-Monarchie und Russland kommt. Dank ihrer Kredite und des Sieges der Hauptschuldner endete denn auch die deutsche Vormachtstellung in Wissenschaft&Technik und aus dem beginnenden deutschen wurde durch 2 WKe ein amerikanisches, an dessen Ende der größte Teil Europas mehr oder weniger von den USA abhängig ist.
4. Die Situation heute ist deshalb trotz formaler Ähnlichkeiten nicht mit der von 1914 vergleichbar. Unter den Regierungen nach Kohl wurden Staat und Wirtschaft auf rabiate Weise umgebaut und der Sozialstaat zur Disposition gestellt. Die damit verbundene Vorherrschaft neoliberaler Ideologie und damit der Finanz- vor der Realwirtschaft und beider (besonders der sog Global Player) vor dem Staat war in Nachholung des Geschehens unter Reagan (Reaganomics) und Thatcher (Thatcherism) beabsichtigt wie schon Reden Schröders vor Wirtschaftskreisen belegen. Im UK setzte Blair die Thatcher-Politik fort. Das hatte Folgen für ganz Europa und ist der europäischen Idee im Grunde genommen entgegengesetzt. Wenn man an einem Strang ziehen und alte Ressentiments überwinden will, darf man nicht Regeln verfassen, die es zulassen, dass einzelne starke Länder gegen die Interessen aller anderen handeln. Damit schneidet man sich letztlich ins eigene Fleisch, denn der Gewinn des Einen ist der Verlust der Anderen. Deshalb kann man mit permanenten Exportüberschüssen kein einiges Europa erreichen, schon gar nicht ein soziales, denn all diese Vorgänge erzeugen nicht nur Gegnerschaft in den Bevölkerungen, die vor allem von rechtskonservativ-nationalistischen Kräften weidlich genutzt werden kann, sondern auch Nachahmung in den anderen Ländern, so dass am Ende keiner was davon hat, aber alle, nämlich die Masse der Bewohner, den (sozialen) Schaden. Darum geht es heute, nicht mehr um Kolonien, sondern um Absatzmärkte, unendliches Wachstum (des virtuellen Kapitals) und damit verbunden Kostenminimierung/Renditemaximierung. Und Löhne und Gehälter sind aus dieser Sicht auch nur Kosten!
Deshalb sind Pro-Europa-Bewegungen ohne konkrete Forderungen an die Rahmenbedingungen (zB Pulse of Europe) sinnlos und verfolgen letztlich nur den Zweck, die Bürger über die wahren Hintergründe zu täuschen und ein Weiter-so-wie-bisher durchzusetzen. Dass das auf die Dauer nicht gut gehen kann, ist wohl jedem einsichtig, der weiß wie ein Schneeballsystem funktioniert und welche Folgen das letztendlich für die Masse der (unfreiwilligen) Teilnehmer hat. Madoffs Tricks sind gar nichts dagegen! Folglich sind wir alle, ganz entgegen der Forderung der Allianz zur 1.demokratischen Wahl in der ehem DDR 1990, inzwischen Teilnehmer eines globalen Massenexperiments, das letztlich nur in den politisch-ökonomischen Orkus führen kann!
Aber das wäre dann schon wieder ein neues Thema...

Lux:-?

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Re: Die USA und der Erste Weltkrieg

Beitrag von Gontscharow am Mo Jun 05, 2017 6:35 pm

So weit führen die Gedanken nun auch nicht vom Thema weg, Lux ;-) Außerdem dürfen das interessante Gedanken durchaus einmal.
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Re: Die USA und der Erste Weltkrieg

Beitrag von Marek1964 am Mo Jun 05, 2017 11:05 pm

Gontscharow schrieb:Mir ist gerade die ketzerische Idee gekommen, daß wir 2017 in einer Hinsicht ähnlich dastehen als 1914 : Der Exportüberschuß Deutschlands verärgert andere Staaten ! Für Trump ist Deutschland "very bad", in Frankreich und Großbritannien ist man über die ökonomische deutsche Dominanz ebenfalls wenig amüsiert,
von den Mittelmeerstaaten ganz zu schweigen.
Besteht die Gefahr, daß sich die alten Koalitionen wieder gegen Deutschland zusammenschließen, um uns eins über den Deckel zu geben und zurecht zu stutzen ?
Um zum ursprünglichen Thema zurückzukommen : Ich denke daß 1914 der kometenhafte wirtschafliche Aufstieg des Deutschen Reichs der eigentliche Kriegsgrund war.

