Himmelsbestattungen in den Ländern Zentralasiens

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Himmelsbestattungen in den Ländern Zentralasiens

Beitrag von Ceres am Sa Jul 23, 2016 3:22 pm

Himmelsbestattungen (Sky Burial) werden auch in diesen Ländern als Luftbestattungen bezeichnet, die noch heute praktiziert werden. Besonders noch in Tibet sind diese Akte noch gebräuchlich.

Diese Vorgehensweise haben folgende Gründe: Besonders in den kalten Monaten lässt die harte Steppenerde (tief gefrorener Boden) es nicht zu die Toten in die Erde zu begraben. Die Toten zu verbrennen (Feuerbestattung), da fehlt das Brennholz; welches dort eine Mangelware darstellt.
Die Himmelsbestattungen liegen auch ethischen und religiösen Begründungen zugrunde.

Im Vordergrund möchte ich über die tibetanische Himmelsbestattung sprechen, die noch heutzutage praktiziert wird:

Der ganze Ablauf eines Sky Burials liegen spezielle Rituale zugrunde. Der Tote wird noch einige Tage im Haus behalten. Er wird noch symbolisch mit Speisen und Getränke versorgt. Nach dem 5. Tag wird dem Leichnam von einem Lama aus dem "Tibetischen Buch der Toten" vorgelesen,  damit die Seele des Verstorbenen den Körper verlassen kann. Mit einer abschließenden Beschwörung des Lamas wird  vor Sonnenaufgang der tote Körper auf eine Plattform gelegt, die von Gebetsfahnen umgeben ist, zum Bestattungsplatz getragen. Anschließend entkleidet der sogenannte Tomden (ein tibetischer Bestatter) die Leiche und schneidet sie von Kopf bis Fuß ein, sodass Fleisch und Knochen offen liegen. Er trennt die Leiche im mehrere Stücke, um das Fleisch den zuvor angelockten Geiern zum Fressen zu überlasen. Die Geier wurden zuvor angelockt durch ein Feuer aus Wacholderzweigen. Auch der Geruch des Fleisches lockt Geier an, welche von den Tibetern als Dakini verehrt werden. Diese bringen nach tibetischem Glauben die Seele eines Verstorbenen in den Himmel, sodass schließlich andere Lebewesen von seinem Körper profitieren können.

Während die Geier sich den Überresten zuwenden, tritt der Tomden zunächst zurück und beginnt dann mit dem Zerstückeln des Skeletts, den Geiern wirft er einzelne Teile zu. Anschließend pulverisiert er die verbleibenden Knochen. Der Schädel wird mit einem Stein zerbrochen, während der Tomden Mantras rezitiert. Das Gehirn vermischt er dann mit Tsampamehl und Knochenstaub, bevor er es den Geiern zum Fressen hinwirft.

Der tibetanische Glaube besteht darin, das der Tote ins Bardo (Zwischenzustand: Tod und Wiedergeburt) übergeben wird. Diese Art von Bestattungen finden immer gewöhnlich im Tal des Budda statt. Nach tibetischen Glauben ist es ein "Sitz der Götter"



Kleine Anmerkung:
Eine Himmelsbestattung, anders als Luftbestattung bezeichnet, kann auf Europäer sehr schockierend wirken, deshalb ist es gar nicht falsch, sollte jemand mal von euch in Tibet sein, sich von solchen Zeremonien fernzuhalten. Aus Respekt und Achtung vor den religiösen Hintergründen ist dies aber umso mehr anzuraten.
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Ceres

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Re: Himmelsbestattungen in den Ländern Zentralasiens

Beitrag von Skeptik am Sa Jul 23, 2016 4:52 pm

Ceres schrieb:
Das Gehirn vermischt er dann mit Tsampamehl und Knochenstaub, bevor er es den Geiern zum Fressen hinwirft.

Im Denken der Tibeter scheint das Gehirn bei der Verwandlung oder Wiedergeburt eine eigene Bedeutung zu haben. Weißt du darüber etwas?

Die Parsen oder Zorastrier haben ähnliche Rituale. Ein Priester ist bei den Geiern im Turm. Wohl nur als geistlicher Beistand für den Toten:

http://www.studyrussian.com/seidenstrasse/reisebericht/Zoroastrier.htm

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Re: Himmelsbestattungen in den Ländern Zentralasiens

Beitrag von Ceres am Sa Jul 23, 2016 5:19 pm

Skeptik schrieb:Ceres schrieb:
Das Gehirn vermischt er dann mit Tsampamehl und Knochenstaub, bevor er es den Geiern zum Fressen hinwirft.

Im Denken der Tibeter scheint das Gehirn bei der Verwandlung oder Wiedergeburt eine eigene Bedeutung zu haben. Weißt du darüber etwas?

Die Parsen oder Zorastrier haben ähnliche Rituale. Ein Priester ist bei den Geiern im Turm. Wohl nur als geistlicher Beistand für den Toten:

http://www.studyrussian.com/seidenstrasse/reisebericht/Zoroastrier.htm

Im Moment nichts näheres. Aber ich werde mal weiter forschen. Dann schreibe ich was dazu.

EDIT:

also ich hab mal gestöbert und noch folgendes heraus gefunden. Der ganze Körper muss vernichtet sein, damit die Seele vollkommen den Körper verlassen kann.
Wenn etwas (Weichteile) übrig bleibt, kann die (komplette) Seele nicht den Körper verlassen!
Dazu muss auch der Schädel geöffnet und das Gehirn heraus genommen werden.
Was vom Leichnam übrig bleibt (Knochensplitter), wird verbrannt - so ist dann die Seele komplett frei !
So hab ich das verstanden.
Hoffe ich konnte dir helfen.

