Warum ist der Kommunismus weniger innovativ?

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Warum ist der Kommunismus weniger innovativ?

Beitrag von Moschusochse am Sa Feb 20, 2016 10:26 am

Offensichtlich waren die sozialistischen Staaten weniger innovativ als die kapitalistischen. Warum aber?
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Re: Warum ist der Kommunismus weniger innovativ?

Beitrag von Klartext am Sa Feb 20, 2016 11:53 am

Die Planwirtschaft als Konzept des Kommunismus erwies sich als weniger effizient, weil in ihr weder für die Individuen noch für die Unternehmen die richtigen Anreize gegeben waren.

Durch die Vergesellschaftung der Gewinne unterdrückte man unternehmerisches Wagnis und Innovation. Dazu wurde alles durch eine Bürokratie erstickt.

Außerdem investierten die kommunistischen Länder überproportional viel in die Rüstung und Überwachungsstaat. Dann wurden Posten in der Regel nicht nach Qualifikation, sondern nach dem Parteibuch vergeben.

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Re: Warum ist der Kommunismus weniger innovativ?

Beitrag von Marek1964 am Sa Feb 20, 2016 11:00 pm

Gute Antwort, Klartext.

Es ist noch ein weiterer wichtiger Faktor zu erwähnen - Konkurrenz belebt das Geschäft. Der Kommunismus oder besser gesagt der real existierende Sozialismus schafften viele Monopole. Man kennt es auch von den Staatsbetrieben im Westen - ein Monopol ist ein gutes Schlafmittel. Man muss nicht innovieren, das ist unbequem. Dazu ist aber vor allem zu sehen, das man eigentlich gar nicht gezwungen ist, da es eben nicht den geschickten Konkurrenten gibt, der plötzlich besser ist, weil er hungriger ist, weil er eine Marklücke entdeckt hat.

Das hat Karl Marx übersehen - den Unternehmergeist. Der Unternehmer ist nicht einfach nur ein Ausbeuter - er schafft neues, neue Arbeitsplätze, sorgt für Wirtschaftswachstum, für mehr Wohlstand.

Revisionisten hatten das schon Ende des 19. Jahrhunderts erkannt. Leider haben das die Machthaber der Sowjetunion und später Chinas erst viel später erkannt.

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Marx hat das durchaus nicht übersehen

