Die islamische Revolution im Iran 1979

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Die islamische Revolution im Iran 1979

Beitrag von Moschusochse am Sa Aug 05, 2017 12:59 pm

Hallo Leute,

bin wieder mal da. Trotz schönstem Sommerwetter möchte ich folgendes Thema reinstellen:

Wie ordnet Ihr die islamische Revolution im Iran von 1979 ein? Hätte sie verhindert werden können? Oder war es eine Bewegung, die früher oder später ihren Durchbruch gefünden hätte, als fundamentalistische Bewegung, die ja auch anderswo auf dem Vormarsch zu sein scheint seither?

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Re: Die islamische Revolution im Iran 1979

Beitrag von Marek1964 am Sa Aug 05, 2017 9:25 pm

Ich kann mich erinnern, ich war 15 als sie losbrach und es war schon bald ein Horror. Hände wurden abgehackt, junge Mädchen wurden hingerichtet, weil sie Mullahs gegenüber nicht genug Respekt zeigten, Schwule sowieso. In den Strassen, in denen auch Miniröcke üblich waren, sah man nun wieder Frauen im Tschador. Das sah man zuvor höchstens auf dem Lande.

Ich kann mich erinnern, als meine Schwester Ansichten von Chomeiny zu Sexualpraktiken vorlas - ein Horror zwischen Perversion und Prüderie.

Und dann natürlich die Besetzung der amerikanischen Botschaft - ein ungeheuerer Vorgang, wo ich mich daran erinnere, dass meine Mutter gesagt hat, das hats nicht einmal zwischen den Sowjets und den Nazis gegeben, wiewohl Stalin allen Grund gehabt hätte, die Deutsche Gesandschaft nach Sibirien oder gleich zum Henker von Ljubjanka zu schicken - aber auch der sonst ruchlose Hitler liess die sowjetische Gesandschaft ausreisen.

Die Amerikaner unter Carter, so finde ich, waren sehr schwach. Da hätte man viel härter reagieren dürfen, aber vielleicht lag das auch an der nahen Sowjetunion - schwer zu sagen. Es gab dann den Befreiuungsversuch unter sehr schweren Umständen, aber der missriet.

Auch Helmut Schmidt beschrieb Carter als sehr unentschlossenen und ängstlichen Politiker.

Irgendwie erinnert mich die Auseinandersetzung an die heutige seltsame Hofierung des Islam.

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Re: Die islamische Revolution im Iran 1979

Beitrag von Skeptik am So Aug 06, 2017 6:56 pm

Der „Kalte Krieg“ brachte sicher einiges im Nahen Osten ins Rollen. Da wurde um Einfluß gerungen und die Potentaten des Nahen Ostens wurden hellwach. Vor allem der Hunger nach Öl wurde ganz groß in den aufstrebenden Wirtschaften des Westens.

Aus „Licht aus dem Osten“ von Peter Frankopan:

… Muammar Gaddafi war mit Sicherheit außerordentlich findig. Ende 1969, kurz nach der Machtübernahme, forderte er eine drastische Erhöhung der Einkünfte aus libyschem Öl - das damals dreißig Prozent des europäischen Gesamtbedarfs abdeckte.
Die Ölkonzerne schrien auf vor Empörung, als das neue Regime darauf bestand, einen fairen Preis für das Öl zu bekommen.

… Der Ölpreis vervierfachte sich innerhalb von drei Jahren, was die Volkswirtschaften Europas und der Vereinigten Staaten erheblich belastete.

… Allein in den Jahren 1972 und 1973 stiegen die Öleinnahmen des Iran um das Achtfache. Im Laufe eines Jahrzehnts schnellten die Staatseinnahmen auf das Dreißigfache.

… Im Irak war der Anstieg ebenso spektakulär, die Einnahmen erhöhten sich von 1972 bis 1980 auf das Fünfzigfache, von 575 Mill. Dollar auf 26 Milliarden Dollar.

