Prostitution in der Römischen Antike

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Prostitution in der Römischen Antike

Beitrag von Ceres am Do Mai 26, 2016 7:46 pm

Vorerst möchte ich bemerken, das diese Thematik sehr komplex ist und ich daher nur einen Querschnitt schreibe...


Meretrix
Eine Menge von Synonymen aus dem lateinischen existieren für den Begriff "Prostituierte", wie wohl kaum für eine Person dieser Tätigkeit im alten Römischen Reich verwendet wurde, wie z. B. Meretrix (Dirne), (wogegen "Lupa" als Billighuren bezeichnet wurden).
Die Meterix (spezialisierte Gruppe oder gar Edelhure wie wir sie heute bezeichnen würden) bildeten in der Römischen Gesellschaft tatsächlich eine heterogene Gruppe. Sie waren meistens alleinstehende, mittellose Frauen, die sich ihren Lebensunterhalt auf dieser Weise verdienten. Das Einkommen von Prostituierten im allgemeinen war recht unterschiedlich.

Scortum
So wurden Prostituierte als zweitrangig bezeichnet und bedeutet evtl. auch "Fell" oder "Leder"; aber lt. Kommentar von Donatus zu Terenz steht Scortum auch als eine Bezeichnung für die weibliche Scham, auch wurden diese Begriffe als unzüchtige Frauen, also abschätzig, übertragen.

Lupa (eig. Wölfin)
wurde als der niedrigste Typ von Prostituierten bezeichnet und wurden als "verkommene Huren" angesehen. Dass Lupa der älteste Ausdruck für Prostituierte war lt. Livius behauptet (1.4.7.) ist jedoch nicht erwiesen.
Interessant ist auch hierbei, dass die Gattin des Hirten Faustulus in der Gründungslegende als Amme von Remus und Romulus und zugleich als Lupa beschrieben wurde, ist nicht stichhaltig!

Trotz einer vielfältigen Zahl literarischer Zeugnisse über die Prostitution in der Antike sind historisch nachprüfbare Einzelschicksale kaum dokumentiert.
Für die Herkunft der Frauen und Mädchen, die in Bordellen, Kneipen und auf der Straße tätig waren, konnte bisher wenig in Erfahrung gebracht werden. Es fehlen uns schriftliche Belege.

Der wahrscheinlich wichtigste Faktor für eine Zwangsprostitution von Frauen und auch Knaben war hierbei die Sklaverei. So wird somit die sexuelle Ausbeutung ein Fakt - doch fällt nicht hierunter eine sexuelle Ausbeutung der weiblichen Sklaven durch ihre Besitzer; denn diese bezog sich ja für sexuelle Befriedigung des Herrn.
Hierbei spielte eine wesentliche Rolle die uneingeschränkte sexuelle Verfügbarkeit der Sklaven/innen für ihre Herren und deren Freunde. Das spiegelt die gesamte antike Literatur wider...

Bekanntlich beginnt die "Ilias" mit dem Zorn des Archill, der darin gründet, dass ihm seine Lieblingssklavin Briseis geraubt worden war. Zur Beute der Krieger von Troja, gehörten stets gefangene Frauen und Mädchen. Hierbei wurden sogar die Gefangenen als Preis beim Wagenrennen ausgesetzt. Die warteten dann bei den Tieren (Stuten, Rindern) auf ihre neuen Besitzer. Diese Handlungen waren durchaus legitim für die kommerzielle Prostitution doch nur für die kriegerische adlige Herrenschicht.

Gerade in Rom, wo die kommerzielle Prostitution in der Antike längst weit verbreitet war, hatte diese eine uneingeschränkte akzeptierte Praxis des Sexualverkehrs der Herren mit den Sklaven beiderlei Geschlechts, aber nicht zu unterschätzen war der Einfluss auf den Charakter und Umfang der Prostitution, die ausgeübt wurde.

Als Rechtsobjekte verfügten Sklaven bezüglich ihrer Person und Sexualität über keinerlei wirksamen Schutz durch das Römische Recht, welches eindeutig die Interessen der Besitzer vertrat. Keinesfalls hatte sich die Herrenschicht Gedanken über die kommerzielle sexuelle Ausbeutung von Sklaven/innen gemacht.
Schutz - auch gegen sexuelle Übergriffe - erfuhr ein Sklave bzw. eine Sklavin nur dann, wenn das im Interesse des Besitzers lag.

Frauen und Mädchen gelangen üblicherweise oft schnell in die Prostitution durch Armut. Auch gelangen Sklaven durch Kriegsgefangenschaft, Kindesaussetzung, Kindsverkauf, Selbstverkauf oder organisierter Menschenraub in die Prostitution.

Kriegsgefangenschaft

Das war eine der wichtigsten Punkte der Sklavenbeschaffung. Die Sieger in der antiken Welt erlangten somit die Macht über Leben und Tod der Besiegten. Es wurde aber wenig oder gar nicht darauf geachtet, ob es Kinder, Frauen oder gar Greise waren! Die "menschliche Beute" wurden dann verkauft. Besonders Mädchen und Frauen endeten dann oft in die Zwangsprostitution, was durchaus als legitim und selbstverständlich galt.
Für das weibliche Geschlecht war dann nur eines möglich: entweder Sklaverei oder das Bordell.

