P26 - Die Geheimarmee in der Schweiz - Oberst Efrem Cattelan alias Rico

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P26 - Die Geheimarmee in der Schweiz - Oberst Efrem Cattelan alias Rico

Beitrag von Marek1964 am Fr Jan 23, 2015 5:36 pm

Beitragvon Orianne » 24.09.2014, 16:32
Das "Projekt 26" war eine während des Kalten Krieges ab 1979 aufgebaute geheime Kaderorganisation, die im Fall einer feindlichen Besetzung der Schweiz Widerstand aufbauen und leisten sollte. Ihr Chef war nur einem kleinen Kreis von Personen bekannt.

Bild
Oberst Efrem Cattelan alias «Rico» (Bild aus meiner Sammlung, koloriert von mir)!

Finanziert wurde die von Armee und Verwaltung unabhängige P-26 aus verschiedenen Quellen - jedoch ausschliesslich aus Kreditrubriken des damaligen Eidgenössischen Militärdepartements. Bei der Auflösung hatte sie 400 Mitglieder, der Sollbestand betrug 800 Personen. Die P-26 verfügte über Waffen.

Akten unter Verschluss!

Die Auflösung der P-26 bedeutete aber nicht die vollständige Offenlegung: 2009 entband der Bundesrat die Veteranen des geheimen Widerstandes im Zweiten Weltkrieg und im Kalten Krieg zwar von ihrer Schweigepflicht. Sie durften sich aber nur über ihre Zugehörigkeit zu einer Gruppe und eigene Diensterlebnisse äussern.

Die Akten zur P-26 bleiben jedoch bis etwa ins Jahr 2040 unter Verschluss. Der Bundesrat wies in einer 2010 veröffentlichten Antwort auf eine Motion auf die gesetzliche Sperrfrist von 50 Jahren für besonders schützenswerte Personendaten hin.

Der nach seinem Auffliegen zunächst zum Schweigen verpflichtete Efrem Cattelan gab 2009 in Interviews, auf Podien und gegenüber Buchautoren im Rahmen der Schweige-Auflagen Auskunft über die P-26 und sein Doppelleben.

"Allem Anschein nach sehr durchschnittlich"

Cattelan führte eine Tarnfirma für Personal- und Kaderschulung - "allerdings auf einem anderen Gebiet als alle meinten", wie er in 2009 veröffentlichten Interviews mit "Tages-Anzeiger", "Bund" und "Basler Zeitung" sagte. Seine Frau habe er umgehend, seine Söhne nach der Rekrutenschule über seine geheime Tätigkeit informiert.

Sich selber bezeichnete Cattelan als "allem Anschein nach sehr durchschnittlichen Typen". Sonst hätte er nicht ein Jahrzehnt lang die P-26 leiten können "ohne dass die Nachbarschaft etwas merkt".

Die Schlussfolgerung der Parlamentarischen Untersuchungskommission (PUK) EMD, dass bei der P-26 die Gefahr bestanden habe, dass sie sich selbst aktiviere, ohne Generalstabschef und ohne Bundesrat, wies Cattelan 2009 zurück.

"Wir hätten auf Beschlüsse einer rechtmässigen Regierung gewartet", stellte er klar. Sie hätte im Fall einer Besetzung anordnen müssen, ob die P-26 ausgeweitet werden, ob sie den Kampf aufnehmen oder wohin eine Exilregierung verlegt werden sollte. Auch einen Widerstandschef hätte die Regierung wählen müssen.

Nach Auffliegen auf Tauchstation

Nach seiner Enttarnung im November 1990 sei er ein paar Tage auf Tauchstation gegangen, berichtete Cattelan 2009. Danach sei er in der Gruppe für Ausbildung des EMD untergekommen. "Da blieb ich bis zur Pensionierung vor 15 Jahren."

Oberst Cattelan starb am 26. Mai 2014 in Basel im Alter von 82 Jahren.

