Situation und Leben im Protektorat Böhmen und Mähren

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Situation und Leben im Protektorat Böhmen und Mähren

Beitrag von Marek1964 am Do Jan 22, 2015 11:36 pm

immer wieder wird erwähnt, insbesondere von Sudetendeutschen Landmannschaften, aber auch von vielen unbedarften Deutschen, durch diese beeinflusst, dass es den Tschechen unter deutscher Herrschaft "vergleichsweise" gut ging.

Dazu sage ich als Tscheche: Der Vernichtungs- und Versklavungskrieg des Herrenvolkes brachte gerade unsere besten Leute um - soviel zu dem hier zu diesem verbreiteten unsäglichen Sudetenmythos "den Tschechen ging es im Zweiten Weltkrieg vergleichsweise gut".


Heydrich liess gleiche eine Reihe Leute gleich bei seinem Amtsantritt hinrichten - auch angesehene Persönlichkeiten, die den Exilpolitikern und Geheimdienstchef Moravec persölnich bekannt waren. Weitere Details im Englischen Text zu wikipedia http://en.wikipedia.org/wiki/Reinhard_H ... nd_Moravia

Verhungern musste im Protektorat tatsächlich keiner, der nicht in Kzs verschleppt wurde, vor allem nicht der, der in Rüstungsbetrieben arbeitete, Arbeiter wurden generell besser gestellt als der Rest der Bevölkerung. Wer allerdings in Verdacht der Sabotage geriet, wurde erschossen mitsamt seiner Familie. Aufgestellte Galgen in den Rüstungsbetrieben verdeutlichten dies.

Und ohnehin war den meisten klar, dass ein Endsieg das Aus für die tschechische Nation bedeutet hätte. Dazu hat sich Heydrich auch klar geäussert, wenn auch nicht öffentlich.
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Re: Situation und Leben im Protektorat Böhmen und Mähren

Beitrag von Marek1964 am Do Jan 22, 2015 11:37 pm

Orianne » 24.08.2014, 10:29
Gehört zwar hier nicht hin, aber im Film "Das Massaker Lidice" werden die Lebensumstände der FabrikarbeiterInnen sehr genau dargestellt, den Film konnte man lange Zeit bei Youtube in Deutscher Sprache anschauen.


Edit: Ist wieder online:

https://www.youtube.com/watch?v=vhGvFm3FA9g

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Re: Situation und Leben im Protektorat Böhmen und Mähren

Beitrag von Marek1964 am Do Jan 22, 2015 11:38 pm

Sehenswerter Film, wenn auch nichts für sanfte Gemüter. Lidice ist zwar bei weitem nicht die einzige Ortschaft, die massakriert und eingeebnet wurde, aber insofern ein Symbol geworden, weil die Nazis dies hier zu ihrer Propaganda gemacht hatten.

Hier äussert sich Präsident Beneš in England dazu:

https://www.youtube.com/watch?v=VZsV6Y1oGfM

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Re: Situation und Leben im Protektorat Böhmen und Mähren

Beitrag von Marek1964 am Do Jan 22, 2015 11:41 pm

Lia »
Ob Vergleiche, wem es vergleichsweise gut oder nicht gut ging, angebracht und zulässig sind, muss hinterfragt werden dürfen.
Es ist eine Respektlosigkeit, ein Armutszeugnis, als Maßstab für "schlecht" oder "vergleichsweise gut" die Geschehnisse in Polen und der SU heranzuziehen.
Objektiv wie aus der subjektiven Empfindung der Einwohner besetzter, terrorisierter Staaten ist das ein Hohn.
Nicht nur emotional verfehlt, sondern auch in der wissenschaftlichen Aufarbeitung, in der nicht nur Lebensmittelkarten als Quellen und Beweise " für vergleichsweise gut" herangezogen werden, sondern auch Psychologie.
Man frage Niederländer, Belgier, Franzosen, Norweger, Tschechen, die die Zeit der Besetzung erlebt haben.
Jede Äußerung konnte als Widerstand und Sabotage bewertet werden, und gar oft war es reine Willkür, nach der "geurteilt" wurde.
Man hätte Deutsche fragen sollen, die merkten, in welchem Terrorspiel sie mitspielten, das ihnen zuwider war, wie es tschechischen Zwangsmitarbeitern ging.

häufig gehörter Einwand:
. Natürlich ging es den Tschechen vergleichsweise gut, weil Heydrich sie für die deutsche Kriegswirtschaft brauchte, wie bei den Skodawerken. Deswegen wurde er auch umgebracht, damit es keine Zusammenarbeit mit den Deutschen geben sollte.

