Deutschland: Verursacher für WK I

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Deutschland: Verursacher für WK I

Beitrag von leonidas am Di Feb 23, 2016 2:30 pm

„ seit dem Ende des 1. WK sind die Deutschen ein politisch gemütskrankes Volk“

Ich beginne diesen Beitrag bewusst mit diesem Zitat.für die Einstellung zum Thema: Kriegschuld.
Richtig ist, dass mit dem Tod aller WK 1 – Teilnehmer der WK 1 nun wirklich zur Geschichte unseres Landes gehört, darum aber auch für Geschichtsklitterung herhalten muss.

So wird z.B in Geschichtsforen , die durch koservative Moderatoren geführt werden , eine immer einseitige Sicht auf die Verursacher des WK 1 dargestellt, dass ALLE Schuld gehabt hätten, um damit Deutschland als den Verursacher für diesen Krieg zu entlasten.
Jeder, der eine andere Meinung hat, wird weggebissen.

Merkwürdigerweise ist der WK 1 , im Gegensatz zum WK 2, in der deutschen Öffentlichkeit und den Medien kaum aufgearbeitet worden.
Das hat Gründe.
Im Gegensatzz zum WK 2, bei dem der Feind buchstäblich vor dem eigenen Haus stand und damit der Bevölkerung den verlorenen Krieg direkt vor Augen geführt hat, stand im Herbst 1918 das deutsche Heer noch weit in Feindesland, kein fremder Soldat hatte deutschen Boden betreten.

Daraus entwickelte sich dann die von Friedrich Ebert initiierte sog. Dolchstoßlegende, als er den von der Front zurückkehrenden Soldenten vor dem Brandenbutger Tor konstatierte, dass „kein Feind sie überwunden hätte“
Mit Ausnahme der USPD/KPD sahen alle deutschen Parteien den WK 1 als Deutschland aufoktroiert an, sich Deutschland nur „gegen eine Welt von Feinden, die Deutschland mitten im Frieden überfallen hätten“ - so der Kaiser, verteidigt hätte.
Darum gab es nach 1918 noch nicht eimal im Ansatz eine moralische Aufarbeitung über die Gründe des Kriegres.
Und da Hitler seine Erlebnisse während des Krieges als seine Schule bezeichnete, gab es auch nach 1933 keine Historiker, die sich dem Thema widmeten. Vielmehr ging es darum, den 1918 verlorenen Krieg bei nächstbester Gelegenheit wieder aufzunehmen.

Die Aufarbeitung über den 2. WK begann schon 1-2 Jahre nach Ende des Krieges, eine Analyse für die Gründe des 1. WK aber erst mit fast 50 jähriger Verspätung – sog. Fischer _Kontroverse – deren Thesen sogar mit oberster Regide durch BK Adenauer/CDU torpediert wurden, ein innenpolitisch wohl einmaliger Fall.
Die damalige Öffentlichkeit und Repräsentanten war sich über die Schändlichkeit des hitlerischen Krieges einig, hätte diesen Krieg am liebsten ganz aus der Erinnerung gestrichen, nicht aber die Erfahrungen aus dem WK 1, an dem viele der Kritiker Fischers – in glorreicher Zeit – wie es damals hieß, teilgenommen hatten, sie sich ihre Erinnerungen einfach nicht zerstören lassen wollten..
Letztlich wurde die These von Fischer , dass Deutschland bereits 1914 nach der Weltmacht strebte und darum aus politschem Kalkühl den WK 1 initiiert hat, aufgrund der Fakten als gültig akzeptiert. trotz der Deutschland entlsstenden These, man „wäre in den 1. WK hineingeschliddert“ wie, als wäre man auf Glatteis ausgerutscht.

Ein Schuldbewusstsein, Deutschland als Verursacher des WK 1 anzusehen, hat es aber nie gegeben, darum wurden auch die Thesen des Historikers Chr. Clark begierig aufgenommen, die Deutschland beinahe als Spielball Frankreichs und Engllands darstellen wollten, auch als Spielball Russlands und Serbiens , Deutschland beinahme als Opfer dargestellt wurde. .

Wenn gerade aus aktuellem Anlass – 22.2 1916 also vor 100 Jahren - über den Beginn der Schlacht von Verdun berichtet wird, und in der Vorgeschichte über den deutschen Vormarsch durch Belgien und Luxenburg berichtet wird, dann fehlt da einmal die Tiefe, die Verletzung der Neutralität dieser Ländner aus reiner deutscher Landgier und das 2016.

