Die Münchner Räterepublik 1919

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Die Münchner Räterepublik 1919

Beitrag von Wallenstein am So Aug 16, 2015 12:43 pm

Am 7. April 1919 erklärten einige Philosophen und Schriftsteller, die linke Boheme von München, Bayern zur Räterepublik. Ihre ersten Maßnahmen waren: Der 7. April sollte Nationalfeiertag werden und Bayern würde man in Zukunft mit „i“ schreiben, also Baiern. Es folgte folgende Proklamation:

„An das Volk in Baiern! Die Entscheidung ist gefallen. Baiern ist Räterepublik. Das werktätige Volk ist Herr seines Geschickes. Zum Zeichen der freudigen Hoffnung auf eine glückliche Zukunft für die ganze Menschheit wird hiermit der 7. April zum Nationalfeiertag erklärt. Zum Zeichen des beginnenden Abschieds von fluchwürdigen Zeitalter des Kapitalismus ruht am 7. April 1919, in ganz Baiern die Arbeit, Es lebe das freie Baiern! Es lebe die Republik! Es lebe die Weltrevolution!“

W. Leonhard, Völker hört die Signale, München 1981, S.119 f.

Diese gespenstische Republik brach aber schon nach einer Woche zusammen.

Anfang November 1918 hatten machtvolle Demonstrationen in München zum Sturz von König Leopold III geführt. Arbeiter – und Soldatenräte bildeten sich und wählten den USPD Abgeordneten Eisner zum neuen Ministerpräsidenten. Er erklärte Bayern flugs zum Freistaat, was nur bedeutete, dass das Land jetzt eine Republik war. Die ursprüngliche Einheit zwischen USPD und SPD zerfiel rasch, denn die SPD wollte eine parlamentarische Republik errichten, Eisner hingegen liebäugelte mit einer Räteherrschaft. Am 12. Januar kam es in Bayern zur Wahl. Mit großer Mehrheit siegten die SPD und die konservativen Parteien, die USPD landete weit abgeschlagen bei nur 2,5%. Eisner erklärte daraufhin seinen Rücktritt. Auf dem Weg ins Parlament wurde er am 21.Februar 1919 von dem Graf Arco auf Valley erschossen, der dafür lebenslange Festungshaft erhielt, aber nach wenigen Jahren entlassen wurde. In Bayern bildete die SPD unter dem weit rechts stehenden Hoffman eine von den Konservativen tolerierte Minderheitsregierung.

Doch es gab eine Doppelregierung. Einerseits die Regierung Hoffmann, andererseits die Arbeiter –und Soldatenräte. Der Mord an Eisner peitschte die politische Stimmung auf. In den Räten dominierten nun Leute wie der Philosoph Landauer, der Anarchist Erich Mühsam oder der Schriftsteller Ernst Toller. Mit ihren öffentlichen Reden hatten sie großen Erfolg, aber mehr passierte dann auch nicht, es war nur heiße Luft. Berauscht von ihrer eigenen Rhetorik, hielten sie die Gelegenheit für günstig, erklärten am 7. April 1919 Bayern zur Räterepublik und verteilten an sich selbst die entsprechenden Ämter. Doch als Erich Mühsam auf dem Stachus die frohe Botschaft vor 15.000 Menschen verkündete, erhielt er nur wenig Beifall. Die Kommunisten erklärten sogar, dass sie diese Räterepublik nicht unterstützen würden. Hoffman war inzwischen nach Bamberg geflüchtet und baute eine Armee auf, um München zu besetzen.

