Warum interessieren wir uns für Geschichte? Warum ich mehr als andere?

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Warum interessieren wir uns für Geschichte? Warum ich mehr als andere?

Beitrag von Admin am So Jan 18, 2015 5:01 pm

Eine Frage, die sich sicher jeder Geschichtsinteressierte, erst recht Forianer, stellt: Warum interessiere ich mich für Geschichte? Warum diskutiere ich gerne, mehr als andere, darüber?

Hier gibt viel Platz, das zu diskutieren.

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Re: Warum interessieren wir uns für Geschichte? Warum ich mehr als andere?

Beitrag von Orianne am Mo Jan 19, 2015 3:52 pm

Wichtig ist, wie eine Lehrerin oder ein Lehrer Geschichte "rüberbringt". Geschichte war in meinem Fall immer gegenwärtig, weil sie in der Familie meiner Mutter eine Rolle spielte. Das dumpfe Einpauken von Jahreszahlen bringt gar nichts, man muss der Klasse erklären, warum es so war, und vielleicht auch Vergleiche zu heute ziehen, das fand und finde ich spannend.
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Re: Warum interessieren wir uns für Geschichte? Warum ich mehr als andere?

Beitrag von Gast am Mo Jan 19, 2015 3:54 pm

Genetisch veranlagt, von den Eltern gefördert, durch gute Lehrer bestärkt, im Studium mit Leidenschaft vertieft.

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Re: Warum interessieren wir uns für Geschichte? Warum ich mehr als andere?

Beitrag von Orianne am Mo Jan 19, 2015 3:57 pm

Lia schrieb:Genetisch veranlagt, von den Eltern gefördert, durch gute Lehrer bestärkt, im Studium mit Leidenschaft vertieft.
Das war/ist bei mir etwa ähnlich Smile

Sorry, ich kann nur kurz schreiben, ich bekam gestern einen Tennisball an den rechten Zeigefinger, es tut echt weh, aber es wird bald wieder gut sein.
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Re: Warum interessieren wir uns für Geschichte? Warum ich mehr als andere?

Beitrag von Gontscharow am Mi Jan 21, 2015 2:06 am

Ja, als Kind entwickelt man wahrscheinlich nur dann ein Interesse an Geschichte, wenn sie einem
von den Erwachsenen lebendig und interessant vermittelt wurde.
Ich erinnere zwei Situationen : Einen Geschichtslehrer, der so packend vom Marathonlauf erzählte,
daß wir Schüler der 5. oder 6. Klasse nicht auf den Pausenton hörten und darauf bestanden, daß der
Lehrer "die Geschichte" erst zu Ende erzählen sollte, bevor wir in die Pause gingen Razz
Dann meine Großmutter, die sehr interessant aus ihrem Leben erzählte. Sie war Jahrgang 1909, hatte als Kind noch den Zaren erlebt,dann den I.Weltkrieg, die bolschewistische Revolution, den anschließenden Bürgerkrieg,
die Zwangskollektivierungen und den Holodomor in der Ukraine, den Stalinismus, schließlich den II.Weltkrieg, die deutsche Besetzung, die Partisanen und die Flucht vor der zurückkehrenden Roten Armee in den Westen,
den Neuanfang in Bayern.
Als Kind habe ich diese Geschichten aufgesogen und sie faszinieren mich bis heute.
----Übrigens schätze ich mein eigenes Leben dagegen als ziemlich langweilig ein....das ist aber auch meistens gut so Wink
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Re: Warum interessieren wir uns für Geschichte? Warum ich mehr als andere?

