600 Jahre Verbrennung von Jan Hus in Konstanz - verlogener Mord am ersten Reformator durch die katholische Kirche

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600 Jahre Verbrennung von Jan Hus in Konstanz - verlogener Mord am ersten Reformator durch die katholische Kirche

Beitrag von Marek1964 am Mo Jul 13, 2015 8:01 pm

Am 6. Juli 1415 wurde der tschechische Reformator Jan Hus als Ketzer verbrannt. Er wird, wie auch seine Bewegung, "als Vorläufer der Reformation" in der Geschichtsschreibung bezeichnet. Mir greift diese Bezeichnung zu kurz, denn in der Tat handelt es sich um eine handfeste Reformation der katholischen Kirche (die damals so noch nicht hiess), in Böhmen enstand die erste Hochburg der Reformation und dies für zwei Jahrhunderte.

Er hatte viel mit Martin Luther gemeinsam, aber auch mit den weniger bekannten Reformatoren wie Thomas Müntzer, Huldreich Zwingli, Jean Calvin und anderen.

Schändlich an seiner Verbrennung war vor allem die Tatsache, dass ihm am Konstanzer Konzil freies Geleit versprochen wurde, dieses aber dann nicht gehalten wurde - mit der schönen Begründung, einem Ketzer müsse man ja nicht Wort halten. Seine Asche wurde in den Rhein geworfen - um zu vermeiden, dass seine Überreste für die Anhänger von Hus als Reliquien dienen könnten.

Geholfen hat das nichts - sein Geist war wichtiger als irgendwelche Überreste. Nicht weniger als vier (je nach Geschichtschreibung) auch fünf Kreuzzüge sollte der Papst in der Folge gegen die Hussiten organisieren - und diese alle verlieren.

Jahrhunderte lang hielten die Katholiken daran fest, dass Jan Hus ein Ketzer war - erst Ende des 20. Jahrhunderts lockerte sich das, als 1990 Papst Johannes Paul II. seinen ersten Besuch in der Tschechoslowakei im April 1990 abhielt distanzierte er sich, ohne aber sich wirklich zu entschuldigen. An den Feierlichkeiten in Prag aber war der päpstliche Nuntius zugegen und tatsächlich war eine klare Entschuldigung zu vernehmen, in einer Zeit, da in den meisten Ländern Europas Gläubige der meisten christlichen Länder allmählich in die MInderheit gegenüber Atheisten oder Agnostikern geraten.


Zuletzt von Marek1964 am Di Jul 14, 2015 11:33 pm bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet

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Re: 600 Jahre Verbrennung von Jan Hus in Konstanz - verlogener Mord am ersten Reformator durch die katholische Kirche

Beitrag von Judas Phatre am Mo Jul 13, 2015 9:43 pm

Marek1964 schrieb:... in der Tat handelt es sich um eine handfeste Reformation der katholischen Kirche (die damals so noch nicht hiess)
KATHOLIKOS nannte sich die rechtgläubige Kirche schon immer (seit den Kirchenvätern) in Abgrenzung zu den Häretikern, von denen sie sich ohne Pause bedroht sah.
Was genau wollte Jan Hus denn ändern und inwieweit unterschied er sich von den anderen Reformatoren? Worauf gründeten sich seine abweichenden Lehren?
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Re: 600 Jahre Verbrennung von Jan Hus in Konstanz - verlogener Mord am ersten Reformator durch die katholische Kirche

Beitrag von Marek1964 am Di Jul 14, 2015 9:54 pm

Ich werde sicher noch mehr dazu schreiben, aber ein wichtiges Symbol der Hussiten ist bis heute der Kelch - er sollte symbolisieren, dass das Abendmahl für alle Gläubigen da ist und nicht nur für die Geistlichen.

Ein weiterer Moment war dass Predigten nicht auf lateínisch, aber in der Muttersprache der Gläubigen, also auch tschechisch oder Deutsch.

Mehr später.

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Re: 600 Jahre Verbrennung von Jan Hus in Konstanz - verlogener Mord am ersten Reformator durch die katholische Kirche

Beitrag von Exmitglied-2 am Di Jul 14, 2015 10:36 pm

Seine Asche wurde in den Rhein geworfen - um zu vermeiden, dass seine Überreste für die Anhänger von Hus als Reliquien dienen könnten.
Ich würde darin mehr sehen als nur Reliquienvermeidung. Hinter Verbrennen als Strafe steht ja noch mehr. Ich beziehe mich auf Wolfgang Schilds Ausführungen in Bezug auf Hexen uns Ketzer. Demnach ist Verbrennen eine Vernichtungsstrafe, die nicht nur den Körper, sondern auch die Erinnerung an die Person auslöschen sollte. Das Verstreuen der Asche soll das zusätzlich unterstützen, indem der Körper nicht mehr als Ganzes zusammenfinden kann beim Jüngsten Gericht. Er sieht außerdem einen Bezug zwischen Höllenfeuer und der Strafform.

