Absturz von Ustica 1980 weiterhin rätselhaft

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Absturz von Ustica 1980 weiterhin rätselhaft

Beitrag von Orianne am Do Jan 29, 2015 1:59 pm

Am Abend des 27. Juni 1980 stürzte eine Douglas DC-9 der italienischen Gesellschaft Itavia nördlich der italienischen Insel Ustica auf dem Flug von Bologna nach Palermo ab. Über zweiunddreissig Jahre nach diesem Unglück, bei dem alle 81 Insassen ums Leben kamen, hat nun das italienische Kassationsgericht für zivilrechtliche Verfahren ein von einem Gericht in Palermo 2011 gefälltes Urteil endgültig bestätigt, das vom Staat verlangt, den Angehörigen der Opfer Schadenersatz in der Höhe von 100 Millionen Euro zu zahlen.


Mit dem Urteil des obersten Gerichts sind die Ursachen des Absturzes bei weitem nicht abschliessend geklärt. Zwar erachtet es das Kassationsgericht als erwiesen, dass das Unglück durch einen Luftkampf zwischen zwei libyschen MiG-23 und nicht näher identifizierten Nato-Militärflugzeugen verursacht wurde; die italienischen Behörden hätten versäumt, in dieser Lage die Sicherheit der zivilen Luftfahrt zu gewährleisten.

Allerdings konnten schon die Zivilrichter in Palermo nicht klar feststellen, ob die DC-9 durch eine «Quasikollision» mit einer der MiG, die sich neben ihr zu verstecken versuchte, zum Absturz kam oder aber durch eine Luft-Luft-Rakete, die von einem der Nato-Flugzeuge abgefeuert wurde. Zwar stufte das Kassationsgericht letzteres Szenario als das wahrscheinlichere ein. Doch die strafrechtlichen Verfahren in dem Fall waren schon Ende der neunziger Jahre wegen mangelnder Beweise und wegen eines heillosen Streits der Experten versandet. In einem Verfahren wegen staatlicher Vertuschung und Täuschung wurden 2007 alle Angeklagten von der strafrechtlichen Sektion des Kassationsgerichts freigesprochen.

Während in italienischen Militärkreisen weiterhin behauptet wird, dass die DC-9 durch eine von Terroristen gelegte Bombe zerstört worden sei, erklärte im Februar 2007 der mittlerweile verstorbene frühere Staatspräsident Francesco Cossiga, dass die DC-9 durch ein Missil, abgefeuert von einem französischen Militärflugzeug, abgestürzt sei.

Dabei berief sich Cossiga auf Geheimdienstinformationen, die er als damaliger Regierungschef erhalten habe, und er suggerierte, dass es sich um einen versuchten Anschlag gegen den Diktator Ghadhafi gehandelt habe, der irrtümlich in dem Flugzeug vermutet worden sei. Die in der Folge von der Regierung Berlusconi in die Wege geleiteten Rechtshilfegesuche Italiens sind bisher insbesondere vonseiten Frankreichs unbeantwortet geblieben.

Bei solchen Unfällen spriessen Spekulationen und Verschwörungstheorien wie die Pilze aus dem Boden, zugegeben, es gab merkwürdige Zufälle, aber Gewissheit wird man wohl nie über dieses Unglück haben.

Todesfälle im Umfeld des Absturzes

Eine Reihe von Todesfällen von Angehörigen der italienischen Luftwaffe führte zu Gerüchten über eine Verschwörung zur Beseitigung von Tatbeteiligten und Mitwissern.

