Der Kampf der Horatier und Curatier

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Der Kampf der Horatier und Curatier

Beitrag von Ceres am Do Dez 07, 2017 5:46 pm

Hier mal zwischendurch eine schöne Sage aus dem Römischen Reich, die mich beeindruckt:

Nach Romulus herrschte Numa Pompilius mit Weisheit. Seine Absicht war es, das wilde römische Volk zu einer milden Gesinnung zu führen, um so den Frieden zu sichern. Er sorgte für die Einführung von Recht und Gesetz. Außerdem unterwies er die Bürger in Religion und guten Sitten.
Nach ihm folgte Tullus Hostilius, der von ganz anderer Art war.  Aufbrausend vom Charakter liebte er den Krieg. Er wollte den Machtbereich Roms mit Gewalt erweitern. Bei seinen Streifzügen überschritt er auch die Grenze des albanischen Gebietes, das von der Mutterstadt Roms Alba Longa beherrscht wurde. Dies reizte die Albaner so sehr, dass sie schon bald im Krieg mit den Römern standen.

Als nun beide Heere aufeinander trafen, scheute jeder den ersten Streich gegen das Brudervolk zu führen. Schließlich trat Mettius Fufetius, der Feldherr der Albaner, vor und machte einen Vorschlag, wie die Auseinandersetzung beizulegen sei, ohne viel Blut zu vergießen. Die Besten ihrer Heere sollten gegeneinander antreten und so die Schlacht stellvertretend im Zweikampf entscheiden.
Es ergab sich, dass auf beiden Seiten Drillingsbrüder dienten, die an Alter und Kräften etwa gleich waren. Auf der römischen Seite waren es die Horatier, die sich so nach ihrem Vater Horatius nannten, und auf der albanischen Seite die Curatier, nach ihrem Vater Curatius.
Feierlich wurde dies in einem Vertrag beschlossen, der besagte "Wessen Volkes Bürger in diesem Gefecht die Oberhand behielten, das solle das andere Volk in ehrenhaftem Frieden beherrschen" (Livius 1, 24,3). Mit der Opferung eines Schweines wurde der Vertrag besiegelt.

Gespannt verfolgten beide Heere, wie die Brüderpaare das Schlachtfeld betraten. Mutig stürzten sie aufeinander zu und schon bald fiel der erste Horatier. Nicht lange danach folgte auch der Zweite, so dass nur noch einer von ihnen gegen die Curatier kämpfte. Doch der Kampf hatte auch Tribut von den Albanern gefordert, die schwer verwundet waren. Der letzte Horatier erkannte, dass er nicht gegen alle drei gleichzeitig kämpfen konnte, und griff zu einer List. Er täuschte vor, fliehen zu wollen. Er hoffte, dass er von ihnen verfolgt würde. Dies geschah auch so. Da sie unterschiedlich schwer verwundet waren, liefen sie schon bald auch in unterschiedlichen Abständen ihm hinterher. Plötzlich hielt er inne, wandte sich um und erschlug den Curatier, der ihm am nächsten war. Auf die Art besiegte er auch den zweiten Gegner. Der Dritte kam schwerfällig hinzu, weil er am schwersten verwundet war. Dieser konnte leicht von Publius Horatius erschlagen werden.

Jubelnd schrie das römische Volk auf und grüßte freudig den Sieger. Die Albaner hielten sich an den Vertrag und unterwarfen sich der römischen Herrschaft. Die Toten wurden mit Würde bestattet. Die Rüstungen und Waffen der gefallenen Curatier erhielt der siegreiche Horatier als Beutestücke und marschierte mit ihnen in Rom ein.

An den Toren der Stadt trat ihm seine Schwester entgegen, die sich mit einem der Curatier verlobt hatte. Sie erkannte das Gewand wieder, das sie selbst für ihren Verlobten gewebt hatte, und verfiel in Wehklagen. In Trauer löste sie ihr Haar und schrie seinen Namen hinaus. Dies erzürnte ihren Bruder jedoch so sehr, dass er zu seinem Schwert griff und ihr Herz durchbohrte. "Fahre hin samt deiner unpassenden Liebe zu deinem Verlobten, weil du deiner toten Brüder und des lebenden vergessen, vergessen des Vaterlands! So soll jede Römerin dahinfahren, die um einen Feind trauern wird!"(1,26,4) So sprach er bei seiner Tat.

Die Jubelschreie erstarben im Angesicht dieses schrecklichen Ereignisses. Dieses Verbrechen durfte nicht ungesühnt bleiben und so wurde er vor den König geführt. Dieser übertrug die Entscheidung an einen Zweimännerrat (duumviri), das Publius Horatius streng nach den Gesetzen zum Tode verurteilte. Da trat der Vater vor und machte von seinem Einspruchsrecht Gebrauch. Er wandte sich an das römische Volk und bat um Gnade. Hätte seine Tochter nicht zu Recht den Tod verdient, so wäre er nach dem Recht seiner väterlichen Gewalt gegen seinen Sohn vorgegangen. Noch vor wenigen Minuten hätte sein Sohn für Rom gekämpft und gewonnen. Drei Kinder seien ihm schon durch den Tod entrissen worden. Das letzte Kind möge man ihm doch lassen.

Gerührt von der Rede des gramgebeugten Vaters ließ sich das Volk erweichen. Um jedoch dem Recht Genüge zu leisten, musste Publius Horatius sinnbildlich die Strafe vollziehen lassen. Mit verhülltem Haupt schritt er unter einem Querbalken hindurch, der einen Galgen darstellen sollte. So war das Recht auch gegenüber einem römischen Helden gewahrt geblieben. Das Joch, unter dem der Horatier hindurch geschritten war, lebte als "Schwesternbalken" in der Erinnerung der Römer fort.

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