Kurzer Film auf Youtube über die Geheimarmee P26

http://www.youtube.com/watch?v=MEhnj8B0aYs

Quellen TA, MZ und eigene Aufzeichnungen
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Re: P26 - Die Geheimarmee in der Schweiz - Oberst Efrem Cattelan alias Rico

Beitrag von Orianne am So Aug 02, 2015 1:32 pm

Die letzten Mitglieder von P26 wurden anfangs 2015 mit einer Danksagung in den Ruhestand versetzt, es handelte sich dabei um eine Hausfrau, die zur Funkerin ausgebildet wurde.

Es gibt bereits wieder Stimmen, die melden, dass es eine Nachfolgetruppe gibt, den Chef nennen sie "Goldenen Adler", die Wirkungsstätte zur Ausbildung soll der Kanton Tessin sein, wie weit das stimmt, dies kann ich nicht sagen.

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Re: P26 - Die Geheimarmee in der Schweiz - Oberst Efrem Cattelan alias Rico

Beitrag von Orianne am Mi Aug 05, 2015 9:50 am

Mir geht dieses Thema nicht aus dem Kopf, ich habe ja einen Offizier der Schweizer Armee zu Hause, aber ich kann, möchte oder will ihn nicht über solche Dinge ausfragen, ich frage mich aber, wenn ich in die Vergangenheit anderer Länder schaue, sind solche "Geheimarmeen" wirklich nützlich? Schaden sie schlussendlich nicht der Zivilbevölkerung wegen eventuellen Geiselerschiessungen o.ä. Verbrechen?

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Re: P26 - Die Geheimarmee in der Schweiz - Oberst Efrem Cattelan alias Rico

Beitrag von rgaronda am Sa Jul 23, 2016 11:54 pm

Ich habe eben die beiden Beiträge auf Youtube zur P-26 gesehen (und bin dadurch auf dieses Forum gestossen). Vielleicht wegen meiner noch geringen Kenntnisse verstehe ich die damalige und heutige Empörung über P-26 aus folgenden Gründen überhaupt nicht:
-Es gab für P-26 offenbar eine Verfassungsgrundlage und damit einen Auftrag (?), aber keine Gesetzesgrundlage, was bei einer Geheimorganisation durchaus nachvollziehbar ist
-Die Existenz von P-26 war dem EMD, dem Armeevorsteher und dem Parlament bekannt, die einzelnen Mitglieder aber nicht.
-Die Organisation wäre nur auf Anordnung einer legitimierten Regierung tätig geworden
-Im Fall einer Besetzung der Schweiz und dem damit verbundenen Verlust der Souveranität sehe ich persönlich relativ viele Mittel legitimiert - auch Propagandaaktionen einer Geheimorganisation

Da sehe ich Armeeeinsätze zur inneren Sicherheit - WEF oder Botschaftsschutz - viel kritischer.

Orianne schrieb:Mir geht dieses Thema nicht aus dem Kopf, ich habe ja einen Offizier der Schweizer Armee zu Hause, aber ich kann, möchte oder will ihn nicht über solche Dinge ausfragen, ich frage mich aber, wenn ich in die Vergangenheit anderer Länder schaue, sind solche "Geheimarmeen" wirklich nützlich? Schaden sie schlussendlich nicht der Zivilbevölkerung wegen eventuellen Geiselerschiessungen o.ä. Verbrechen?

Orianne, wie meinst Du das mit den eventuellen Geiselerschiessungen o.ä. Verbrechen?

Freundliche Grüsse

rgaronda

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Re: P26 - Die Geheimarmee in der Schweiz - Oberst Efrem Cattelan alias Rico

Beitrag von Marek1964 am Mo Jul 25, 2016 10:18 pm

Deine Frage ist berechtigt, rgraronda. Diese Geheimorganisation sollte eben im Falle der Besetzung eines Landes sich aus unbekannten Leuten zusammensetzen und deshalb auch für die Besatzer nicht leicht fassbar sein.

