Flucht vor dem Kommunismus - eine Übersicht

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Flucht vor dem Kommunismus - eine Übersicht

Beitrag von Marek1964 am Mo Sep 14, 2015 11:00 pm

Im kalten Krieg gab es viele Fluchtbewegungen, nach 1945 war eine starke Bewegung die Flucht vor dem Kommunismus. Ich will hier mal eine Übersicht erstellen, die aber keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt, sehr stark auch durch meine persönliche Geschichte gefärbt - Ergänzungen seitens der Community sind erwünscht.

1917 und die Jahre danach - viele Russen und andere Bürger des ehemaligen Russischen Reiches und der späteren Sowjetunion flohen in den Westen - der bekannteste der Premier der Russischen Republik Kerenski. Viele in die USA, mir bekannt auch viele in die Tschechoslowakei - nach 1945 erfuhr diesen ein bitteres Schicksal

1945-1989  Flucht aus der Sowjetischen Besatzungszone, später DDR, in die BRD - dort wurden sie stets  gleich als Bundesbürger anerkannt - sicher viele Prominente zu erwähnen, ein Beispiel fällt mir jetzt nichts ein, der Community sicher unzählige

1948 und 1968 - nach der Machtergreifung durch die Kommunisten flohen viele Tschechen und Slowaken in den Westen; ebenso 1968, nach der Niederschlagung des Prager Frühlings 1968 Prominente Protagonisten: 1948 der Schuhfabrikant Baťa (nach Kanada, wo er eine Fabrik hatte) oder der tschechoslowakische Geheimdienstchef vor und während dem Zweiten Weltkrieg Frantíšek Moravec; 1968 der Wirtschaftsminister Ota Šik (Schweiz), das ZK Mitglie Jiří Pelikan (Italien), der spätere Kulturminister Pavel Tigrid (Frankreich) und viele mehr - die meistgewählten Fluchtländer waren die USA, Kanada, Österreich und die Schweiz. Manche mögen vielleicht meinen, auch ich und meine Eltern und Geschwister seien dabei gewesen - allein, wir waren keine Flüchtlinge, sondern waren legal ausgereist, die Berufung meines Vaters an eine New Yorker und an die Basler Universität kamen schon während des Prager Frühlings in trockene Tücher. Die sowjetische Intervention konnte das dann nicht mehr verhindern. Aber dazu an anderer ein ander mal Stelle mehr.

1956 - die sowjetische Intervention in  Ungarn liess viele von diesen gen Westen fliehen, viele nach Österreich, aber viele andere auch in andere westliche Länder, mir bekannt auch in die Schweiz; der vielleicht bekannteste Protagonist: Ferenc Puskas, Kapitän des Vizeweiltmeisterteams von 1954, dann nach Spanien geflohen, 1962 an der WM für Spanien

1953- viele Kubaner flohen in die USA - eine Bewegung die immer wieder Schlagzeilen machte

1975 - nach dem Sieg der Kommunisten in Vietnam flohen viele Vietnamesen in Booten via das Südchinesische Meer - auch die Schweiz nahm einige dieser "boat people" auf; mir in Erinnerung eine Familie, um die sich unsere Kirchgemeinde in Basel kümmerte, meine Mutter half auch

Weil wir in diesem Unterforum nicht nur Flucht- aber auch Migrationsbewegungen thematisiert werden sollen, seien die vielen Jugoslawen erwähnt, die legal in den Westen zumeist als Gastarbeiter ausreisten - die Tito Republik hatte in ihrer Blockfreiheit immerhin dies ohne Stacheldraht und Repressionen ermöglicht - und dürfte unter dem Strich profitiert haben

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Re: Flucht vor dem Kommunismus - eine Übersicht

Beitrag von Wallenstein am Di Sep 15, 2015 11:21 am

Hier noch einige Angaben:

Nach dem Ungarnaufstand 1956 flohen 200.000 Menschen aus dem Land. Österreich geriet an den Rand des wirtschaftlichen Zusammenbruchs, als diese Flüchtlingsströme eintrafen, Ende 1956/57 wurde die Grenze von Ungarn abgeriegelt. Danach schafften es nur noch wenige.

Aus der CSSR flohen 1968/69 ungefähr 160.000 Menschen.

Aus Polen nach dem Ausnahmezustand 1981 etwa 150.000 Menschen.

Aus Kuba floh nach 1959 zuerst die Oberschicht, zahlenmäßig begrenzt. Danach kamen immer wieder neue Flüchtlingswellen. Ungefähr 1 Million Kubaner sind in den USA.

1,6 Millionen Vietnamesen flüchteten nach 1975 aus dem Land. Schätzungsweise 250.000 ertranken im Meer.

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Beitrag von Marek1964 am Di Sep 15, 2015 10:45 pm

Wallenstein schrieb:

Aus der CSSR flohen 1968/69 ungefähr 160.000 Menschen.



Die Interventionstruppen konnten zwar das Land besetzen und die Regierung gefangennehmen, aber es dauerte sehr lange, bis die Politik der "Normalisiserung" durchdrang - Normalisierung war ein verniedlichendes Wort, nach und nach den Geist der Restauration des alten repressiven Kommunismus wiederherzustellen. Wer den Film "die unerträgliche Leichtigkeit des Seins" gesehen hat, kann sich vielleicht an die Szene erinnern wie die tschechoslowakischen Grenzer den Flüchtlingen gen Westen viel Glück wünschen und sie unbehelligt ausreisen liessen - erst später wurde der eiserne wieder hergestellt.

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