DAS meine ich mit dem Zitat. , dass seit Herbst 1918 die Deutschen ein politsch gemütskrankes Volk sind.






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Re: Deutschland: Verursacher für WK I

Beitrag von Marek1964 am Mi Feb 24, 2016 9:46 pm

Herzlich willkommen auf unserer Plattform, leonidas.

Zunächst zur Einleitung: Ich selbst bin hier Administrator und ganz Deiner Meinung. Allerdings halte ich das Forumsprinzip hoch – Meinungen anderer respektiere ich, auch wenn ich mit ihnen nicht einverstanden bin.

Du rennst zumindest bei mir offene Türen ein. Ich selbst bin ein „Hardliner“ in der Kriegsschuldfrage von 1914 – sie wurde übrigens hier http://geschichte-forum.forums.ag/t817-unterschied-zwischen-ursache-und-anlass-zum-kriege-sinnvoll#8754 eingehend diskutiert, zur richtungsweisenden Kriegsratssitzung vo Dezember 1912 http://geschichte-forum.forums.ag/t817-unterschied-zwischen-ursache-und-anlass-zum-kriege-sinnvoll#8754 auch schon diskutiert, und hier noch eine weiterer Punkt, die Diskussion um den Vertrag von Brest-Litowsk __ hast Du auch erneuert. Sie bestätigen – zumindest aus meiner Sicht, was Fritz Fischer den Griff zur „Weltmacht“ nannte, auch wenn mir das übertrieben scheint. Aber ein Versuch, sich auf Kontinentaleuropa eine Hegemonie zu erarbeiten, war es ganz bestimmt.

Für mich ist es etwas erstaunliches, dass es der Deutschen Geschichtsschreibung gelungen ist, die eigene Schuld zu relativieren und dabei eine weite Akzeptanz erreicht hat. Tragischerweise war die Denkweise dann vor dem Weltkrieg bei den beiden Westmächten auch schon weit verbreitet, dass man hätte den ersten Weltkrieg verhindern können und führte zum Appeasement und Münchner Diktat, was im Nachhineinin jedem Fall als Fehler betrachtet werden muss, denn die Tschechoslowakei war damit als Machtfaktor ausgeschaltet, im März 1939 kassierte dann Hitler die Ausrüstung der tschechischen Armee und deren Rünstungsindustrie.

Parallel sehe ich die Situation vor dem Ersten Weltkrieg, als es darum ging, ob Russland einer Besiegung Serbiens durch Österreich-Ungarn zuschauen würde oder nicht. In Wien wusste man natürlich um diese Gefahr und versicherte sich nocheinmal in Berlin um dessen Rückendeckung – gestütz auf dessen Kriegsratssitzung von eben Dezember 1912, in der die Zurückdrängung Serbiens eigentlich beschlossen wurde. Dass das allerdings nicht für Russland akzeptabel sein würde, nachdem es schon in der Bosnienkrise 1909 klein beigegeben hatte, war abzusehen.

In der Folge handelten Berlin und Wien klar in Richtung Krieg, während alle anderen Mächte eher zurückhalten handelten. Wien gab Belgrad ein Ultimatum, das es weitgehend annahm. Wien erklärte Belgrad den Krieg – Russland machte daraufhin nur mobil – mehr nicht. Berlin forderte kurzfristig Russland auf, die Mobilmachung rückgängig zu machen und forderte Frankreich auf, seine Neutralität zu erklären. Russland reagierte gar nicht, Frankreich erklärte, „gemäss seinen Interessen zu handeln“.

Dann erklärte Deutschland Russland und Frankreich den Krieg und forderte von Belgien das Durchmarschrecht. Grossbrittanien war zur Vermittlung bereit – doch daran war man in Berlin und Wien nicht interessiert.

Diese Fakten sind eigentlich alle bekannt. Für mich klar, wer den Krieg ausgelöst hat und nach politischen Lösungen nicht nur nicht suchte, sondern sie eigentlich auch verhindern wollte.

