Die Stasi als Agent provokateur ?

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Die Stasi als Agent provokateur ?

Beitrag von Nemeth am Sa Aug 22, 2015 5:39 pm

Heute stelle ich mal eine gewagte These auf:
Die friedliche Revolution 1989 war nicht nur auf das Wirken von friedlichen Demonstrationen und Kundgebungen zurückzuführen.
Ich behaupte mal, daß die Mielke-Kolonnen, die ganze Sache steuerten und lenkten.
Es gab innerhalb der Staatsicherheit nicht nur Dümmlinge und Befehlsausführer. Der mittleren Führungsebene war es durchaus bewusst
wohin die DDR politisch und wirtschaftlich , ohne sowjetischen Beistand, hinschliddert.
Das da , auch "gesteuerte" Proteste später Massenproteste das Mittel zum Zweck waren, liegt auf der Hand.
Das es in der Anfangszeit zu gewissen Problemen in der Befehlhiarchie gab und auch u,U, gefördert waren, kann durchaus
beabsichtigt gewesen sein.
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Re: Die Stasi als Agent provokateur ?

Beitrag von Marek1964 am Sa Aug 22, 2015 6:22 pm

Interessantes Thema. Ich habe solche Theorien auch schon gehört, und würde sie in die Kategorie der Verschwörungstheorien einreihen, ohne sie aber dabei abwerten zu wollen.

Sicher waren sich viele, die im kommunistisschen System privilegiert waren, bewusst, dass das System dem kapitalistischen unterlegen war. Andererseits wollten sie nicht ihre Privilegien verlieren. Es kann also in der Tat das Konzept gegeben haben, Reformen so gestalten zu wollen, um später immer noch privilegiert zu sein.

Dennoch zweifele ich aber an einer solchen Konzeption - Gorbatschow wollte Reformen, eben aus der Einsicht, dass das System hinterherhinkt.

Gerade in der DDR wurde man aber mE eher von den Ereignissen überrollt - das "Loch im Zaun", das die Ungarn gemacht hatten, und durch das im Sommer 1989 viele flohen, das war von niemandem so geplant gewesen.

Danach reagierte man nur noch - aber von einer Steuerung der Sache würde ich nicht sprechen, nicht von Ost Berlin aus, auch nicht aus Moskau oder sonstwo - man wollte Reformen und liess den Geist aus der Flasche.

Gerade Gorbatschow wurde häufig vorgeworfen, die Reformen konzeptlos angegangen zu sein. Daran mag einiges richtig sein, aber welches Konzept wäre denn das richtige gewesen - wir haben es schon in diesem Thread analysiert - http://geschichte-forum.forums.ag/t203-war-die-wissenschaft-auf-das-jahr-1989-vorbereitet-hatte-man-konzepte-des-ubergangs-und-reformen-vom-kommunismus-zur-marktwirtschaft

Eigentlich weiss man es bis heute nicht - zumindest für Russland nicht. In diesem Thread sehen wir ja auch http://geschichte-forum.forums.ag/t423-kerenski-und-die-russische-republik-vom-februar-marz-1917-wie-hatte-sie-bestehen-konnen-welche-fehler-machte-sie
wie äusserst schwierig die Entwicklung der russischen Gesellschaft war und ist.

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Re: Die Stasi als Agent provokateur ?

Beitrag von Nemeth am Sa Aug 22, 2015 6:48 pm

Die Behauptung, daß die Staatsicherheit mitgemischt hat kommt nicht von ungefähr.
Wir , die wenigen die sich gur kannten, Demonstrationen und ähnliches organisierten, waren
nach Jahren sehr verblüfft, wer da alles in unseren Gruppen mitmischte.

Die mittlere Führungsebene, nicht die Zuträger der Firma, sind m.E. nach alle in gut bezahlte
Positionen gekommen. Selbst bei Enttarnung machten sie sich unersetzbar.
Desweiteren ist zu beachten, daß selbst Leute, die bei der "Revolution" im Rampenlicht standen erst "zurücktraten"
nachdem es ihnen schwarz auf weiß, nachwies.

Das die Sache Ungarn aus dem Ruder herauslief, war auch mit ein "Verschulden" der ungarischen Behörden.
Was da lief oder nicht lief , werden wir wohl sehr spät oder nie erfahren.
Vergessen wir nicht, die Kraft der bewegten Bilder von den Ereignissen und die unfähigen Reaktionen
der Großkopfeten. --"Wir weinen ihnen keine Träne nach" ein Ausspuch E.H.
Da wären auch die Bilder von den Montagsdemos, die viele sahen, Der Bann war gebrochen
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Re: Die Stasi als Agent provokateur ?