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Re: 600 Jahre Verbrennung von Jan Hus in Konstanz - verlogener Mord am ersten Reformator durch die katholische Kirche

Beitrag von Judas Phatre am Mi Jul 15, 2015 5:00 pm

Naqia schrieb: Demnach ist Verbrennen eine Vernichtungsstrafe, die nicht nur den Körper, sondern auch die Erinnerung an die Person auslöschen sollte. Das Verstreuen der Asche soll das zusätzlich unterstützen, indem der Körper nicht mehr als Ganzes zusammenfinden kann beim Jüngsten Gericht. Er sieht außerdem einen Bezug zwischen Höllenfeuer und der Strafform.
Mich hat diese Haltung der Kirche immer gewundert, denn sie entspricht nicht dem christlichen Dogma. Die Frage, was aus der körperlichen Auferstehung würde, wenn z.B. ein Seemann ertrinkt und 10 mal die Nahrungskette passiert, haben die "heidnischen" Kritiker geliebt. Die Kirchenväter haben das aber immer mit "kein Problem, Gott ist nichts unmöglich" zurückgewiesen. Totzdem haben sich Christen immer unverbrannt begraben lassen.
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Re: 600 Jahre Verbrennung von Jan Hus in Konstanz - verlogener Mord am ersten Reformator durch die katholische Kirche

Beitrag von Exmitglied-2 am Sa Jul 18, 2015 11:18 am

Ist der Unterschied zum Seemann vielleicht der Willen Gottes? Auch wenn das Gericht und die Rechtssprechung weltlich sind, ist es ja Gottes Wille, dass derjenige auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde. Er hat gegen Gott gesündigt, sei es wegen Mordbrennerei, Hexerei oder Häresie. Das sind alles keine Kavaliersdelikte.
Beim Tod auf See ist der Fall ja anders gelagert. Entweder ist es Suizid, dann ist der Seemann Täter und wiederum schuldig, und wenn es ein Unfall ist, dann war es ja nicht Gottes Wille und der Seemann wäre eher Opfer.
Logisch ist das ganze Konstrukt nicht, aber wie soll man auch anders argumentieren als mit "Gott ist nichts unmöglich"? Hat sich ein Historiker oder Theologe innerhalb der letzten 50 Jahre mit der Problematik auseinandergesetzt, weißt du das was? Eine Antwort der Zeitgenossen scheint es da ja nicht gegeben zu haben.

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Re: 600 Jahre Verbrennung von Jan Hus in Konstanz - verlogener Mord am ersten Reformator durch die katholische Kirche

Beitrag von Judas Phatre am Sa Jul 18, 2015 2:57 pm

Theologie interessiert mich im Gegensatz zur Religionsgeschichte kaum. Ich denke, hier handelt es sich um einen der vielen Risse im Gebäude der antiken Kirche. Auf der einen Seite war das Irdische minderwertig und mit ihm der Körper. Nur das Geisitge war bedeutend. Paulus sagte (ziemlich gnostisch):
"Fleisch und Blut können das Gottesreich nicht erben". (1 Kor 15,50)
Aber im Folgenden kam andererseits die Vorstellung auf, dass man nur dann bei der Auferstehung man selbst ist, wenn auch der Körper mit aufsteht. Das wurde zum christlichen Dogma (und z.B. von Celsus verspottet). Die einfachen Menschen schlossen daraus vermutlich, dass man den Körper einigermaßen unversehrt der Erde übergeben sollte. Dazu kam, dass die Erbestattung jüdischer Brauch war. In Ägypten wurden die Leichen weiter in Mumienbinden begraben (allerdings ohne Balsamierung) und bekamen sogar noch Beigaben. Auf diese Art blieben uns die gnostischen Texte erhalten. Auf einer (mittlerweile verschollenen) Mumienbinde aus dem 6. Jh stand:
"Es gibt nichts Begrabenes, das nicht wieder aufersteht". (aus dem Thomasevangelium)
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Re: 600 Jahre Verbrennung von Jan Hus in Konstanz - verlogener Mord am ersten Reformator durch die katholische Kirche

Beitrag von Judas Phatre am Mo Jul 20, 2015 6:17 pm

Es hat mir doch keine Ruhe gelassen...
Die Hauptpunkte der Lehre von Jan Hus:
1.  Die Kirche ist die Gesamtheit aller Prädestinierten, ein geistlicher und kein weltlicher Begriff
2.  Die Gottesdiener sollen die Welt verbessern
3.  Die Geistlichen müssen Jesu Leben führen, dienen und arm sein, das Evangelium lehren (in Übersetzung)
4.  Dienste der Kirche sind kostenlos
5.  Bilder-, Heiligen- und Reliquienverehrung abschaffen
6.  Demokratische Kircheninstitutionen
7.  Papstamt abschaffen
8.  Die Bibel ist das Maß aller Dinge
9.  Eucharistie inklusive Transsubstantiation (Brot verwandelt sich real in Fleisch, Wein in Blut) beibehalten, aber auch Laien erteilen

Für mich ist das ein Rückgriff auf frühchristliche Ansichten, zum kleinen Teil aber auch auf gnostische Inhalte (Punkt1, 3, 6, 7). Besonders der erste Punkt ist exakt der gnostische Kirchenbegriff. Ich frage mich, woher der stammt? Handelt es sich vielleicht sogar um den Einfluss der Katharer?
Die beiden wichtigsten Gründe, Jan Hus aus dem Weg zu räumen waren demnach (wie fast immer...) Macht und Geld.
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