Um eine Vorstellung von diesen Abläufen zu bekommen, möchte ich hinzufügen, dass die Frauen/Mädchen, die in Bordellen verschleppt wurden, war vorwiegend in den großen Eroberungskriegen der ersten beiden Jahrhunderten vor Chr. der Fall. Zu dieser Zeit nahmen die Massenversklavungen regelrechte Ausmaße an.

Aussetzungen von Kindern/Kindesverkauf

Auch hier kristallisierten sich Prostituierte heraus, die von Zuhältern "abgerichtet" zur Prostitution wurden. Hierbei spielte die Geringschätzung das kindliche Lebens sowie das alte"ius vitae necisque" (Recht über Leben und Tod) des Familienoberhauptes eine wesentliche Rolle. Sie hatten das Recht, ihre Kinder auszusetzen oder zu verkaufen.

Neuere demographische und authopologische Untersuchungen zur Kindesaussetzungen haben ergeben, das in allen untersuchten Gesellschaften die Aussetzung vorwiegend Mädchen betraf. Die hellenisch-römische Kultur bildete keine Ausnahme. Es spielte hierbei die Geringschätzung des weiblichen Geschlechts, die Furcht vor Schande bei unehelichen Kindern, sowie Armut eine wesentliche Rolle.
Auch war es eine Tatsache, dass in der Kaiserzeit freie Kinder verkauft wurden. Grundlage dessen waren die politischen, sozialen und wirtschaftlichen Mißstände der Eltern zu Beginn des 3. Jh. n. Chr.

Menschenraub
Die größte Gefahr war wohl für Mädchen und Frauen in die Sklaverei oder Prostitution zu gelangen. Durch das organisierte Kidnapping von Räubern, Betrügern und Piraten wurde es ermöglicht, die nur eines im Sinne hatten: Profit!
So etwas war keine Römische Erfindung; denn schon in der phönizischen Zeit und auch in der hellenischen Welt war es gang und gäbe, gewinnbringendes Geschäft mit Sklaven/Prostituierten zu machen.

In der Kaiserzeit blühte der Handel mit den Frauen und Mädchen in Randgebieten des Römischen Imperium und auch in den benachbarten Barbarenländern. Auch wenn die kaiserliche Flotte die Piraterie einzudämmen versuchte, konnten sie aber nicht die Gefahr der Räuber zur See - noch derer zu Lande - völlig bannen. Die Piraten gingen die kaiserliche Flotte aus dem Wege und zogen sich mit ihrer "Beute" in abgelegenen Orten besonders im Roten Meer bzw. Schwarze Meer zurück.

Ab dem 3. Jh. n. Chr. verlagerte sich auch die Piraterie in nördliche Gebiete des Imperium, gegen welche die in Britannien stationierte Flotte vorging.

Obwohl Piraten als Gesetzlose betrachtet wurden, wurde aber nicht gegen die Vermarktung der erbeuteten Personen vorgegangen; denn das hätte zur Folge gehabt, den Sklavenhandel zum Erliegen zu bringen. Daran war niemand interessiert.
Auf "menschliche Ware" wurden an Handelsrouten und auch Häfen Zölle erhoben, die nach Regionen und Marktlage unterschiedlich ausfielen. Der Handel mit der "menschlichen Ware" wurde gar verglichen mit dem Weizen- und Weinexporten.

Rom bietet einige Anhaltspunkte in Hinsicht, dass sich Händler auch auf besondere Sklaven spezialisierten, z. B. mit besonders schöne Frauen. So zeigt es der Sarkophag des M. Sempronius Nikokrates, ein Musiker, der nach seiner Tätigkeit als Händler menschlicher Ware hervorging und Schöne Frauen bevorzugte.
Die Beschreibung des Älteren Seneca über Verkauf einer von Piraten erbeutete Sklavin:

Sen. Contr. 1.2.1

"Nackt stand sie am Ufer zur Betrachtung durch den Käufer:
Alle Teile ihres Körpers wurden begutachtet und betastet.
Wollt ihr den Ausgang der Versteigerung hören?
Der Pirat verkauft sie, der Zuhälter kauft sie, man erhebt keinen Einwand"


Auch wird eine Prostituierte aus den sozialen Stand, die nicht für rein und schön galt, beschrieben:

Mart. 6. 66

"Kürzlich verkaufte der Ausrufer Gellianus ein Mädchen von nicht allzuguten Ruf, wie sie inmitten der Subura (ein Stadtvietel in antiken Rom, indem nur die Armen der Ärmsten wohnten; auch galt es als Rotlichtmillieu) sitzte. Da sie lange nur wenig im Preis stand, wollte er allen beweisen, dass sie sauber sei. Er zog sich die Sträubende mit der Hand zu sich und küsste sie zwei-, drei-, viermal. Den Erfolg seiner Küsse möchtest du wissen?
Der 600 bot, der lehnte nun doch ab"


