Der gläserene Mensch

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Der gläserene Mensch

Beitrag von Nemeth am Mi Nov 04, 2015 4:29 pm

Angeregt durch das Thema--Abschaffung des Bargeldes-- und Chipinplantation möchte ich auf die Erkennbarkeit von
Einwohnern eines bestimmten Staates verweisen.
Was ist an bestimmten Kenntlichmachungen von Personen so verwerflich ?
Bei Behörden, bei der Polizei und und......... werden Schildchen mit den Namen ,teils sogar mit Foto
"gut" sichtbar getragen. Wenn es auf Spitze und Knopf kommt, wird dieses sehr schnell abgenommen oder so verdeckt, daß es für den
Gegenüber unlesbar wird.
Doch das nur am Rande.
In der DDR wurde die Personenkennzahl eingeführt. Sie sollte das Erkennen von Personen im Behördendschungel vereinfachen.
Sie bestand ais einer 5-stelligen Registriernummer, einer Geschlechterzahl und dem Geburtsdatum.
Diese Zahl sollte (es kam ja nicht mehr richtig dazu ) bei allen möglichen Behörden, im Gesundheitswesen und vielem anderen
mehr eingeführt werden. Mit dieser Zahl war man verwechslungsfrei indentifiziert.
Was wäre daram schlecht ?
Wenn man sich nichts zu Schulden hat kommen lassen, war es für den Normalbürger total uninteressant.
Es war auch eine Vernetzung im Gesundheitswesen angedacht. Jeder Arzt konnte auf meine Gesundheitsdaten
zurückgreifen um Alterkrankungen, bestehende Krankheiten und dergl. festzustellen und seine Diagnose
zu stellen.
Das so ein System auch mißbraucht werden kann, ist mir sonnenklar.
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Re: Der gläserene Mensch

Beitrag von Wallenstein am Do Nov 05, 2015 11:09 am

Das mit den Daten ist so eine Sache. Aus meiner früheren Berufstätigkeit weiß ich, wie leicht Missbrauch damit getrieben wird und wie einfach es häufig ist, auch an scheinbar sichere Daten heranzukommen.

Deshalb: Je weniger bekannt ist, desto besser ist es für einen selber.

Einige Daten gehören in einen Hochsicherheitstrack. Dazu gehören vor allem Informationen über Krankheiten.

Jeder Personalchef ist gierig auf solche Informationen, vor allem bei Neueinstellungen: Was, der Bewerber hatte früher längere Fehlzeiten wegen wiederholter Grippe? Zu hoher Blutdruck? Vor fünf Jahren einmal das Bein gebrochen wegen Fußball? Den nehmen wir nicht. Solche Leute bekommen trotz bester Zeugnisse keinen Job.

In dem Firmen kennt die Leitung nur die Fehlzeiten, nicht den Grund der Erkrankung und das ist auch gut so. Bei manchen Krankheiten keimt schnell ein Verdacht auf: Ist der in Zukunft überhaupt noch leistungsfähig? Wird er wieder krank? So etwas ist der absolute Karrierekiller und bei Umstrukturierungen stehen sie auf der Entlassungsliste ganz oben.

Für Krankheitsdaten interessieren sich vor allem auch: Versicherungen, z.B. Lebensversicherungen aber auch viele andere. Ebenfalls die Banken. Immer wenn es um langfristige Geldgeschäfte geht.

Also, solche Daten müssen ganz sicher unter Verschluss bleiben.

Anderer Fall:
Aus meiner eigenen Erfahrung: Immer wieder werden Rechnungen nicht bezahlt. Nicht selten aus Gründen, für die der Betroffene nichts kann. Weil er die Rechnung nicht zugestellt bekam, weil der Betrag falsch war und die Rechnung eigentlich storniert werden sollte, was aber nicht geschah (passiert häufig). Die offene Rechnung taucht bei internen Mahnläufen immer wieder auf. Ein Außenstehender erkennt nicht den Grund, warum sie nicht bezahlt wird. Er sieht nur: Offene Rechnung. Für so etwas interessieren sich brennend: Vermieter, Banken, Versicherungen, alle, die mit Geld zu tun haben. Hier kann man ganz schnell in einen Schlamassel geraten, erfährt aber nie die Gründe dafür, weil niemand etwas von dieser offenen Rechnung erzählt.

Heute sind die Firmen vernetzt, wenn sie zu einem Konzern gehören. Dieser besitzt zahlreiche Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen mit verschiedenem Namen. Außenstehende wissen nicht, das sie eigentlich alle zu einem Konzern gehören. Dieser hat aber häufig eine zentrale EDV. Ein Vorfall bei der Firma X in Hamburg ist auch für die Firma Y in München zugänglich. Habe ich bei einem Auto Verkäufer in Hamburg eine Rechnung nicht bezahlt (versehentlich), weiß das auch die Immobilien Firma in München, von der ich eine Wohnung mieten möchte.

Damit will ich nur sagen: Es ist gut, wenn nicht zu viel bekannt wird. Es ist leider nicht so, das in dem Fall, wenn ich mir nichts zu Schulden kommen lasse, es egal ist, welche Daten von mir bekannt sind. So funktioniert die digitale Welt nicht.