Die neuen Herrscher hatten kein Konzept. Ihr Ökonom Silvio Gesell, plante die Nationalisierung der Banken und die Abschaffung des Geldes, der Philosoph Landauer wollte eine radikale Umgestaltung des Bildungswesens, andere planten die sofortige Beseitigung des Privateigentums, die Auflösung der Verwaltung und die „Selbstherrschaft“ der Volkes durch die Arbeiterräte.
Die neue Regierung wurde von den Bauern, dem Mittelstand, aber auch von großen Teilen der Arbeiterschaft abgelehnt. Der Dichter Graf schreibt:

„Der Bahnverkehr stockte. Streiks tobten, die Geschäftswelt war in tausend Ängsten, vor den Brotläden staute sich lange Reihen. Selbst der Unbeteiligte spürte den Schrecken des herannahenden Hungers. Draußen, auf vielen Straßen des flachen Landes, trieb kein Viehtransport mehr dahin. Jäh von einem Tag auf den andern, gab es keine Milch, keine Butter, keine Eier und kein Fleisch mehr, Die Märkte waren verlasen, die Bauern lieferten nichts mehr.“
Leonhard, a.a.O. Seite 121

Am 13.April erklärten die Gegner der linken Boheme die Regierung für abgesetzt. Treibende Kraft waren die Kommunisten, die in den Arbeiter – und Soldaten Räten die Macht übernahmen und die linken Träumer verhafteten. In dieser zweiten Räterepublik unter den Kommunsten ging es nun strenger und disziplinierten zu. Sie hatten auch mehr Rückhalt in der Arbeiterschaft und gründeten eine Rote Armee, um die Truppen der Regierung Hoffmann zu stoppen. Sie errangen auch einige Siege, doch Anfang Mai 1919 marschierten die Soldaten ein, richteten ein fürchterliches Blutbad an und beendeten dieses kurzlebige Experiment

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Re: Die Münchner Räterepublik 1919

Beitrag von Gontscharow am So Aug 16, 2015 1:39 pm

Lenin erstellte denn auch eine Grußbotschaft an die bayrische Räterepublik.
Von dieser bis zu Syriza ist es immer dass Gleiche mit den schwärmerischen Linken :
Sie sind romantische Naturen, können flammende Pamphlete schreiben, herzzerreißende
Gedichte oder Lieder über alle Ungerechtigkeiten dieser Welt kreieren usw. Sie sind eben
Künstlernaturen. Allerdings ohne jegliche praktische Begabung, meist sind sie nicht mal
in der Lage für ihren eigenen Lebensunterhalt zu sorgen. Wenn diese Leute dann man an
die Regierung kommen, sind sie hoffnungslos überfordert und geben sich der Illusion hin,
man könne die Welt verändern, indem man schöne Reden hält.
Deshslb sollten die Salonutopisten dort bleiben, wo sie keinen Schaden anrichten können,
nämlich in den Nischen des Kulturbetriebes oder den geisteswissenschaftlichen Fakultäten der Universitäten.
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Re: Die Münchner Räterepublik 1919

Beitrag von Marek1964 am Mo Aug 17, 2015 10:56 pm

Gontscharow schrieb:
Deshslb sollten die Salonutopisten dort bleiben, wo sie keinen Schaden anrichten können,
nämlich in den Nischen des Kulturbetriebes oder den geisteswissenschaftlichen Fakultäten der Universitäten.

Das wären sie gewiss auch geblieben, doch dieser fürchterliche Erste Weltkrieg war ein fürchterliches Armutszeugnis für die herrschenden Schichten von damals - entsprechend konnten sich damals auch utopistische Meinungen, zumindest vorübergehend, etablieren.

Und wenn wir die Abschaffung des Geldes belächeln - der Regierung von Weimar war mit der Hyperinflation eigentlich das gleiche gelungen - auf etwas andere Weise und  mit anderen Absichten - aber nichts anderes ist eine Hyperinflation eigentlich, das Geld hört auf, seinen Funktionen gerecht zu werden. Hier habe ich dazu auch schon mal was geschrieben:

http://geschichte-forum.forums.ag/t3-inflation-1914-1918-1923-einfach-verstandlich-erklart-von-der-kriegsfinanzierung-durch-schulden-bis-zum-ruhrkampf

Hyperinflation ist ja auch eine materielle Enteignung - auf eine sehr unerwünschte Weise, irgendwo noch ungerechter, als eine Totalenteignung, weil sie gewisse reicher macht und ander bettelarm. Wenn man also moniert, wie wenig die linken Utopisten von Wirtschaft verstanden, so hatten damals die Rechten auch nicht soviel davon verstanden.