(mein Text aus einem anderen Forum, indem ich auch aktiv bin)

lg Ceres
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Re: Prostitution in der Römischen Antike

Beitrag von Tammuz am So Jun 05, 2016 6:50 pm

Ein analytischer Zugang zu diesem interessanten und von dir gut exponierten Thema fällt vielleicht leichter, wenn man die gesellschaftspolitische Vorgeschichte sowie die gesellschaftspolitischen Rahmenbedingungen der sexuellen Ausbeutung von Frauen betrachtet. Natürlich kann man bei der Ursachenanalyse geschichtlich noch weiter zurückgehen, d.h. ins Prähistorische, worauf ich noch zurückkommen werde.

Mesopotamien:

Ein wichtiges Instrument der Frauenunterdrückung war die Einführung der Ehe, und zwar als Mittel, die Frau zu kontrollieren. Wann genau diese Institution erfunden wurde, ist unklar, sicher aber vor dem 4. Jt. BCE (= before common era).. Das gleiche gilt für den Krieg. In der Ehe galt - nachweislich ab dem 3. Jt. BCE - die juristische Oberhoheit des Mannes. Ein freier Mann konnte z.B. sich selbst und/oder seine Frau und/oder seine Kinder für eine bestimmte Zeitspanne in die Sklaverei verkaufen, um Schulden zu begleichen (Schuldknechtschaft). In der Regel verkaufte er natürlich nicht sich selbst, sondern nur seine Frau und/oder die Kinder. Die Frau hatte dagegen nicht das Recht, ihren Mann zu verkaufen, sie war in solchen Fällen ausschließlich Objekt, nicht handelndes Subjekt. In diesem Sinne war sie Eigentum des Mannes. Seit Urukaginas Reform 2350 BCE durfte ein Mann seiner Frau sogar die Zähne einschlagen, wenn sie sich ´ungebührlich´ äußerte. Umgekehrt war das natürlich undenkbar. Ein Mann durfte sich auch eine Zweitfrau halten - umgekehrt (Polyandrie) war das seit Urukaginas Reform verboten.


Griechenland:

Die soziale Stellung der Frau in der griechischen Antike entsprach dem ausnehmend patriarchalischen Denken der Griechen, die in dieser Hinsicht die altorientalischen Völker, vor allem die relativ Gender-egalitär orientierten Ägypter, noch deutlich toppten.

Drei soziale Schichten sind zu unterscheiden, die in folgendem Zitat (aus der Schriftensammlung "Pseudo-Demosthenes", 59) zum Ausdruck kommen:

Hetären haben wir um des Vergnügens willen, Nebenfrauen zur täglichen Pflege unseres Körpers, die Ehefrauen aber, damit sie legitime Kinder hervorbringen und getreue Wächter unseres Hauswesens sind.

Die rechtliche Stellung der Ehefrau, von den anderen ganz zu schweigen, war nach heutigen Maßstäben katastrophal. Sie besaß keine Bürgerrechte (keine Teilnahme an Versammlungen, kein Wahlrecht, keine Ämter - außer der begrenzten Möglichkeit, Priesterin zu werden -, kein Eigentum) und war dem Willen des Ehemanns und Hausvorstandes, ihres Herrn (griech. kyrios), völlig ausgeliefert. Außer für festliche Anlässe durfte sie nicht in die Öffentlichkeit gehen, musste ihre Beine bis zum Fuß bedeckt halten, wurde schlechter ausgebildet als Männer und galt aus männlicher Sicht grundsätzlich als geistig und moralisch niedrigstehend. Platon verkündet im Timaios, dass die Wiedergeburt als Frau auf moralische Mängel der Seele zurückgeht und als Strafe anzusehen ist, nur die Wiedergeburt als Tier sei noch schlimmer.

Rom:

Es gibt ´philosophische´ Begründungen für die Unterdrückung seitens der Römer (Cicero z.B.), die auf die angebliche charakterliche und geistige Minderwertigkeit der Frau abheben. Genannt werden: 1) die Unbeständigkeit ihres Charakters (levitas animi), 2) die Schwäche ihres Geschlechts (infirmitas sexus) und 3) die Kraftlosigkeit ihres Verstandes (imbecillitas mentis). Da sie durch ihre Schwäche weder für den Krieg noch für das Regieren gut sei, könne ihr wahrer Platz nur im Haushalt sein.

(Der ´pater familias´, das männliche Oberhaupt der Familie, hatte die ´patria potestas´(= väterliche Macht). Darunter fiel auch die ´vitae necisque potestas´, die Macht über Leben und Tod der Familienangehörigen (Frau, Kinder, Sklaven). Um spontanen Willkürentscheidungen gegen ein Familienmitglied vorzubeugen, galt die Regel, dass der pater familias sich zuvor mit der übrigen Familie sowie seinen Freunden berät.)