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Re: Der gläserene Mensch

Beitrag von Gontscharow am Do Nov 05, 2015 1:20 pm

Ich stimme meinem beiden Vorpostern zu, obschon sie gegenteilige Positionen vertreten .... wegen der Gefahr des Mißbrauchs bin aber auch ich gegen den "gläsernen" Menschen. Neben all dem, was Wallenstein zum Thema sagte, möchte ich auf die literarischen Verarbeitung des Themas, z.B. in dem Roman "Brave new world" von Aldous Huxley verweisen, der schon vor langer Zeit eine beklemmend zu lesende Zukunftsvision eben dieses gläsernen Menschen geschrieben hat ( verknüpft mit dem Thema Eugenik zur totalen Kontrolle der Menschen).
Wenn nicht einmal das Handy der Bundeskanzlerin vor Ausspähung sicher ist, sollten wir uns keinen Illusionen über digitale Sicherheit mehr hingeben.
Auch unsere Bankdaten sind nicht sicher. Es ist schon jetzt das einfachste der Welt, von jemandem , der im Bus zufällig neben mir sitzt, alles zu erfahren - hat er eine ec-Karte dabei, brauche ich nur ein Handy in geringem Abstand zu ihm halten (auf das ich vorher ein im Internet kostenlos herunter zu ladendes Programm installiert habe) und mein Handy liest seinen Namen, Adresse,IBAN und BIC.... um nur ein Beispiel zu nennen.
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Re: Der gläserene Mensch

Beitrag von Marek1964 am Fr Nov 27, 2015 3:12 pm

Ja, der Missbrauch findet allenthalben statt, und ich fürchte, das, was an die Oberfläche kommt, ist nur die Spitze des Eisberges, wie etwa der Facebookskandal. Mit Unmut erinnere ich mich immer wieder an Soziale Systeme, die mein email Account knacken und dann Einladungen in dieses System in meinem Namen verschicken. Eine arge Unsitte.

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Re: Der gläserene Mensch

Beitrag von Kallisto23 am Sa Nov 28, 2015 12:32 am

Nemeth schrieb:
Was wäre daram schlecht ?
Wenn man sich nichts zu Schulden hat kommen lassen, war es für den Normalbürger total uninteressant.

Etwas, das jetzt völlig legal und auch gesellschaftlich akzeptiert ist, kann in ein paar Jahren das genaue Gegenteil sein. Was, wenn sich die Gesellschaft oder die Regierungsform völlig ändert? Was, wenn beispielsweise meine freundschaftlichen Kontakte zu einer Amerikanerin mir plötzlich angekreidet werden könnten? Wenn meine Auslandsreisen ausreichen würden, um Misstrauen beim Staat zu erwecken?
Gerade wir, die wir uns mit Geschichte beschäftigen sollten eigentlich wissen, wie schnell sich die Dinge ändern können.


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Re: Der gläserene Mensch

Beitrag von Nemeth am So Nov 29, 2015 11:31 am

Etwas, das jetzt völlig legal und auch gesellschaftlich akzeptiert ist, kann in ein paar Jahren das genaue Gegenteil sein. Was, wenn sich die Gesellschaft oder die Regierungsform völlig ändert? Was, wenn beispielsweise meine freundschaftlichen Kontakte zu einer Amerikanerin mir plötzlich angekreidet werden könnten? Wenn meine Auslandsreisen ausreichen würden, um Misstrauen beim Staat zu erwecken?
Gerade wir, die wir uns mit Geschichte beschäftigen sollten eigentlich wissen, wie schnell sich die Dinge ändern können.

[/quote Kallisto/)

Hallo Kallisto !

Deine Bedenken kann ich wohl verstehen. Zu dem, was man einmal für richtig hielt, sollt man ganz einfach stehen.
Solange bis man überzeugt wurde oder ist, daß das  was man bisher tat oder glaubte, doch nicht richtig ist. Oder war.
--Es lernt (oder irrt ) der Mensch  solang er lebt---
Es ist halt vielen Menschen zu eigen, mehrere Meinungen zu haben.
Teils Offizielle, teils Private und da spreche ich nicht von "Persönlichkeitsspaltung", vieles war in der Vergangenheit
lebensnotwendig oder überlebensnotwendig.
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Re: Der gläserene Mensch

Beitrag von Falk v. K. am So Nov 29, 2015 12:44 pm

Ich bin der Ansicht, dass es jetzt schon zuviel Überwachung gibt. Die jüngsten Ereignisse in Paris zeigen außerdem, dass auch vermehrte Überwachung keine Gewähr vor Anschlägen bietet.

Nichtsdestoweniger wird sie kommen.

Man kann nur dafür sorgen, dass man möglichst wenige persönliche Details offenbart.
Ich wundere mich immer wieder besonders über junge Menschen, die private Dinge im Internet offen legen. Das könnte sich später bei Bewerbungen sehr negativ auswirken. Meine Nichte hat das offensichtlich kapiert und ist sehr "schweigsam" geworden...
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