Monetarismus vs. Keynsianismus? Monetarismus & Keynsianismus?

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Monetarismus vs. Keynsianismus? Monetarismus & Keynsianismus?

Beitrag von wfwbinder am Do Apr 30, 2015 12:27 pm

Im Thema goldene 20er kamen wir auf den Punkt, wie kam man aus der Weltwirtschaftskrise raus und welcher(n) Theorie(n) ist das zuzuschreiben.

Auf den Börsenkrach am schwarzen Freitag (der ein Donnerstag war) reagierten die FED und die Banken mit restriktiver Geldpolitik. Es kam zu
Betriebsschließungen und man rutschte in eine Depression.

Wir hatten nun dort besprochen (und waren uns nicht ganz einig) ob die Verfügbarkeit von Geld (Monetarismus), oder (meine Ansicht) erst die Kombination mit dem Keynsianismus
also die öffentlichen Investitionen entscheidend waren. Ich zog dabei einen Vergleich zur Griechenlandkrise/-situation.

Ausgangspositionen:

Nach dem schwarzen Freitag:
Der Börsenkrach stürzte viele Menschen in Armut, die Aktien auf Kreditgekauft hatten. Kaufkraft brach weg, Märkte brachen zusammen, Betriebe mussten schließen. Bank gaben kein Geld (auch die FED nicht)
und die Wirtschaftsleistung sank entschieden, Massenarbeitslosigkeit. Auch die US-Milliardäre wie Rockefeller, Vanderbilt usw. investierten nicht.

Griechenland:
Durch die Schuldenkrise wurde Griechenland unter Kuratel der Triaden, Entschuldigung, der Troika gestellt. Extreme Sparmaßnahmen (wovon einige auch sinnvoll waren) entzogen der Bevölkerung Kaufkraft
das führte zu Einbußen in der Wirtschaft, entsprechend Entlassungen, höherer Arbeitslosigkeit, weiterer Verminderung der privaten Nachfrage.

Bevor ich weiter schreibe, bitte nicht missverstehen, die Vergangenheit in der Griechischen Wirtschafts-, Finanz- und Steuerpolitik war verkehrt, aber viele Maßnahmen der Troika mindestens ebenso verkehrt.

Aber nun zu den Lösungswegen, die aus meiner Sicht in vielen Bereichen gleich sind.

In den USA ging es wieder nach Vorne, als Roosevelt an die Regierung kam. Er stieß Maßnahmen wie das Tennessee Valley Project an (nur als Beispiel) an. Die öffentlichen Investitionen brachten Aufträge für die Wirtschaft, somit Investitionen in der Wirtschaft, daraus folgend Arbeitsplätze, Erhöhung des privaten Konsums, weil es den Arbeitnehmern wieder besser ging usw. usw.

Die alleinige Erhöhung der Geldmenge allein reicht nicht aus. Es muss auch Investoren geben. Institutionen und/oder Unternehmen, die dieses Geld nehmen und investieren.

Nehmen wir unsere Situation in Europa.

Geld ist fast unbegrenzt vorhanden. Die EZB wirft durch das Kaufprogramm für öffentliche Anleihen monatlich 60 Mrd. Euro auf den Markt. Aber das Geld geht nicht in Investitionen. Die Börsen sind gestiegen.
Aber eben die Kurse. Es gab keine Kapitalerhöhungen, die Unternehmen Kapital zu geführt haben. Auch die Staaten investieren wegen der Sparpolitik nicht.

Wir merken es in Deutschland nicht so sehr, weil es bei uns einigermaßen läuft. Wir haben leichtes Wachstum, der natürlich auch zu einem großen Teil auf Export basiert und der wiederum wird durch den
schwachen Euro gefördert.

Griechenland mit einem schwachen Export, bedingt durch einen relativ kleinem Bereich des verarbeitenden Gewerbes kann diesen Weg nicht gehen.

Monetarismus stellt Geld zur Verfügung. Aber Geld für Griechenland bedeutet im Prinzip nur Schulden bedienen und im Übrigen keine Veränderungen.

Was gebraucht wird, wäre ein "konsequenter Keynes" (die Politiker mochten in der Vergangenheit den "halben Keynes," Schulden machen und Geldausgeben, aber Rückzahlen vergessen).

Was verstehe ich darunter?

1. Stundung der griechischen Schulden.
2. Bindung aller Maßnahmen an Einlösung der griechischen Versprechen (steuern kassieren, Verwaltungsreformen usw.)
3. frisches Geld, ganz gezielt und gebunden an öffentliche investitionen (z. B. Vorbereitung der Ausbeute der Ölvorkommen)
4. Sonderprogramme für griechische Milliardäre (Schwarzgeldrückführung bei entsprechenden Investitionen mit Steuerbegünstigung/-befreiung für die Vergangenheit)

Ich weiss, das dies alles viel einfacher klingt, als es für die Durchführung ist, aber es muss voran gehen.
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Re: Monetarismus vs. Keynsianismus? Monetarismus & Keynsianismus?

Beitrag von Marek1964 am Do Apr 30, 2015 3:05 pm

Den Vergleich mit Griechenland sehe ich insofern als problematisch, dass es sich um ein Land handelt, das international nicht konkurrenzfähig ist.