Diese Argumentation repräsentiert mit Sicherheit die impliziten Begründungen für Frauenunterdrückung in allen anderen patriarchalischen Kulturen. Es stellt sich allerdings die Frage, ob die genannten Kennzeichnungen (ihre Gültigkeit für die Mehrheit der Frauen mal rein hypothetisch angenommen) vielleicht gar nicht als Ursache, sondern als Wirkung der Unterdrückung anzusehen sind, d.h. als psychologisches Produkt der unterdrückenden Sozialisation und Rollenzuschreibung, welche ursprünglich auf anderen Motiven basierte.

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Re: Prostitution in der Römischen Antike

Beitrag von Ceres am So Jun 05, 2016 10:28 pm

Erstmal vielen Dank für deinen Text

Tammuz schrieb:Ein analytischer Zugang zu diesem interessanten und von dir gut exponierten Thema fällt vielleicht leichter, wenn man die gesellschaftspolitische Vorgeschichte sowie die gesellschaftspolitischen Rahmenbedingungen der sexuellen Ausbeutung von Frauen betrachtet. Natürlich kann man bei der Ursachenanalyse geschichtlich noch weiter zurückgehen, d.h. ins Prähistorische, worauf ich noch zurückkommen werde.

Mesopotamien:

Ein wichtiges Instrument der Frauenunterdrückung war die Einführung der Ehe, und zwar als Mittel, die Frau zu kontrollieren. Wann genau diese Institution erfunden wurde, ist unklar, sicher aber vor dem 4. Jt. BCE (= before common era).. Das gleiche gilt für den Krieg. In der Ehe galt - nachweislich ab dem 3. Jt. BCE - die juristische Oberhoheit des Mannes. Ein freier Mann konnte z.B. sich selbst und/oder seine Frau und/oder seine Kinder für eine bestimmte Zeitspanne in die Sklaverei verkaufen, um Schulden zu begleichen (Schuldknechtschaft). In der Regel verkaufte er natürlich nicht sich selbst, sondern nur seine Frau und/oder die Kinder. Die Frau hatte dagegen nicht das Recht, ihren Mann zu verkaufen, sie war in solchen Fällen ausschließlich Objekt, nicht handelndes Subjekt. In diesem Sinne war sie Eigentum des Mannes. Seit Urukaginas Reform 2350 BCE durfte ein Mann seiner Frau sogar die Zähne einschlagen, wenn sie sich ´ungebührlich´ äußerte. Umgekehrt war das natürlich undenkbar. Ein Mann durfte sich auch eine Zweitfrau halten - umgekehrt (Polyandrie) war das seit Urukaginas Reform verboten.

Das ist mir bekannt. Wußte aber nichts genaues über die von dir genannten Zeit.
Da gebe ich dir recht, ich hätte weiter "ausholen" sollen



Griechenland:

Die soziale Stellung der Frau in der griechischen Antike entsprach dem ausnehmend patriarchalischen Denken der Griechen, die in dieser Hinsicht die altorientalischen Völker, vor allem die relativ Gender-egalitär orientierten Ägypter, noch deutlich toppten.

Drei soziale Schichten sind zu unterscheiden, die in folgendem Zitat (aus der Schriftensammlung "Pseudo-Demosthenes", 59) zum Ausdruck kommen:

Hetären haben wir um des Vergnügens willen, Nebenfrauen zur täglichen Pflege unseres Körpers, die Ehefrauen aber, damit sie legitime Kinder hervorbringen und getreue Wächter unseres Hauswesens sind.

Die rechtliche Stellung der Ehefrau, von den anderen ganz zu schweigen, war nach heutigen Maßstäben katastrophal. Sie besaß keine Bürgerrechte (keine Teilnahme an Versammlungen, kein Wahlrecht, keine Ämter - außer der begrenzten Möglichkeit, Priesterin zu werden -, kein Eigentum) und war dem Willen des Ehemanns und Hausvorstandes, ihres Herrn (griech. kyrios), völlig ausgeliefert. Außer für festliche Anlässe durfte sie nicht in die Öffentlichkeit gehen, musste ihre Beine bis zum Fuß bedeckt halten, wurde schlechter ausgebildet als Männer und galt aus männlicher Sicht grundsätzlich als geistig und moralisch niedrigstehend. Platon verkündet im Timaios, dass die Wiedergeburt als Frau auf moralische Mängel der Seele zurückgeht und als Strafe anzusehen ist, nur die Wiedergeburt als Tier sei noch schlimmer.

Ich denke, das glich sich auch dem Römischen Reich. Da hatte die Frau auch keine Rechte. Aber ich werde mich noch mit den Griechen beschäftigen. Habe mir ja schon inzwischen eine kleine Bibliothek angeschafft.

Rom:

Es gibt ´philosophische´ Begründungen für die Unterdrückung seitens der Römer (Cicero z.B.), die auf die angebliche charakterliche und geistige Minderwertigkeit der Frau abheben. Genannt werden: 1) die Unbeständigkeit ihres Charakters (levitas animi), 2) die Schwäche ihres Geschlechts (infirmitas sexus) und 3) die Kraftlosigkeit ihres Verstandes (imbecillitas mentis). Da sie durch ihre Schwäche weder für den Krieg noch für das Regieren gut sei, könne ihr wahrer Platz nur im Haushalt sein.