Beitrag von Lux am So Feb 21, 2016 4:04 am

Es geht hierbei doch gar nicht (mehr) um die Innovationskraft eines Unternehmensgründers wie bei einigen Erfindern des 19.Jhdts, die außerdem noch über kaufmännisches Geschick verfügten, Leute!
Das sind heute, genauso wie der allzu häufig beschworene (unternehmerische) Mittelstand, nur noch (Gründerzeit-)Legenden. Heute wird die Wirtschaft von weltweit aufgestellten und agierenden Großkonzernen, Investment-Banken, Hedge-Fonds u.ä. bestimmt. Die werden nun gerade nicht von Unternehmern, sondern angestellten Managern geleitet, die heute dem Einen und morgen einem Anderen dienen könnten. Ausschlaggebend war und ist stets der Profit und inzwischen das Shareholder Value. Um Innovationen geht's erst zuletzt, wobei es auch etwas auf die Branche ankommt. Diese Leute müssen doch keine Konkurrenz fürchten, sie können die Kleinen an die Wand drücken, aufkaufen und stilllegen. Wieviel Patente sind so schon für viele Jahrzehnte oder auch immer in den Schubladen verschwunden?! Dazu passt, dass die Aufwendungen für Innovationen bei diesen Konzernen kontinuierlich zurückgehen, die für Werbung und vor allem die Gewinnausschüttung aber zunehmen. Auch die Pharmakonzerne leisten nur wenig Innovatives, obwohl uns ihre Werbung anderes vorgaukeln will; die 'Innovation' besteht i.W. in der Einführung immer neuer Mittel, die meist nicht besser sind als die altbewährten (deren Produktion dann irgendwann eingestellt wird), nur um neue, höhere Preise verlangen zu können. Oder die technischen Konsumgüter mit eingebautem (Schnell-)Verschleiß, damit sie nicht viel länger halten als die maximale Garantiezeit, besonders bei Elektronik. Unter Innovation stelle ich mir was anderes vor, nicht diese Ressourcenverschwendung.
Marx hatte schon ganz richtig erkannt, dass der gewöhnliche Kapitalist für 300% Profit über Leichen geht, notfalls über die der ganzen Menschheit, was natürlich hirnrissig ist, aber so ist das nun mal mit der instutionalisierten Gier. Und dafür wird ständiges Wachstum benötigt. Wie hat sich mal ein britischer Wirtschaftswissenschaftler ausgedrückt: Wer in einer endlichen Welt an unendliches Wachstum glaubt, ist entweder verrückt oder ein (Mainstream-)Ökonom (Klammerergänzung von mir).
Und Lenin wusste die innovative Kraft des frühen Kapitalismus durchaus zu schätzen, weshalb er die NEP begründet hatte. Stalin waren diese NEP-Millionäre aber suspekt, weshalb er das schnell wieder abgeschafft hatte. In der DDR gab's in den 60ern ähnliche Versuche, wenn auch auf anderem Niveau. Dieses NÖS wurde mit Ulbrichts Sturz aber sofort beseitigt und hat ihn womöglich auch erst verursacht, da das den Kreml-Herren unter Brezhnev missfiel.
Hier gilt wie allzeit in der Geschichte der Zivilisationen, dass Alleinherrscher schon sehr aufgeklärt sein müssen, um die Potenzen des ganzen Volkes zu nutzen und sie nicht je nach scheinbarer politischer Notwendigkeit zu unterdrücken oder gar als Bedrohung (ihrer Macht) zu empfinden. Dazu passt sowohl, dass der Vater des sowjetischen Raumfahrtprogramms unter Stalin im Gulag einsaß, als auch, dass der chinesische Lilienthal (in unserem Mittelalter!) nach einem erfolgreichen Gleitflugversuch verhaftet wurde und den Rest seines Lebens im Gefängnis verbrachte. Der Flugapparat wurde auf kaiserliche Anordnung hin zerstört. Allerdings soll der Kaiser über inzwischen verlorene historische Kenntnisse verfügt haben, die ihm diese Maßnahmen angeraten erscheinen ließen. Anders sah's da schon bei der riesigen chinesischen Entdeckerflotte aus, bei deren Abschaffung ein schwacher Nachfolgekaiser und übermächtige korrupte Mandarine und Hofschranzen Pate standen.
Nebenbei, das Kompaktheck wurde einst in der DDR für den Trabi entwickelt, durfte aber nicht gebaut werden. Stattdessen wurden die Konstruktionspläne an VW verkauft, wo sie in der Schublade lagen bis die Franzosen mit einem solchen Modell auf den Markt kamen. Darauf konnte VW dann ganz schnell reagieren. Ähnlich erging es einst den Autobahnplänen. Die lagen bei Sparkanzler Brüning in der Schublade. Hitler musste sie nur noch herausnehmen und in die Tat umsetzen...
Für Düsenantriebsentwicklung wollten weder private Investoren noch das Militär in UK und USA Geld ausgeben, weshalb der britische Erfinder nur äußerst mühsam voran kam. Im DR sah's da schon anders aus. Das half nach Kriegsende auch den Entwicklern in den genannten Ländern und weltweit.
Und meint ihr wirklich, eine jahre-, beinahe jahrzehntelang führende Rolle der SU in der Raumfahrt würde eure These nicht widerlegen?! Sowohl in der SU als auch in den USA waren hierbei doch auch oder nur politische Gründe ausschlaggebend. Nur hatte man deren Bedeutung in den USA etwas zulange unterschätzt... Wink
Fazit: Ein Volk und seine Wissenschaftler und Ingenieure können noch so erfindungsreich sein, passt das nicht in die politische und/oder ökonomische Landschaft bzw trifft auf unverständige bürokratische Pfennigfuchser und/oder Fantasie- bzw Ahnungslose oder allein an Profit und Wohl(wollen) der Aktionäre orientierte Manager als letzte Entscheidungsinstanz, nutzt ihm das nichts und wird letztlich auch nichts draus.
Warum zum Teufel lässt sich die Menschheit nun schon seit Jahrtausenden von Leuten auf dem Ego-Tripp regieren. Unsere nächsten Verwandten im Tierreich pflegen solche egomanen 'Horden-Kommandeure' binnen kurz oder lang mit vereinten Kräften in den Busch zu jagen...!
Übrigens ist dem indischen Kapitalismus das Kastensystem und der Wiedergeburtsglaube äußerst hilfreich. Hätte die Kirche letzteren nicht abgeschafft, hätte der Kapitalismus bei uns sicher ähnlich gute Bedingungen (für die/eine Ewigkeit). So können wir aber noch hoffen...
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Beitrag von Lux:-? am So Feb 21, 2016 4:08 am