Wallenstein hat ja  im Thread "Sind Professoren politikuntauglich" in eine ähnliche Richtung argumentiert  - eine gewisse Weltfremdheit von vielen Akademikern. Diese ist ja im heutigen Alltag allerdings doch einiges weniger ausgeprägt als damals.

http://geschichte-forum.forums.ag/t509p15-sind-professoren-politikunfahig#4810

Wo auch Experimente des Kommunismus enden können, kann man in diesem Thread über die Radikalkommunisten von Pol Pot in Kambodscha nachlesen: http://geschichte-forum.forums.ag/t351-kambodscha-unter-pol-pot-der-alptraum-der-roten-khmer-massenmord-am-eigenen-volk  und das  sechs Jahrzehnte später...

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Re: Die Münchner Räterepublik 1919

Beitrag von Rübezahl am Mo Aug 17, 2015 11:54 pm

Ich finde den Hinweis interessant, dass die Macher der ersten Räterepublik die Schreibweise das Namens Bayern ändern und das y durch ein i ersetzen wollten. Bayern war ja erst seit 1825 mit y geschrieben worden, auf Anweisung des philhellenischen neuen Königs Ludwig I. Daraufhin änderte Tyrol aus Trotz seine Schreibweise und tauschte sein y durch ein i aus.

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Re: Die Münchner Räterepublik 1919

Beitrag von Wallenstein am Di Aug 18, 2015 11:06 am

Der Ökonom Silvio Gesell, der in der Münchner Räterepublik aktiv war, verfocht eine etwas eigenwillige Geldtheorie. Er wollte das bis dahin gültige Geld abschaffen und durch ein sogenanntes Freigeld ersetzen. Geld sollte in Zukunft nur noch als Zirkulationsmittel dienen und nicht mehr als Wertaufbewahrungsmittel. Er glaubte, dass Wirtschaftskrisen dadurch entstehen, dass Leute Geld nicht ausgeben, sondern horten. Dadurch drosseln sie die Nachfrage. Leute horten vor allem deshalb Geld, weil sie später Zinsen kassieren wollen. Das hielt Gesell für schlecht, deshalb sollte es keine Zinsen mehr geben. Und auch das Horten an sich, auch ohne Banken, wollte er mit dem Freigeld verhindern. Freigeld hat nur eine bestimmte Laufzeit, wird diese überschritten, ist es wertlos. Man könnte einen Vermerk auf dem Geldschein hinterlegen, gültig nur bis dann und dann. Horten würde dann keinen Sinn machen, denn gehortetes Geld wird nach einiger Zeit wertlos.

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Re: Die Münchner Räterepublik 1919

Beitrag von Gontscharow am Di Aug 18, 2015 2:28 pm

Na ja, ob Gesell da richtig lag, wage ich zu bezweifeln. Man muß doch auch an die Zukunft
denken und nicht alles Geld, das man zur Verfügung hat, sofort auf den Kopf hauen.
Ich habe einige Bekannte, die das so machen ( allgemeines Urteil der Gesellschaft : "Sie können nicht mit Geld umgehen"), und das Ergebnis ist, daß sie einfach nie länger als 2 oder 3 Tage pro Monat Geld haben,  wenn überhaupt, denn meistens haben sie auch schon das Geld
des nächsten Monats ausgegeben, bevor es überhaupt auf ihren Girokonten landet.