Wenn auch ich z.B. Cicero nenne und schon einiges gelesen habe, kann ich mir gut vorstellen, dass er einen Hang zur Frauenfeindlichkeit entwickelt hatte? Er hatte auch mal gerne übertrieben

(Der ´pater familias´, das männliche Oberhaupt der Familie, hatte die ´patria potestas´(= väterliche Macht). Darunter fiel auch die ´vitae necisque potestas´, die Macht über Leben und Tod der Familienangehörigen (Frau, Kinder, Sklaven). Um spontanen Willkürentscheidungen gegen ein Familienmitglied vorzubeugen, galt die Regel, dass der pater familias sich zuvor mit der übrigen Familie sowie seinen Freunden berät.)

Eine römische Frau stand gewöhnlich ihres gesamten Lebens unter der Gewalt des Mannes. In republikanischer Zeit war die Manus-Ehe (Manus – Hand, d.h. Die Frau gehörte nicht mehr zu ihrer Familie, sondern zu der Familie ihres Mannes) üblich, bei der die Frau in die Gewalt des Ehemannes und nach dessen Tod in dessen Vaters überging. Ist der Vater des Ehemannes auch verstorben, stand die Frau unter der Gewalt eines nahen Verwandten, der die Frau übernahm.
Die Hausgerichtsbarkeit wurde aber in der Kaiserzeit zugunsten der Staatlichen Strafgewalt zurück gedrängt; doch bis in die Spätantike oblag die Bestrafung von Frauen mit nicht allzu schweren Vergehens dem Ehemann. Noch im Ostgotischen Italien wurde eine Frau, die eine andere Frau geschlagen hatte, dem Ehemann zur Züchtigung empfohlen. Die Hausgewalt hatte, wenn sie Frauen betraf, gegenüber der Staatlichen Strafgerichtsbarkeit ein gewisses Übergewicht.So ist zu ersehen, das gesellschaftlich die häusliche Gewalt nicht akzeptiert wurde und so blieb die Verfolgung oder Bestrafung von gewalttätigen Männern weitgehendst offen.
Kinder und Sklaven wurden für Bestrafungen oft verprügelt – und das war legitim! Die Patria potestas (väterliche Gewalt) umfasste die Macht über den gesamten Haushalt und deren Personen:
Ehefrau, Kinder, Freigelassene, Klienten und Sklaven.



Diese Argumentation repräsentiert mit Sicherheit die impliziten Begründungen für Frauenunterdrückung in allen anderen patriarchalischen Kulturen. Es stellt sich allerdings die Frage, ob die genannten Kennzeichnungen (ihre Gültigkeit für die Mehrheit der Frauen mal rein hypothetisch angenommen) vielleicht gar nicht als Ursache, sondern als Wirkung der Unterdrückung anzusehen sind, d.h. als psychologisches Produkt der unterdrückenden Sozialisation und Rollenzuschreibung, welche ursprünglich auf anderen Motiven basierte.
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Re: Prostitution in der Römischen Antike

Beitrag von Tammuz am Fr Jun 10, 2016 4:13 pm

In der Menschheitsgeschichte gab es prinzipiell 4 Formen des Zusammenlebens von Frau und Mann:

+  freie temporäre Paarbildung
+  Polygamie =  a) Polygynie b) Polyandrie
+  Monogamie

Die erste Form bestand bis zur Bronzezeit.

Polygynie und Polyandrie bestanden in der Bronzezeit parallel bis in die Mitte des 3. Jt. BCE. Dann wurde die Polyandrie im Alten Orient verboten (Gesetz des Urukagina)

Monogamie entwickelte sich meines Wissens erst im antiken Griechenland und in Rom zur allgemeinen Eheform.

+ Bis zum Neolithikum (Beginn etwa 9000 BCE) scheint das Prinzip der female choice vorgeherrscht zu haben. Die Menschen lebten in matrifokalen Gemeinschaften ohne feste Paarbildung (im Sinne von Ehe). Lebte eine Frau mit einem Mann zusammen, dann zog nicht sie in seinen Haushalt, sondern er in ihren, d.h. in den Haushalt der matrifokalen Gemeinschaft, die sich um eine bestimmte matrilineare Erblinie zentrierte. Es gab keine Väter, da Vaterschaft bis zur Einführung der Viehzucht (Anfang des Neolithikums) unbekannt war. Erziehung fiel in den Aufgabenbereich der Mütter und deren Schwestern und Brüdern. Die Erziehung durch die Mutterbrüder (Onkel) nennt man ´Avunkulat´. Wurde eine Paarbindung aufgelöst, zog der Mann wieder in seine ursprüngliche matrifokale Gemeinschaft zurück. Archäologische Funde in Catal Hüyük (Anatolien), um 7000 BCE die größte Stadt der Erde (geschätzte 10.000 Einwohner), belegen z.B., dass die Männer eines matrifokalen Haushaltes im Kontext der Bestattungsriten den Frauen nachgeordnet waren: Den Sitten der Zeit entsprechend wurden sterbliche Überreste unter dem Boden eines Hauses bestattet, die Frauen in zentraler Position, die Männern aber nur an den Rändern.

