Jüdische Auswanderung aus Nazideutschland - oder mässige internationale Solidarität - Even None is too many

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Jüdische Auswanderung aus Nazideutschland - oder mässige internationale Solidarität - Even None is too many

Beitrag von Marek1964 am Di Sep 15, 2015 11:24 pm

Hier möchte ich die jüdische Auswanderung aus Nazideutschland zwischen 1933 und 1939 thematisieren.

Die missliche Lage der Juden wurde ja schon recht schnell erkannt - aber die grosse humanistische Solidarität bliebe weitgehend aus. Dabei war es, aus heutiger Sicht, eigentlich ein problemlos zu bewältigender Flüchtlingstrom gewesen mit Menschen, die recht gut integrierbar waren.

Der schändlichste Spruch stamm wohl vom Kanadischen Premier MacKenzie King, der den traurig berühmten Spruch "even None is too many" prägte, wonach selbst kein weiterer jüdischer Immigrant für dieses riesige Land schon zuviel sei.

In der Konferenz von Evian wurde dieses Thema diskutiert, mit magerem Resultat:

https://de.wikipedia.org/wiki/Konferenz_von_%C3%89vian
https://en.wikipedia.org/wiki/None_Is_Too_Many

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Re: Jüdische Auswanderung aus Nazideutschland - oder mässige internationale Solidarität - Even None is too many

Beitrag von Rübezahl am Mi Sep 16, 2015 12:31 am

Man sollte auch erwähnen, dass auch nach 1933 noch viele Juden aus Polen nach Deutschland ausgewandert sind, weil sie dort weniger diskriminiert waren. Das sich dies bald schrecklich ändern sollte, konnten sie nicht wissen. Polen hat ja auch das Madagaskarprojekt zur Aussiedlung seiner Juden entwickelt, das vor allem aus logistischen Gründen scheiterte. Die Nazis haben die Verwirklichung des Projektes erwogen, konnten es aber nicht mehr verwirklichen.

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Re: Jüdische Auswanderung aus Nazideutschland - oder mässige internationale Solidarität - Even None is too many

Beitrag von Gontscharow am Mi Sep 16, 2015 12:04 pm

Die mangelnde Aufnahmebereitschaft hat zwei Gründe : die Weltwirtschaftskrise, die im
gesamten Jahrzehnt der dreißigher Jahre zu Massenarbeitslosigkeit und Verarmung führte
sowie den schlichten Umstand, daß die Juden unbeliebt waren. Antisemitismus allerorten,
allerdings nirgends bis hin zur Ermordung der Juden wie im NS-Machtbereich.
Selbst nach 1945 änderte sich die Einstellung der Franzosen, Engländer, Polen zu den Juden
nicht schlagartgig ins Gegenteil - in Polen fand noch nach Kriegsende ein Pogrom gegen überlebende Juden statt, die Franzosen / Briten weigerten sich, die jüdischen Flüchtlinge des Schiffes "Exodus" aufzunehmen - es wurde 1947 nach Deutschland ( !!! ) zurück geschickt.

Die heutige Flüchtlingssituation ist m.E. aber nicht vergleichbar, die Sachlage ist eine ganz andere auf beiden Seiten.
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Re: Jüdische Auswanderung aus Nazideutschland - oder mässige internationale Solidarität - Even None is too many

Beitrag von Marek1964 am Mi Sep 16, 2015 1:04 pm

Gontscharow schrieb:Die mangelnde Aufnahmebereitschaft hat zwei Gründe : die Weltwirtschaftskrise, die im
gesamten Jahrzehnt der dreißigher Jahre zu Massenarbeitslosigkeit und Verarmung führte
sowie den schlichten Umstand, daß die Juden unbeliebt waren. Antisemitismus allerorten,
allerdings nirgends bis hin zur Ermordung der Juden wie im NS-Machtbereich.

Naja, 1938 war aber die Weltwirtschaftskrise weitgehend abgeklungen. Sicher kein Grund für eine Aussage wie diejenige von MacKenzie King. Sicher war der Antisemitismus überall stark, selbst in den USA. Aber es gab eben auch schon Leute, die das Problem sahen und sich einsetzen wollten. Leider war man sich einfach nicht einig, selbst eine Resolution gegen Nazideutschland kam an der Konferenz von Evian nicht zu Stande.

Selbst nach 1945 änderte sich die Einstellung der Franzosen, Engländer, Polen zu den Juden
nicht schlagartgig ins Gegenteil - in Polen fand noch nach Kriegsende ein Pogrom gegen überlebende Juden statt, die Franzosen / Briten weigerten sich, die jüdischen Flüchtlinge des Schiffes "Exodus" aufzunehmen - es wurde 1947 nach Deutschland ( !!! )  zurück geschickt.

Schwer zu sagen. Der Fall der Exodus ist allerdings schon komplexer, hier ging es den Briten darum, die jüdische Einwanderung nach Palästina zu stoppen. Die Geschichte der Exodus ist die Geschichte eine Husarenstücks, man könnte es fast schon eine Partisanenaktion nennen - gegen die britische Politik in Palästina. Dass da die Briten nicht kooperativ waren, naja, damit mussten die Protagonisten schon auch rechnen, bei aller Sympathie für die Aktion muss man das auch sehen. Die Briten wollten offensichtlich ein Exempel statuieren, der Schuss ging aber letztlich hinten hinaus.

Aber auf jeden Fall empfehle ich jedem Leser, diese wiki Seite aufzurufen: https://de.wikipedia.org/wiki/Exodus_(Schiff)¨

Die heutige Flüchtlingssituation ist m.E. aber nicht vergleichbar, die Sachlage ist eine ganz andere auf beiden Seiten.

Nun ja, man kann ja alles mit allem vergleichen, wenn man die Unterschiede festhält. Wo ich die Gemeinsamkeit sehe, ist die Wackligkeit der internationalen Solidarität, ohne jetzt aber irgendwie anklägerisch sein zu wollen.

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