Wichtig finde ich Mareks Hinweis auf das Veragen der konservativen Eliten im Ersten Weltkrieg.
Natürlich konnten die linken Utopisten nur durch das Versagen und die entstandene "Vertrauenslücke" in der Bevölkerung überhaupt erst an die Macht kommen.Nach dem Motto : "Die einen haben versagt, versuchen wir es mal mit den anderen", ich hätte mich 1918 / 19 auch für die Linke entschieden. Die SPD ist ja auch in der Lage, anständig zu regieren, die Kommunisten und sonstigen Linksextremen sind es aber nicht, wie sie seit 1917 immer wieder und allerorten bewiesen haben.


Zuletzt von Gontscharow am Mi Aug 19, 2015 1:18 am bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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Re: Die Münchner Räterepublik 1919

Beitrag von wfwbinder am Di Aug 18, 2015 3:02 pm

Na ja, Wallenstein hat die Theorie des Silvio Gesell etwas kurz beschrieben.

Ich bin zwar auch kein Unterstützer seiner Theorie, aber sie hat schon interessante Aspekte.

Neben dem Freigeld sollte es auch Freiland geben, was aber nicht heissen sollte, dass man Land einfach bekommt, sondern es würde komplett in Gemeinschafts (Staats-)eigentum überführt.

Die Nutzung sollte mit einer Abgabe belastet sein.

Sinn seiner gesamten Theorie war es das Leistungslose Einkommen durch Pacht, oder Zins auf Grund- und/oder Geldbesitz zu verhindern, damit die herrschende und besitzende Klasse keine Einkünfte einfach nur aus dem Besitz erzielen kann.
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Re: Die Münchner Räterepublik 1919

Beitrag von Gontscharow am Mi Aug 19, 2015 1:22 am

Durch Zinsen um die 1 % ( falls überhaupt) ist leistungsloses Einkommen durch
Geldvermögen momemtan ohnehin verhindert - Gesells Wunschvorstellungen sind
also teilweise in die Wirklichkeit umgesetzt worden Shocked
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Re: Die Münchner Räterepublik 1919

Beitrag von Wallenstein am Mi Aug 19, 2015 10:03 am

Gleich nach der Novemberrevolution 1918 gründete sich in München die rechtsradikale „Thule-Gesellschaft“, der führende spätere Nazis angehörten, wie z.B. der Chefideologe Alfred Rosenberg, der Stellvertreter von Hitler, Rudolf Hess und der spätere Generalgouverneur von Polen, Hans Frank.

Sie bekämpften die „jüdische Verschwörung“ in München, denn sowohl der erste Ministerpräsident, Kurt Eisner, als auch die führenden Köpfe der Räterepublik, Landauer, Toller und Erich Mühsam, waren allesamt jüdischer Abstammung.

Unklar ist die Rolle von Hitler in dieser Zeit. Am 16. Februar 1919 marschiert er zusammen mit Mitgliedern des „Revolutionären Arbeiterrates“ und einer roten Armbinde durch München. Am 21. Februar zeigt ihn ein Foto bei der Trauerfeierlichkeit für den erschossenen Eisner. Und am 15.April 1919, also während der zweiten Räterepublik, die von den Kommunisten geführt wurde, wird er in den Soldatenrat gewählt. Nach der Niederschlagung der Räterepublik tritt er als Zeuge auf gegen frühere Mitglieder dieser Bewegung.

P.S.
Interessant ist auch noch der Anarchist Ret Marut (1882 – 1969), der später unter dem Pseudonym B. Traven ein weltberühmter Schriftsteller wurde.
Während der kurzen Münchner Räterepublikszeit im Frühjahr 1919 übernahm Marut das Amt eines Chefzensors und war treibende Kraft bei der geplanten Sozialisierung der Presse; außerdem engagierte er sich für den Aufbau revolutionärer Strafgerichte.