Beitrag von Nemeth am Mi Jan 21, 2015 11:58 am

Warum interessiere ich mich für Geschichte ?
Das Grundinteresse war dadurch geweckt, mit der Frage: Warum habe ich eine andere Vita als wie fast alle
mit denen ich als Kind in Kontakt kam.
In Ungarn, während des II. Weltkrieges, als Angehöriger der deutschen Minderheit zur Welt gekommen,
die Wirren im Nachkriegsungarn mehr oder
minder zur Kenntnis genommen.
Die erste Zäsur war die Deportation in die sowjetische Besatzungszone Deutschlands. Von heute auf morgen
wurde man aus der gewohnten Umgebung herausgerissen, sprach eine andere Sprache, hatte plötzlich
andere Spielgefährten. Wurde verachtet als ungarischer Zigeuner.
Danach Einschulung: Viele gaben ihre Väter als gefallen, vermisst in Kriegsgefangenschaft an.
Warum, dafür gab es für ein Kind wenig bis keine Erklärungen.
So musste man selbst nach Antworten suchen. So kam man nach und nach dahinter was in der Welt der
"Erwachsenen" abgespielt hat.
Bei der Suche nach Antworten, kam man unwillkürlich zur eigenen und auch der Historie seiner Volksgruppe.
In späteren Jahren ließ das Interesse nicht nach und bei Besuchen in der VR Ungarn sammelte ich alles, was
die Historie meiner Volksgruppe erhellen konnte.
Das ich ausschließlich Geschichtsfälschungen aufsaß ahnte ich damal nicht.
Doch dazu in einem anderen Beitrag.

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Re: Warum interessieren wir uns für Geschichte? Warum ich mehr als andere?

Beitrag von SarahF am Sa Jan 31, 2015 2:19 pm

Ob in meiner Generation das Interesse für Geschichte weniger ausgeprägt ist als in früheren,
kann ich nicht sagen. Es gibt einige, die sich für Geschichte interessieren, andere finden das uncool.
Warum ich selbst mich für Geschichte interessiere, kann ich auch nicht sagen. Ich bin die einzige
in meiner Familie, die ein so ausgeprägtes Interesse an Geschichte hat.
An interessante Geschichtslehrer kann ich mich auch nicht erinnern. wir hatten ein paar und sie
waren alle durchschnittlich, keiner ragte besonders positiv oder negativ heraus.
Mein Interesse begann mit 13,14 Jahren, als ich mir erste Geschichtsdokus im Internet angesehen hatte.
Dann fand ich die Besichtigung historischer Stätten wie Schlösser, Burgen, Parks, Reste alter Stadtmauern
usw. spannend. Es gab nichts schöneres für mich, als an einem verregneten Tag in Sanssouci spazieren zu gehen
( weil dann nicht so viele Touristen da waren und man sich besser in andere Zeiten versetzt fühlen konnte).
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Re: Warum interessieren wir uns für Geschichte? Warum ich mehr als andere?

Beitrag von Marek1964 am Mi Sep 09, 2015 6:34 pm

Ein schon alter Thread, den ich aufgrund einer neuen Frage in diesem Unterforum nochmal durchgegangen bin und gesehen habe, dass ich selbst noch nichts geschrieben habe.

Für mich ist das Interesse stark familienbegründet. Zum einen, weil wir als Exiltschechoslowaken, und damit ich als 6jähriger im Ausland gelebt habe und damit anders war als andere - und warum eigentlich. Und wieso konnte man nicht mehr ins Heimatland fahren.

Dann interessierten mich auch immer Kriegsflugzeuge und -panzer. Letzere hatte ich 1968 in Aktion gesehen - was ein ambivalentes Verhältnis zu diesem Kampfgerät verursachte. Später faszinierten mich alte Autos ebenso wie Schiffe oder Eisenbahnen.

Einen weiteren Beitrag lieferten die Comics von Asterix und Wickie und die starken Männer.

In der Schule hatte ich meistens gute Noten, mit den meisten Lehrern war ich zufrieden, bis auf eine Ausnahme. Ein linker Lehrer, der uns zu manipulieren versuchte.

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Re: Warum interessieren wir uns für Geschichte? Warum ich mehr als andere?

Beitrag von Rübezahl am Mi Sep 09, 2015 11:45 pm

Bei mir hat sich das Interesse für Geschichte wohl daraus ergeben, dass man in Südtirol die Geschichte des Landes unbedingt kennen muss, um die verzwickte Gegenwart zu verstehen. Der Geschichtsunterricht in der Schule war eher langweilig, aber in der Freizeit habe ich mit Freunden den Vertrag von St. Germain studiert und den Erzählungen von Kriegsteilnehmern gelauscht. Ich habe ja noch mehrere WK-I-Teilnehmer kennengelernt. Und wenn man einmal anfängt, sich für Geschichte zu interessieren, dann will man immer mehr wissen.

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Re: Warum interessieren wir uns für Geschichte? Warum ich mehr als andere?

