Steht Anreppen in einem Bezug zur Varusschlacht?

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Steht Anreppen in einem Bezug zur Varusschlacht?

Beitrag von Agrippa am Mi Jan 28, 2015 12:31 pm

In Bezug auf das von Tacitus erwähnte „Lager an der Lippe“, das 16 n.Chr. aus der germanischen Belagerung durch Germanicus befreit wurde, könnte das östlichste heute bekannte Lippelager, jenes von Anreppen, interessant sein.
Seine Entstehungszeit konnte dendrochronologisch in die Jahre 4/5 n.Chr. datiert werden, also in einen Zusammenhang mit dem Feldzug des Tiberius.

Es wird als Ausgangsbasis für römische Operationen nach Osten, also in den Weserraum, von Bedeutung gewesen sein. Eine große Zahl an Speicherbauten deutet darauf hin.
Wann es aufgelassen wurde, ist allerdings umstritten.
Numismatisch betrachtet, müsste es beim Eintreffen des Varus, also 6 n.Chr., nicht mehr in Betrieb gewesen sein, da der Gegenstempel VAR auf den Fundmünzen von Anreppen fehlt.
Sollte das bedeuten, das große und strategisch günstige Lager am Oberlauf der Lippe habe nur etwa ein Jahr bestanden?

Diese und weitere offene Fragen konnten auch die Forschungen von J.-S. Kühlborn in Anreppen nicht beantworten, die mittlerweile abgeschlossen wurden.  

Wie erwähnt liegt in Anreppen numismatisch betrachtet kein Hinweis auf Varus vor. Von Germanicus sowieso nicht, da von diesem rechts des Rheins überhaupt kein einziger numismatischer Beleg existiert.
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Re: Steht Anreppen in einem Bezug zur Varusschlacht?

Beitrag von Cherusker am Sa Jan 31, 2015 12:14 am

Ich kann mich nicht mit den Gedanken anfreunden, daß Varus im Jahre 9 in einem Zelt "gehaust" hat. Vielmehr glaube ich, daß er in einem römischen Lager seinen Sitz hatte und dort zu Gericht saß. So konnte er auch besser die römsiche Macht und Lebensweise demonstrieren.
Und Anreppen mit seinen "luxuriösen" Holzbauten war dafür bestens geeignet. Am Ende der Lippe und ausgestattet mit Kornspeichern war Anreppen der geeignete Standort für Unternehmungen gen Osten. DELBRÜCK vermutete damals in Paderborn solch ein Lager, das er autark im "Feindesland" auch Überlebenschancen gab. Jahrzehnte später wurde es in Anreppen (in der Nähe von Paderborn) mehr oder weniger zufällig gefunden.

Und das Anreppen nur für Tiberius einmaliger Benutzung gebaut wurde, ist auch nicht recht nachvollziehbar, weil die Lippe in den römischen Plänen als Versorgungsweg eine große Rolle spielte. Warum sollte man daher am Anfang der Lippe ein Lager aufgeben ? Suspect

Auch die Erwähnung der "entfernten Völker, die einen Aufstand anzettelten" können sich nicht Richtung Rhein befunden haben. Es steht nirgendswo geschrieben in welche Richtung Varus zog. Wenn man sich aber die Bedingungen des Jahres 9 ansieht, dann gibt es für die Römer eigentlich nur noch einen Feind und das ist Marbod mit seinen Markomannen und deren Verbündete. Über diese Streitkräfte wußte man nur die Stärke, aber wenig über die Zusammensetzung der germanischen Stämme. Wenn ein Aufstand im Westen erfolgt wäre, dann hätten die Römer die Namen genannt, z.B. Marser, Sugambrer, usw.. Aber wenn ein Feind aus dem Osten kam, dann mußte man ihn nicht unbedingt kennen. Für Arminius war es leicht einen unbekannten Feind zu erfinden, der z.B. über die Elbe kam und römische Gebiete bedrohte. Varus war als Feldherr nicht unerfahren. Er war bei dem Keltenfeldzug (Drusus/Tiberius) in Süddeutschland dabei und hat in Palästina/Syrien einen jüdischen Aufstand schnell mit 3 Legionen erfolgreich niedergeschlagen. Dort zog er auch von einem Stützpunkt mit 3 Legionen gegen den Feind. Und vielleicht hatte Arminius diese Geschichte auch von Varus erfahren und wußte, daß man ihn rauslocken konnte, wenn man einen Aufstand meldet. Angenommen wenn der Feind nun im Osten war, dann marschierte Varus von Anreppen erstmal über den Teutoburger Wald / Eggegebirge und dann durch befreundetes Cheruskerland. So wäre er an die Weser gekommen, bei der er seinen Troß in einem Lager zurücklassen konnte um dann im Eilmarsch gegen den Feind zu marschieren. So hätte man die Erklärung warum die Römer in aufgelöster Ordnung und mit Zivilisten loszogen. Varus hat mit keinem Angriff im Cheruskerland gerechnet. Und wenn er einmal über den Teutoburger Wald / Eggegebirge war, dann konnte er mit dem Troß bei regnerischem Wetter diesen Weg nicht mehr zurückgehen. Arminius wird ihm vorgeschlagen haben diese "Abkürzung" zu nehmen und nicht auf den üblichen Hellwegen langzuziehen.
Somit halte ich Anreppen für das "Sommerlager" des Varus. king

