Der erste Sklavenaufstand in Sizilien 136-132 v.Chr.

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Der erste Sklavenaufstand in Sizilien 136-132 v.Chr.

Beitrag von Wallenstein am Mi Mai 25, 2016 11:10 am

Die hauptsächlich von Griechen bewohnte Insel Sizilien stand seit dem 5. Jahrhundert vor Christi unter der Hegemonie von Karthago. Doch im ersten punischen Krieg wurde Karthago  241 v. Chr. von den Römern geschlagen und musste die Insel abtreten, die nun zur ersten römischen Kolonie wurde. Während früher die Römer besiegte Gegner anschließend unter halbwegs fairen Bedingungen zu Verbündeten machten, wurde Sizilien von Anfang an als Kolonie rücksichtslos ausgebeutet und den Bewohnern gewaltige Tribute abgepresst. Das fruchtbare Eiland sollte zum Getreidelieferanten für die wachsende Stadt Rom umgestaltet werden. Die Römer übernahmen daher das von den Puniern entwickelte System der Latifundienwirtschaft, landwirtschaftliche Großbetriebe, die für den Markt produzierten und von hunderten von Sklaven bewirtschaftet wurden. Um Arbeitskräfte zu bekommen, verschleppten die Römer zahlreiche Männer aus der Osthälfte des Reiches, vor allem aus Syrien und Gebieten der heutigen Türkei. Darunter waren zahlreiche hochgebildete Personen, die sich mit der Zwangsarbeit nicht abfinden wollten.

Der Aufstand brach 136 v.Chr. in dem Ort Castrum Henae (heute Enna) aus, eine uralte Stadt im Nabel Siziliens, gelegen auf einem steilen Bergkegel, inmitten einer fruchtbaren Landschaft, die gut geeignet war für den Getreideanbau. In einem Latifundien Betrieb kam es gegen den grausamen Besitzer zu einem spontanen Aufstand, der mit dem Tod des Eigentümers endete. Die Aufständischen wandten sich anschließend an einen syrischen Sklaven namens Eunos, der in dem heutigen Enna lebte. Er war zwar auch ein gekaufter Sklave, der aber etwas Besonderes an sich hatte, eine charismatische Persönlichkeit. Er galt als prophetisch begabt, behauptete einer Nebenlinie des seleukidischen Königshauses  zu entstammen und fungierte als Priester der syrischen Göttin Atargatis, die als „Große Mutter“ in seinem Heimatland verehrt wurde.

Eunos ging zu den Aufrührern, die ihn spontan zum Anführer wählten. Dieser überlegte eine Zeitlang, sagte dann zu den Männern, dass ihn die Göttin Atargatis zum neuen König bestimmt hätte und er von nun an den Namen der Seleukiden, Antiochos, annehmen würde. In dem Tempel der Demeter errichtete er seinen Königshof, trug einen Purpurmantel wie die orientalischen Herrscher und umgab sich mit einem Hofstaat. Seinen früheren Herren ließ er am Leben und gab ihm eine neue Aufgabe als Hofnarr.

Der neue Staat des Sklavenkönigs begann sich in den nächsten Jahren immer weiter auszudehnen und umfasste bald große Teile der Insel. Eunos verbündete sich mit einem anderen Aufrührer aus Kilikien namens Kleon, der durchaus strategisches Geschick im Kampf mit den Römern bewies. In mehreren Schachten wurden diese vernichtend geschlagen. Eunos versklavte einen Teil der römischen Soldaten, den anderen bot er an, sich seinem Heer anzuschließen. Eunos bzw. Antiochos betrieb eine kluge Politik, die dazu führte, dass auch viele freie Bauern und Handwerker sich ihm anschlossen. Er reduzierte ihre Abgaben auf ein Drittel und gab eine eigene Währung heraus, auf dem sein Porträt abgebildet war. Die Sklaven wurden überall befreit, die Latifundien teilweise aufgeteilt und in kleine Bauernstellen verwandelt. Der Export von Getreide nach Rom wurde eingestellt, die Römer erhielten auch keine Tribute mehr. Die Wirtschaft blühte offensichtlich auf. Antiochos war so klug, sich nicht zum Gott König zu erklären, sondern wollte ein Volkskönig bleiben. Jeden siebenten Tag hielt er vor dem Demeter Tempel Gericht, unterstützt von Rechtsgelehrten.
Doch die Römer entschlossen sich, diesem Königreich ein Ende zu machen. Der Konsul Rupilius, der sehr viel Geld in Sizilien investiert hatte, landete mit einer gewaltigen Streitmacht auf der Insel. Ihm gelang es, das Sklaven Heer zu vernichten, Eunos wurde gefangen genommen und beging Selbstmord. Zahlreiche Aufrührer wurden hingerichtet.

Rupilius hatte allerdings erkannt, dass es für diesen Aufstand tiefere Gründe gegeben hatte. Er entwarf  daher ein Reformprogramm für die Insel, die später als „Lex Rupilia“ verabschiedet wurde. Die Steuern sollten für die Bürger beträchtlich gesenkt werden, um die Produktion der freien Bauern anzukurbeln. Doch die großen Latifundien blieben bestehen. Auf ihnen kam es dreißig Jahre später zu einem neuen Aufstand, der ebenfalls niedergeschlagen wurde.

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Re: Der erste Sklavenaufstand in Sizilien 136-132 v.Chr.

Beitrag von Marek1964 am Fr Mai 27, 2016 10:33 pm

Auch ein hochinteressantes Beispiel, mir war nur Spartakus bekannt. Interessant aber auch, dass die Römer nach ihrem Sieg auch einiges gelernt haben.

Letztlich denke ich aber, für die Aufständischen hat es sich trotzdem gelohnt, denn immerhin konnten sie einige Zeit die Freiheit geniessen.

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