Beitrag von Peter Paul am Do Sep 10, 2015 12:01 am

Nemeth schrieb:Warum interessiere ich mich für Geschichte ?
Das ich ausschließlich  Geschichtsfälschungen aufsaß ahnte ich damal nicht.
Nemeth
Davon gibt es offensichtlich viele! Gerade die finde ich interessant. Gibt es welche, die bis heute noch Bestand haben?
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Re: Warum interessieren wir uns für Geschichte? Warum ich mehr als andere?

Beitrag von Gontscharow am Do Sep 10, 2015 12:46 am

Ganz sicher wimmelt es nur so von Geschichtsfälschungen, die Urheber waren nicht nur die Bolschewisten, sondern alle anderen auch.
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Re: Warum interessieren wir uns für Geschichte? Warum ich mehr als andere?

Beitrag von Rübezahl am Do Sep 10, 2015 12:55 pm

Ich habe in der vergangenen Woche die bayerische Landesausstellung "Napoleon und die Bayern" im Neuen Schloss in Ingolstadt besucht. Dort wird Geschichtsfälschung pur in großem Stil betrieben. Ich habe noch nie eine so üble Ausstellung gesehen, aber anscheinend stört das niemanden.

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Re: Warum interessieren wir uns für Geschichte? Warum ich mehr als andere?

Beitrag von Peter Paul am Do Sep 10, 2015 1:24 pm

Rübezahl, das ist ja jetzt erst mal nur eine Behauptung!
Woran machen Sie Ihre Meinung fest?
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Re: Warum interessieren wir uns für Geschichte? Warum ich mehr als andere?

Beitrag von Rübezahl am Do Sep 10, 2015 1:56 pm

Natürlich ist das zunächst mal nur eine Behauptung, die ich aber gerne begründe. Die Generaltendenz der Landesausstellung geht dahin, die extreme Wendehalspolitik Bayerns in der napoleonischen Zeit zu rechtfertigen. So wird, ohne jeden Beleg, behauptet, dass Bayern sich Frankreich anschließen musste, weil es angeblich von Österreich bedroht wurde. Warum Bayern sich dann, trotz angeblicher österreichischer Bedrohung, 1813 doch wieder mit Österreich gegen Napoleon gewandt hat, wird nicht erläutert, ist aber doch ziemlich offensichtlich. Man war halt gerne auf Seiten der Sieger.
Geradezu peinlich ist die Art, wie das Wort Tirol nach Möglichkeit vermieden wird. Dass Bayern durch den Seitenwechsel von 1805, den man auch Verrat nennen könnte, ganz Tirol dazugewonnen hat, wird überhaupt nicht erwähnt, wohl aber die Tatsache, dass Bayern plötzlich (warum wohl?) bis an den Gardasee reichte. Der Tiroler Aufstand gegen die üble bayerische Zwangsherrschaft wird zwar kurz erwähnt, weil es sich wohl nicht vermeiden lässt. Die Ursachen des Aufstandes (Vervierfachung der Steuern, Ausplünderung und wirtschaftliche Ruinierung des Landes, Verbot des Namens Tirol, Einführung der Wehrpflicht) werden aber überhaupt nicht genannt. Stattdessen wird davon phantasiert, dass sich Bayern gegen räuberische Tiroler (plötzlich gibt es das Wort Tirol wieder) verteidigen musste. Tatsache ist, dass heute noch die Münchner Museen mit Raubkunst aus Tirol gefüllt sind, aber das wird natürlich nicht erwähnt. Tiroler Schützen haben 1809 in Bayern Lebensmittel requiriert (großteils gegen Bezahlung), nachdem Bayern Tirol verarmt und ausgeplündert hatte. Dies als "Plünderungen" zu bezeichnen ist eine Frechheit. Über den Aufstand von 1809 werden auch nur Viertelwahrheiten mitgeteilt. So findet die eher unbedeutende Schlacht von Wörgl, bei der die Tiroler dank der Unfähigkeit des österreichischen Generals Chasteler gegen die Bayern eine Niederlage erlitten haben, große Aufmerksamkeit, während die drei bedeutenden Bergisel-Schlachten, bei denen die Tiroler weit überlegene bayerische bzw. bayerisch-französische Truppen geschlagen haben, überhaupt nicht erwähnt werden. Andreas Hofer, Oberkommandant der Tiroler Schützen und für einige Zeit Gouverneur von Tirol, wird mit der Bemerkung abgetan, dass er "eine wichtige Rolle" im Tiroler Aufstand gespielt habe. Die Liste der Ungenauigkeiten und bewussten Lügen ließe sich noch lange fortführen.