+ Mit der Entdeckung der Vaterschaft (im Rahmen der Einführung der Viehzucht ab 8000 BCE) kam allmählich der Wunsch des Mannes auf, genau zu wissen, wer seine Söhne sind, um ihnen seinen Besitz vererben zu können. Das setzte voraus, dass er eine Frau fest an sich band und ihr andere Beziehungen verbot. Um das zu institutionalieren, mussten aber weitere Jahrtausende vergehen, in denen er seine soziale Dominanz durchsetzte, was im Alten Orient höchstwahrscheinlich erst ab dem 4. Jt. BCE irreversibel eintrat.

Der Zweck der Ehe war die Verfügbarkeit und Kontrolle der Frau durch den Mann. Das war denn auch der Beginn des Patriarchats und der Unterdrückung der Frau. Hand in Hand mit dieser Entwicklung lief die Entstehung der Institution ´Krieg´, die zur Entstehung der Sklaverei (Kriegsgefangene) führte. So kam es, dass der Mann zugleich die Verfügungsgewalt über seine Frau, seine Kinder und Haussklaven hatte.

Auf der religiösen Ebene vollzog sich die Frauenunterdrückung, also die Degradierung der Göttin, deutlich langsamer. Sie setzte im 3. Jahrtausend BCE ein, als das Patriarchat bemüht war, seine irdisch-reale Vorrangstellung gegenüber den Frauen schrittweise in die Panthea zu übertragen ("wie auf Erden also auch im Himmel"). Dennoch war die Göttin Inanna im Mesopotamien dieser Zeit die sowohl beliebteste als auch mächtigste Göttin, belegt durch den Dank, den ihr der erste Großreichskönig der Geschichte, Sargon von Akkad, anlässlich seiner militärischen Siege abstattete. Ein Meilenstein im Entwertungsprozess ist das neubabylonische ´Enuma Elish´-Epos aus der Zeit um 1100 BCE, in welchem der junge Kriegergott Marduk die Urmutter-Göttin Tiamat brutal in Stücke reißt, um aus ihren Hälften Himmel und Erde zu formen. Im relativ frauenfreundlichen Ägypten verlief der mythologische Entwertungsprozess längst nicht so dramatisch, im Gegenteil, die Göttin Isis war dort noch bis in die spätantike Zeit die beliebteste Gottheit überhaupt, an religiöser Bedeutung nur noch durch den Unterweltgott Osiris, ihren periodisch sterbenden und auferstehenden Brudergatten, übertroffen. In Israel verlief der Entwertungsprozess ebenfalls langsam (im Jahwismus einsetzend ab dem 9. Jh. BCE), dort bewahrten die syrische Fruchtbarkeitsgöttin Aschera und ihr babylonisches Pendant Ischtar bis ins 6. Jh. BCE, eventuell noch länger, im Volk eine große Beliebtheit. Der frühestens im 6. Jh. BCE verfasste Genesis-Mythos erhebt die Abschaffung der Göttin, also die Nichtexistenz eines weiblich-göttlichen Prinzips, sowie die allgemeine Entwertung der Frau (zur sündigen Eva, geschaffen aus einer Rippe des Mannes) zum theologischen Dogma, das seinerseits die Ausgangsbasis für weitere Entwertungsstrategien innerhalb des christlichen und islamischen Denkens bildete.

In grober Einteilung lässt sich sagen, dass

+ bis zum Beginn des Neolithikums (ca. 10.000 BCE) die Frauen den Männern gegenüber religiös übergeordnet (es gab nur weibliche Göttinnen) und sozial gleichgestellt waren

+ bis zur Mitte des Neolithikums (also ca. 5000 BCE) Frauen den Männern sozial und religiös gleichgestellt waren (d.h. die Männer holten religiös durch das Aufkommen männlicher Gottheiten auf)

+ ab dieser Zeit die Frauen den Männern zunehmend sozial untergeordnet wurden bei anhaltender religiöser Gleichstellung

+ ab dem 3. Jt. die Frauen ganz erheblich an sozialen Rechten einbüßten, die Göttinnen ihre Relevanz sowohl in der Staatsreligion (Inanna/Ishtar) wie im persönlichen Glauben aber beibehielten

+ ab Ende des 2. Jt. auch die Göttinnen (außer in Ägypten) immer mehr ins Abseits gerieten

+ und ab dem 6. Jh. BCE (obengenannter Genesis-Mythos) im Judentum die Frauen religiös vollständig entwertet waren, indem nur dem männlichen Prinzip göttlicher Status zuerkannt wurde.

