Deutsch bleibt die Saar............

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Deutsch bleibt die Saar............

Beitrag von Nemeth am Fr Okt 23, 2015 3:30 pm

Heute vor 60 Jahren schloss sich das Saarland der Bundesrepublik Deutschland an.

Nach 1945 wurde das Saarland von Deutschland gelöst und Frankreich
wirtschaftlich angeschlossen. Mit der saarländischen Verfassung vom 8.11.1947 sollte
ein autonomes Staatsgebilde geschaffen werden.
Nach einer Volksabstimmung 1955 , in der über 2 Drittel für Deutschland votierten
trat es  der Bundesrepublik Deutschland bei.

Diese Entwicklung verfolgten viele Bürger der DDR mit viel Aufmerksamkeit.
Sie sahen im Beitritt des Saarlandes ein bißchen Mörgenröte zum Ziele
eines vereinigten Deutschlands.
Doch es sollte noch sehr, sehr viel Wasser die Elbe und Rhein
herunterfließen.
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Re: Deutsch bleibt die Saar............

Beitrag von Klartext am Mi Okt 28, 2015 5:54 pm

Interessanter, für mich fast schon vergessener Teil Deutscher Geschichte. Was hatte man eigentlich mit der Selbständigkeit der Saar eigentlich erreichen wollen? War das vor allem aufgrund von Frankreich geschehen?

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Re: Deutsch bleibt die Saar............

Beitrag von Rübezahl am Fr Okt 30, 2015 3:45 pm

Die Geschichte des Saarlandes (oder auch Saargebietes, wie man zeitweise sagte) ist recht kompliziert. Das Gebiet, im Mittelalter auf verschiedene kleine Herrschaften aufgeteilt, erweckte immer schon die Begierde Frankreichs. In den sogenannten Reunionskriegen besetzte Frankreich 1680 das Gebiet, musste es aber 1697 wieder freigeben. In der napoleonischen Zeit bzw. schon 1792 wurde das Saargebiet wieder von Frankreich besetzt. Der Wiener Kongress teilte das Gebiet 1815 auf Preußen, Bayern und verschiedene kleinere deutsche Staaten auf. Nach dem Ersten Weltkrieg besetzte Frankreich das Gebiet erneut. Der Völkerbund übertrug 1920 die Verwaltung des Saargebietes für 15 Jahre an Frankreich mit der Auflage, nach 15 Jahren eine Volksbefragung abzuhalten. Bei dieser stimmten 1935 90,7 Prozent für Deutschland. Die Abstimmung erregte großes Aufsehen in Europa und wurde vielfach als Zustimmung zu Hitler-Deutschland interpretiert, obwohl es vor allem eine Absage an das nationalistische Frankreich war. Besonders aufmerksam wurde die Abstimmung in Südtirol verfolgt. Obwohl deutsche Zeitungen nicht erhältlich und das Abhören deutscher Rundfunksender streng verboten waren, verbreitete sich die Nachricht dank illegaler Radiogeräte in Windeseile. "Heute die Saar, wir übers Jahr", war der Slogan, der überall zu hören war. Statt einer Abstimmung über die staatliche Zugehörigkeit Südtirols vereinbarten Hitler und Mussolini aber 1939 die sogenannte "Option" mit dem Ziel der ethnischen Säuberung Südtirols. Die Südtiroler mussten sich entweder für Italien entscheiden mit dem Risiko, nach Süditalien oder in die Kolonien umgesiedelt zu werden, oder für die Auswanderung in das Deutsche Reich (auch in eroberte Gebiete) mit der Gewissheit, mindestens ihre Sprache beibehalten zu dürfen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wiederholte sich das Ganze mit der Besetzung des Saarlandes durch Frankreich und der Volksabstimmung von 1955, bei der sich 67,7 Prozent gegen ein "selbstständiges", in Wirklichkeit von Frankreich dominiertes Saarland aussprachen. Es folgten der Saarvertrag von 1956 und die Angliederung an die BRD mit 1. Jänner 1957. Auch dies wurde in Südtirol besonders aufmerksam verfolgt und gefeiert; die Verbreitung dieser Nachricht wurde zwar nach Möglichkeit behindert, konnten aber nicht mehr verboten werden.

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Re: Deutsch bleibt die Saar............

Beitrag von Nemeth am Fr Okt 30, 2015 4:47 pm

Besten Dank @ Rübezahl für die geschichtliche Darstellung .
Die sollte unseren interessierten Mitusern so ziemlich bekannt sein.
Was ich in diesem Zusammenhang nie so gesehen habe, war das Interesse, was deutsche Minderheiten im
Ausland am Saarland hatte.
Lange Jahre erschien die "deutsche" Problematik nur zwischen der BRD und der DDR zu bestehen.
Es ist doch sehr interessant mal den Blick über den Tellerrand schweifen zu lassen, Wie haben das
"Volksdeutsche" in anderen Ländern erlebt und gesehen ?
Wobei in Deutschland Italien nicht als Vertreiberstaat angesehen wurde.
Doch dies war bestimmt unserer Unkenntnis über die dortigen Verhältnisse geschuldet.
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Re: Deutsch bleibt die Saar............

Beitrag von Orianne am Fr Okt 30, 2015 5:01 pm

Ich kenne eine Familie aus Belgien, dort hat es immer noch eine kleine deutschsprachige Minderheit, ich glaube so um die 75'000 herum, ich las einmal, dass diese Menschen nach 1945 sehr leiden mussten.

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Re: Deutsch bleibt die Saar............

Beitrag von Rübezahl am Sa Okt 31, 2015 6:50 pm

In Belgien hat man nach 1945 Kollaborateure oder Menschen, die man dafür gehalten hat (z. B. Mitglieder der deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens) in die leeren Käfige im Zoo gesteckt, wo das Publikum sie beschimpfen und mit faulem Gemüse oder Steinen bewerfen konnte.
Dass Italien in Deutschland nicht als "Vertreiberstaat" gesehen wird, hängt wohl damit zusammen, dass man in Deutschland beinahe ein Monopol für gute wie für schlechte Taten beansprucht und die Verbrechen anderer nicht gelten lässt. Italien hat bereits 1911/12 im Zuge des italienisch-türkischen Krieges die Bevölkerung des fruchtbaren Küstenstreifens der Cyrenaika mit Todesmärschen in die Wüste geschickt (mindestens 100.000 Tote), um Platz für italienische Siedler zu schaffen. Auf den von der Türkei eroberten Inseln des Dodekanes wurden die Türken durch Schikanen zur Auswanderung "überredet". Dabei kam es zu einem interessanten Schulterschluss zwischen Südtirolern, die auf diese Inseln in Verbannung geschickt worden waren, und Türken, die dort verfolgt wurden. Im Zweiten Weltkrieg haben dann Italien und Deutschland bei verschiedenen Vertreibungen zusammengearbeitet. Z. B. hat Italien von Deutschland den Südteil Sloweniens geschenkt bekommen. Die italienischen Faschisten wollten aber die rund 12.000 deutschsprachigen Bewohner der Gottschee, dem deutschen Siedlungsgebiet an der Grenze zu Kroatien, nicht haben, und überließen sie Nazi-Deutschland, das diese armen Menschen in der Südsteiermark in Dörfern ansiedelte, aus denen die Slowenen vertrieben worden waren. Bei Kriegsende mussten sie Hals über Kopf von dort fliehen.

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