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Re: Warum interessieren wir uns für Geschichte? Warum ich mehr als andere?

Beitrag von Falk v. K. am Sa Okt 24, 2015 3:38 pm

Ich habe Geschichte aus der Schulzeit als beständiges "Auswendiglernen" vor allem von Daten in Erinnerung. Außerdem war schon mit dem 1. Weltkrieg Schluss. Die Nazi-Zeit würde peinlichst gemieden. Seit meinem Ausstieg aus einer Sekte beschäftige ich mich mit diesem äußerst interessanten und anderen Themen...
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Re: Warum interessieren wir uns für Geschichte? Warum ich mehr als andere?

Beitrag von Marek1964 am Sa Okt 24, 2015 3:57 pm

hpd1311 schrieb:Ich habe Geschichte aus der Schulzeit als beständiges "Auswendiglernen" vor allem von Daten in Erinnerung. Außerdem war schon mit dem 1. Weltkrieg Schluss. Die Nazi-Zeit würde peinlichst gemieden. Seit meinem Ausstieg aus einer Sekte beschäftige ich mich mit diesem äußerst interessanten und anderen Themen...

Hochinteressant - ich habe mich eine Zeitlang mit Scientology beschäftigt - Gott sei dank nur aus Interesse, persönlich betroffen bin ich davon nicht. Mache ich dann vielleicht mal ein Thema dazu auf.

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Re: Warum interessieren wir uns für Geschichte? Warum ich mehr als andere?

Beitrag von Rübezahl am So Okt 25, 2015 12:11 am

Das Befassen mit der Geschichte ist immer auch ein Suchen nach der "Wahrheit", wobei man sich bewusst sein muss, dass man sich ihr nur annähern kann. Man kann aber immer etwas dazulernen.

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Beitrag von Lux:-? am Fr Nov 06, 2015 4:41 am