Die Fakten sind unbestritten, was unterschiedlich ist, ist lediglich die Wertung. Und da ist eben in den letzten 100 Jahren erstaunliches passiert, dass es eben gelang die Wertung dahingehend von den Fakten und Ereignissen loszulösen und auf die Ebene der Motive zu bringen, dass alle den Krieg gewollt hatten – eigentlich eine Unterstellung. Dass insbesondere Frankreich seine Motive wegen Elsass-Lothringen ist unbestritten. Dass Russland gerne auf dem Balkan mehr Einfluss erlangen wollte, sit sicher auch richtig. Dass Grossbritannien vor allem ein Gleichgewicht auf dem europäischen Kontinet, war schon Jahrhunderte alte Politik. Dass sie vor allem die stärkste Macht auf dem Kontinent wenn nötig bekämpfen wollte und sich deshalb mit einer oder mehreren kleineren Mächten würde verbünden wollen, war deshalb logisch und vorhersehbar.

Deshalb war ein Krieg mit Russland und Frankreich gleichzeitig so unglaublich dumm, denn Grossbritannien würde das unweigerlich auf den Plan rufen, vor allem wenn damit die Besetzung Belgiens und Serbiens einhergehen würde.

Ein grosser Krieg war damals also nur vermeidbar, wenn man Wien und Berlin einfach nachgegeben hätte und Serbien, wie die Tschechoslowakei 1938, einfach geopfert hätte. Dass man das nicht wollte, war aber vorhersehbar. Noch immer musste aber ein grosser Krieg aller Mächte nicht sein – ein Krieg gegen Serbien bei gleichzeitiger defensiver Haltung gegen Russland und Frankreich wäre vielleicht die Variante gewesen, die Paris und St. Petersburg hätte zögern lassen, obschon ja Pointcarré in St. Petersburg auf Staatsbesuch war und man sich gegenseitig Bündnistreue schwor.

Aber Russland machte eben nur mobil und Frankreich erklärte auch keinen Krieg. Vielleicht scheute man tatsächlich den grossen Krieg, und das aus guten Gründen, wie sich dann im Verlauf des Krieges zeigen sollte: Ein solches Bündnis ohne Grossbritannien hätte wahrscheinlich den kürzeren gezogen.

Grossbritannien wäre bei einer defensiven Haltung von Deutschland und Österreich-Ungarn dann das Zünglein an der Waage gewesen. Es hätte einer Strafaktion gegen Serbien möglicherweise zugestimmt, allem anderen aber nicht: Also keine Niederwerfung Russlands und Frankreichs, aber auch nicht Deutschlands und österreichs. Russland hätte dann wie 1909 die Faust im Sack machen müssen, aber ob es sich zu einem Krieg nur mit Frankreich und gegen Deutschland und Österreich getraut hätte, ist offen.

Es war aber die Va banque Strategie vor allem Berlins mit dem Schlieffenplan, liess alle solche Überlegungen Makulatur werden. Umso erstaunllicher aber, dass man bis heute immer noch von einer Mitschuld ausserhalb von Wien und Berlin sucht und diese auch findet.

Da werden dann die Kolonial- und Flottenpolitik herangeholt, für mich von sehr weit her.

Für mich ist die Alleinschuld der Mittelmächte klar. Angefangen bei der Kriegsratssitzung in Berlin 1912, über das harte und zeitlich sehr kurzfristige Ultimatum Wiens an Belgrad wie die Kriegserklärungen Berlins an St. Petersburg und Paris und der sofortigen Offensive gegen Belgien liessen doch nüchtern betrachtet den anderen gar keine andere Chance zu, und das wusste man in Berlin wie in Wien und nahm die Risiken in völliger Verkennung ihrer Höhe billigend in Kauf.

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Re: Deutschland: Verursacher für WK I

Beitrag von leonidas am Do Feb 25, 2016 10:05 am

hallo, ich hoffe, dass in meinem Beitrag auch vermittelt wurde, dass die Repräsentanten Deutschlands in den 50 Jahren nicht daran interessiert waren, dass es dieses Weltmachtstreben nichgt nur 1939 sodnern bereits 1914 gab.
In der Beurteilung der hitlerschen Aggression ist man sich einig, in der Beurteilung für den WK 1 jedoch nicht und Jeder sucht sich die ihm genehme Konstellation heraus, hier nur 2 Beispiele: für die einen ist die Reise Poncares nach Moskau ein Indiz für die behauptete Einkreisung des Reiches, für die anderen der Bülowsche Fetzen Papier. (ich unterstelle hier Kenntnis, weil ich auch meine Beiträge aus der Hand schreiben)
Ein Generalstab, der für einen möglichen, und ggf. sogar unvermeidlichen Krieg lediglich einen einzigen militären Plan hat, auch geändert, gehört zitat: in einem gut geführten Staat und das war Deutschland, vor ein ordentliches Gericht gestellt.
Was Wien und Belgrad betraf , so war es deren Sache, Deutschland hatte mit Südosteuropa nichts zutun. Der Blanco-Scheck unnötig.