Eine derartige Diskriminierung im religiösen Bereich wäre im polytheistischen Umfeld des frühen Judentums undenkbar gewesen, wo Hohepriesterinnen und Tempelpriesterinnen zum festen Inventar der sakralen Sphäre zählten.

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Re: Prostitution in der Römischen Antike

Beitrag von Ceres am Sa Jun 11, 2016 11:44 am

Ein extrem interessanter Text!! Dafür ein Danke.
Soweit bin ich noch nicht geschichtlich abgetaucht - und so kann ich noch weiter dazu lernen.

Könntest du mir bitte über dieses Thema ein Fachbuch empfehlen?
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Re: Prostitution in der Römischen Antike

Beitrag von Ceres am Sa Jun 11, 2016 1:24 pm

Aber eines ist mir hierbei noch unklar.
Der Ackerbau/Viehzucht begann doch erst im am Ende des Neolithikums und zwar in der Jungsteinzeit. Soviel wir mir bekannt ist, war der Ackerbau und Viehzucht im Jahr ca. 5300 Jahren im Holozän und nicht 8000 Jahren v. Chr.
Oder bin ich jetzt nicht ganz im Bilde?

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Re: Prostitution in der Römischen Antike

Beitrag von Tammuz am Sa Jun 11, 2016 7:05 pm

Der Beginn des Neolithikums (= Einführung des Ackerbaus und Beginn der Sesshaftigkeit) wird im Orient bei ca. 10.000 BCE angesetzt und in Europa bei ca. 5.500 BCE.

Ich gebe im folgenden einen Überblick und daran anschließend eine Darstellung der Entstehung der paläolithischen Religion (Urmutter-Kult), die im Neolithikum durch die Einführung männlicher Götter (zunächst Widder- und Stiergötter) ergänzt wurde. Das scheint weitab vom Threadthema zu liegen, ist es aber nicht, weil die Dynamik, die zur sexuellen Ausbeutung der Frau in der römischen Antike geführt hat, im Neolithikum ihren Ausgang nahm.

Ganz unten verlinke ich Botts Buch "Die Erfindung der Götter", das einzige Werk, das ich als Einführung in die Materie "Ökonomie und Religion des Neolithikums" guten Gewissens empfehlen kann.

1)

Die NR (= Neolithische Revolution) entwickelte sich im Fruchtbaren Halbmond vor allem im Bereich des iranischen Zagros-Gebirges sowie - außer des Halbmondes - in Anatolien (heutige Türkei).

Sie besteht im Entwicklungsschritt von der aneignenden Ökonomie des Paläolithikums (Sammeln, Jagen) zur produzierenden Ökonomie des Neolithikums (Ackerbau, Viehzucht) sowie in der Sesshaftwerdung. Den Großteil des ökonomischen Ertrags im Paläolithikum hatten nicht die Männer (Jäger) erarbeitet, wie die konservative Geschichtswissenschaft uns weismachen möchte, sondern die Frauen (Sammlerinnen) mit einem Anteil von mindestens 70 %. Auch im Neolithikum war der Anteil der Frauen an der NR zunächst nicht nur bedeutend größer als der der Männer, sondern sie trugen diese Revolution in den ersten 3.000 Jahren ganz selbständig, siehe Punkt (2), da die Männer erst mit großer Verzögerung aktiv an der ökonomischen Revolution teilhatten (als Erfinder der Großtierzucht).

(2)

Die NR hatte mehrere Phasen, die zu unterscheiden sind. Bott, der sie als erster präzise differenziert hat, nennt sie die "Vier Modi des Neolithikums".

a) Einführung des Ackerbaus durch Frauen (bisher Sammlerinnen) um 10.000 BCE und damit verbundene Sesshaftwerdung. Das Werkzeug der Frauen beim Ackerbau war zunächst der Grabstock.

b) Einführung der Kleintierzucht [Schafe, Ziegen) durch Frauen um 9.000 BCE. Als Werkzeug für den Ackerbau entwickelten die Frauen die Ziehhacke, den technischen Vorläufer des Pflugs.

c) Einführung der Großtierzucht (Rinder) durch Männer (bisher Jäger) um 7.000 BCE, zunächst mit dem Auerochsen in Anatolien. In dieser Phase entstehen die ersten kleinen ´Städte´ (bis zu 7.000 Einwohner, Catal Hüyük 10.000 Einwohner) und die Metallurgie (Kupfer).

d) Erfindung des Rads und Einführung des Pflugs durch die Männer um 4.000 BCE, was einen bedeutenden Wandel in der Praxis des Ackerbaus herbeiführte, denn da der Pflug von Ochsen gezogen wurde, deren Haltung in der Hand der Männer lag, ging auch die Durchführung des Ackerbaus auf die Männer über. Damit dominierten die Männer die beiden wesentlichen ökonomischen Ressourcen: Ackerbau und Großtierzucht, was ihren sozialen Status gegenüber den Frauen sprunghaft erhöhte, welche nunmehr hauptsächlich mit Hausarbeit befasst waren. In diese Phase fällt somit der (allmähliche) Beginn des Patriarchats.


