4. November 1979 - die Besetzung der US Botschaft in Teheran

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4. November 1979 - die Besetzung der US Botschaft in Teheran

Beitrag von Moschusochse am Fr Nov 04, 2016 1:40 am

Heute von 37 Jahre ereignete sich die Besetzung der US Botschaft im Iran, in Teheran, unter wohlwollender Duldung oder eher Initiierung des Ajatollah Khomeiny. Eigentlich ein eklatanter Bruch aller diplomatischen Gepfolgenheiten, ich kenne eigentlich keine ähnlichen Vorgänge.

Wie denkt Ihr über diesen Vorgang, Zeitzeugen, wie erinnert Ihr Euch daran?
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Re: 4. November 1979 - die Besetzung der US Botschaft in Teheran

Beitrag von Skeptik am Fr Nov 04, 2016 10:43 am

Im Dezember 1978 nahm die USA diplomatische Beziehungen zu China auf.

Im Januar 1979 verließ der Schah den Iran.

Der Ajatollah Chomeini kehrte am 1. Februar 1979 aus dem Exil in Paris zurück.

Der Schah von Persien kommt im Herbst 1979 in die USA zum Zweck einer medizinischen Behandlung. Diese Aufnahme des Schahs war Auslöser für die spätere Besetzung der US-Botschaft.

Am 4. November 1979 um 11:30 Uhr kam es zur Erstürmung der US-amerikanischen Botschaft in Teheran durch etwa 400 iranische Studenten.

Mit Hilfe algerischer Vermittlung wurde am 19. Januar 1981 ein iranisch-amerikanisches Abkommen zur Geiselfreilassung abgeschlossen. Am Tag der Vereidigung von US-Präsident Ronald Reagan wurden die 52 Gefangenen im Gegenzug zur Freigabe des iranischen Vermögens am 20. Januar 1981 freigelassen.

Eindrücklicher in Erinnerung ist mir der Tod des Studenten Benno Ohnesorg anlässlich des Besuchs des Schahs in Deutschland im Februar 1967. Die 68er-Bewegung der Studenten nahm da sicher ihren Anfang. Hier Einzelheiten:

http://www.zeit.de/2012/38/Ohnesorg-Studentenbewegung-Schah-Attentat-1967

Denn die damals ergriffenen Sicherheitsvorkehrungen waren exorbitant. Insgesamt mehr als 30.000 Polizisten kamen bundesweit zum Einsatz. Ganze Autobahnabschnitte mussten wegen der Fahrtroute des hohen Gastes gesperrt werden. Und in Bayern wurden aus sicherheitsrelevanten Gründen über hundert iranische Studenten gar gezwungen, das Bundesland zu verlassen und sich während der gesamten Besuchsdauer woanders aufzuhalten – nicht ohne durch tägliches Aufsuchen des jeweiligen Polizeireviers vor Ort die eigene Unschuld unter Beweis zu stellen. Sie galten als unkalkulierbares Sicherheitsrisiko. Das hatte es in der Bundesrepublik zuvor noch nicht gegeben.

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Re: 4. November 1979 - die Besetzung der US Botschaft in Teheran

Beitrag von Marek1964 am Di Nov 08, 2016 12:48 am

Naja, die Ohnesorg Affäre gehört eigentlich in einen 68er Thread. Natürlich war das ein Skandal, dass da die Savak (der Geheimdienst des Schah) auf deutschem Boden wüten konnte und ein Polizist - später als Stasi Agent entlarvt - einen Demonstranten grundlos erschiessen konnte. Und wohl auch freigesprochen wurde.

Aber man kann auch böse an die Adresse der Linken schreiben - was nach der islamischen Revolution im Iran abging, war noch x mal schlimmer als alles was der Schah und seine Schergen angestellt hatten - der Protest der Linken hielt sich in Grenzen, um nicht zu sagen, er war nahezu inexistent, jedenfalls unvergleichbar mit dem ein Jahrzehnt vorher.

Die islamische Revolution war in mehrfacher Hinsicht ein Schock, von dem sich die westliche Welt bis heute nicht erholt hat, und der Iran auch nicht.

Die Botschaftsbesetzung war ein absoluter Affront gegen alle diplomatischen Regeln, auch gegen solche die im Mittelalter oder der Antike gegolten haben. Ich kann mich erinnern, wie meine Mutter sagte: Selbst Hitler und Stalin liessen die Botschafter des Gegners abziehen.

Mein Vater sagte, Jimmy Carter sei ein anständiger Mensch. Vielleicht war er tatsächlich zu weich. Dass er das Botschaftspersonal des Iran aus den USA abreisen liess, würde man auch heute noch als unverständliches Gutmenschentum oder als Appeasement werten. Ein Angestellter dieser Botschaft erfrechte sich in Teheran zur Bemerkung, man habe sich in den USA als "Geiseln" gefühlt. Eine nicht zu überbietende Selbstgerechtigkeit.

