Der Nazi-Ökonom Gottfried Feder 1919 - „Brechung der Zinsknechtschaft“

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Der Nazi-Ökonom Gottfried Feder 1919 - „Brechung der Zinsknechtschaft“

Beitrag von Wallenstein am Do Aug 20, 2015 11:02 am

Der Ingenieur Gottfried Feder (1883-1941) gehörte zu dem Mitbegründern der „Deutschen Arbeiterpartei“ (DAP), aus der später die NSDAP hervorging. Er hielt vor den Mitgliedern einen Vortrag über „Die Brechung der Zinsknechtschaft“, eine Theorie, die Adolf Hitler zeitweilig stark beeinflusste.

Feder meinte, wir leben im Zeitalter des Mammonismus, welches sich wie folgt darstellt:

1.) Die Welt wird von den Banken beherrscht, einer Plutokratie, die „goldene Internationale“, die keine staatlichen Grenzen mehr kennt, sondern ihre Herrschaft weltweit ausdehnt. Das Bankenkapital und das Industriekapital stehen im Verhältnis 20:1. Das fiktive Kapital dominiert absolut.

2.) Mammonismus ist eine Geisteshaltung, die den Eigennutz und das Gewinnstreben verklärt und keinen Gemeinsinn mehr kennt.

Feder attackierte vor allem die Staatsverschuldung. Das ganze Volk muss für die Schulden und der damit verbundenen Zinslast aufkommen und wird durch direkte und indirekte Steuern ausgebeutet. Diese Steuereinnahmen dienen nur dazu, die Inhaber der Staatsanleihen reich zu machen. Zwar haben auch viele kleine Leute solche Staatspapiere, doch deren Gewinne werden vom Staat gleich wieder wegbesteuert. Der Löwenanteil dieser Papiere befindet sich im Besitz der Plutokratie, die durch die Zinsen reich wird, die vom Volk erarbeitet werden müssen. Deshalb „Bruch der Zinsknechtschaft“.

Sein Vorschlag: Der Staat zahlt ab sofort keine Zinsen mehr. Die Schuldtitel des Deutschen Reiches und der deutschen Bundesstaaten werden  unter Aufhebung der Zinspflicht zu gesetzlichen Zahlungsmitteln zum Nominalbetrag.

Bei festverzinslichen Papieren wird Zinspflicht in eine Rückzahlungspflicht umgewandelt. Der Staat soll sich in Zukunft hauptsächlich durch die Gewinne der öffentlichen Unternehmen finanzieren. Wenn Staatsanleihen, dann ohne Verzinsung.

Dass Bankenwesen wird nationalisiert. Die Zentralbank mit den großen Geschäftsbanken vereinigt, die verbliebenen Privatbanken angeschlossen und streng überwacht.

Das sind jetzt nur einige seiner Theorien. Innerhalb der NSDAP wurde er schon bald nicht mehr ernst genommen und bekam nach 1933 nur untergeordnete Positionen.

Auch wenn nichts von den Nazis später verwirklicht wurde. Einige Teile von Feders Theorien ließen sich für die Propaganda nutzen. Der Mammonismus wurde mit den Juden gleich gesetzt, dem Internationalismus der Plutokraten setzte man den deutschen Nationalismus entgegen. Und die Unterscheidung von „raffendem“ und „schaffendem“ Kapital führte im Innern Deutschlands zur Klassenversöhnung. Der deutsche Arbeiter und der deutsche Industrielle werden beide von dem „raffenden“ Kapital ausgebeutet. Sie haben also gemeinsame Interessen. Der Klassenkampf ist überflüssig. Jetzt gibt es nur noch die „Volksgemeinschaft“ im Kampf gegen das internationale Judentum und seinem Bankensystem. Dem Egoismus des Mammonismus setzte man die Einheit der Rasse entgegen. Gemeinnutz geht vor Eigennutz. So jedenfalls in der Propaganda.

Wallenstein
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Re: Der Nazi-Ökonom Gottfried Feder 1919 - „Brechung der Zinsknechtschaft“

Beitrag von Gontscharow am Do Aug 20, 2015 2:46 pm

Also ähnelt die von Feder beschriebene Situation der heutigen.
Auch in den Religionen gab / gibt es a ein Zinsverbot.
Ob die Wirtschaft aber ohne Zinsen - im Grunde also Gewinne auf investiertes Kapital -
funktionieren würde ?
Und wie hoch war eigentlich die ESt im III.Reich bzw. im II. Weltkrieg ? Höher als heute ?
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Re: Der Nazi-Ökonom Gottfried Feder 1919 - „Brechung der Zinsknechtschaft“

Beitrag von Wallenstein am Do Aug 20, 2015 3:33 pm

Das bis heute gültige System der Einteilung der Bevölkerung in verschiedene Steuerklassen wurde 1934 geschaffen und soweit ich weiß, unterschied sich die Höhe der Belastung nicht sehr von der heutigen. Die Körperschaftssteuer betrug zwischen 20 – 40%.