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Re: Steht Anreppen in einem Bezug zur Varusschlacht?

Beitrag von Agrippa am So Feb 01, 2015 9:56 pm

Schon Timpe wies in den Arminius-Studien darauf hin, dass sich Varus im Jahr 9 n.Chr. im rechtsrheinischen Germanien nicht auf einem Feldzug, sondern auf 'Inspektionsreise' befand. Er hält es für möglich, dass Varus in einem Lager an der Lippe residierte, um dort die germanischen Stammesführer zu empfangen. Mit seinem außergewöhnlich großen Prätorium wäre Anreppen als Sommerlager durchaus denkbar. Als die Meldung eines Aufstands eintraf, musste Varus die Legionen sammeln und mit Proviant ausstatten. Auch hier bietet sich Anreppen, mit seinen zahlreichen Kornspeichern, an. Wenn der Aufstand weit im Osten gemeldet wurde, dann musste Varus bis zur Weser nicht mit Feindkontakt rechnen. Er hätte dann angenommen, das Überqueren des Teutoburger Waldes/ Eggegebirges könnte gefahrlos geschehen.
Als Germanicus sechs Jahre später in das Gebiet der oberen Lippe kam, wäre er dann, genau wie es Tacitus beschrieb, auf dem gleichen Weg wie Varus nach Osten gezogen und hätte zuerst das erste Varuslager gefunden und dann die weiteren Orte der Schlacht.
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Re: Steht Anreppen in einem Bezug zur Varusschlacht?

Beitrag von Cherusker am Mo Feb 02, 2015 6:54 pm

Bisher hat die Wissenschaft darauf zu wenig geachtet. Man ging im allgemeinen Glauben immer davon aus, daß Varus in die Winterlager marschieren wollte und das bedeutete immer gen Westen zum Rhein. Aber das man auch z.B. gen Süden zum Rhein bei Mainz kommt, das wurde auch noch nicht einmal bemerkt.Wink Bei Tacitus ist nur bei den Germanicus Feldzügen (nach dem Angrivarierwall) von einem Rückmarsch in die Winterlager die Rede. Für Varus bestand überhaupt noch keine Notwendigkeit in die Winterlager zurückzukehren, und man muß hier fragen: in welche? Die 19.Legion war an der Lippe stationiert. D.h. die Römer standen schon in einigen Gebieten (z.B. an den Flüssen) rechts des Rheins. Ein Rückmarsch in die Winterlager am Rhein war daher gar nicht mehr notwendig. Oder hat man Waldgirmes auch immer im Winter geräumt ?Wink Shocked Aus den Quellen erfahren wir, daß Varus seine Truppen im Land verteilt hat und diese dann zusammenzog, um gegen den Feind vorzugehen. Daraus erkennt man, daß die Römer etliche Orte (Kastelle, zivile Siedlungen) schon im angeblich "befeindeten" Germanien hatten. Für Varus gab es kein Unruheherd Germanien, sondern er sah es schon als Provinz an, in der die römische Rechtsprechung und die Steuern und Abgaben herrschten.
Daher ist es für mich sehr schwer vorstellbar, daß der Statthalter von Gallien und Germanien in einem Zelt "hauste". Vielmehr wird er in einem römischen Kastell seinen Sitz gehabt haben und da bietet sich, nach heutigem Stand, Anreppen geradezu an. king

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