Aber: hier von mir eine These: Österreich hatte es Preußen nie verziehen, nach 1864 aus dem Deutschen Bund katapultiert zu werden, Bismarck hatte die abenteuerliche Politik Wiens gegenüber Russland und seinen Minoritäten erkannt und die damit verbundene Gefahr von Konflikten. Die Deteiligung Wiens im Krimkrieg gegen Russland hatte ausschließlich machtpolitische Hintergründe, Wien wollte seinen Einfluss auf dem Balkan erweitern. Dass Preußen da nicht mitzog verständlich, was hatte Preußen mit dem Balkan zutun, UND: fühlte sich Österreich durch die russische Intervention in Moldavien bedroht ?
Wiens spätere Machtstreben nach dem Rausschmiss aus dem Deutschen Bund nach Ungarn, hat seinen Grund daher und DARUM auch das Verhalten Wiens im Fall Sarajewos.

(hört man heute auf die Untertöne im Flüchtlingsdrama, das nun offensichtlich von Wien an sich gezogen wird, sind diese unverdauten Befindlichkeiten von vor 150 jahren immer erkennbar, es war nicht nur die Brüllerei auf dem Wiener Heldenplatz 1938, man wollte wieder WER sein. )

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Re: Deutschland: Verursacher für WK I

Beitrag von leonidas am Do Feb 25, 2016 11:51 pm

Um dir marek noch einmal direkt zu München zu antworten, und das nicht zufällig mit Bezug auf Heute.
Sinn und zweck Münchens war nicht, Hitler zu befriedigen, blauäugig zu hoffen, hitler wäre mit dem Sudetenland zufrieden
Sinn und Zweck Münchens war, Russland aus Europa fern zu halten. Russland war nicht eingeladen. England und Frankreich behandelten ihen realen Gegner Hitler fast wie einen Freund, ihren Alliierten in spe, Russland , den einzigen. der willens und fähig war, Hitler pari zu bieten wie einen Feind.
DAS rächte sich.
Und darum ist München durchaus mit dem heutigen Affront gegenüber Russland zu vergleichen.
Ich sage immer wieder: Geschichte wiederholt sich nie genau, sie spielt aber immer nach der gleichen Melodie.

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Re: Deutschland: Verursacher für WK I

Beitrag von leonidas am Fr Feb 26, 2016 9:39 am

Zur Ehrenrettung der Österreicher muss aber auch auf etwas anderes hingewiesen werden:
Der Chef des östereichischen Heeres v. Hötzendorf war ein Scharfmacher der meinte, "den Serben müsse mal ordentlich aufs Maus gehauen werden"
Mit dem Krieg, den er dann aber bekam, war er nicht zufrieden.
Ob der den gewollten und mit dem Beschuss Belgrads durch östgereichische Artillierie militärisch begonnenen Krieg geführt hätte, HÄTTE er gewusst, dass Deutschland im Westen angreifen wurde, bezweifel ich, denn gedacht war eine Hilfe Deutschlands in Österreichs Krieg gegen Serbien, nicht aber, das nun plötzlich Osterreich der Seniorpartner Deutschlands wird.
Östereich, so kann man es sicher auch sehen, fühlte sich betrogen, was sich dann auch in der beinahe schon feindlichen Zusammenarbeit beider Militärs in den folgenden 4 Jahren zeigte.

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Re: Deutschland: Verursacher für WK I

Beitrag von leonidas am Fr März 04, 2016 3:21 pm

Ich habe da noch einen Aufsatz gefunden, den ich vor einigen Jahren schrieb, ich im Zusammenhang mit Verdun diesen hier geändert einstelle.