Nun, dem steht entgegen, dass es ja die Mittelmächte waren, die den Krieg vom Zaun rissen - jedenfalls kamen die Kriegserklärungen an Serbien, Russland und Frankreich von ihnen - ebenso der Überfall auf Belgien und Luxemburg. Letzteres ein klares Betteln um eine Kriegserklärung bei Grossbritannien.

Grossbritannien wollte immer, dass keine Macht auf dem Kontinent zu stark wird. Eine Hegemonie einer Grossmacht war inakzeptabel. Das hätte eigentlich Deutschland wissen müssen. Bismarck war sich dessen bewusst. Er führte drei Kriege, aber alle gewann er. Nie führte er Krieg gegen Grossbritannien, weil er nicht so trampeltierhaft gegen dessen Interessen verstiess.

Deutschland fühlte sich wiederum "eingekreist" und meinte, 1914 sei der "am wenigsten ungünstige" Zeitpunkt für einen Kriegsbeginn. Denn später wäre Russland zu stark geworden, so der Gedanke.

Wie sich das ganze ohne die beiden Weltkriege entwickelt hätte ist in der Tat fraglich aber eigentlich zu spekulativ, jedenfalls für mich und zu dieser Stunde...

Auf Lux Beitrag hoffe ich ein ander mal eingehen zu können.

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Re: Die USA und der Erste Weltkrieg

Beitrag von Fritze am Fr Jun 09, 2017 8:42 pm

Gontscharow schrieb:Mir ist gerade die ketzerische Idee gekommen, daß wir 2017 in einer Hinsicht ähnlich dastehen als 1914 : Der Exportüberschuß Deutschlands verärgert andere Staaten ! Für Trump ist Deutschland "very bad", in Frankreich und Großbritannien ist man über die ökonomische deutsche Dominanz ebenfalls wenig amüsiert,
von den Mittelmeerstaaten ganz zu schweigen.
Besteht die Gefahr, daß sich die alten Koalitionen wieder gegen Deutschland zusammenschließen, um uns eins über den Deckel zu geben und zurecht zu stutzen ?
Um zum ursprünglichen Thema zurückzukommen : Ich denke daß 1914 der kometenhafte wirtschafliche Aufstieg des Deutschen Reichs der eigentliche Kriegsgrund war.

Weniger Drogen oder Alkohol und schon bleiben solche haltlosen ketzerischen Zusammenhänge im www. verborgen ...

Die Amis haben uns , den Deutschen nach 45 den Kapitalismus, also auf der Westseite, beigebracht. Wenn ihre Firmen nicht in der Lage sind, dem harten Kapitalismus auf der Welt auf legalen Weg Paroli zu bieten, so what!
Was können Deutsche Firmen dafür, daß Made in Germany immer noch Weltweit eine Marke ist oder warum fahren z.B. reiche Russen Benz, Audi oder BMW?

Um den Bogen auf die Zeit von 1914 zu spannen, aufsteigende Imperialistische Mächte oder zumindest Kapitalistische Wirtschaftsmächte waren um 1900 die USA, Japan und das DR. Marktführer waren die Briten und die Franzosen, die Russen hatten nach dem Krieg 1904/5 abgeloost.

Die USA als sogenannte Koalitionsmacht war noch bis 1914 Kriegsmüde in allen Bereichen, also bei der Bevölkerung bis hin zur Wirtschaft und auch der Einsatz ab 1917 bedurfte starker Propaganda in den USA um die Bevölkerung dafür "zu begeistern" ...

Zudem lag um 1900 der Wirtschaftsfaktor einer Nation auf dem Wasser, Navalismus geht einher mit dem Imperialismus, und das Wettrüsten um die Dreadnoughts hatte das DR gegenüber der RN wohl weislich nach 1912 verloren, nur die USA und Japan rüsteten weiter, gegen die RN!

Die Einkreisung des DR ist eine Mär. Mehr hat sich die deutsche Außenpolitik selbst ausgegrenzt aus Unwissenheit und Unfähigkeit, praktisch der Weg, den aktuell Trump mit der USA geht ....  Laughing
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