Hab auch noch eine interessante Seite gefunden:

http://www.umdiewelt.de/Asien/Ostasien/Tibet/Reisebericht-425/Kapitel-6.html
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Re: Himmelsbestattungen in den Ländern Zentralasiens

Beitrag von Skeptik am Sa Jul 23, 2016 9:01 pm

Danke für den Link. Ich habe mich auch mal in das Thema eingelesen. Das Gehirn hat keine spezielle Bedeutung. Mit dem Mehl wird auch oft alles Fleisch gemischt und den Vögeln gegeben. Restlos der ganze Körper muß verschwinden, damit die Seele wirklich befreit sein kann. Der Leichenzerteiler erhält etwa 5 Dollar pro Körper. Es ist nicht günstig, wenn zuviel Körper auf einmal den Vögel gegeben werden. Es kann dann passieren, daß sie zu früh satt sind und sich davon machen. Das wäre ein ganz schlechtes Omen für die verstorbenen Seelen.

Einen chinesischen Soldaten hat man heftig mit Steinen beworfen, weil er auf die Vögel schoß.

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Re: Himmelsbestattungen in den Ländern Zentralasiens

Beitrag von Ceres am Sa Jul 23, 2016 9:18 pm

Freut mich, dir weiter geholfen zu haben.
Aber eine Frage hab ich noch zu deinem Text.
Woher hast du es, wo der Leichenzerteiler  5 Dollar pro Körper bekommt? Das wusste ich selbst noch nicht. Auch nicht deinen letzten Satz.
Kannst du mir bitte eine Quelle nennen?

lg Ceres
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Re: Himmelsbestattungen in den Ländern Zentralasiens

Beitrag von Skeptik am Sa Jul 23, 2016 10:13 pm

Hier fand ich es:

http://www.nytimes.com/1999/07/03/world/lirong-journal-tibetans-and-vultures-keep-ancient-burial-rite.html

''We encourage cremation, but we allow sky burial,'' Nima Tsering, Vice Governor of Tibet, said last year. ''It is a Tibetan custom. Tibetans feel very strongly about sky burial. A few years ago, a Chinese soldier shot a vulture and was stoned by Tibetans. It was understandable. If vultures are fair game, who is going to do sky burial?’'

Lobsang said that he typically disposed of 10 to 15 bodies a week, and that he preferred to work alone. He is paid $5 a body.

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Re: Himmelsbestattungen in den Ländern Zentralasiens

Beitrag von Ceres am So Jul 24, 2016 9:47 am

Skeptik schrieb:Hier fand ich es:

http://www.nytimes.com/1999/07/03/world/lirong-journal-tibetans-and-vultures-keep-ancient-burial-rite.html

''We encourage cremation, but we allow sky burial,'' Nima Tsering, Vice Governor of Tibet, said last year. ''It is a Tibetan custom. Tibetans feel very strongly about sky burial. A few years ago, a Chinese soldier shot a vulture and was stoned by Tibetans. It was understandable. If vultures are fair game, who is going to do sky burial?’'

Lobsang said that he typically disposed of 10 to 15 bodies a week, and that he preferred to work alone. He is paid $5 a body.

Guten Morgen Skeptik,
hab mir den Link mal durchgelesen. Ist ja echt interessant das Ganze.. Danke dafür!
Aber ich habe noch immer leise Zweifel, ob in dieser Reportage nicht einiges "beschönt" wurde? Aber es kann ja auch gut sein, das dieser ganze Text wahrheitsgemäß
wiedergegeben wird...
Jetzt verstehe ich auch wieso du es erwähntest, das der Leichenzerteiler in Dollar bezahlt wurde. Sicher wurde die tibetanische Währung einfach in US-Dollar im Text übersetzt.
Normalerweise ist dort der chinesische Renminbi Yuan bzw. nach 1950 der Yuan-Shikai-Dollar - soviel ich weiß.

lg Ceres Smile
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Re: Himmelsbestattungen in den Ländern Zentralasiens

Beitrag von Skeptik am So Jul 24, 2016 12:53 pm

Ceres schrieb:
Aber ich habe noch immer leise Zweifel, ob in dieser Reportage nicht einiges "beschönt" wurde?

Ich lese einen sehr sachlichen Artikel, der versucht Verständnis für einen uns vollkommen fremd erscheinenden Umgang mit dem Tod eines Angehörigen zu formulieren. Mir zeigt es die verzweifelte Hilflosigkeit in allen Kulturen damit umzugehen. Es gab Einbalsamierungen und das Einmauern für eine "Ewigkeit". Jüdische Friedhöfe dürfen nicht aufgelassen werden. Sie sollen bereit sein für das "Jüngste Gericht". Auch wir kennen Prunkgräber, aber auch Urnengräber und nun auch Friedwälder mit nur einer kleinen Namensplakette am Baum.
In dieser kargen und steinigen Welt Tibets kann sich "praktischerweise" nur dieser Weg ergeben:

''When the body dies, the spirit leaves, so there is no need to keep the body,'' said Garloji, a monk who came to observe the ceremony. Like many Tibetans, he uses one name. ''The birds, they think they are just eating. Actually they are removing the body and completing part of life's cycle.''

Aber auch andere Möglichkeiten sind da:

Sky burial is one of three principal ways that Tibetans traditionally return their dead to the earth. The two others are cremation and ''water burial.’'

Es ist für uns Menschen eine grausame, auch unappetitliche Art und Weise. Auch für die Angehörigen:

The dead woman's husband and her son, who accompanied the body this far, retreated to sit on a hilltop about half a mile away and chose not to discuss the circumstances of her death. It is customary for relatives to remain close by during the ceremony, Garloji explained, but not so close that they can actually witness it.

Aber jemand muß die "Drecksarbeit" ja immer machen. - Mein Respekt gilt den Leichenzerteilern.


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