Biologische Grundlagen der Menschheitsgeschichte

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Biologische Grundlagen der Menschheitsgeschichte

Beitrag von Wallenstein am Di Aug 25, 2015 9:26 am

Inwiefern bestimmt die Biologie die menschliche Geschichte? Aufgrund seiner Intelligenz kann der Mensch seine Entwicklung zu einem großen Teil selber steuern, weil sie nicht genetisch programmiert ist.

Folgendes Beispiel: Würde man auf einer Insel Bienen aussetzen, bilden sie sofort die uns bekannten Strukturen. Der Aufbau von Bienenvölkern ist genetisch programmiert, er wird auch in fünfzigtausend Jahren unverändert sein. Ausgesetzte Gorillas werden sich wahrscheinlich auch nach dem bekannten Muster organisieren: Haremsbildung durch die Silberrücken, Junggesellengruppen.

Setzen wir aber Menschen aus, können wir keine Vorhersagen machen, wie sie in tausend Jahren zusammen leben werden. Die Natur sagt lediglich: „Organisiert euch, denn alleine könnt ihr nicht leben!“ Wie ihr das aber macht, ob als Stamm oder Monarchie, als faschistische Diktatur oder parlamentarische Demokratie, das ist euch überlassen, dies ist genetisch nicht programmiert. Die Menschen auf der Insel können theoretisch viele Entwicklungsrichtungen einschlagen. Vieles wird davon abhängig sein, aus welchen Kulturkreisen sie stammen und welche Ressourcen vorhanden sind. Abgeschnitten vom Rest der Welt kann es ab einer gewissen Stufe zum Stillstand kommen. (siehe z.B. die Guanchen auf den Kanarischen Inseln, den Tasmaniern und vielen anderen).
Einige Organisationsformen sind aber möglicherweise evolutionär vorgeprägt und werden von den Menschen bevorzugt:

Dominanzprinzip und Rangordnungen.
Die meisten Säugetiere leben in Gruppen mit einem Alpha Tier an der Spitze und sind hierarchisch aufgebaut mit klaren Rangordnungen. Ein fähiges Alphatier kann in schwierigen Situationen die Gruppe klug führen und beschützen. Wären alle Mitglieder gleich berechtigt, wäre die Entscheidungsstruktur zu kompliziert und wenig effizient. Die Evolution hat offensichtlich solche hierarchischen Strukturen begünstigt und möglicherweise sind auch wir instinktiv dafür dispositioniert. Je intelligenter die Tiere sind, desto komplizierter und schwieriger werden diese Strukturen. Bei Schimpansen beobachten wir ständig Kämpfe um die Rangordnung, Allianzen, regelrechte Putsche.

Auch bei Menschen beobachten wir Dominanzstreben und Hierarchien. Auch in sehr kleinen Gruppen bilden sich schnell Differenzierungen und Unterschiede zwischen den einzelnen Mitgliedern heraus, die so etwas begünstigen. In Steinzeitgruppen muss sich der Führer durch Charisma und Leistung ständig beweisen. Seine Macht ist aber nicht stabil, denn mit seinem Tode endet sie. Er kann sie nicht vererben und er hat auch keine geeigneten Mittel, um die anderen Gruppenmitglieder wirksam zu kontrollieren. Wird die Gesellschaft aber zahlenmäßig größer und reicher, dann können Machtbeziehungen entstehen, weil einzelne Personen jetzt Möglichkeiten haben, ihre Herrschaft zu befestigen (durch Kontrolle über Land oder Krieger oder welche Machtmittel auch immer). Die Beziehungen in der Gesellschaft werden dann asymmetrisch, einige haben mehr Macht und Einfluss als andere. Die Unterschiede zwischen den Individuen nehmen dann auch bald die Form von Rangordnungen an, abhängig davon, in welchem Verhältnis sie zum Machtzentrum stehen. Machtpositionen werden früher oder später auch vererbbar und dauerhaft.

Das Territorialprinzip:
Bei einer Reihe von Tierarten ist zu beobachten, dass sie ein bestimmtes Revier besetzen und gegen andere Gruppen der eigenen Art verteidigen. (Löwen, Wölfe, Schimpansen). Der Grund besteht darin, dass die Gebiete nur über bestimmte Ressourcen verfügen und nicht für alle ausreichen. (besteht allerdings Nahrung im Überfluss, sind Revierkämpfe weniger stark ausgeprägt). Revierverhalten ist uns vermutlich auch von der Evolution vermittelt worden. Bei Bevölkerungsüberschuss drängten früher die Menschen über ihre eigenen Grenzen hinaus. Ein solcher Trend wird noch verstärkt, wenn entstandene Machtzentren ihren Einfluss weiter ausdehnen wollen.

Dominanzstreben, Rangordnungen, Territorialprinzip, sie sind vermutliche Erbstücke der Evolution. Der Mensch hat aber eine Willensfreiheit, er kann sich unterschiedlich verhalten. Er ist kein Sklave einer genetischen Programmierung, die ihm keine Entscheidungsfreiheit lässt.

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Re: Biologische Grundlagen der Menschheitsgeschichte

Beitrag von Walzbruder am Di Aug 25, 2015 7:26 pm

Der Mensch hat einen entscheidenden Fehler: Er ist egoistisch. Dieser Egoismus ist seine Geißel! Ich bin ehrlich: auch ich bin nicht frei davon.
Dieser Egoismus, der sich in Besitzgier und Raffsucht äußert, hat die Menschheitsgeschichte geprägt. Er hat die Urgemeinschaft, die noch frei von Ausbeutung war total verwandelt in Klassengesellschaften, die ein Mehrprodukt erzielten, das aber nicht mehr allen zu Gute kam.
Er hat Kriege und Inquisition hervorgebracht und viele grausame Schicksale.
Man hätte den Ersten in der Menschheitsgeschichte, der sagte:"Das ist mein!", erschlagen sollen.

Das ist das Debakel des real existierenden Sozialismus. Der neue Mensch ohne Ansprüche, der aus Bewusstsein freiwillig und gern arbeitet. Davon waren selbst die Funktionäre nicht frei von.
Es braucht dafür schon ein Gen zur Menschbildung. Aber woher nehmen?
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Re: Biologische Grundlagen der Menschheitsgeschichte

Beitrag von Lux:-? am Fr Nov 06, 2015 3:08 am

Dazu habe ich beim Thema Solshenizyn auch etwas angemerkt.

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