Die Vorsokratiker und die Wendung mit Sokrates als erstem Sittenlehrer

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Die Vorsokratiker und die Wendung mit Sokrates als erstem Sittenlehrer

Beitrag von Arkesailas am Di Mai 31, 2016 11:37 am

Es wird immer beeindruckend bleiben, wie die griechischen Naturphilosophen wirkten. Was später Philosophie genannt wird, hieß einst Weisheit. Ein Weiser wurde genannt, wer sich mit ihr berufsmäßig beschäftigte. Man nannte sie auch Sophisten. Als Weise galten Thales, Chilon, Solon, Kleobulos, Epimenides von Kreta und einige andere. Ein Philosoph aber war ein Liebhaber der Weisheit, die sich in zwei Schulen teilte: die italische(Pythagoras,Zenon, Leukipp, Demokrit, Epikur) und die ionische (Anaximander, Anaxagoras, Sokrates, Platon, Aristoteles,). Die Namen der philosophischen Sekten wurde teils nach ihren Heimatstädten, nach ihren Lehrstätten oder der Gemütsverfassung oder deren Lehrern (Sokratiker oder Epikuräer)gewählt. Zwei wichtige Teilungen, die den Übergang anzeigen von der Naturphilosophie zur Sittenlehre waren einmal die Physiker und dann die Ethiker. Die Dialektik aber behandelt die begrifflichen Verhältnisse für beide Gebiete.

Die Verdienste der Vorsokratiker, der Physiker und Naturbeobachter sind maßgebend für die ganze weitere Entwicklung des Denkens und Verstehens der Welt. Thales (640-562 v.Chr.) befasste sich mit Sternkunde, er sagte bereits Sonnenfinsternisse und Wendezeiten voraus, er legte den Grund zur Naturphilosophie, auch zur Geometrie. Er teilte das Jahr in 365 Tage, machte auch eine Reise nach Ägypten und hatte Kontakt mit den Priestern.

Ich möchte Andere nur animieren, sich mit dem äußerst interessanten Kapitel dieser Zeit zu befassen, was hier nur angedeutet werden kann.

Ein schöner Ausspruch des Thales:
"Eines, was weise ist, suche;
Eines was trefflich ist, wähle.
Gar mancher geschwätzigen Menschen lose Zungen wirst du verstopfen."

Das Ende der Naturphilosophie und die Wende zur Sittenlehre dess Sokrates (469-399 v.Chr.)

Sokrates war mit dem größten Dramatiker Euripides befreundet und soll ihm zugearbeitet haben. Er habe erkannt, dass die Sittenlehre für ihn besser sei als die Naturphilosophie. Vor allem im Gespräch mit Schülern und Bürgern auf dem Markte versuchte er die Wahrheit des Handelns zu ergründen. Das geschah durch dialektische Befragung, sodass er zum Wesen vordringen konnte. Er sagte seinen Partnern dann die Wahrheit ins Gesicht, wurde beschimpft und Fußtritte waren üblich, jedoch hatte er einen unerschütterlichen Langmut. Seine Streitlust war Legende. Er machte die Feldzüge bei Delion und Potidaia mit. Auf Körperkräftigung (heute Fitnesstraining) legte er großen Wert. Seine Lebensweise war einfach und streng, er hatte zwei Frauen, was erlaubt war.
Auf Reisen ins Ausland wie die meisten sie lieben, war er nicht erpicht, nur wenn die mitilärische Pflicht ihn rief.

In seinen Überzeugungen ließ er sich nicht irre machen und so starb er auch als ein Märtyrer. Angeklagt, die vom Staat anerkannten Götter durch neue göttliche Wesen ersetzen zu wollen und der Verführung der Jugend musste er im Gefängnis den Schierlingsbecher leeren.
Die Athener wurden alsbald von Reue befallen und ehrten ihn bald durch die Errichtung einer Bildsäule.

Diese öffentlich gezeigte Haltung seiner eigenen Überzeugung gegen die herrschende Ethik und Moral war erstmalig und hatte unendlich viele Nachfolger. (von Christus bis zu heutigen Menschen).
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Re: Die Vorsokratiker und die Wendung mit Sokrates als erstem Sittenlehrer

Beitrag von Marek1964 am Di Mai 31, 2016 7:55 pm

Warum sollte er eigentlich einen schlechten Einfluss auf die Jugend haben?

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Re: Die Vorsokratiker und die Wendung mit Sokrates als erstem Sittenlehrer

Beitrag von Arkesailas am Di Mai 31, 2016 9:51 pm

Aus der Verteidigungsrede des Sokrates (Platon,Werke Band I,2 übersetzt von J.D.E.Schleiermacher, Berlin 1985) steht dazu u.a.: "Denn nichts anderes tue ich als daß ich umhergehe um Jung und Alt unter Euch zu überzeugen, ja nicht für den Leib und für das Vermögen ...-zu sorgen als für die Seele, daß diese aufs beste gedeihe, zeigend wie nicht aus dem Reichtum die Tugend entsteht, sondern aus der Tugend der Reichtum und alle menschlichen Güter insgesamt...Wenn ich nun durch solche Reden die Jugend verderbe, so müßten sie ja schädlich sein; wenn aber jemand sagt, ich rede etwas anderes als dies, der sagt nichts. Dem gemäß nun Ihr Athenischen Männer, gehorcht nun dem Anytos oder nicht, sprecht mich los oder nicht, daß ich auf keinen Fall anders handeln werde, und müßte ich noch so oft sterben".
Er sagte an anderer Stelle: "wenn ich unterliege, dann nicht dem Melitos, sondern dem üblen Ruf und den Haß der Menge, dem auch schon viele andere treffliche Männer unterliegen mussten." Also es gab keinen schlechten Einfluss auf die Jugend, sondern das Vorurteil der Menge zu den sittlichen Lehren des Sokrates.
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Re: Die Vorsokratiker und die Wendung mit Sokrates als erstem Sittenlehrer

Beitrag von Marek1964 am Di Mai 31, 2016 10:48 pm

Es war also ein reines Vorurteil ohne jeden konkreten Bezugspunkt?

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Re: Die Vorsokratiker und die Wendung mit Sokrates als erstem Sittenlehrer

Beitrag von Arkesailas am Mi Jun 01, 2016 7:30 am

Eine neue Lehre ist ein wichtiger Bezugspunkt, wenn er damit Jünger um sich scharen konnte. So war es ja bei Jesus auch. Neue Lehre= staatsgefährdend. Ansonsten meine Empfehlung: die ganze Verteidigungsrede einmal zu lesen.
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Re: Die Vorsokratiker und die Wendung mit Sokrates als erstem Sittenlehrer

Beitrag von Marek1964 am Di Jun 07, 2016 12:38 pm

Habe einmal mich etwas schlau gemacht - von dort kommt also der Ausdruck "Apologien". Ja, unabhängiges Denken ist immer wieder gefährlich.

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