Ich habe schon in früher Kindheit gerne historische und Abenteuerromane, die meist auch historisierend waren, gelesen. Hinzu kamen spätestens ab meinem 9. Lebensjahr SF-Erzählungen und -Romane, vielleicht, weil mir an einem August-Abend am Ferienlager-Lagerfeuer im Jahr des 1.Sputniks der Sternenhimmel bewusst wurde. Wohl aus dieser Verbindung und dem Weiterspinnen von Romanen in Was-wäre-wenn-Szenarien resultierte letztlich ein Bewusstsein für den Zusammenhang aller Dinge und Entwicklungen, also eine ganzheitliche Sicht auf Geschichte und unser Wirken in Vergangenheit, Gegenwart und möglicher Zukunft, wobei ich zunehmend die Gegenwart als die Verbindung, den gleitenden Punkt, zwischen Vergangenheit und Zukunft wahr nahm. Unser Handeln (als Menschheit und auch Einzelperson) heute resultiert auch aus der Vergangenheit und legt gleichzeitig Wurzeln für künftiges Tun. An jedem Punkt der gedachten Zeitlinie können Störungen auftreten, die alles verändern. Deshalb ist (war und wird sein) auch alles möglich, was nicht gänzlich unmöglich ist (d.h., dem die Gesamtheit aller Naturgesetze, auch der bisher unbekannten - gesellschaftliche Gesetze sind auch nur eine Spezialform davon - nicht entgegensteht).
Diese Gesamtsicht auf Geschichte (auch die des Universums und aller seiner möglichen Bewohner einst und jetzt gehört dazu!) vermisse ich oft in den Arbeiten von Historikern und Archäologen, weshalb Naturwissenschaftler (manche machen sicher ähnliche Fehler) diese wohl nicht als echte Wissenschaften anerkennen mögen - Zitat: Hat ein Archäologe eine gute Hypothese, missachtet er oft alle naturwissenschaftlichen Fakten, die ihr entgegenstehen.
So habe ich mal einen russischen Artikel gesehen, der die griechisch begründete Wissenstradition mit der indischer Denker verglich. Aus der Abbildung war zu entnehmen, das erstere nach außen drängt(e), während sich letztere auf das Innere zurückzog. Manchmal hatte ich danach das Gefühl (vor allem, wenn und als ich mehr über die Erkenntnisse der Letzteren erfuhr), der europäische Forscher kommt irgendwann an der Spitze des Wissensberges an, auf der ihn der Brahmane bereits seit langem erwartet. Deshalb glaube ich, dass in den vielen Jahrtausenden unserer Geschichte so manches Wissen verloren gegangen ist, von dem manchmal merkwürdige Splitter die Zeiten bis heute überdauert haben und uns nun verwundern.
Die von RR verschmähte australische Literatur-Nobelpreisträgerin Doris Lessing (übrigens eine Tante Gregor Gysis), hat neben vielen Gegenwartsromanen auch 5 SF-Bände geschrieben, für die allein ihr mM nach der Nobelpreis zustand (andere Romane von ihr habe ich nicht gelesen), so voller ungewöhnlicher Ideen waren diese. U.a. gehörte zu diesen Ideen eine über Jahrmillionen andauernde Geschichte einer außerirdischen Superzivilisation, desweiteren die 2er (außerirdischer) Nachbarvölker, die ihre über 2 Mio Jahre alte Geschichte nur bzgl der letzten 10Tsd Jahre überblickten und so längst vergessen hatten, dass sie beide längst ein Volk waren, weil mal das eine, mal das andere das jeweils andere beherrschte und sich letztlich mit ihm vermischte. Trotzdem blieben alte Rivalitäten bestehen bzw brachen alle xTsd oder xHundert Jahre wieder auf. Irgendwie kam mir das allzu bekannt vor...! Unsere Wissenschaft entdeckt auch immer mehr Gemeinsamkeiten zwischen den Bewohnern unserer Welt und trotzdem bleiben die Trennungen in den Köpfen bestehen. Manche Wahrheit will man einfach nicht glauben, ja, schließt sogar Möglichkeiten aus, weil nicht sein kann, was nicht sein darf! Das macht unser 'Hobby' so aktuell, egal wie tief es in die Zeit zurückreicht.
Wenn manchen sog Skeptikern (ein unzutreffender Begriff, denn Skepsis mag mitunter angebracht sein, denen geht's aber um vermeintlich unumstößliche Wahrheiten, sprich Dogmen) sogar die Möglichkeit eines anderen geschichtlichen Verlaufs als tradiert ein Tabubruch ist, den man nicht mal in Form eines Gedankens begehen darf, dann ist das mittelalterlich dogmatische Scholastik und keine Wissenschaft, denn die lebt von neuen und ungewöhnlichen Gedanken, die dann irgendwann falsi- oder verifiziert werden. Diese naturwissenschaftliche Vorgehensweise, die in ähnlicher Form auch von sich als interdisziplinär verstehenden Nicht-Naturwissenschaften verwendet wird, ist diesen Leuten ein Greuel, was sehr schön auch an der Diskussion um das Chachapoya-Buch des Kulturwissenschaftlers (interdisziplinär!) Prof Giffhorn auf WP, bei Jason Colavito (besonders skurril!) und last not least in diesem unsäglich arroganten GF (was angeblich links sein soll, aber wenn, dann eher linkssektiererisch und womöglich neoliberal ferngesteuert ist), das der Gründungsidee des freien Internets als Form eines freien Meinungsaustauschs ins Gesicht schlägt. Folglich können sie sich in ihrer Echokammer (hoffentlich) bald nur noch mit sich selbst unterhalten (die stetig sinkenden Klickzahlen deuten darauf hin).
Geschichtswissen wird zwar immer wieder für bestimmte, meist nationalistische Zwecke missbraucht (auch in diesem Forum habe ich in einem harmlos wirkenden BT zufällig einen Link zu einer solch schlimmen nationalistischen Geschichtsklitterung entdeckt, die Erdogans Amerika-Entdeckungsauslassungen harmlos erscheinen lässt, aber zT in Konkurrenz zur nationalistisch-(west-)ukrainischen Umetikettierung des Urindogermanischen zum Urukrainischen steht (das soll dort schon in Schulbücher geschrieben werden, wobei man den russischen Osten, woher sie oder ihr Vorläufer ursprünglich stammt, auf Karten gern weglässtl!).

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Re: Warum interessieren wir uns für Geschichte? Warum ich mehr als andere?

