Hitlers Schritte zur Allmacht - der Reichstagsbrand

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Hitlers Schritte zur Allmacht - der Reichstagsbrand

Beitrag von Moschusochse am Di Jun 30, 2015 10:36 am

Hier möchte ich den Reichstagsbrand zur Diskussion stellen.

Meiner Meinung nach wird in den Geschichtsbüchern zu wenig betont, was für ein Hohn diese Aktion war.  Man muss sich das schon auf der Zunge zergehen lassen: Weil ein Gebäude abbrennt (Menschen kommen nicht zu schaden), tut man so, als sei höchste Gefahr im Verzug, man setzt eine Verhaftungswelle ein, bei der sozusagen jeder verhaftet werden kann, verbietet de facto eine ganze Partei.

Wenn man bedenkt, was sich die SA während der ganzen Weimarer Zeit erlauben durfte, an Strassenschlachten, war das viel mehr Grund, einen Notfall auszurufen als das Abbrennen eines Gebäudes.
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Re: Hitlers Schritte zur Allmacht - der Reichstagsbrand

Beitrag von wfwbinder am Di Jun 30, 2015 5:47 pm

So wie Du es beschreibst, würde man heute denken , aber dafür kämen heute andere Gesichtspunkte dazu, die andere Maßnahmen auslösen würden.

in den dreissiger Jahren und davor hing man extrem an nationalen Symbolen (Flaggen, Reichstag, öffentliche Gebäude, Denkmäler) und dies nicht nur ausgehend von den Nationalsozialisten.

Einer der ein Denkmal des Kaisers beschmiert hätte, wäre vor 1918 vermutlich wegen Majestätsbeleidigung verurteilt worden. Ein Brandanschlag auf eine Polizeistation wäre weit härter bestraft worden als heute (obwohl Brandstiftung ein hoch angesiedeltes Verbrechen ist).

Heute brauche ich doch nur das Reichstagsgebäude mit Farbe zu besprühen und es gäbe sofort polizeiliche Großeinsätze und einen internationalen Haftbefehl, weil man eine Sicherheitslücke vermuten würde.

Was beim Reichstagsbrand das entscheidende war, war natürlich die Nutzung um es gegen den politischen Gegner zu instrumentalisieren. Aber die öffentliche Empörung wäre auch in der Kaiserzeit nicht anders gewesen.
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Re: Hitlers Schritte zur Allmacht - der Reichstagsbrand

Beitrag von Rübezahl am Di Jun 30, 2015 6:44 pm

Wenn es nicht der Reichstagsbrand gewesen wäre - vermutlich das Werk eines Einzeltäter (Lubbe), das zum Beginn eines kommunistischen Aufstandes hochstilisiert wurde - dann hätten die Nazis eben ein anderes Ereignis ausgenutzt oder selbst eines konstruiert, um die Repression auf eine neue Stufe zu stellen. Mit der Zeit und der zunehmenden Hybris Hitlers schwand das Bedürfnis nach solchen Alibis immer mehr. Zur Rechtfertigung für den Angriff auf Polen wurde noch das Unternehmen Tannenberg inszeniert, dann aber kaum ausgenützt. Für den Überfall auf die Sowjetunion brauchte es gar nichts mehr, der fand einfach statt. Lediglich Mussolini bemühte sich da noch mit einer offiziellen Kriegserklärung zumindest die Form zu wahren. Wenn der Reichstagsbrand und seine Instrumentalisierung in der Geschichtsschreibung eher wenig berücksichtigt werden, so hängt das wohl damit zusammen, dass noch viel schlimmere Dinge gefolgt sind.

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Re: Hitlers Schritte zur Allmacht - der Reichstagsbrand

Beitrag von Marek1964 am Mi Jul 01, 2015 12:24 am

Es bleibt allerdings zu konstatieren, dass nur deshalb, dass ein Mitglied einer Partei ein Gebäude, auch wenn es der Reichstag war, angezündet hat, wohl kaum dazu legitimiert, mal kurzerhand eine ganze Partei und ihre Mitglieder zu verhaften.

