Tschechische Beutewaffen und Industrie - Bedeutung für die Wehrmacht

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Tschechische Beutewaffen und Industrie - Bedeutung für die Wehrmacht

Beitrag von Marek1964 am Do Sep 08, 2016 9:52 pm

Heute habe ich einen alten Bekannten, den User Kilon, virtuell getroffen, und habe mir erlaubt, seine früher mal gestellte Frage, die unbeantwortet blieb, hier reinzustellen:

Kilon schrieb:Verluste und Bedeutung der Besetzung Böhmens, später "Rest-Tschechei"?
Hi,

Bei der "Zerschlagung der Rest-Tschechei" (Wikipedia-Artikel) findet man viele interessante Zahlen, aber weder "Tote", "Gefallene", "verwundet" oder Wörter die sich daraus zusammensetzen sind im Artikel vorhanden. Da die Skoda-Werke für Deutschland von besonders großer Bedeutung werden sollten in den ersten 2 Kriegsjahren, ist der Artikel eh recht spärlich.

Zitat:
Der Wehrmacht fiel die Ausrüstung von 40 Divisionen der aufgelösten tschechoslowakischen Armee in die Hände:

1582 Flugzeuge,
501 Flakgeschütze,
2175 Geschütze,
785 Minenwerfer,
469 Panzer,
43.876 Maschinengewehre,
114.000 Pistolen,
1.090.000 Gewehre
Zitat:
Drei der zehn deutschen Panzerdivisionen, die den Sichelschnitt gegen Frankreich ausführten, waren mit tschechischen Panzern ausgestattet. Von besonderer Bedeutung war die schwere Artillerie, über die die Wehrmacht kaum verfügte.

Hinzu kam die Erbeutung der tschechoslowakischen Rüstungsindustrie, besonders der Škoda-Werke in Pilsen, deren Produktion nach den Worten von Winston Churchill „von August 1938 bis September 1939 allein fast ebenso groß war wie die der ganzen britischen Rüstungsindustrie“. Zudem wurden große Rohstoffbestände sowie die Devisen- und Goldbestände der damaligen Tschechoslowakischen Nationalbank in einem Wert von 737 Millionen Kronen (£ 5,265.000) in die Reichsbank übergeführt. Zusammenfassend urteilt Hofer:
„Ohne diese Beute wäre also der ‚Blitzkrieg’ und damit der ‚Blitzsieg’ von 1940 nicht möglich gewesen.“
Daneben waren die Tschechoslowakischen Staatsbahnen – auch in Verbindung mit den 1938 eingegliederten Österreichischen Bundesbahnen – eine wertvolle und kriegswichtige Beute.
Beeindruckende Beute für solch ein kleines Land, dazu kommt die Beute der tschechoslowakischen Variante der "Westwalls" von der 1943/44 Teile abgebaut und an den, falls nicht einsetzbar, so doch zumindest "abwrackbar", ich vermute man konnte auch damals z.b. sagen wir 500.000 Gewehre die zu alt waren in die Einzelteile zerlegen und das Metall und die "wertvollen" Materialien dieser Gewehre dann einschmelzen oder so.

Später sollte sich wohl die östliche Lage der Skoda-Werke als wertvoll erweisen, da für britische Bomber das Ruhrgebiet in Reichweite lag, aber ebenso wenig wie Sachsen (Dresden z.b.) lag die Tschecheslowakei in der Reichweite allierter Bomber. Das änderte sich glaub ich auch nicht durch die Besetzung Siziliens 1943 und Süditaliens, da für die Wehrmacht die italienische Geographie ein Glücksfall war mit dem Nordteil der "Kreisförmig" und recht groß war und davon abgehend dann einen ich glaub etwas über 100km breiten aber eben tief in den Süden führenden Abschnitt, wobei Süditalien und besonders Sizilien das "Armenhaus Italiens" waren und fast die gesamte Industrie lag sowieso im Norden, und das bisschen was im Süden war haben die Deutschen versucht zu evakuieren.

Ab wann war Prag in Reichweite allierter Bomber? Dresden wurde ja im Februar in einer glaub ich über mehrere Tage andauernden Bombardierung fast völlig zerstört, aber das war sicher nicht der erste Angriff sondern DER Angriff, damals begründet mit Verkehrspunkt für die Ostfront oder so.

Ohne die Skoda-Werke sowie Werke die nach der Besetzung in diesem Gebiet errichtet wurden, wären sicherlich 1939 bis 1941 bedeutend weniger Panzer III und Panzer IV gebaut oder?! Außerdem dienten tschechische Fahrgestelle oder PaK offenbar für viele Improvisationen die nach dem T-34 und IS-1/KW-1(?)-Schock an der Ostfront eilig errichtet wurden. Wie nützlich die waren weiß ich nicht, außer beim letzten 1944-45 gebautem Jagdpanzer 38(t) "Hetzer", kaum gepanzert, daher sehr leicht (zu bauen) und das geringe Gewicht erlaubte den Einsatz eines schwachen Motors was wegen dem Treibstoffmangel ein sehr wichtiger Aspekt war. Gute Bewaffnung, wenig Schutz... "Kill or get killed".