Das war  bei den USA wie den anderen Industrieländern der 30er Jahre nicht der Fall - die Europäer waren in den USA aufgrund des Krieges verschuldet - aber nicht, weil sie nicht wirtschatlich konkurrenzfähig gewesen wären.

Sicher gab es in den USA den Schuldenfinanzierten Konsum, das war keine gute Idee. Aber das hätte nie diese verheerende Folgen gehabt. Die Wirtschaft ist geschrumpft weil man den Geldhahnen zudrehte. Dass in der Folge die Depression ausbrach war logisch, weil man Geld sparte für die Zeit der not. Hier musste dann der Staat einspringen und die Wirtschaft sprang wieder an. Hätte man aber von Anfang an genug Geld in die Wirtschaft gepumpt, wären mE Keynsianische Massnahmen gar nicht nötig gewesen.

Schlimm war in diesem Zusammenhang der Goldstandard, denn der machte gar keinen Sinn. Denn die Wirtschaft wuchs, so musste auch die Geldmenge wachsen. Es war auffällig, wie schnell sich Länder, die den Goldstandard nicht hatten, sich erholt hatten.

Die Parallele zur Griechenlandkrise sehe ich weniger, aber das ist ein anderes Kapitel, ein Rezept sehe ich da weniger klar, aber die Dinge die Du da schreibst machen Sinn.
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Re: Monetarismus vs. Keynsianismus? Monetarismus & Keynsianismus?

Beitrag von wfwbinder am Do Apr 30, 2015 5:57 pm

Marek1964 schrieb:Den Vergleich mit Griechenland sehe ich insofern als problematisch, dass es sich um ein Land handelt, das international nicht konkurrenzfähig ist.

Weil die über Jahrzehnte durch korrupte Politiker in diese Situation gebracht wurden.


Marek1964 schrieb:Sicher gab es in den USA den Schuldenfinanzierten Konsum, das war keine gute Idee. Aber das hätte nie diese verheerende Folgen gehabt. Die Wirtschaft ist geschrumpft weil man den Geldhahnen zudrehte. Dass in der Folge die Depression ausbrach war logisch, weil man Geld sparte für die Zeit der not. Hier musste dann der Staat einspringen und die Wirtschaft sprang wieder an. Hätte man aber von Anfang an genug Geld in die Wirtschaft gepumpt, wären mE Keynsianische Massnahmen gar nicht nötig gewesen.

Die Unternehmen waren nicht mehr bereit zu investieren. Durch den Börsencrash waren auch viel Unternehmen nahezu bankrott. Ich denke es fehlte an den Interessen das in Ganz zu bringen.

Marek1964 schrieb: Schlimm war in diesem Zusammenhang der Goldstandard, denn der machte gar keinen Sinn. Denn die Wirtschaft wuchs, so musste auch die Geldmenge wachsen. Es war auffällig, wie schnell sich Länder, die den Goldstandard nicht hatten, sich erholt hatten.

Vollkommen richtig und eben auch der Beweis, dass die Goldbindung von Währungen Schwachsinn ist.

Marek1964 schrieb:Die Parallele zur Griechenlandkrise sehe ich weniger, aber das ist ein anderes Kapitel, ein Rezept sehe ich da weniger klar, aber die Dinge die Du da schreibst machen Sinn.

Für mich ist die finanzielle Ausgangsposition das entscheidende. Natürlich greifen solche Maßnahmen in einer Volkswirtschaft wie D, GB, F, USA usw. schneller, als in Griechenland, aber mit etwas mehr Zeit könnte man das auch in Griechenland durchsetzen. Dazu ist die Unterstützung der Bevölkerung notwendig, aber die motiviert man nicht mit Maßnahmen wie die der Troika.
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Re: Monetarismus vs. Keynsianismus? Monetarismus & Keynsianismus?

Beitrag von Moschusochse am Mi Mai 06, 2015 9:25 pm

Es braucht wohl eine sinnvolle Kombinationen beider Faktoren.
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Re: Monetarismus vs. Keynsianismus? Monetarismus & Keynsianismus?

Beitrag von wfwbinder am Mi Mai 06, 2015 9:33 pm

Moschusochse schrieb:Es braucht wohl eine sinnvolle Kombinationen beider Faktoren.

Genau meine Ansicht. Ich denke die soziale Marktwirtschaft, mit allen noch vorhandenen Schwächen, ist ein Erfolgsmodell.

aber die (wir) Wirtschaftswissenschaftler sollte nie davon ausgehen, das eine puristische Ansicht/die selbst geliebte Theorie, die allein seligmachende ist.

Ich selbst bekenne mich als Keynsianer, aber ich weiss auch, dass mehrere Faktoren zusammen kommen müssen, wenn man eine Krise zu überwinden hat.

Man sieht es an der jetzigen Situation. Der Monetarist würde sagen Geld ist da, wichtigste Voraussetzung erfüllt.

Der Klassiker würde sagen, "abwarten, auf lange Sicht regelt der Markt alles."

Aber wie sagte schon keynes, "on the long run we are all death."

Nur Keynes muss nicht richtig sein, denn besser wäre es, wenn nicht der Staat investiert, sondern die private Wirtschaft.

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Re: Monetarismus vs. Keynsianismus? Monetarismus & Keynsianismus?

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