Als Angehöriger einer anderen Nation, die auch besetzt wurde, kann ich solche Organisationen nachvollziehen und sehe da auch nichts schlechtes. Gerade, dass die wenigsten sie kennen sollten, sollte es ihnen ermöglichen, nicht verraten zu werden.

Warum das ganze Geschrei in den Jahren nach der Entdeckung? Nun ja, das war das linke Denken, das sehr kritisch gegen Polizei und Sicherheitsdienste eingestellt war und auch in bürgerliche Schichten hineinreichte. Es gab ja etwa zur gleichen Zeit die Fichenaffäre, wo auch Bekannte von unserer Familie (die aus der Tschechoslowakei emigriert war), beobachtet wurden - meine Eltern wollten ihre Fichen nie sehen...

Aus realistischer Sicht muss allerdings gesagt werden, dass das Sammeln von Informationen nicht falsch ist. Man weiss nie genug.

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Re: P26 - Die Geheimarmee in der Schweiz - Oberst Efrem Cattelan alias Rico

Beitrag von rgaronda am Fr Aug 05, 2016 9:44 pm

Hallo Marek

Das Paradoxe an Sicherheitsmassnahmen ist ja, dass sie genau die Freiheit beeinträchtigen, die sie schützen sollen. Ich hatte mich bisher immer als relativ schmerzfrei betrachtet, was Einschränkungen zu Gunsten der Sicherheit anbelangt. Beispielsweise gehöre ich zu der seltenen Sorte Mensch, die Zoll- und Flughafenkontrollen als Dienstleistung an meine persönliche Sicherheit betrachtet - weniger als notwendiges Übel. Der kürzliche Ruf der Kantone nach "Bürgerspionen" lässt die von Dir zitierte Skepsis der Linken gegenüber staatlichen Organen jedoch in anderem Licht erscheinen. Ich traute jedenfalls meinen Augen nicht.

Ich verstehe nicht wie man sich - damals wie heute - über Aktionen zur äusseren Sicherheit derart echauffieren kann, dann aber fast beiläufig die persönliche Integrität einer fragwürdigen inneren Sicherheit opfert.

So kann man sich in Rage schreiben. Vielen Dank an dieser Stelle für Deine Antwort.

rgaronda

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Re: P26 - Die Geheimarmee in der Schweiz - Oberst Efrem Cattelan alias Rico

Beitrag von Marek1964 am Sa Aug 06, 2016 8:26 pm

rgaronda schrieb:
Ich verstehe nicht wie man sich - damals wie heute - über Aktionen zur äusseren Sicherheit derart echauffieren kann, dann aber fast beiläufig die persönliche Integrität einer fragwürdigen inneren Sicherheit opfert.

Da bin ich nicht sicher, ob ich Dich richtig verstanden habe. Ich meine, da ist doch unbewusst immer die Angst vor Missbrauch der Staatsgewalt. Die ist allerdings immer möglich. Man kann das jetzt an den vielen Polizeiübergriffen in den USA thematisieren. Was meinst Du aber mit der "fast beiläufigen" Aufgabe der persönlichen Integrität der innneren Sicherheit?

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Re: P26 - Die Geheimarmee in der Schweiz - Oberst Efrem Cattelan alias Rico

Beitrag von rgaronda am Di Aug 16, 2016 9:56 pm

Bitte entschuldige die späte Antwort. Mit "beiläufig" meine ich beispielsweise eben den Ruf nach "Bürgerspionen", der ohne grösseren Aufschrei statt fand, obwohl der Vergleich zur DDR auf der Hand liegt.
Dass hierbei die persönliche Integrität leicht verletzt werden kann, erachte ich ebenfalls als offensichtlich. Einfacher kann man beispielsweise einen unliebsamen Nachbarn nicht in einem Untersuchungsbericht verewigen lassen.

Die ganze Terrorismus-Thematik betrachte ich zumindest auf eigenem Boden als Angelegenheit der inneren Sicherheit. Was denkst du?

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Re: P26 - Die Geheimarmee in der Schweiz - Oberst Efrem Cattelan alias Rico

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