Also: Wie seht ihr die Rolle der Tschecheslowakei für Nazideutschland? Eine bedeutende Beute von Industriekapazität die sogar bereits vor Kriegsbeginn die deutsche Rüstungsindustrie verstärkte oder nur ein paar weitere Werke, vergleichbar mit Industriebetrieben in der Region Sachsen (kenne keins, aber gab sicher irgendwas)?

Werde dann bei Gelegenheit (vermutlich erst nächste Woche) darauf eingehen, vielleich aber kann in der Zwischenzeit jemand anders sich dazu äussern.

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TSCHECHISCHE BEUTEWAFFEN UND INDUSTRIE - BEDEUTUNG FÜR DIE WEHRMACHT

Beitrag von Delta_01 am Sa Sep 10, 2016 12:43 am

Kilon schrieb:Ohne die Skoda-Werke sowie Werke die nach der Besetzung in diesem Gebiet errichtet wurden, wären sicherlich 1939 bis 1941 bedeutend weniger Panzer III und Panzer IV gebaut oder?! Außerdem dienten tschechische Fahrgestelle oder PaK offenbar für viele Improvisationen die nach dem T-34 und IS-1/KW-1(?)-Schock an der Ostfront eilig errichtet wurden. Wie nützlich die waren weiß ich nicht, außer beim letzten 1944-45 gebautem Jagdpanzer 38(t) "Hetzer", kaum gepanzert, daher sehr leicht (zu bauen) und das geringe Gewicht erlaubte den Einsatz eines schwachen Motors was wegen dem Treibstoffmangel ein sehr wichtiger Aspekt war. Gute Bewaffnung, wenig Schutz... "Kill or get killed".
Die Panzer IV wurden allesamt in deutschen und österreichischen Werken produziert, z.B. in Linz, Sankt Valentin (Nibelungenwerk), Dortmund, Plauen, etc. Auch der Stahl wurde aus deutscher/ österreichischer Produktion genommen. Beim Pz Kpfw III war es ähnlich, Teile davon wurden aber auch in Polen (Famo Werke) produziert. Aus meiner Sicht ist es schwierig, zu sagen ob weniger Panzer ohne die Tschechen gebaut werden konnten.

Bei den Beutepanzern, die der Wehrmacht bei der Besetzung der Tschechei in die Hände gefallen waren war es so, das die Fahrzeuge sofort von den Deutschen genutzt wurden. Frei nach dem Motto "Nimm was du kriegen kannst".
Als Beispiele hierfür sehe ich den Panzer 35(t) und den Panzer 38(t), die sofort in die Truppe integriert wurden. Die Panzer waren der ideale Ersatz für die damaligen Panzer I + II, die damals schon ziemlich veraltet aber trotzdem noch verbreitet waren. Da sich die tschechischen Panzer bewährt hatten und weil man mehr Fahrzeuge brauchte wurden auch mehrere Varianten davon gebaut. Außerdem hatte sich das Laufwerk des 38(t) bewährt und wurde unter anderem im Marder III, Grille und Flakpanzer 38(t) genutzt. Die meisten Versionen wurden bis zur Eroberung durch die Rote Armee in Serie produziert.

Kilon schrieb:Also: Wie seht ihr die Rolle der Tschechoslowakei für Nazideutschland? Eine bedeutende Beute von Industriekapazität die sogar bereits vor Kriegsbeginn die deutsche Rüstungsindustrie verstärkte oder nur ein paar weitere Werke, vergleichbar mit Industriebetrieben in der Region Sachsen (kenne keins, aber gab sicher irgendwas)?
Ich würde die Kapazität in jedem Fall für die Anfangsjahre als zusätzliche nützliche Verstärkung sehen. Zum einen sind der Wehrmacht hier funktionsfähige Anlagen und Fahrzeuge (die noch dazu nutzbar waren) in die Hände gefallen, zum anderen konnte auf den bestehenden Varianten aufgebaut werden (s.O.). In den späteren Jahren waren die Werke mMn eher belastend, weil sie eines der großen Probleme der Wehrmacht und der Waffen SS noch verschärften: Es gab zu viele unterschiedliche Fahrzeuge in zu vielen Versionen, die alle irgendwie Industriell gefertigt wurden, anstatt sich auf wenige effektive Systeme zu sützen.

Delta_01
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