Strafe, oder die Kultur der Strafe, die Strafe der Kulturen - oder: Ist der Strafvollzug im Gefängnis sinnvoll

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Strafe, oder die Kultur der Strafe, die Strafe der Kulturen - oder: Ist der Strafvollzug im Gefängnis sinnvoll

Beitrag von wfwbinder am Sa März 21, 2015 6:47 am

Die Diskussion über die Gerechtigkeit der Strafe für Georg Schmid, oder die Bestrafung von Politikern bringt mich zur Frage, wie sollten Strafe in unserer Zeit aussehen.

Es gibt Strafen, die haben die Zeit von der Antike bis heute überdauert. Die Steinigung finden wir in der Bibel und noch heute z. B. in Saudi Arabien.

Es gab Zeiten, da hat man Dieben die Hand abgeschnitten und für relativ geringfügige Straftaten zum Teil auch die Todesstrafe verhängt, die heute, von wenigen Ausnahmen abgesehen, wenn überhaupt in einigen Ländern nur noch für Mord verhängt wird. Europa kennt sie nicht mehr.

In den weitaus meisten Nationen kennen wir heute Geldstrafen, oder Haftstrafen.

Noch vor ca. 50 Jahren kannten wir auch in Deutschland noch das "Zuchthaus" eine verschärfte Form der Haft, seit dem hat sich in der Beziehung viel geändert und man versucht in der Haft die Verurteilten zu resozialisieren.

Wir haben heute die Diskussion, bzw. ja auch die Umsetzung, dass Straftaten wie Steuerhinterziehung in schweren Fällen mit Haftstrafen belegt werden, die auch vollstreckt werden.

Was ich mich und nun hier auch die Foristen Frage: Sollte eine moderne Gesellschaft wie die unsere, sich nicht die Frage stellen, ob es andere Möglichkeiten gibt als Wegsperren? Oder anderes gefragt, wen müssen wir wegsperren? Und wenn wegsperren, unter welchen Bedingungen.

Ein Serienmörder, der sich für Morde bezahlen läßt? wird jeder ja sagen und da besteht die Gefahr, dass er weiter macht, wenn er frei ist.

Ein Serienmörder der aus Mordlust, oder einem psychischen Zwang tötet? Vermutlich ja, auch dem gleichen Grund.

so können wir die Straftaten durchgehen bis zum Ladendiebstahl, bei dem das Verfahren nahezu immer eingestellt wird, soweit der Schaden unter 50,- Euro liegt.

Müssten nicht Soziologen, Psychologen udn Juristen überlegen, ob es andere Möglichkeiten gibt?

Wir haben heute elektronische Fußfesseln, mit denen wir genau verfolgen können, wo sich Jemand aufhält.

Oft bleiben die Geschädigten auf dem Schaden sitzen, weil der Täter, für 2-X Jahren in Haft, keine Schadenersatz leisten kann.

Sollte es die Möglichkeit geben, dass der Täter wählen kann, ob er 2 Jahre in den Knast geht, oder 5 Jahre mit elektronischer Fußfessel "draussen" leben kann und mit Einschränkungen versehen, arbeiten und Schadenersatz leisten darf.
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Re: Strafe, oder die Kultur der Strafe, die Strafe der Kulturen - oder: Ist der Strafvollzug im Gefängnis sinnvoll

Beitrag von Gontscharow am Sa März 21, 2015 1:02 pm

Es ist schon sehr viel weniger geworden mit dem "Wegsperren". Nach den Justizreformen der 70er Jahre ist die Zahl der verhängten Haftstrafen und somit der Häftlinge stark gesunken.
Die Gerichte bemühen sich die Einzelfälle zu sehen und beschäftigen deshalb ein Heer von Gutachtern und Psychologen, um ein angemessenes Straßmaß zu finden. Resozialisierung, nicht
Rache ist das Leitmotov unserer Justiz und das ist vernünftig und gut so.
Berufsbedingt komme ich immer wieder mit jungen Männern in Kontakt, die zwecks Geldbeschaffung Straftaten begehen. bei den meisten würde eine Verurteilung zu einer Haftstrafe ( wenn sie das Alter für Jugendhaft schon überschritten haben) das Gegenteil dessen bewirken, was man anstrebt. Sind sie vor der Haft noch zugänglich, ängstlich, gehemmt, haben Skrupel, so kommen sie als gewaltbereite potentielle Verbrecher aus unseren JVA wieder hinaus, was schlicht und einfach an den Mithäftlingen liegt.

