Das 11. Plenum erlebt mit Tondokumenten

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Das 11. Plenum erlebt mit Tondokumenten

Beitrag von Walzbruder am Fr Sep 04, 2015 12:18 am

Das 11. Plenum der SED, private Tondokumente

Ein Meilenstein in der Geschichte der DDR bildete das 11. Plenum der SED vom 16. Bis 18. Dezember, suzusagen kurz vor Weihnachten 1965.
Also vor fast 50 Jahren.
Meilenstein deshalb, weil es genau so unrühmlich ausging, wie der 17. Juni 1953. Es befasste sich mit Erscheinungen der Kultur, mit Künstlern und wurde zu einem Vorgang, der endete wie ein Elefant im Porzellanladen.
Vorausgegangen war die Entstehung der Beatmusik im Westen, die die DDR Jugendlichen maßgeblich zu „Rowdytum“ und unsozialem Verhalten anfachte. Schriftsteller und Stückeschreiber gingen angeblich über ihre streng abgesteckten Grenzen hinaus. Stefan Heym, Wolfgang Biermann und Werner Bräunig wurden namentlich kritisiert.
Es führte zu einem Kahlschlag in der Kulturszene der DDR.
Das Geschehen zu diesem 11. Plenum soll hier anhand einiger privater Tonaufzeichnungen wiedergegeben werden. Dokumente dieser Art an anderer Stelle sind Kopien von mir und unter falschem Namen veröffentlicht.
Leider sind diese 15 Tondokumente qualitätsmäßig nicht gut und es wird daher wirklich nur den interessierten Leser ansprechen.

Die Eröffnungsrede hielt der damalige SED- und Staatschef, Walter Ulbricht. Er erklärt, dass den Teilnehmern zuvor einige, später verbotene, Filme gezeigt wurden und spricht über Exzesse in der Kultur und insbesondere bei den Jugendlichen.



Erich Honecker, der spätere Nachfolger Ulbrichts, damals Sekretär für Sicherheitsfragen hält das Referat. Die DDR sei ein sauberer Staat. Er kritisiert verschiedene DEFA Filme, Stefan Heym, die Beatmusik und das Programm des Jugendfunks „DT 64“. Er spricht von „Skeptizismus und Nihilismus“ und vom XX. Parteitag der KPdSU.

Paul Fröhlich, gelernter Koch, Mitglied des Politbüros, erster Sekretär der Bezirksleitung Leipzig eröffnet die Diskussion. Er spricht über Talent, Kämpfer für den Sozialismus und über Schriftsteller.

Kurt Schumann, gelernter Klavierbauer, erster Sekretär des Zentralrates der FDJ, Mitglied des Zentralkommite beanstandet wachsendes Rowdytum und Banditenwesen.  

Horst Sindermann, Kandidat des Politbüros, erster Sekretär der Bezirksleitung Halle zieht einen Vergleich mit einem Zitat Goethes und einer Äußerung Wolf Biermanns.  

Waldemar Verner, Admiral, Chef der Politischen Hauptverwaltung der NVA, Mitglied des Zentralkommite bedauert die lasche Haltung vieler NVA Soldaten gegenüber der Bundeswehr.  

Konrad Naumann, Leiter der Abteilung Parteiorgane, Bezirksleitung Berlin, Kandidat des Zentralkommite kritisiert das Filmwesen; wird von Ulbricht unterbrochen.  

Albert Norden, Mitglied des Politbüros, Sekretär für Agitation weist auf die Verbundenheit von Volk und Partei hin und beschwört das Bündnis UdSSR und DDR. Er kritisiert Stefan Heym und spricht von der Generallinie.  

Witten, der Vorname ist schlecht verständlich, Stellvertreter des Ministers für Kultur, Leiter der Hauptverwaltung Film gesteht eigene Fehler ein, worauf Ulbricht tobt.  

Helmut Sakowski, Kandidat des Zentralkommite bedauert die Art der Diskussion und betont die Angst der Künstler um die Kunst.  

Hanna Wolf, Rektorin der Parteihochschule Karl Marx, Mitglied des Zentralkommite verurteilt Antistalinismus, rügt Stefan Heym und Havemann.  