Am 8. August 1980 starb Oberst Pierangelo Tedoldi bei einem Verkehrsunfall. Tedoldi war als Nachfolger des Kommandeurs der Luftwaffenbasis von Grosseto, Oberst Nicola Tacchio, nominiert. Er hatte sein Kommando aber zum Zeitpunkt seines Todes noch nicht angetreten. Auf dieser Basis landete am Abend des 27. Juni der Abfangjäger mit den Piloten Nutarelli und Naldini, die zuvor bei Florenz den Weg der DC-9 gekreuzt hatten.
Am 9. Mai 1981 starb Hauptmann Maurizio Gari an Herzversagen. Er war 37 Jahre alt. In der Nacht des 27. Juni war Gari einer der drei Offiziere in der Radarstation von Poggio Ballone bei Grosseto.
Am 23. Januar 1983 kam der Bürgermeister von Grosseto, Giovanni Battista Finetti, durch einen Autounfall ums Leben. Er hatte durch Luftwaffenoffiziere davon erfahren, dass am Abend des 27. Juni von dem nahegelegenen Flugplatz zwei Abfangjäger aufgestiegen waren, um eine libysche MiG abzuschießen.
Am 20. März 1987 wurde der Luftwaffengeneral und Abteilungsleiter im Verteidigungsministerium, Licio Giorgeri, der sich in der Absturznacht in einer Piaggio PD.808, einem Spezialflugzeug für elektronische Kriegführung, über Ustica befunden hatte, von einem Terrorkommando namens Unione combattenti comunisti erschossen. Später stellte sich heraus, dass der Anführer des Mordkommandos vom Innenministerium bezahlt worden war.
Am 30. März 1987 wurde Feldwebel Alberto Dettori erhängt an einem Baum gefunden. Er war in der Nacht vom 27. auf den 28. Juni einer der wachhabenden Offiziere in der Radarstation von Poggio Ballone.
Am 28. August 1988 starben die Piloten Ivo Nutarelli und Mario Naldini beim Flugtagunglück von Ramstein. Die beiden Piloten hätten eine Woche nach dem Ramstein-Unglück vor dem Untersuchungsausschuss zu Itavia-Flug 870 aussagen sollen.*
Am 1. Februar 1991 wurde Luftwaffenfeldwebel Antonio Muzio erschossen. Er war 1980 in der Radaranlage von Lamezia Terme beschäftigt.
Am 2. Februar 1992 starb Luftwaffenfeldwebel Antonio Pagliara bei einem Autounfall. Er war 1980 in der Radaranlage von Otranto beschäftigt.
Am 2. Februar 1992 stürzte der Geheimdienstoffizier Sandro Marcucci, der am Abend des 27. Juni 1980 im Einsatzstab Dienst hatte, vor seiner Vernehmung mit einem Sportflugzeug ab.
Am 12. Januar 1993 wurde Luftwaffengeneral Roberto Boemio in Brüssel von unbekannten Tätern erstochen. Der inzwischen pensionierte Offizier war am am Abend des 27. Juni 1980 Kommandant des regionalen Einsatzzentrums in Martina Franca und galt als wichtiger Zeuge.
Am 21. Dezember 1995 wurde Franco Parisi erhängt an einem Baum gefunden. Er war 1980 in der Radaranlage von Otranto beschäftigt und hatte wenige Tage zuvor eine Vorladung zur Aussage vor Gericht erhalten.

Viel Nahrung für Verschwörungstheoretiker

Nach der Bergung des Wracks stellten Experten fest, dass sich in einzelnen Flugzeugteilen Sprengstoffspuren fanden, die entweder von einer Rakete oder von einer Bombe stammen könnten. Als dann einen Monat nach dem Absturz des Passagierflugzeugs das Wrack einer libyschen MiG-23 in den Bergen der süditalienischen Region Kalabrien gefunden wurde, brachte man die beiden Ereignisse sofort in einen Zusammenhang.

Die Hypothesen und Verschwörungstheorien zum Unglückshergang überschlugen sich. Es war von der Explosion einer Bombe an Bord die Rede. Aber auch die Theorie, dass die starken Radarstrahlen eines Nato-Frühwarnflugzeuges versehentlich eine Rakete eines italienischen Starfighters gezündet hätten, machte die Runde.


Quellen: TA und Wiki

Dokumentation Phoenix über den Flug 870 von Itavia bei Ustica 1980

http://www.youtube.com/watch?v=-4CLYbVT1yQ

http://www.youtube.com/watch?v=xEyyKXSINAs

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