Natürlich gibt es auch Fälle, wo die Gesellschaft vor Schwerverbrechern gechützt werden muß
und da bleibt dann eben nur das "Wegsperren".

Fußfesseln stellen übrigens auch eine kostengünstige Alternative zu Haftstrafen dar -
in Zeiten knapper Kassen ein nicht zu unterschätzender Aspekt ( es ist ziemlich teuer, JVA zu unterhalten ).
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Re: Strafe, oder die Kultur der Strafe, die Strafe der Kulturen - oder: Ist der Strafvollzug im Gefängnis sinnvoll

Beitrag von Judas Phatre am So März 22, 2015 6:57 pm

wfwbinder schrieb:
Was ich mich und nun hier auch die Foristen Frage: Sollte eine moderne Gesellschaft wie die unsere, sich nicht die Frage stellen, ob es andere Möglichkeiten gibt als Wegsperren? Oder anderes gefragt, wen müssen wir wegsperren? Und wenn wegsperren, unter welchen Bedingungen.
Die Gefängnisstrafe ist eine typisch europäische Erfindung. Der nomadisch geprägte Nahe Osten kannte sie kaum. Sie ist teuer und ineffektiv, je humaner, desto teurer und ineffektiver. Sollte sie abschrecken, müsste sie grausamer sein, aber wer will das? Haft grenzt den Horizont ein, schafft Depression und geistige Verarmung. Erwachsene stehen das ganz gut durch, aber im Grunde leiden sie ähnlich unter Hospitalismus wie Kinder. Die Idee der Strafe hängt sehr an einem bestimmten Menschenbild: Dieses Bild geht davon aus, dass der Körper und die Tat eine Einheit bilden. Jemand ist ein Dieb, Deserteur, Mörder und nicht ein Mensch, der das neben anderem einmal getan hat. Am deutlichsten wird das bei der Todesstrafe. Man versucht das Verbrechen zu vernichten, indem man den Körper tötet, der es begangen hat. Wie irrsinnig das alles ist, zeigen die USA: Dort sitzt 1% der Bevölkerung ein, noch etwas mehr sind auf Bewährung in prekärer Freiheit (Vergleich Deutschland: 0,75 Promille).
Ich stelle mir ein Eingliederungskonzept vor wie ein Kloster: Straftäter und Freie bilden eine enge Gemeinschaft mit strengen, aber vernünftigen Regeln und arbeiten zusammen mit unterschiedlichen Aufgaben und Verantwortungen. Es wird kaum Geld verdient und die Gefangenen müssen sich mit Engagement und Verlässlichkeit ihre Freiheit erarbeiten. Sie werden danach noch einige Zeit betreut und erhalten eine ähnliche Arbeit.

Natürlich gibt es darüberhinaus Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen mit den heutigen Mitteln nicht integrierbar sind. Ein wenig Wegsperren ist notwendig, etwa in geschlossenen psychiatrischen Anstalten. Vielleicht könnte man manche Menschen auf Dauer in diesen Haftklöstern unterbringen.

Fußfesseln halte ich für wenig geeignet. Man lässt die Menschen allein, schränkt sie wenig ein. Das ist billig, aber erfüllt für sich genommen kaum einen Erziehungsauftrag.
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Re: Strafe, oder die Kultur der Strafe, die Strafe der Kulturen - oder: Ist der Strafvollzug im Gefängnis sinnvoll

Beitrag von wfwbinder am So März 22, 2015 7:52 pm

Judas Phatre schrieb:
Ich stelle mir ein Eingliederungskonzept vor wie ein Kloster: Straftäter und Freie bilden eine enge Gemeinschaft mit strengen, aber vernünftigen Regeln und arbeiten zusammen mit unterschiedlichen Aufgaben und Verantwortungen. Es wird kaum Geld verdient und die Gefangenen müssen sich mit Engagement und Verlässlichkeit ihre Freiheit erarbeiten. Sie werden danach noch einige Zeit betreut und erhalten eine ähnliche Arbeit.