Schon damals sah man das kritisch, weshalb sich Gerüchte hielten, die nazis selbst hätten das inszeniert. Immerhin, der bulgarische Kommunist Dimitrof wurde dann freigesprochen, immerhin soweit funktionierten die Gerichte damals noch.

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Re: Hitlers Schritte zur Allmacht - der Reichstagsbrand

Beitrag von Atzec am Mi Jul 01, 2015 12:23 pm

Ja, ob der allenthalben positiven Folgen für das Naziregime und seiner Etablierung und der Schaffung eines willkommenen Vorwands für den Entzug von Oppositionsrechten bis hn zur Liquidierung sämtlicher Oppositionsparteien und Organisationen hielt sich lange Zeit hartnäckig der Verdacht, die Nazis hätten den Brand selber gelegt. Vor allem die kommunistische Propaganda sammelte dafür eifrig Indizien und in der Geschichtswissenschaft der DDR war das ein unantastbares Axiom... :-)

Aber seriösen Forschungen zufolge muss man wohl wirklich von der Einzeltäterschaft Lubbes ausgehen.

Der Prozess hingegen gegen Dimtrow war von A bis Z von Goebbels gefaked, um in eben diesem öffentlichen Schauprozess gegenüber der internationalen Öffentlichkeit die Legitimität der einsetzenden Kommunistenverfolgung zu "beweisen". Natürlich hatte Dimitrow als KI-Vorsitzender nichts mit dem Reichstagsbrand zu tun. Die Nazis fielen mit dem Versuch des inszenierten Schauprozesses halt auch deshalb auf die Schnauze, weil er so strunzdumm war... :-)

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Re: Hitlers Schritte zur Allmacht - der Reichstagsbrand

Beitrag von Walzbruder am Mo Jul 06, 2015 12:08 pm

Hallo, ichbin neu hier.
Zum Reichstagsbrand ist zu sagen, dass die Diktatsoren immer einen Fall brauchen, um etwas zu organisieren. Bei Nero der Brand Roms um die christen zu vervolgen, bei Hitler der Reichstagsbrand, um Parteien auszuschlaten, bei Stalin die Ermordung Kirows, um seuine Gegner zu beseitigen und bei Ulbricht der 17. Juni 1953, auch, um die Gegner zu verfolgen. Bei Honecker sollte es wohl der Fall Biermann werden, der aber ein Eieigentor wurde, wohl wie gemunckelt wurde, Biermann mit Frau Honecker eng befreundet ware un sie miteinander aufgewachsen seiien.
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Re: Hitlers Schritte zur Allmacht - der Reichstagsbrand

Beitrag von Waldi am Mo Jul 06, 2015 1:34 pm

Atzec schrieb:Ja, ob der allenthalben positiven Folgen für das Naziregime und seiner Etablierung und der Schaffung eines willkommenen Vorwands für den Entzug von Oppositionsrechten bis hn zur Liquidierung sämtlicher Oppositionsparteien und Organisationen hielt sich lange Zeit hartnäckig der Verdacht, die Nazis hätten den Brand selber gelegt. Vor allem die kommunistische Propaganda sammelte dafür eifrig Indizien und in der Geschichtswissenschaft der DDR war das ein unantastbares Axiom... :-)

Aber seriösen Forschungen zufolge muss man wohl wirklich von der Einzeltäterschaft Lubbes ausgehen.

Der Prozess hingegen gegen Dimtrow war von A bis Z von Goebbels gefaked, um in eben diesem öffentlichen Schauprozess gegenüber der internationalen Öffentlichkeit die Legitimität der einsetzenden Kommunistenverfolgung zu "beweisen". Natürlich hatte Dimitrow als KI-Vorsitzender nichts mit dem Reichstagsbrand zu tun. Die Nazis fielen mit dem Versuch des inszenierten Schauprozesses halt auch deshalb auf die Schnauze, weil er so strunzdumm war... :-)

Hierzu kann ich den Band empfehlen:

Reichstagsbrand - Legende und Wirklichkeit
Fred Duswald, Fritz Tobias


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