Inflation 1914-1918-1923 - einfach verständlich erklärt, von der Kriegsfinanzierung durch Schulden bis zum Ruhrkampf

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Inflation 1914-1918-1923 - einfach verständlich erklärt, von der Kriegsfinanzierung durch Schulden bis zum Ruhrkampf

Beitrag von Admin am So Jan 18, 2015 12:21 am

Ich habe einen Artikel über Inflation geschrieben, Betonung lag auf der verständlichen Erklärung für Laien, Hauptbezug die Situation von 1923. Immer wieder fragen mich Schüler, was den Inflation sei. Und wieso es zur Hyperinflation 1923 kommen konnte.

Den Grundstock für die Inflation stellte der Krieg mit seinen Kosten dar.

In einem Krieg wird die freie Marktwirtschaft weitgehend eingestellt. Es werden Güter des täglichen Gebrauchs rationiert, auch weniger produziert, da viele nun an der Front sind oder in der Rüstung beschäftigt sind. Die Preise warden staatlich festgelegt (somit wird der Preismechanismus von Angebot und Nachfrage ausser Kraft gesetzt - anders gesagt: sie können nicht teurer werden), Dafür werden Werte produziert, die schnell wieder vernichtet werden, statt von jemandem gekauft zu werden: Waffen, Granaten, Kanonen usw. Trotzdem werden die Arbeitskräfte, die sowas produzieren, vom Staat bezahlt. Und ebenso die Soldaten und Offiziere an der Front, die Krankenschwestern in den Lazaretten und die Eisenbahner, die sie an die Front transportieren usw. usf.
Folge: Die Leute können ihr Geld nicht ausgeben, es gibt zuviel Geld und nichts zu kaufen. Geht das über Jahre, staut sich das Geld auf - und es stehen keine realen Werte gegenüber.
Im Moment, wo die Rationierung aufgehoben wird, explodieren die Preise, denn es ist viel mehr Geld da als reale Güter. Wenn nun munter Geld gedruckt wird, gibt es Inflation, die auch in Hyperinflation münden kann. Nun kam ja auch noch der Ruhrkampf dazu: Arbeiter die gestreikt haben wurden auch nocht bezahlt. Aber es wurden keine Gegenwerte geschaffen.

Wieder anders gesagt: Der Krieg ist eine gigantische Wertevernichtung. Zur Veranschaulichung: Ein Tiger Panzer im zweiten Weltkrieg kostete 800 tausend RM (einschliesslich Logistik). Ein VW Käfer damals rund 1000. Statt also 1 Tiger Panzer hätte man 800 VW Käfer bauen können und verschenken können und ware gleich weit. Nein, weiter: denn ein Tiger Panzer wurde irgendwannmal abgeschossen, ein VW Käfer könnte seinem Eigentümer noch Jahre Freude bereiten.
Also, eine gigantische Wertevernichtung ist der Krieg. Und irgendwann muss jemand die Rechnung bezahlen. Nach dem zweiten Weltkrieg hatte man eine Währungsreform gemacht, (Gleichmässiger Schnitt der Ersparnisse und Zusatzsteuern für Immobilieninhaber als Lastenausgleich, jetzt vereinfacht dargestellt), entging damit der Inflation.

DIe Inflation, wie sie sie nach dem ersten Weltkrieg gab, hat aber hat den Nachteil, dass sie den Marktmechanismus praktisch ausser Kraft setzt weil das Geld seine Funktionen als Wertaufbewahrungsmittel komplett verliert, auch als Tauschmittel funktoiniert es schlecht und auch die Funktion als Recheneinheit für wirtschaftliche Werte ist erschwert. Aber noch etwas anderes ist an der Inflation schlimm: Es findet eine Umverteilung von Vermögen in der Bevölkerung statt, die absolut ungerecht und damit auch unerwünscht ist: Von denjenigen, die Geld besitzen zu denjenigen, die Sachwerte haben.