… Die Gesamteinnahmen der erdölexportierenden Länder stiegen von 23 Milliarden Dollar im Jahre 1972 auf 140 Milliarden Dollar nur fünf Jahre später.

… Jetzt kaufte der Nahe Osten Waffen, Waffen, Waffen. Und man lieferte gerne.

… Der Schah mußte nicht lange überredet werden, wenn es darum ging, Waffen zu kaufen. Er interessierte sich geradezu leidenschaftlich für Flugzeuge, Raketen und Artillerie. An den britischen Botschafter im Iran wandte er sich einmal mit der Frage: „Wieviel PS hat der Panzer Chieftain?"

… Obwohl der Iran den Atomwaffensperrvertrag von 1968 unterschrieben hatte, kursierten Gerüchte über den Aufbau eines geheimen Atomwaffenprogramms.

… Ein CIA-Bericht aus dem Jahre 1974 über die verbreitung von Atomwaffen kam zu dem Schluß, daß sich der Iran zwar in einem frühen Stadium der Entwicklung befinde, der Schah sein Ziel aber vermutlich erst Mitte der achtziger Jahre erreichen werde - wenn er dann noch lebt.

… Selbst Kissinger kamen Zweifel: „Ich habe, offen gesagt, allmählich die Nase voll von dem Iran-Deal“.

… "Ich habe es gebilligt, aber in jeder Region, die man näher betrachtet, ist es ein Schwindel.“

… Obwohl die Kritik an dem iranischen Regime immer lauter wurde, unterstützte die US-Regierung den Schah weiterhin offen und konsequent.

… Carter war Silvester 1977 Ehrengast bei einem Bankett in Teheran: „Der Iran ist eine Insel der Stabilität in einer der unruhigeren Regionen der Welt. Das liege an der großen Führungsstärke des Schahs. Der Erfolg des Landes sei zum großen Teil Eurer Majestät und Eurer Führung zu verdanken sowie dem Respekt und der Bewunderung und der Liebe, die Ihr Volk Ihnen entgegenbringt.“

… Das war weniger ein Blick durch die rosarote brille als vielmehr die schlichte Leugnung der Realität.

… Eine allgegenwärtige Korruption, wobei die Königsfamilie und jene, die dem Regime nahestanden, Hunderte Millionen von Dollar an „Provision“ einstrichen für jeden einzelnen Reaktor.

.. Die wachsende Unruhe spielte Ayatollah Khomeini in die Hände. Er bemächtigte sich der Situation, indem er die Übel im Iran dagnostizierte und eine Vision anbot, die deren Heilung versprach.

… Als sich die Lage immer mehr zuspitzte, fuhr der Schah zum Flughafen von Teheran. Dort erklärte er in einer kurzen Stellungnahme: „Ich fühle mich müde und brauche eine Rast“, ehe er zum letzten Mal aus dem Land flog.

… An „einem der schlimmsten Tage in meinem diplomatischen Leben“, wie Präsident Carter es formulierte, wurde der deutsche Bundeskanzler Helmut Schmidt in Gesprächen über den Nahen Osten persönlich „ausfallend“ und ließ durchblicken, daß „die amerikanische Einmischung (in dieser Region) auf der ganzen Welt Probleme mit dem Öl verursacht hätte."

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Re: Die islamische Revolution im Iran 1979

Beitrag von ralfgrabuschnig am Mo Aug 07, 2017 4:49 pm

Jetzt wollte ich mich hier motiviert einbringen, aber Skeptik hat das alles schon wirklich kompetent auf den Punkt gebracht. Die Frage ob es denn zu verhindern gewesen wäre ist damit zwar immer noch nicht zu beantworten - das sind hypothetische Fragen aber ohnehin nie. Im Rückblick und in Anbetracht all der Entwicklungen, die Skeptik nannte, ist die Revolution aber zumindest nicht überraschend.
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