Natürlich gibt es darüberhinaus Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen mit den heutigen Mitteln nicht integrierbar sind. Ein wenig Wegsperren ist notwendig, etwa in geschlossenen psychiatrischen Anstalten. Vielleicht könnte man manche Menschen auf Dauer in diesen Haftklöstern unterbringen.

Fußfesseln halte ich für wenig geeignet. Man lässt die Menschen allein, schränkt sie wenig ein. Das ist billig, aber erfüllt für sich genommen kaum einen Erziehungsauftrag.

DEine Klosteridee finde ich sehr gut durchdacht und klug. Wäre einen Versuch auf jeden Fall wert.

Die Sache mit der Fußfessel hast Du aber falsch verstanden. Natürlich sollen die Leute in der Zeit betreut werden, aber eben nicht durch irgendwelche Gesprächsgruppen im Knast, sondern dadurch, dass sie in der eigenen Umgebung betreut werden, oder in entsprechenden Gruppen zur Freizeitgestaltung.
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Re: Strafe, oder die Kultur der Strafe, die Strafe der Kulturen - oder: Ist der Strafvollzug im Gefängnis sinnvoll

Beitrag von Waldi am So März 22, 2015 9:29 pm

Stelle mir oft die Frage, warum einige in diesen Sumpf abtrifften -

Komme dann zu der Überlegung, daß viele von den Abtrünnigen keiner oder nur teilweise einer ordentlichen Arbeit nachgehen, die mitunter so erbärmlich bezahlt wird, daß es zum Leben zu wenig und zum Sterben zuviel ist.
Also wird sich das Nötigste anderweitig besorgt ....

Alleine in der BRD werden jährlich Milliarden anderweitig verwendet, wo man sich schon fragt, was das soll. Arbeit gäbe es in D genügend und mit Unterstützung des Staates kann man sich eine Elite heranziehen, die beispielhaft auf diesem Planeten sein würde.
Diverse Einrichtungen schaffen, Ausbilder sind zum Glück hervorragende vorhanden ...

Für mich ist eine anständige Arbeit und ein entsprechende Bezahlung das A u. O, um dem Sumpf zu entgehen!

Wer`s dann noch nicht kapiert hat, wandert in den Bau oder wird, wenn kein deutscher Paß vorliegt, mit Sack und Pack außer Landes verwiesen.


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Re: Strafe, oder die Kultur der Strafe, die Strafe der Kulturen - oder: Ist der Strafvollzug im Gefängnis sinnvoll

Beitrag von Judas Phatre am Mo März 23, 2015 9:20 am

wfwbinder schrieb:
Die Sache mit der Fußfessel hast Du aber falsch verstanden. Natürlich sollen die Leute in der Zeit betreut werden, aber eben nicht durch irgendwelche Gesprächsgruppen im Knast, sondern dadurch, dass sie in der eigenen Umgebung betreut werden, oder in entsprechenden Gruppen zur Freizeitgestaltung.
Sie müssen aber aus ihrer Umgebung heraus!
Wie ich sagte, ist es eine Illusion zui denken, Täter und Tat wären eine Einheit. Individualität ist zum größten Teil eine Illusion. Die meisten begehen Verbrechen nicht, um zu überleben, sondern um so zu leben, wie ihre Umgebung es von ihnen zu fordert. Sie müssen lernen anders zu leben. Im Grunde aber müsste sich unser ganzes Zusammenleben ändern.
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Re: Strafe, oder die Kultur der Strafe, die Strafe der Kulturen - oder: Ist der Strafvollzug im Gefängnis sinnvoll

Beitrag von Marek1964 am Di März 31, 2015 9:17 pm

Ich selbst halte den Strafvollzug im Gefängnis auch nicht für sinnvoll. Kostet viel, bringt nichts. Geldstrafen, sonst nur bei gemeingefährlichen Sicherheistverwahrung bei gleichzeitig harter Arbeit.