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Re: Die Münchner Räterepublik 1919

Beitrag von Gontscharow am Do Aug 20, 2015 3:24 pm

War Hitler Spitzel bei den Linken oder war er kurzfristig -nach dem verlorenen Krieg - selbst ein überzeugter Linker ?
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Re: Die Münchner Räterepublik 1919

Beitrag von Wallenstein am Do Aug 20, 2015 3:36 pm

Hitler arbeitete als Spitzel für die Reichswehr. Ob das aber auch schon Anfang 1919 so war, das kann ich nicht sagen. Ein Linker war er sicherlich nicht, er hatte nur ziemlich wirre Vorstellungen.

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Re: Die Münchner Räterepublik 1919

Beitrag von Marek1964 am Do Aug 20, 2015 11:43 pm

Hitler war wohl damals auch nicht so klar, wohin er wollte - Nationalist war er sicher, aber als jungem Menschen, der vom Establishment sicher auch enttäuscht war, vielleicht auch dem einen oder anderen revolutionären Gedanken nicht abgeneigt.

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Re: Die Münchner Räterepublik 1919

Beitrag von Wallenstein am Fr Aug 21, 2015 11:03 am

Marek1964 schrieb:Hitler war wohl damals auch nicht so klar, wohin er wollte - Nationalist war er sicher, aber als jungem Menschen, der vom Establishment sicher auch enttäuscht war, vielleicht auch dem einen oder anderen revolutionären Gedanken nicht abgeneigt.

Hitler schreibt in seinem Buch „Mein Kampf“ über sich selbst als Schuljunge von 14 Jahren:
„Ich wurde Nationalist, aber freilich auch damals schon ein junger Revolutionär“.

Unklar bleibt, was er unter „Revolutionär“ versteht. Weiter führt er aus:
„Heiße Liebe zu meiner deutsch – österreichischen Heimat, aber tiefer Hass gegen den österreichischen Staat, helle Verachtung und Empörung zugleich gegen das kaiserliche Haus Habsburg.“

Die Habsburger waren für ihn undeutsch. Er schwärmte für seinen deutsch-nationalen Geschichtslehrer, dazu kam die Schulagitation gegen Tschechen und Südslawen, Kornblumen und „Heil“ – Grüße, die ganze völkische Atmosphäre der Kleinstadt – Mittelklasse. So entwickelte sich sein extremer Nationalismus.

In Wien lernt er das soziale Elend der Arbeiterschaft kennen:
„Tiefstes soziales Verantwortungsgefühl zur Herstellung besserer Grundlagen unserer Entwicklung, gepaart mit brutaler Entschlossenheit in der Niederbrechung unverbesserlicher Auswüchslinge.“

Hitler empfindet aber auch Abscheu vor den Arbeitern und der organisierten Arbeiterbewegung:

„Ich weiß nicht, was mich nun zu dieser Zeit am meisten entsetzte. Das wirtschaftliche Elend meiner damaligen Gefährten, die sittliche und moralische Rohheit oder der Tiefstand ihrer geistigen Kultur“

Später kommt der Antisemitismus hinzu:
„Linz besaß nur wenige Juden. Im Laufe der Jahrhunderte hatte sich ihr Äußeres europäisiert und war menschlich geworden; ja, ich hielt sie sogar für Deutsche.“

Später berichtet er, dass er in Wien „richtige“ Juden kennen lernte, in langem Kaftan mit schwarzen Locken. Ihm sei übel geworden und habe: „über die körperliche Unsauberkeit hinaus plötzlich die moralischen Schmutzflecken des auserwählten Volkes entdeckt.“

Nun entdeckt er Juden überall dort, wo er selber gerne wäre, in der Kunst, Literatur, Presse und im Reichtum. Er als armer Landstreicher in Wien entwickelt einen fürchterlichen Neid und Hass auf die Juden. „Das war Pestilenz, geistige Pestilenz, schlimmer als der schwarze Tod, mit der man das Volk infizierte.“

Nationalismus, Antisemitismus, Sozialneid, Ekel und gleichzeitig eine gewisse Sympathie für die Arbeiter, so entwickelte sich seine Ideenwelt.

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