Beitrag von Exmitglied-2 am Fr Nov 06, 2015 10:32 am

Lux:-? schrieb:Zitat: Hat ein Archäologe eine gute Hypothese, missachtet er oft alle naturwissenschaftlichen Fakten, die ihr entgegenstehen.
Das halte ich für eine Generalisierung, Einzelfälle mag es geben, aber das ist keine Norm wie das Zitat behauptet. Gerade die archäologischen Disziplinen sind stark mit naturwisssenschaftlichen Methoden verwoben, weil es für manche Kulturen keine (entzifferbaren) Schriftzeugnisse gibt, ist man darauf angewiesen. Man findet sie aber mittlerweile in allen Teilgebieten.

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Re: Warum interessieren wir uns für Geschichte? Warum ich mehr als andere?

Beitrag von Marek1964 am Fr Nov 06, 2015 3:37 pm

Eine Bitte Lux- Du verwendest gerne Abkürzungen - es mag Dir vielleich ein paar Sekundenbruchteile sparen -aber der Leser versteht es dann oft nicht - was heisst SF? Science Fiction? Und RR? Und BT? bojový tank (Kurzbezeichnung sowjetischer Panzer)? Oder Beitrag?. In einen privaten Schreiben an mich hast Du WP geschrieben - ich dachte erst, es ist was anderes, dann wurde mir klar, dass es um wikipedia geht. Oder meintest Du doch wordpress?
¨
Ich möchte vorschlagen, nur USA, BRD und UNO als Abkürzungen zu verwenden, die UdSSR und DDR werden wohl auch noch alle kennen, ansonsten bitte wenn immer möglich ausschreiben.

Wenn Du hier links zu bedenklichen Seiten entdeckst, kannst Du uns das melden.  Wir gehen der Sache nach, wiewohl wir darin zurückhaltend sind was Zensur anbelangt.

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Re: Warum interessieren wir uns für Geschichte? Warum ich mehr als andere?

Beitrag von Exmitglied-2 am Fr Nov 06, 2015 5:22 pm

Ich tippe auf Beitrag, Wordpress und Reich-Ranicki.

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Re: Warum interessieren wir uns für Geschichte? Warum ich mehr als andere?

Beitrag von Gontscharow am Sa Nov 07, 2015 12:13 pm

Die Abkürzungen ergeben sich aus dem Zusammenhang, mir erschließt sich SF auch ganz einfach as Science Fiction und RR als Reich-Ranicki. Nun muß man allerdings in der Tat bedenken, daß nicht alle Leser dieses Forum sich in den deutschen Medien tummeln wie der Fisch im Wasser und ihnen deshalb manche Abkürzungen nicht geläufig sein könnten,
es ist deshalb schon besser, sie im Zweifel auszuschreiben.
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Re: Warum interessieren wir uns für Geschichte? Warum ich mehr als andere?

Beitrag von Lux:-? am So Nov 08, 2015 2:17 am

Tut mir leid, normalerweise benutze ich deutlich mehr Abkk (<- u.a. in dieser Art ;-]). Ja, richtig erkannt BT= Beitrag, WP=Wikipedia (wird dort auf den Diskussionsseiten nebst einem Haufen anderer benutzt), statt SF wird heute gern Sci-Fi verwendet und RR ist natürlich der verstorbene, berühmt-berüchtigte Preisverweigerer und Literaturpapst (eine im Literaturkritikbetrieb gängige Abkürzung ala RP=rex Prussiae ;-]). Doris Lessing (Shikasta) ist übrigens leider auch schon verstorben.
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Re: Warum interessieren wir uns für Geschichte? Warum ich mehr als andere?

Beitrag von Lux:-? am So Nov 08, 2015 2:22 am

Ah, noch vergessen:
Der Beitrag über die angebliche Entdeckung von Wogastisburg ist eigentlich harmlos, hat aber einen Link, der wohl auf den Blog des Beitragsschreibers führt. Und die Texte dort haben's in sich! Viel Spaß beim Lesen...!
Lux :-?

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Re: Warum interessieren wir uns für Geschichte? Warum ich mehr als andere?

Beitrag von Klartext am Sa Nov 21, 2015 2:21 am

Werter Lux, sag uns doch, was auf betreffender Webpage so schlecht ist. Das würden uns echt interessieren.

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