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Re: 4. November 1979 - die Besetzung der US Botschaft in Teheran

Beitrag von Falk v. K. am Di Nov 08, 2016 12:19 pm

Mein Vater sagte, Jimmy Carter sei ein anständiger Mensch. Vielleicht war er tatsächlich zu weich. Dass er das Botschaftspersonal des Iran aus den USA abreisen liess, würde man auch heute noch als unverständliches Gutmenschentum oder als Appeasement werten. Ein Angestellter dieser Botschaft erfrechte sich in Teheran zur Bemerkung, man habe sich in den USA als "Geiseln" gefühlt. Eine nicht zu überbietende Selbstgerechtigkeit.[/quote]

Ähnlich hat sich auch Helmut Schmidt über Carter geäußert. Von den US-Präsidenten, mit denen er zu tun hatte, erschien ihm Carter als der schwierigste...
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Re: 4. November 1979 - die Besetzung der US Botschaft in Teheran

Beitrag von Skeptik am Di Nov 08, 2016 1:04 pm

[quote="Marek1964"]
Aber man kann auch böse an die Adresse der Linken schreiben - was nach der islamischen Revolution im Iran abging, war noch x mal schlimmer als alles was der Schah und seine Schergen angestellt hatten - der Protest der Linken hielt sich in Grenzen, um nicht zu sagen, er war nahezu inexistent, jedenfalls unvergleichbar mit dem ein Jahrzehnt vorher.

Das ist vollkommen richtig. Das hat sich bis heute nicht geändert, daß die Linke auf dem anderen Auge dann blind ist.

Mein Vater sagte, Jimmy Carter sei ein anständiger Mensch. Vielleicht war er tatsächlich zu weich. Dass er das Botschaftspersonal des Iran aus den USA abreisen liess, würde man auch heute noch als unverständliches Gutmenschentum oder als Appeasement werten. Ein Angestellter dieser Botschaft erfrechte sich in Teheran zur Bemerkung, man habe sich in den USA als "Geiseln" gefühlt. Eine nicht zu überbietende Selbstgerechtigkeit.

Das zeichnet aber eine gute Demokratie aus, daß man in "Friedenszeiten" nicht Gleiches mit Gleichem vergilt. Man darf Einzelpersonen nicht drangsalieren um einen Zweck zu erreichen. Wir erinnern uns an den Frankfurter Polizeipräsidenten Wolfgang Daschner der im Entführungsfall Jakob von Metzler den Entführer Magnus Gäfgen unter Folterandrohung zur Nennung des Aufenthaltsortes bewegen wollte.
Jimmy Carter war ein Erdnussfarmer aus dem Bible Belt. Prägend für ihn ist seine tiefe Verwurzelung im christlichen Glauben. So arbeitet er als langjähriger Diakon einer Baptistengemeinde bis heute in der Sonntagsschule für Erwachsene und im Predigtdienst mit.

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Re: 4. November 1979 - die Besetzung der US Botschaft in Teheran

Beitrag von Falk v. K. am Di Nov 08, 2016 3:22 pm

Skeptik schrieb:
Marek1964 schrieb:Mein Vater sagte, Jimmy Carter sei ein anständiger Mensch. Vielleicht war er tatsächlich zu weich. Dass er das Botschaftspersonal des Iran aus den USA abreisen liess, würde man auch heute noch als unverständliches Gutmenschentum oder als Appeasement werten. Ein Angestellter dieser Botschaft erfrechte sich in Teheran zur Bemerkung, man habe sich in den USA als "Geiseln" gefühlt. Eine nicht zu überbietende Selbstgerechtigkeit.

Das zeichnet aber eine gute Demokratie aus, daß man in "Friedenszeiten" nicht Gleiches mit Gleichem vergilt. Man darf Einzelpersonen nicht drangsalieren um einen Zweck zu erreichen. Wir erinnern uns an den Frankfurter Polizeipräsidenten Wolfgang Daschner der im Entführungsfall Jakob von Metzler den Entführer Magnus Gäfgen unter Folterandrohung zur Nennung des Aufenthaltsortes bewegen wollte.
Jimmy Carter war ein Erdnussfarmer aus dem Bible Belt. Prägend für ihn ist seine tiefe Verwurzelung im christlichen Glauben. So arbeitet er als langjähriger Diakon einer Baptistengemeinde bis heute in der Sonntagsschule für Erwachsene und im Predigtdienst mit.

Helmut Schmidt bemängelte an Carter, dass er Maßnahmen. die abgesprochen waren, wieder umstieß, weil ihn sein Gewissen peinigte. Das mag für einen Pfarrer richtig sein, für einen Mann an der Spitze eines Staates ist es fatal...
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Re: 4. November 1979 - die Besetzung der US Botschaft in Teheran

Beitrag von Marek1964 am Di Nov 08, 2016 10:55 pm

Dass er in vielen Dingen einen Zickzackkurs zu verfolgen schien, dass scheint auch dieser zeitgenössische Artikel zu erwähnen:

http://www.zeit.de/1980/15/ende-der-schonzeit

Es gab dann auch einen fehlgeschlagenen Befreiuungsversuch.

Gleiches nicht mit Gleichem zu vergelten ist zwar sehr hehr, aber in der Politik angesichts von Gaunerregiemen so erfolgreich wie das Appeasement gegen Hitler: Gar nicht.

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