Das eben war ich. Nach längerem Schreiben hatte das Forum offensichtlich meine Anmeldung 'vergessen'. Ihr habt inzwischen wohl irgendwas verändert...
Lux :-?

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Re: Warum ist der Kommunismus weniger innovativ?

Beitrag von Marek1964 am So Feb 21, 2016 11:27 am

Lux:-? schrieb:Das eben war ich. Nach längerem Schreiben hatte das Forum offensichtlich meine Anmeldung 'vergessen'. Ihr habt inzwischen wohl irgendwas verändert...
Lux :-?

Nein, wir haben nichts verändert. Verstehe auch nicht ganz, was Du meinst.

Wenn Dir ein Text abhanden gekommen ist, kann sowas passieren und kann auch daran liegen, dass Du Dich verklickt hast. Ich empfehle immer, längere Texte erstmal in einem Texteverarbeitungsprogramm mit automatischer Zwischenspeicherung zu schreiben. Dann gehen sie nicht verloren, wenn das das Problem war.

Automatischen Abmeldungen gibt es auf dieser Plattform auch nicht.

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Re: Warum ist der Kommunismus weniger innovativ?

Beitrag von karstde am So Feb 21, 2016 1:26 pm

Hier wird etwas gewaltig verwechselt. Es gab bisher noch kein Land auf der Welt was den Kommunismus hatte. Dafür sind ganz bestimmte ökonomische, politische, kulturelle und andere Voraussetzungen notwendig. Diese hatte bisher noch kein Land auf der Welt vorweisen können. Auch nicht die ehemalige Sowjetunion. Daher ist die Fragestellung falsch, da aus den oben genannten Gründen man diese auch nicht beantworten kann. Auch wenn sich einige so nennen mögen und die Ideologen heute die Entwicklungsphasen bis hin zum Kommunismus wohlwollend übersehen. Um es mal etwas einfacher zu sagen. Die DDR war eine Übergangsperiode zum Sozialismus hin, da er nicht Voraussetzungslos ist. Alles andere ist Unsinn.

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Re: Warum ist der Kommunismus weniger innovativ?

Beitrag von Moschusochse am Mo Feb 22, 2016 10:58 pm

Was sind denn die Voraussetzungen für den Sozialismus und Kommunismus?

Was ich natürlich fragen wollte, war natürlich der real existierende Sozialismus (oder halt der real existierende Sozialismus, um karstde eine Freude zu machen).
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Re: Warum ist der Kommunismus weniger innovativ?

Beitrag von karstde am Di Feb 23, 2016 4:22 pm

Mit "nicht Voraussetzungslos" meinte ich die konkret historischen Bedingungen. Kann man in entsprechender Literatur nachlesen.

Beim letzteren, bitte noch einmal lesen und überdenken was ich geschrieben habe. Eine solche Assoziation ist zwar heute allgemein üblich, aber nicht zutreffend.

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