Zinsen sind unerlässlich für die Wirtschaft. Ein Unternehmen benötigt nicht nur Arbeitskräfte, Immobilien und technisches Gerät, sondern auch Fremdkapital. Meines Wissens beträgt der Anteil des Eigenkapitals bei vielen Firmen zwischen 20-25%. Der Rest ist geliehen.

Der schlechte Ruf der Zinsen in früheren Zeiten hängt damit zusammen, das Geld geliehen wurde, um damit seinen Lebensunterhalt zu finanzieren. Der Wucherer hat diese armen Kreaturen dann rücksichtslos ausgeplündert. Weil auf diese Weise Bauern und Handwerker ihre gesamte Existenz verlieren konnten, damit aber die gesamte wirtschaftliche Grundlage eines Landes vernichtet wurde, hat man den Wucher und den damit verbundenen Zins geächtet.

Heute sind Zinsen Kapitalkosten, das heißt, geliehenes Geld wird nicht konsumiert, sondern investiert, was bedeutet, man hat am Ende mehr Geld als vorher. Es gibt in der Betriebswirtschaft den sogenannten Leverage-Effekt. Sind die Kosten für zusätzliches Fremdkapital niedriger als die Gesamtkapitalrentabilität, wird durch die Aufnahme von noch mehr Fremdkapital die Eigenkapitalrentabilität gesteigert. Es wäre deshalb sehr unklug, kein Geld zu leihen.

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Re: Der Nazi-Ökonom Gottfried Feder 1919 - „Brechung der Zinsknechtschaft“

Beitrag von Marek1964 am Do Aug 20, 2015 11:12 pm

Der SPIEGEL schrieb  mal, der Nationalsozialismus hätte ein sozialisitisches Spielbeil und ein kapitalistisches Standbein gehabt - genau so war es. Das dröhnende Geschwafel gegen die Finanzplutokratie war reine Propaganda einer pragmatischen Politik der hemmungslosen Verschuldung und Hofierung der Industrie - wie auch schon vor seiner Machtübernahme gerne Geld und Sachwerte der Industriellen entgegennahm.
Dieses antikapitalistische Gerede wurde nur auf die Juden angewandt - und da auch bei solchen, die keinesfalls reich waren.
Eine freie Marktwirtschaft braucht Wirtschaftssubjekte, die Geld sparen,  damit sie woanders investiert werden können und ein Wohlstandswachstum erreicht werden kann. Auch der Kleinsparer will Zinsen bekommen, also muss auch die Bank das Geld ihrerseits verzinst verleihen können. Ein einfacher Dreisatz.
Wie es Wallenstein geschrieben hat - Geld kann auch in Eigenkapital, also  Aktien investiert werden. Dann gibt es keinen Zins, sondern Dividenden, sprich Gewinnanteil.
Dass Zins nehmen etwas unartiges ist, haben viele Religionen in sich, und in der  Tat, wie es Wallenstein geschrieben hat, weil damit immer wieder Härtefälle verbunden waren. Aber das hing damit zusammen, dass sich arme, die eigentlich keine Perspektive hatten, sich Geld liehen und dann um Haus und Hof gebracht wurden. In solchen Fällen muss halt die Gemeinschaft mit Subventionen einspringen, und nicht Geldhaie. Denn sozial Schwachen Geld zu leihen rentiert selten. Dass kann man dann eigentlich nicht den Geldhaien zum Vorwurf machen, aber der Gemeinschaft,  die dann halt nicht unbedingt solidarisch genug ist.
Die hohe  Staatsverschuldung nach dem Ersten Weltkrieg resultierte auch nicht aus den Machenschaften irgendeiner Finanzplutokratie, sondern schlicht daraus, dass der Erste Weltkrieg in Deutschland durch Anleihen finanziert  wurde - im Gegensatz zu England, wo man beispielsweise eine Vermögenssteuer einführte.

Wozu das führte habe ich hier beschrieben http://geschichte-forum.forums.ag/t3-inflation-1914-1918-1923-einfach-verstandlich-erklart-von-der-kriegsfinanzierung-durch-schulden-bis-zum-ruhrkampf

Hitler war clever genug, solcherlei Ideen höchstens in der Propaganda Rechnung getragen zu haben. Die faktische Kaltstellung solcher Ideen nach dem Januar 1933 hatte ihre Paralelle in der Kaltstellung der SA - Hitler wollte Profis, in der Wirtschaft wie im Militär. Für seine Eroberungspläne waren sozialistische Traümer nicht die richtigen Partner. Also erhielten die Unternehmen Rüstungsaufträge, die Reichswehr den Vorzug vor der SA. Programme wie KdF federten das propagantistisch ab - eben, sozialistisches Spielbein und kapitalistisches Standbein.

Im Zweiten Weltkrieg wurden auch keine Anleihen mehr praktiziert - zu schlecht wären die Erinnerungen gewesen. Man machte das anders, durch Mefo Wechsel, durch Winterhilfswerk und durch erzwungene Anleihen von Banken an den Staat. Nach dem Krieg wurde das dann durch die Währungsreform wegdividiert, durch den Lastenausgleich abgefedert und mit dem Marshallplan wurde die Wirtschaft angekurbelt - insgesamt das viel bessere Konzept als die Hyperinflation von 1923.

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