Beitrag von Marek1964 am Sa Aug 22, 2015 8:45 pm

Nemeth schrieb:Die Behauptung, daß die Staatsicherheit mitgemischt hat kommt nicht von ungefähr.
Wir , die wenigen die sich gur kannten, Demonstrationen und ähnliches organisierten, waren
nach Jahren sehr verblüfft, wer da alles in unseren Gruppen mitmischte.

Es gibt den wunderschönen tschechischen Film "Kolja". Ich  schaue mal, ob ich irgendwo einen Link finde, wo es deutsche oder wenigstens englische Untertitel oder Synchronisation gibt. der Film spielt vor und während dem November 1989. Dort komm es zu "Schlüsseldemonstrationen": Am Wenzelsplatz demonstrierten Hunderttausende und liessen ihre Schlüssel klingen - als Symbol, die alte Garde der Kommunisten soll zurücktreten. Dann sah man dort dort zwei Mitarbeiter er StB (tschechoslowakische Stasi) auch mitklingeln.  Als sie der Hauptdarsteller, eine positive Gestalt, dort erblickt lächeln diese freundlich zurück - nachdem sie ihn kurze Zeit davor knallhart verhört hatten. Stasi, StB, KGB oder alle anderen kommunistischen Organisation, respektive ihre Mitglieder versuchten ja sicher, sich irgendwie über die Zeit zu retten.

Wie gesagt, ich bin durchaus offen für Gedanken, diese Leute hätten da mitgemischt. Aber irgendwie fehlen mir die überzeugenden Beweise, dass das alles irgendwie gesteuert war. Dazu verlief alles zu chaotisch, turbulent. Dass es viele Wendehälse gab, steht ausser Frage. Die gibt es aber immer.

Nemeth schrieb:Die mittlere Führungsebene, nicht die Zuträger der Firma, sind m.E. nach alle in gut bezahlte
Positionen gekommen. Selbst bei Enttarnung machten sie sich unersetzbar.
Desweiteren ist zu beachten, daß selbst Leute, die bei der "Revolution" im Rampenlicht  standen erst "zurücktraten"
nachdem es ihnen  schwarz auf weiß, nachwies.

Die Stasi war ja eine Krake, die überall war. Auch fachlich gute oder fähige Leute verstrickten sich darin. Als Exiltschechoslowake, Antikommunist im sicheren Westen, wäre es ein leichtes, diese alle Leute zu verurteilen und kaltzustellen. Aber die Hälfte des Landes kaltzustellen und durch Dissidenten oder unbeschriebene Blätter zu ersetzen, das wäre auch nicht so leicht gewesen und wohl auch nicht so gut. In der BRD hat man ja auch nicht so gründlich entnazifiziert - wohl mit gutem Grund.

Nemeth schrieb:Das die Sache Ungarn aus dem Ruder herauslief, war auch mit ein "Verschulden" der ungarischen Behörden.
Was da lief oder nicht lief , werden wir wohl sehr spät oder nie erfahren.
Vergessen wir nicht, die Kraft der bewegten Bilder von den Ereignissen und die unfähigen Reaktionen
der Großkopfeten. --"Wir weinen ihnen keine Träne nach" ein Ausspuch E.H.
Da wären auch die Bilder von den Montagsdemos, die viele sahen, Der Bann war gebrochen

Eben genau das lässt mich annehmen, dass das eben alles kaum gesteuert war.

Klärungsfrage: Mit wem meinst Du die "Firma?" Wer ist E.H.? Es gibt hier viele jugendliche Leser, die das nicht verstehen - und auch ich  als damals junger Erwachser des Westens, aber mit einigem Wissen des Ostens ausgestattet, weiss es jetzt nicht.

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Re: Die Stasi als Agent provokateur ?

Beitrag von Walzbruder am So Aug 23, 2015 12:41 pm

Es erstaunt aber immer noch, wie die Rufe: "Wir sind das Volk!", "Wir bleiben hier!" und "Wir sind ein Volk!" so passend immer wieder entstanden. Das klingt gezielt kultiviert.
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Re: Die Stasi als Agent provokateur ?

Beitrag von Nemeth am So Aug 23, 2015 5:30 pm

Klärungsfrage :
Die "Firma" war die Firma Horch , Guck und Greif also die Staatsicherheit (entschuldigt den Jargon )

E.H. war Erich Honecker

Zum Unterkommen von ehemaligen Stasi-Leuten:
Der Chef-Devisenbeschaffer der DDR der Genosse Schalk-Golodkowski verbrachte mindestens
20 Jahre wohlbehütet am Chiemsee.
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