+++

Ein paar Takte zur Religionsentstehung:

Am Anfang stand die jungpaläolithische Idee einer kosmisch gedachten ´Urmutter´, welche das Leben - der Menschen und Tiere - periodisch hervorbringt und in sich zurücknimmt (= Wiedergeburtskreislauf / Jungpaläolithikum = Jungaltsteinzeit = ca. 40.000 - 12.000 BCE). Es gibt zahlreiche Indizien für die Verehrung einer solchen der Natur einwohnenden Kraft. Grundlage dieser Vorstellung war die Projektion der Fähigkeit der Frau (und weiblicher Tiere), Leben zu generieren, auf die Natur als Ganzes, die als Analogon zur Frau gesehen wurde, und zwar unter dem Aspekt der Gebärfähigkeit. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit hat man sich diese Kraft nicht als ein personales Wesen zu denken, das einen spezifischen Eigennamen hat und den Menschen als ein ´Du´ gegenübersteht. Sinnvoller ist es, sich dieses Wesen als eine weiblich konnotierte Kraft vorzustellen, welche nicht getrennt von der Natur existiert, sondern sich in ihr manifestiert. Die `Urmutter´ war also vermutlich als natura naturans, als bildende Kraft in der Natur, gedacht und aufgrund der besagten Analogie weiblich symbolisiert.

Warum das Urkreative weiblich und nicht männlich oder zumindest hermaphroditisch gedacht war, erklärt sich aus der (höchstwahrscheinlichen) Unkenntnis über den männlichen Beitrag zur Zeugung, was sich erst im Kontext der Viehzucht zu Beginn des Neolithikums änderte. Logischerweise kamen also erst nach dem Einsetzen der Viehzucht erste Vorstellungen eines männlichen Fruchtbarkeit-Gottes auf, zunächst in Gestalt eines Stiers (oder seltener eines Widders). Dieser gleichfalls zunächst noch apersonale Gott, die Verkörperung des ´männlichen Prinzips´, gilt eine Zeitlang nur als Sohn und Begatter (Befruchter) der höhergestellten Muttergöttin.

Das Aufkommen polytheistischer Systeme mit weiblichen und männlichen Gottheiten war ein Reflex der irdisch-sozialen Entwicklung zu einer Hierarchisierung der Gemeinschaften und dementsprechend zu höherer sozialer Komplexität und einer sozialen (also nicht gender-spezifischen) Arbeitsteilung. Die ausschließlich männlichen Viehzüchter (frühere Jäger) begannen eine Herrenschicht zu bilden und die (historisch vorausgehenden) Bauern zu dominieren. Frauen (frühere Sammlerinnen und Begründerinnen des Ackerbaus) wurden aus ihren traditionellen Tätigkeiten (Ackerbau, Pflanzenzucht) herausgedrängt und auf Haus- und Hilfsarbeit beschränkt, weil der Pflug an die Stelle ihrer Hacken trat und der Mann, der das Ochsengespann dirigierte, den Ackerbau übernahm. Hinzu kam das Aufkommen der Metallurgie, ebenfalls komplett in der Hand der Männer. Die soziale Hierarchisierung und ökonomische Spezialisierung bedingte jene theologische Entwicklung, die schließlich ab dem 4. Jt. BCE in ausgefeilten polytheistischen Systemen mit jeder Menge personal gedachter Gottheiten beiderlei Geschlechts mündete.

Aus Sicht der Kritischen Theorie ist die Herausbildung personaler Gottheiten ein Ausdruck des Bemühens, irdische Herrschaft (das Fürsten- und Königtum) zu legitimieren, also jene Form sozialer Hierarchie, die entstand im Zuge

1)
der Aneignung sozialer Macht einer bestimmten Gruppe (die reichsten Viehzüchter) über den Rest der Gemeinschaft (andere Viehzüchter, Bauern, Handwerker usw.), und

2)
der sozialen Degradierung der Frau zum Gehilfen des Mannes (der die traditionelle Frauendomäne, den Ackerbau, übernommen hat).

+++

Links zu Botts Buch:

(Die englische Übersetzung des verlinkten Kapitels findet sich auf meiner academia.edu-Seite unter dem Titel "The Origin of Patriarchy and Warfare")

https://books.google.de/books?id=NWpuGLzu08wC&pg=PA132&lpg=PA132&dq=%22die+vier+modi+des+neolithikums%22&source=bl&ots=FLg1Cx1V2H&sig=rv7XO4vcPvHC4UFBLb6giILOVfE&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwiuqZa-uaDNAhVMwBQKHdMkCisQ6AEIIzAA#v=onepage&q=%22die%20vier%20modi%20des%20neolithikums%22&f=false

Tammuz

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Re: Prostitution in der Römischen Antike

Beitrag von Ceres am Sa Jun 11, 2016 10:20 pm

Herzlichen Dank für deinen ausführlichen und bildungsfördernden Text.
Auch werde ich aufmerksam deinen Link lesen.

Lieben Gruß Smile
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Ceres

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Re: Prostitution in der Römischen Antike

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