Inflation 1914-1918-1923 - einfach verständlich erklärt, von der Kriegsfinanzierung durch Schulden bis zum Ruhrkampf

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Inflation 1914-1918-1923 - einfach verständlich erklärt, von der Kriegsfinanzierung durch Schulden bis zum Ruhrkampf

Beitrag von Marek1964 am Mo Feb 02, 2015 7:09 pm

Ich habe einen Artikel über Inflation geschrieben, Betonung lag auf der verständlichen Erklärung für Laien, Hauptbezug die Situation von 1923. Immer wieder fragen mich Schüler, was denn Inflation sei. Und wieso es zur Hyperinflation 1923 kommen konnte.

Den Grundstock für die Inflation stellte der Krieg mit seinen Kosten dar.

In einem Krieg wird die freie Marktwirtschaft weitgehend eingestellt. Es werden Güter des täglichen Gebrauchs rationiert, auch weniger produziert, da viele nun an der Front sind oder in der Rüstung beschäftigt sind. Die Preise warden staatlich festgelegt (somit wird der Preismechanismus von Angebot und Nachfrage ausser Kraft gesetzt - anders gesagt: sie können nicht teurer werden), Dafür werden Werte produziert, die schnell wieder vernichtet werden, statt von jemandem gekauft zu werden: Waffen, Granaten, Kanonen usw. Trotzdem werden die Arbeitskräfte, die sowas produzieren, vom Staat bezahlt. Und ebenso die Soldaten und Offiziere an der Front, die Krankenschwestern in den Lazaretten und die Eisenbahner, die sie an die Front transportieren usw. usf.
Folge: Die Leute können ihr Geld nicht ausgeben, es gibt zuviel Geld und nichts zu kaufen. Geht das über Jahre, staut sich das Geld auf - und es stehen keine realen Werte gegenüber.
Im Moment, wo die Rationierung aufgehoben wird, explodieren die Preise, denn es ist viel mehr Geld da als reale Güter. Wenn nun munter Geld gedruckt wird, gibt es Inflation, die auch in Hyperinflation münden kann. Nun kam ja auch noch der Ruhrkampf dazu: Arbeiter die gestreikt haben wurden auch nocht bezahlt. Aber es wurden keine Gegenwerte geschaffen.

Wieder anders gesagt: Der Krieg ist eine gigantische Wertevernichtung. Zur Veranschaulichung: Ein Tiger Panzer im zweiten Weltkrieg kostete 800 tausend RM (einschliesslich Logistik). Ein VW Käfer damals rund 1000. Statt also 1 Tiger Panzer hätte man 800 VW Käfer bauen können und verschenken können und ware gleich weit. Nein, weiter: denn ein Tiger Panzer wurde irgendwannmal abgeschossen, ein VW Käfer könnte seinem Eigentümer noch Jahre Freude bereiten.
Also, eine gigantische Wertevernichtung ist der Krieg. Und irgendwann muss jemand die Rechnung bezahlen. Nach dem zweiten Weltkrieg hatte man eine Währungsreform gemacht, (Gleichmässiger Schnitt der Ersparnisse und Zusatzsteuern für Immobilieninhaber als Lastenausgleich, jetzt vereinfacht dargestellt), entging damit der Inflation.

DIe Inflation, wie sie sie nach dem ersten Weltkrieg gab, hat aber hat den Nachteil, dass sie den Marktmechanismus praktisch ausser Kraft setzt weil das Geld seine Funktionen als Wertaufbewahrungsmittel komplett verliert, auch als Tauschmittel funktoiniert es schlecht und auch die Funktion als Recheneinheit für wirtschaftliche Werte ist erschwert. Aber noch etwas anderes ist an der Inflation schlimm: Es findet eine Umverteilung von Vermögen in der Bevölkerung statt, die absolut ungerecht und damit auch unerwünscht ist: Von denjenigen, die Geld besitzen zu denjenigen, die Sachwerte haben.

Noch was zu den Reparationen: Die betrugen im Verhältnis zu den aufgestauten Kriegskosten einen Klacks - die jährliche Rate der Reparationen war etwa so hoch wie die Kriegskosten in einem Kriegsmonat. Dabei gilt es aber zu bedenken, das nach Kriegsende die Rüstungsausgaben für das 100 000 Mann Heer massiv gesunken sind, somit der Deutschen Wirtschaft mehr Geld für zivile Zwecke - oder eben auch für die Reparationen - zur Verfügung stand.

Das grosse Versäumnis der Deutschen Politik nach 1918 war es, Versailles für alles schlechte verantwortlich zu machen statt sich der eigenen Verantwortung für das, was man gemacht hatte, aber auch das, was man nach 1918 tat, bewusst zu werden.

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