Armselig, wie glauben den diese Leute, ging es denn seelisch denen, die in Prag bei z.B den Junkers Werken arbeiten mussten? Wenn sie Glück hatten, ja dann trafen sie auf Deutsche, die sie nicht nach rassischen Gesichtspunkten und im Nazi-Wahn verachteten oder denunzierten, sondern sie als hochqulifizierte Kollegen anerkannten, die in einer mehr als bedrückenden Situation lebten.

Marek hat geschrieben:Verhungern musste im Protektorat tatsächlich keiner, der nicht in Kzs verschleppt wurde, vor allem nicht der, der in Rüstungsbetrieben arbeitete, Arbeiter wurden generell besser gestellt als der Rest der Bevölkerung. Wer allerdings in Verdacht der Sabotage geriet, wurde erschossen mitsamt seiner Familie. Aufgestellte Galgen in den Rüstungsbetrieben verdeutlichten dies.
Und ohnehin war den meisten klar, dass ein Endsieg das Aus für die tschechische Nation bedeutet hätte. Dazu hat sich Heydrich auch klar geäussert, wenn auch nicht öffentlich.


So war es. Mein renitenter Vater hat es erlebt, was tschechischen Kollegen geschah, die nur in den Verdacht gerieten.
Quellen:
http://www.google.de/url?sa=t&rct=j&q=& ... 2305,d.d2s
Dort findet man auch wissenschaftliche Arbeiten zum Thema:
Literaturempfehlungen
Šárka Jarská, Tschechen als Zwangs- und Sklavenarbeiter im Zweiten Weltkrieg, in:
Alexander von Plato, Almut Leh, Christoph Thonfeld (Hg.), Hitlers Sklaven. Lebensgeschichtliche Analysen zur Zwangsarbeit im internationalen Vergleich, Wien 2008, S. 45-54.
Im Totaleinsatz. Zwangsarbeit der tschechischen Bevölkerung für das Dritte Reich. Totálně
nasazeni. Nucená práce českého obyvatelstva v období nacistické třetí říše, hg. vom DeutschTschechischen Zukunftsfonds und dem Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit BerlinSchöneweide der Stiftung Topographie des Terrors (Redaktion: Martin Hořák), Prag/Berlin
2008.
Jana Havlíková, Lucie Vondrysková, Bestimmungsort: Saarland. Tschechische Zwangsarbeiter
erinnern sich, hg. im Auftrag der Gemeinnützigen Gesellschaft „Lebendige Erinnerung“, Prag
2004 (auch im Internet als Download angeboten).

Nicht, um Deutsche zu entschuldigen: Einiges wusste man, hörte man. Fanden viele schon erschreckend genug, die meisten aber blieben wehrlos, trauten sich nicht, offen Widerspruch einzulegen.
Über die tatsächlichen Ausmaße der Verbrechen waren aus gutem Grunde weite Kreise der Deutschen in " der Tschechei", wie meine Großmutter ohne jeden bösen Zwischenton zu sagen pflegte, nicht informiert, weil man befürchtete, dort Widerstand und Solidarisierung mit den Tschechen/ Slowaken zu provozieren, bei denen, denen noch ein Rest Menschlichkeit geblieben war, die noch wussten, dass man auch mit Tschechen als Nachbarn gut leben und Gemeinsames teilen konnte.
Viele hätten es weder verstanden noch hingenommen, was geschah, drum ließ man in der Propaganda nur so viel raus, wie nötig war, um die fanatischen Nazis zu befriedigen und möglichen Widerstand von Deutschen wie Tschechen auch gleich als gefährlich erscheinen zu lassen. Teil der Propaganda- Taktik und des subtilen Drucks, der auch auf Deutsche ausgeübt wurde, die gar zu viel herzlichen Umgang mit Tschechen hatten.
Nein, denen ging es nicht, auch nicht vergleichsweise gut, denn sie lebten unter Druck und Angst und wussten besser als die Deutschen um die Geschehnisse, Massaker, Verhaftungen, Hinrichtungen, Verschleppung.

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Re: Situation und Leben im Protektorat Böhmen und Mähren

Beitrag von Marek1964 am Do Jan 22, 2015 11:42 pm

Schöner Beitrag, Lia. Es ist ja, wie schon im anderen Thread erwähnt, nur so einer der vielen Mythen, die die Landsmannschaften verbreiteten, um so die Tschechen in einem schlechten Licht stehen zu lassen. Es gibt jetzt zwar auch, wie schon erwähnt, auch viele gute Literatur Deutscher Historiker, wie es auch eine Reihe guter und selbstkritischer Literatur von Tschechen gibt.

Aber bis diese Mythen verschwinden, wird es noch lange dauern.

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