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Re: Strafe, oder die Kultur der Strafe, die Strafe der Kulturen - oder: Ist der Strafvollzug im Gefängnis sinnvoll

Beitrag von Exmitglied-1 am Mi Apr 01, 2015 11:41 am

Abgeschafft werden muss, dass man für ein und dieselbe Sache mehrfach bestraft werden  kann!
Der Kraftfahrer wird im dümmsten Fall gleichzeitig mit Ordnungsgeld, Geldstrafe, Punkten in Flensburg, Vorstrafe oder Gefängnis bestraft. Mir ist es zwar noch nicht passiert, ist aber theoretisch denkbar.
Der Berufskraftfahrer hat einen gefährlichen Job!

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Re: Strafe, oder die Kultur der Strafe, die Strafe der Kulturen - oder: Ist der Strafvollzug im Gefängnis sinnvoll

Beitrag von wfwbinder am Mi Apr 01, 2015 8:50 pm

segula schrieb:Abgeschafft werden muss, dass man für ein und dieselbe Sache mehrfach bestraft werden  kann!
Der Kraftfahrer wird im dümmsten Fall gleichzeitig mit Ordnungsgeld, Geldstrafe, Punkten in Flensburg, Vorstrafe oder Gefängnis bestraft. Mir ist es zwar noch nicht passiert, ist aber theoretisch denkbar.
Der Berufskraftfahrer hat einen gefährlichen Job!

Niemand wird für ein und die selbe Sache zweimal bestraft.

Wenn es eine Ordnungswidrigkeit ist, dann gibt es eben nur ein Bußgeld. Bei schweren Ordnungswidrigkeiten, kann es neben dem Bußgeld noch ein Fahrverbot von 1-3 Monaten geben.


Bei Straftaten ist zu unterscheiden ob es sich um relativ geringe Straftaten im Verkehr handelt, dann kann es neben einer Geldstrafe eben auch ein Fahrverbot für 1-3 Monate geben. Das ist eine Nebenstrafe nach § 44 StGB.

Bei schweren Straftaten im Verkehrsbereich (Straßenverkehrsgefährdung, fahrlässig Körperverletzung, fahrlässige Tötung), kann eben der Entzug der Fahrerlaubnis erfolgen. Das ist § 69 StGB udn damit keine Strafe sondern ein Mittel der Massregel. Für den erneuten rwerb einer Fahrerlaubnis wird dann eine Sperrfrist verhängt (6 Monate bis 5 Jahre) udn es kommt zur gefürchteten MPU, weil eine Fahrerlaubnis eben nur entzogen wird, wenn sich ein Autofahrer als ungeeignet zum Führen eines Fahrzeugs erwiesen hat.

Natürlich wird jeder dieser Punkte als Strafe empfunden, aber es ist eben zu unterscheiden und ist eben auch ein großer Unterschied, ob ich ausserorts um 45 zu schnell war, 160 euro Bußgeld zu zahlen habe und nach einem Monat meinen Führerschein wieder abholen kann, oder wegen TRunkenheit am Steuer eine Geld- oder Haftstrafe (mit Bewährung bekomme) aber weil es das zweite, oder dritte mal war dann eben mit einem Entzug der Fahrerlaubnis belegt werde und somit die Führerscheinprüfung nochmal machen muss.

Die Punkte in Flensburg sind keine Strafe. Das ist nur eine Registratur, weil man sonst ja sozusagen immer "für 100 euro fahren" könnte und damit ein Verkehrsrüpel alle 2 Wochen zu schnell fahren dürfte, wenn er sich die Geldstrafen leisten kann. Man nutzt das Zentralregister einfach dazu, jemanden der häufig zu schnell feährt, irgendwann mal mit einem Fahrverbot belegen zu können, auch wenn der einzelne Verstoß dazu nicht reichen würde.
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