Ich habe in einem Vorbeitrag auf das Weihnachstmemorandum v. Falkenhayns hingewiesen, und schreibe hierzu noch:
.
Es ist ja bekannt, dass v. Falkenhayn mit dieser Weihnachtsdenkschrift  1915 dem Kaiser seine Stategie für den Angriff auf Verdun erläutern wollte.
Text Zitat v. F.  „Massendurchbruchsversuche gegen einen moralisch intakten, gut bewaffneten und zahlenmäßig nicht erheblich unterlegenen Feind können auch bei größter Menschen-  und Materialanhäufung nicht als aussichtsvoll betrachtet werden“  Ende Zitat

Falkenhayn wollte noch nicht einmal Verdun, warum wollte er es aber dennoch  angreifen ?

Weil Verdun ein Ziel war (zitat vF.) „ für dessen Behauptung die französische Führung gezwungen ist, den letzten Mann einzusetzen. Tun Sie es , so werden sich Frankreichs Kräfte “  verbluten , da es ein Ausweichen nicht gibt, gleichgültig ob wir das Ziel erreichen oder nicht „ (zitat Ende

Ein Militär, der das Blut seiner  eigenen Soldaten nicht schont, kann auch mit den Blutverlusten des Feindes noch weniger zimperlich sein.
Aber von da, bis zu einem Schlachtplan, der ohne strategisches Ziel das Ausbluten des Feindes zum einzigen Zweck hat, ist kein weiter Schritt in Richtung Ausrottungskrieg.

Falkenhays Plan ist zweifelsfrei eine originelle Gedankenarbeit, die allerdings darum auch von Denkfehlern nicht geschützt war, und Denkfehler haben auf militärischem Gebiet die fürchterlichsten Folgen.  . Mindestens 2 Denkfehler fallen auf, beide aber von einer richtigen Erkenntnis ausgehend:

Falkenhayn hatte Ende 1915 richtig erkannt, dass Deutschland 1916 nicht mehr die Kraft haben würde, seine Gegner oder auch nur einen von ihnen vernichtend zu schlagen. (So wie es Moltke  bei Kriegsanfang  1914 vorhatte und Ludendorf Anfang 1918 – Michael - noch einmal versuchte.)

Kriegsziel v. Falkenhayns konnte nur sein: Zitat „uns nicht eher zu erschöpfen als die Gegner , dass es sich für sie nicht lohnen würde, den Preis für unsere Niederlage zu zahlen„also eine Ermattungsstrategie , das richtige Konzept für einen Schwächeren .. Und spätestens 1916 war Deutschland der Schwächere.

Aber nun zu den Denkfehlern

1. Denkfehler ist ein militärischer . Falkenhayn übertrug die Ermattungsstrategie von der gesamten Kriegsfühgung auf einzelne Operationen . Es lief für ihn darauf hinaus, durch Daueroffensiven an den Stellen, wo der Gegner kein Ausweichen hat, Blut abzuzapfen. Das war falsch. Richtig wäre es gewesen, wenn der Schwächere einen Stärkeren ermüden will , immer wieder nur an ausgesuchten Stellen , wo es einen billigen Erfolg zu holen gibt, zuzuschlagen. Er muss es dem Feind überlassen, sich in Daueroffensiven zu erschöpfen. Greift der Schwächere andauernd an, erschöpft er sich ebenso wie den  Feind und als Schwächerer hat er weniger zuzusetzen.

2. Denkfehler  ist ein psychologischer. Falkenhayn rechnete richtig, darauf beruhte ja sein ganzer Plan, dass Verdun für die Franzosen ein Prestigewert war , den sie unmöglich aufgeben konnten. Aber er übersah vollkommen, dass in dem Moment, als die Offensive von Deutschland ergriffen worden war,  und Deutschland war ja der Angreifer vor Verdun ,  es auch für Deutschland ein Prestigewert wurde. Als die Schlacht eröffent war, stand Nationalstolz gegen Nationalstolz und nicht nur die Franzosen, auch die Deutschen wollten jetzt eher verbluten als sich  blamieren.
Falkenhayn, dem es egal war, ob Verdun fiel oder nicht, ließ seine Armeeführer die ganze Zeit in dem Glauben, Ziel sei es, Verdun um jeden Preis zu nehmen, entsprechend handelten sie. . Darum dann der Deutsche Blutzoll dem französischen am Ende kaum nachstand

Die Franzosen trugen wenigstens den Ruhm eines teuer erkämpften Sieges davon.
Bei den Deutschen blieb nur das lähmende Gefühl zurück, vergebens geblutet zu haben

Es können noch weitere Denkfehler angeführt werden mit denen v. Falkenhayn dieses grauenvolle Unheil angerichtet hat (Knausern mit Reserven, wodurch die zu spät abgelösten Soldaten vor Verdun buchstäblich zu Schlacke ausbrannten.)

