Reichsgesundheitsführer Dr. Leonard(o) Conti - Verbrecher im weissen Kittel

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Reichsgesundheitsführer Dr. Leonard(o) Conti - Verbrecher im weissen Kittel

Beitrag von Orianne am Mi Aug 12, 2015 6:42 pm

Der im Tessin geborene Arzt Leonardo Conti (* 24. August 1900 in
Lugano/Schweiz) wurde während des Dritten Reichs zum
Reichsgesundheitsführer und SS-Brigadegeneral (Obergruppenführer)
ernannt. Er war überzeugter Anhänger der von den Nationalsozialisten
propagierten Rassentheorien. In seiner Funktion als Leiter des
Hauptamtes für Volksgesundheit, war er mitverantwortlich für die
Euthanasie-Morde an psychisch Kranken und befürwortet medizinische
Experimente an Gefangenen der Konzentrationslager. Am Ende des
Krieges wurde er verhaftet und nahm sich im Gefängnis vor den
Nürnberger Prozessen das Leben( 6. Oktober 1945 in Nürnberg).
Zeitzeugen und Ueberlebende errinnern sich an eines der dunkelsten
Kapitel der europäischen Geschichte.


Bild aus meiner Sammlung

Contis Vater Silvio, ein Postbeamter, war Schweizer. Die Eltern liessen
sich 1903 scheiden. Seine deutsche Mutter, Hanna genannt Nanna
Conti (geb. Pauli), wurde in der Zeit des Nationalsozialismus Leiterin
der Reichsfachschaft Deutscher Hebammen (später:
Reichshebammenschaft).

1915 erhielt Conti die deutsche Staatsbürgerschaft. Drei Jahre später
legte er am Friedrich-Wilhelms-Gymnasium in Berlin ein Notabitur ab.
Danach stellte er sich als Kriegsfreiwilliger (Kanonier) in den Dienst des
Artillerie-Regiments Küstrin. Leonardo Conti studierte von 1919 bis
1923 in Berlin und Erlangen Medizin. Während dieser Zeit war er
zusammen mit seinem Bruder Silvio Conti in der völkischen
Studentenbewegung aktiv. Noch während seiner Studienzeit versuchte
er alle nichtkorporierten Studenten in der Deutschen Finkenschaft
zusammenzufassen, deren Mitgründer er war. 1923 legte er sein
Staatsexamen ab. Die Approbation erhielt Conti 1925 - Im selben Jahr
wurde er Über Weichteilplastik im Gesicht promoviert.

1925 heiratete Leonardo Conti Elfriede von Meerscheidt Hüllessem aus
Berlin.

Nach der Machtergreifung arbeitete Conti ehrenamtlich für das
Reichsministerium des Innern. Im Februar 1934 wurde Conti
Gauamtsleiter Berlin des Hauptamtes für Volksgesundheit der NSDAP.
Am 12. April 1934 wurde er von Hermann Göring zum Preußischen
Staatsrat ernannt. Noch im selben Jahr wurde er Abteilungsleiter für
Volksgesundheit bei der NSDAP-Reichsleitung.
1935 wurde Conti SS-Oberführer zur „besonderen Verwendung“ im
Stab des „Reichsführers SS“, ein Jahr später Stadtmedizinalrat in Berlin
(seit dem 1. November). 1936 war er Leiter des ärztlichen
Gesundheitsdienstes der Spiele der XI. Olympiade. Ausserdem wurde
Conti 1936 Lehrbeauftragter für Öffentliches Gesundheitswesen an der
Berliner Universität.

Am 30. Januar 1938 wurde er SS-Brigadeführer. 1939 wurde Conti in
der Nachfolge von Gerhard Wagner zum Reichsgesundheitsführer,
dann zum Reichsärzteführer und im September zum Staatssekretär als
Nachfolger von Arthur Gütt im Reichsinnenministerium ernannt.
Zudem übernahm er das NSDAP-Hauptamt für Volksgesundheit. Ab
1939 war er zudem Leiter des „Hauptamtes für Volksgesundheit“ und
Leiter des NSD-Ärztebundes. Im August 1941 wurde er Mitglied des
Reichstages.

Leonardo Conti gehörte zu dem Personenkreis, dem im Januar 1940 im
Alten Zuchthaus Brandenburg die Tötung von Menschen in einer
Gaskammer* und zu Vergleichszwecken die Tötung mit Injektionen
vorgeführt wurde. Conti soll dabei selbst Injektionen vorgenommen
haben. Diese sogenannte „Brandenburger Probevergasung“ war Teil
der Vorbereitungen der Aktion T4, der massenhaften Tötung von
Kranken und Behinderten. Neben den „Euthanasie“-Programmen war
Leonardo Conti zudem an Fleckfieberversuchen im KZ Buchenwald
beteiligt.

*Dabei wurde auch mit Panzermotoren "experimentiert". Das
"Programm" T4 diente zur "Auslöschung" "unwerten Lebens", dazu
musste noch eine Methode gefunden werden, bei der die Täter keine
oder wenige Skrupel bekamen, denn das Gewissen meldete sich beim
manchem früher oder später doch.

Am 19. Mai 1945 wurde Leonardo Conti von den Alliierten in Flensburg verhaftet.
Nach der deutschen Kapitulation sollte er sich wegen seiner Verwicklung in das „Euthanasie“-Programm vor Gericht verantworten,
erhängte sich aber am 6. Oktober 1945 in seiner Zelle in Nürnberg.

Schon zwei Mal wurde auf dem Friedhof in Lugano eine Art Gedächtnisplatte für Conti aufgestellt, doch beide Male wurde sie wieder entfernt.

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