Noch was zu den Reparationen: Die betrugen im Verhältnis zu den aufgestauten Kriegskosten einen Klacks - die jährliche Rate der Reparationen war etwa so hoch wie die Kriegskosten in einem Kriegsmonat. Dabei gilt es aber zu bedenken, das nach Kriegsende die Rüstungsausgaben für das 100 000 Mann Heer massiv gesunken sind, somit der Deutschen Wirtschaft mehr Geld für zivile Zwecke - oder eben auch für die Reparationen - zur Verfügung stand.

Das grosse Versäumnis der Deutschen Politik nach 1918 war es, Versailles für alles schlechte verantwortlich zu machen statt sich der eigenen Verantwortung für das, was man gemacht hatte, aber auch das, was man nach 1918 tat, bewusst zu werden.

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Re: Inflation 1914-1918-1923 - einfach verständlich erklärt, von der Kriegsfinanzierung durch Schulden bis zum Ruhrkampf

Beitrag von Arkesailas am Fr Feb 06, 2015 4:05 pm

Staatsschulden nach dem 1.Weltkrieg und überhaupt werden vom Staat gezielt über die Gelddruckmaschine, mal simpel gesagt, abgebaut. Die in Versailles geforderten Reparationszahlungen konnten so schneller abgebaut werden. Das ging aber auch zu Lasten der Geldbesitzer, denn plötzlich waren die Millionen nichts mehr wert. Wer Produktionsmittel und Immobilien besaß, konnte seine Schulden schnell los werden.
Ich frage mich, wieso Herr Draghi aus der Europäischen Zenntralbank ebenso Milliarden unter die Banken verteilen kann. Wo führt das hin?
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Re: Inflation 1914-1918-1923 - einfach verständlich erklärt, von der Kriegsfinanzierung durch Schulden bis zum Ruhrkampf

Beitrag von Klartext am Mi Apr 29, 2015 3:52 pm

Wie konnten damals eigentlich Leute wie Stinnes und Flick reich werden?

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Re: Inflation 1914-1918-1923 - einfach verständlich erklärt, von der Kriegsfinanzierung durch Schulden bis zum Ruhrkampf

Beitrag von wfwbinder am Mi Apr 29, 2015 6:57 pm

Für die Hyperinflation von 1923 muss man einfach sehen, dass die Reichsbank seinerzeit nciht unabhängig war, sondern dem Reichskanzler unterstellt war. ZU gut deutsch, der jeweilige Rechskanzler war weisungsberechtigt und damit dem staatlichen Gelddrucken (wobei das körperliche Geld in Noten und Münzen auch damals noch eine weit größere Bedeutung hatte, als heute, denn Kredit udn Bankkarten waren noch nicht erfunden) Tür und Tor offen war.

Eine unabhängige Reichsbank kam erst 1924 mit dem Dawes-plan, der Deutschland ermöglichte die Reparationen gestreckt zu zahlen. In der Folgen kamen dann hohe Kredite von ca. 21 Mrd. von privaten Banken aus dem Ausland nach deutschland, die dann den Aufschwung in der zweiten Hälfte der 20er Jahre brachten (goldene 20er) aber der Aufschwung ging an der Bevölkerung zu einem großen Teil vorbei.

Die Vermögen von Stinnes und Flick kamen dadurch zustande, dass in der Inflationszeit Betriebe auf Kredit übernommen wurden, dann natürlich billig getilgt werden konnte, aber das Vermögen blieb.

Bei Flick muss man sagen, das er aber auch zu Mitteln griff, die ihn heute vor Gericht bringen würden, denn er nutzte seine Vorstandsposition dazu aus, eigene Firmenanteile an fremden Unternehmen, die er vorher günstig erworben hatte (noch vor der Inflation) zu überhöhten Preisen an seinen eigenen Arbeitgeber zu verkaufen.
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