Wenn der erste Weltkrieg einen Tiefpunkt der sog. Kriegskunst darstellt, dann war Verdun die Entartung der Kriegskunst. Die Erinnerung an den WK 1 ist aus Stolz und Grauen gemischt, die Erinnerung an Verdun ist pures Grauen

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Re: Deutschland: Verursacher für WK I

Beitrag von ThomasAral am Fr März 11, 2016 2:57 pm

1.WK: alle Länder waren kriegsgeil, aber Deutschland das geilste von allen. Russland galt als Opfer, weil da ja durch die Revolution leicht Land abzuluchsen war, so dachte man ... nur wollten die anderen Länder das natürlich nicht erlauben .... dann war die Deutsche Generalität so hochnäsig und hat gesagt "die machen wir auch noch kalt". Ja Deutschland wurde ab 1914 nur noch von der Militärführung regiert. Der Kaiser war zu dumm um zu kapieren was ab geht. Angefangen hat es damit dass der Kaiser einen fähigen Kanzler, der halt nur ihm nicht Honig ums Maul geschmiert hat, sondern halt oft gesagt hat dass ihm des Kaisers Meinung missfällt entlassen. Der neue Kanzler war nur ein Repräsentant hat aber nichts auf die Reihe gekriegt. Im Jahr als der Krieg ausgebrochen ist ist seine Frau gestorben (noch vor dem Ausbruch), er war auf Kur, das Militär ist ohne seine Erlaubnis durch Belgien marscheirt und so gings weiter. Mit dem anderen Kanzler wäre das nicht passiert.

Für mich ist der Kaiser schuldig weil er zu dumm war. Und Hindenburg weil er seine Macht ausgenutzt hat aber nicht wie ein Diplomat, sondern wie ein Haudegen ohne Rücksicht auf Soldaten handelte. Den hätte man nach dem Krieg genauso wie den Kaiser in die Wüste schicken sollen. Dadruch dass er wieder an die Macht kam, kams ja erst so schlimm mit Hitler zum 2. WK ---- ohne Hindenburg wäre Hitler gar nicht an die Macht gekommen.

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Re: Deutschland: Verursacher für WK I

Beitrag von Wallenstein am Fr März 11, 2016 3:59 pm

Von welchem Kanzler sprichst du? Von 1900-1909 war von Bülow Kanzler, danach Bethmann-Hollweg von 1909 – 1917.

Von Bülow war ein extremer Nationalist, der sich vor allem mit den Engländern anlegte. Die Daily-Telegraph Affäre, die zu einer Konfrontation mit dem Königreich führte, ist maßgeblich auf sein Verschulden zurückzuführen. Er ist daraufhin zurückgetreten.

Bethmann-Hollwegs Rolle ist nicht ganz klar. Ob er wirklich gegen den Einmarsch in Belgien war, ist nicht sicher. Jedenfalls hat er ihn später öffentlich verteidigt. Das September Programm von 1914, welches zum Ziel hatte, größere Gebiete zu annektieren und Deutschland eine Führungsrolle in Europa verschaffen sollte, wurde von ihm mitgetragen, auch wenn er wohl etwas gemäßigter war als der Kaiser.

Im Sommer 1917 sympathisierte er offensichtlich mit der Friedensresolution des Deutschen Reichstages, die dieser im Frühjahr veröffentlicht hatte und die zu einem Verständigungsfrieden ohne Eroberungen aufrief. Er hatte anscheinend erkannt, dass der Krieg nicht zu gewinnen war. Daraufhin wurde er auf Druck der Obersten Heeresleitung im Juli 1917 entlassen.

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Re: Deutschland: Verursacher für WK I

Beitrag von Marek1964 am Mi März 16, 2016 8:49 pm

Dass "alle Länder kriegsgeil" waren, halte ich wenn nicht für eine Legende, dann doch zumindest für eine einseitige Interpretation, denn die Kriegserklärungen kamen von den Mittelmächten, ebenso die ersten Schüsse. Den anderen muss man mindestens zu Gute halten, dass sie vielleicht die eine oder andere Drohgebärde machten (Russlands Mobilmachung), aber im Fallen von Englands Vermittlungsversuche unternahmen.

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