Parallelgesellschaften Fluch oder Segen ?

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Parallelgesellschaften Fluch oder Segen ?

Beitrag von Nemeth am Mo Okt 23, 2017 6:18 pm

In vielen Beiträgen auf verschiedenen Foren werden die Parallelgesellschaften im Grunde
verdammt und gesellschaftfördernd dargestellt.
An vielen Beispielen, auch aus der  eigenen Historie, möchte ich auf das Gegenteil hinweisen.

Vor über 100 Jahren gingen viele Ungarndeutsche in die USA um zu arbeiten, Geld zu ver-
dienen oder dort sich anzusiedeln. Bei Recherchen dazu fiel mir immer der selbe Ort-Milwaukee auf.
Wenn es auch zu keiner dauerhaften Ansiedlung, so war eine Häufung explizit festzustellen.

Während des II. Weltkrieges kam es zu einer Häufung der Ansiedlung im Ruhrgebiet, in einer
Stadt in der heute noch viele  Ex- Ungarndeutsche und ihre Nachkommen leben.

Nach dem donauschwäbischen Exidus nach dem II. Weltkrieg war es ähnlich, daß viele
Landsleute in und um Stuttgart sich ansiedelten. In der Ostzone (späteren DDR)  sorgten die Behörden dafür daß
unsere Landsleute weit verstreut  Wohnung und Arbeit fanden. So konnte  hier eine Paralellgesellschaft
sich nicht bilden, wenngleich zu Anlässen z.B. Hochzeiten  das Zusammengehörigkeitsgefühl gepflegt wurde.

Dies hatte aber mit der heutigen Bildung von Paralellgesellschaften nicht zu tun. Man respektierte die bestehenden
Gesetze und Sitten.Man wollte nur zu bestimmten Anlässen unter sich sein.

Das sich das im Laufe der Jahre von selbst erledigt hat, versteht sich .
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Re: Parallelgesellschaften Fluch oder Segen ?

Beitrag von Marek1964 am Di Okt 24, 2017 10:40 pm

Es ist ja schon mal so eine Sache mit den Paralellgesellschaften. Rein vom Begriff her ist das eigentlich ja kein Problem, denn eine paralelle Entwicklung ist ja nichts schlimmes. Was aber einíge Gesellschaften anbelangt, sind diese aber eher diametral, Du kannst Dir vorstellen, welche. Einfach andere Kulturen, mit anderen Wertordnungen, die aber von der Gastnation profitieren wollen, und diese trotzdem verachten, weil sie andere Moralvorstellungen und Glauben haben.

Mit den Ungaren gab es, soweit ich weiss, nirgendwo solche Probleme. In die Schweiz sind nach 1956 auch viele gekommen. Ich hatte sogar einen Schulfreund, dessen Eltern waren Ungarn - sie sprachen zu Hause Hochdeutsch - damit die Kinder sich leichter integrieren können, in der Schule. Ein Unfug, aber naja, einfach ein anderer Extremfall.

In Basel gab es bis vor wenigen Jahren noch einen FC Hungaria - aber wohl kurz vor seinem 50. Gründungstag löste sich der Verein auf - man hatte keine Leute mehr, die Community hat sich wegassimiliert.

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Re: Parallelgesellschaften Fluch oder Segen ?

Beitrag von ralfgrabuschnig am Fr Okt 27, 2017 6:03 pm

Viel hat natürlich auch mit der Entwicklung der Staaten selbst zu tun. Die Donauschwaben und Landler des 17./18. Jahrhunderts - vielmehr natürlich noch die Siebenbürger Sachsen des Mittelalters - zogen in einen dezentralen, vormodernen Staat (Königreich Ungarn bzw. Fürstentum Siebenbürgen). Es war in dieser Staatsform schlicht kein Problem, wenn es keine übergreifende Gesellschaft gab - dörfliche, mehr oder weniger isolierte Gesellschaften reichten aus. Es gab ja keine landesweite Schulpflicht, kein stehendes Heer, keine Wahlen. Unterschiedliche Sprachen und Kulturen spielen da eine geringe Rolle.

Das hat sich im Lauf des 19. Jahrhunderts grundlegend geändert, weshalb ja auch die Situation der Sachsen/Schwaben in Ungarn (und in noch größerem Ausmaß die Situation der Roma, der Juden, der kleineren Nationalitäten) sich verkomplizierte. Es gab mehr Assimilationsdruck, vor allem nach 1867 - in Teilen reagierten die Gemeinschaft darauf mit verstärktem Nationalismus ihrerseits, oftmals in Verbindung mit stärker Anbindung an die "Herkunftsländer". Wo das hinführte wissen wir.

Jetzt im 20. und 21. Jahrhundert ist die Lage noch komplizierter. Wir haben zwar - in Deutschland zumindest - weniger Assimiliationsdruck als im Ungarn des 19. Jahrhunderts, dafür ist aber die gesamtgesellschaftliche Interdependenz viel größer. Es ist wichtig - sowohl für den Staat als auch das Individuum - am großen Ganzen teilhaben zu können. Da sind Parallelgesellschaften natürlich weniger hilfreich als sie bis ins 18. Jahrhundert noch waren.
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