Österreich 1945 – Opfer oder Komplize der Nazis?

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Österreich 1945 – Opfer oder Komplize der Nazis?

Beitrag von Wallenstein am Di Apr 28, 2015 10:51 am

Als die Sowjets im März 1945 vom Osten her in Österreich einrückten und die Amerikaner im April im Westen einmarschierten, stellte sich die Frage nach der Zukunft dieses Landes.
Bereits am 1.April hatte Karl Renner von der der SPÖ Kontakt mit den Sowjets aufgenommen, wobei ihm seine früheren Beziehungen zu Stalin halfen. Mitte April gründete sich die SPÖ neu, danach entstand die ÖVP und es folgte die KPÖ, deren Funktionäre aus Moskau eingeflogen wurden. Am 27. April konstituierte sich mit Hilfe der Russen eine provisorische Regierung aus diesen drei Parteien, die aber weder von den USA noch von den Briten anerkannt wurde, da ihre Gründung ein einseitiger Schritt der Sowjetunion war und somit gegen die vereinbarte gemeinsame Verantwortung für Österreich verstieß.

Die neue Regierung proklamierte eine Unabhängigkeitserklärung, löste sich aus dem deutschen Reich, erklärte den Anschluss 1938 für ungültig und behauptete, ein Opfer der nationalsozialistischen Aggressionspolitik zu sein. Grundlage hierfür war die Moskauer Außenministerkonferenz im Oktober 1943, auf der die Alliierten erklärt hatten, Österreich zugleich als befreites und besiegtes Land zu behandeln. Diese etwas schwammige Formulierung sollte es den Sowjets erlauben, später Reparationen aus dem Land herauszuholen. In Potsdam 1945 beschlossen aber die Sieger, von Österreich keine Reparationen zu verlangen, sondern das deutsche Eigentum in diesem Land für Reparationszwecke heranzuziehen. Davon machten allerdings nur die Sowjets Gebrauch und legten den Begriff „Deutsches Eigentum“ sehr großzügig aus.

Nach dem Ende des Krieges wurde Österreich in vier Besatzungszonen aufgeteilt und hatte zusätzlich noch die „Provisorische Regierung“, die allerdings zunächst nur im sowjetischen Teil gewisse Befugnisse bekam. Erst 1955 wurde das Land wirklich unabhängig.

Österreich – Opfer des Nationalsozialismus? Ist das jetzt ein schlechter Witz oder stimmt das?


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Re: Österreich 1945 – Opfer oder Komplize der Nazis?

Beitrag von Gontscharow am Di Apr 28, 2015 11:06 am

Nun ja, 1945 ff war es für Österreicher vorteilhafter sich als erstes Opfer der NS-Aggression darzustellen als als Mittäter der Naziverbrechen, die sie zweifelsohne waren.
In Deutschösterreich gab es seit dem 19.Jh. eine Tendenz, sich dem Deutschen Reich anzuschließen, um in einem Nationalstaat zu leben statt im K.u.K. Völkergemenge. Im HRR war Österreich sowieso zweifelsohne Teil Deutschlands und wurde von allen so gesehen.
Kurz nach dem I.Weltkrieg gab es in einigen österreichischen Bundesländern wie z.B. Vorarlberg Volksabstimmungen, in denen sich weit über 90% des Wahlvolkes für einen Anschluß an Deutschland aussprach. Diese Volksabstimmungen wurde von der Entente
gestoppt, weil die Siegermächte nicht wollten, daß das Deutsche Reich seine durch Versailles erlittenen territorialen Verluste durch den Zugewinn Österreichs mehr als kompensieren würde. Vor allem in Paris fand man diesen Gedanken unerträglich lol!
Kurzum, 1938 war es dann so weit, daß Österreich heim ins Reich kehren durfte und die allermeisten Österreicher wollten das auch.Natürlich gab es auch ein paar entschiedene Gegner des Naionalsozialismus, die gab es in Deutschland aber auch.
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Re: Österreich 1945 – Opfer oder Komplize der Nazis?

Beitrag von Wallenstein am Di Apr 28, 2015 12:35 pm

Die Abstimmung 1938 über den Anschluss an Deutschland war zwar nicht frei, aber viele Zeitgenossen und Historiker gehen davon aus, dass die meisten Österreicher die Vereinigung mit dem Reich damals unterstützten.

Als der Krieg dann aber verlorenging, wollte man sich schnell absetzen. Einer meiner Onkel kam in britische Kriegsgefangenschaft. Seine Kompanie bestand aus Deutschen und Österreichern, gemischt, da gab es keinen Unterschied. Nach Kriegsende begannen die Engländer die Österreicher von den Deutschen zu trennen. Die Alpenländer wurden fortan besser behandelt und kooperierten mit den Briten. Die Deutschen beschimpften sie fortan als „Vaterlandsverräter“.

Nach 1945 machte man sich in Österreich wenig Mühe mit der Entnazifizierung. Schließlich war man ja Opfer, nicht Täter.

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Re: Österreich 1945 – Opfer oder Komplize der Nazis?

Beitrag von Marek1964 am Di Apr 28, 2015 1:27 pm

Das Moskauer Memorandum von 1943, das den Österreichern den Status ersten Opfers nationalsozialistischer Aggression bezeichnete.

Es hat ja in Österreich wie auch unter den Deutschen in Böhmen und Mähren durchaus nicht nur Jubelnde gegeben, sondern auch Gegner der Nazis. Da es keine Abstimmung gab, kann man nicht mit letzter Sicherheit sagen, wie sie ausgekommen wäre. Aber in beiden Fällen muss man wohl davon ausgehen, dass die Mehrheit für den Anschluss an das Reich gewesen wäre - belastend dabei, dass bereits ja einiges über die diktatorischen Verhältnisse, insbesondere Judendiskrimierung, wissen musste.

In Falle von Österreich wird auch die Erklärung der Alliierten 1943 das Motiv gehabt haben, der Widerstandsbewegung in Österreich den Rücken zu stärken. Jedenfalls gab es auch von den Alliierten über Österreich abgeworfene Flugblätter in dem Sinn.

Auch erleichterte es die Widerherstellung Österreichs, die ja auch im Sinne des "Dismemberments of Germany" war, die auch schon angedacht war. So gesehen kamen die Österreicher schon sehr gut weg, erst die Waldheim Affäre in den achtziger Jahren brachte das Thema wieder auf das Tapet.
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