Christa Wolf, Germanistin, Kandidat des Zentralkommite verteidigt die Künstler, befürchtet einen Kahlschlag durch Verbote und den Verlust des freien Verhältnisses des Künstlers zum Stoff.  

Paul Verner, Mitglied des Politbüros, erster Sekretär der Bezirksleitung Berlin antwortet Christa Wolf zum freien Verhältnis zum Stoff, betont die Parteilichkeit der Kunst und liest aus „Der Kipper Paul Bauch“ von Volker Braun.  

Inge Lange, Mitglied des Zentralkommite, Leiterin in der Frauenkommission, Mutter. Sie ist eine strenge Mutter, denn ihre Töchter dürfen abends nicht fernsehen. Sie schildert einen Fernsehabend im Kreise der Familie.  

Walter Ulbricht hält das Schlusswort und will mit dem „yea yea yea“ Schluss machen.  
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Re: Das 11. Plenum erlebt mit Tondokumenten

Beitrag von Gontscharow am Fr Sep 04, 2015 11:33 am

yea yea !!!! kann ich da nur sagen. Verknöcherte alte Männer ( schon vor ihrer Zeit gealtert und völlig unflexibel), die die Welt nicht mehr verstehen und sich gegen sie stemmen. Traurig, daß
das schon in den 50er Jahren so war .... wie es dann in den 8oern war, habe ich noch gut in Erinnerung - von der Stagnation zum Rückschritt. Bloß nicht das Fenster aufmachen und frische Luft hereinlassen, lieber schön warm ersticken.
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Re: Das 11. Plenum erlebt mit Tondokumenten

Beitrag von Orianne am So Sep 06, 2015 11:35 am

Gontscharow schrieb:yea yea !!!! kann ich da nur sagen. Verknöcherte alte Männer ( schon vor ihrer Zeit gealtert und völlig unflexibel), die die Welt nicht mehr verstehen und sich gegen sie stemmen. Traurig, daß
das schon in den 50er Jahren so war .... wie es dann in den 8oern war, habe ich noch gut in Erinnerung - von der Stagnation zum Rückschritt. Bloß nicht das Fenster aufmachen und frische Luft hereinlassen, lieber schön warm ersticken.

Wie sagte doch Mielke in der Volkskammer 1989, ich weiss den Wortlaut nicht mehr genau, aber ich liebe Euch doch alle, ja nachdem er Jahrzehnte die Leute mit der Stasi schikaniert hatte, Deutschland kann froh sein, dass die abgetreten sind, zum Teil sogar richtig.

Edit: Hier das Video


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Re: Das 11. Plenum erlebt mit Tondokumenten

Beitrag von Walzbruder am So Sep 06, 2015 12:01 pm

Es ist auch gut, dass diese "Revoluzzer" den Zusammenbruch ihres "Lebenswerkes" noch selbst erleben mussten. Man stelle sich das vor: Jeder von denen wenn stirbt hätte 3 Tage verordnete Staatstrauer. Dann wäre gar kein yea yea yea mehr gespielt worden, nicht mal Tanzmusik. Dann kämen nur noch Trauermärsche. Sad  
Für diese Trauermusik sind die schwarzen Tasten am Klavier. Twisted Evil


Zuletzt von Walzbruder am So Sep 06, 2015 12:02 pm bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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Re: Das 11. Plenum erlebt mit Tondokumenten

Beitrag von Marek1964 am So Sep 06, 2015 1:11 pm

Orianne schrieb:
Wie sagte doch Mielke in der Volkskammer 1989, ich weiss den Wortlaut nicht mehr genau, aber ich liebe Euch doch alle, ja nachdem er Jahrzehnte die Leute mit der Stasi schikaniert hatte, Deutschland kann froh sein, dass die abgetreten sind, zum Teil sogar richtig.

Im interessanten Film über die RAF "die Stille nach dem Schuss" wird ein Stasi Beamter zitiert "manchmal muss man die Leute zum Glück zwingen". Mit dieser Maxime kann man alles rechtfertigen. Oder fast alles (Schiessbefehl an der Mauer wohl kaum).

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